Zufriedener werden: 3 unterschätzte Routinen erfolgreicher Menschen

Ambitionierte Ingenieure denken in höher, schneller, weiter: mutige Ziele plus robuste Systeme gleich Erfolg. Das ist richtig – und vergisst trotzdem einen entscheidenden Faktor: Zufriedenheit.

Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt äußerer Umstände, sondern ein Skill, den du trainieren kannst. In dieser Folge bekommst du drei einfache, wissenschaftlich gut belegte Routinen, mit denen du eine zufriedene Grundstimmung aufbaust.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Zufriedenheit ist ein Skill. Wie Fitness lässt sich Happiness trainieren – es ist eine Entscheidung, daran zu arbeiten.
  • Erfolg ≠ Zufriedenheit. Beförderung oder Geschäftsführung machen dich nicht automatisch zufrieden – das ist ein eigenes Thema.
  • 3 Sätze der Dankbarkeit: Den eigenen Fortschritt bewusst wahrnehmen, statt ihn als neues Normal abzutun.
  • 5 Minuten der Wertschätzung: Nach außen gerichtete Zufriedenheit – sie stärkt Vertrauen und Beziehungen.
  • 30 Minuten der Stille: Aushalten, mit dir allein zu sein, ist eine trainierbare Tugend.

Die 3 Routinen für mehr Zufriedenheit

Vorab: Zufriedenheit ist trainierbar. Naval Ravikant bringt es auf den Punkt: Happiness ist ein Skill, den du entwickeln kannst, und eine Entscheidung, die du triffst – du kannst deine Zufriedenheits-Baseline langsam, aber stetig verbessern, genau wie deine Fitness. Gerade wenn du unter Strom stehst und herausfordernde Rollen hast, ist das entscheidend. Wer sich als Opfer seiner Umstände sieht, hat Zufriedenheit nicht als Skill verstanden. Das ist keine Esoterik, sondern gut erforscht (vertiefend: The Happiness Advantage).

Routine 1: 3 Sätze der Dankbarkeit. Dankbarkeit heißt nicht, Probleme zu leugnen, sondern ihnen mit positiver Haltung zu begegnen. Wir leben heute luxuriöser als Könige vor 300 Jahren – vergessen das aber ständig, weil wir Fortschritt schnell als neues Normal abtun (gut beschrieben in Factfulness). Die Methode ist simpel: Schreib oder sag jeden Morgen drei Dinge, für die du dankbar bist. Anfangs fällt das schwer, mit Übung merkst du, wie endlos lang die Liste wird – und wie viel du schon erreicht hast.

Routine 2: 5 Minuten der Wertschätzung. Während Dankbarkeit nach innen gerichtet ist, ist Wertschätzung nach außen gerichtet. Adam Grants „Five Minute Favor“: Nimm dir täglich fünf Minuten, um einer Person ein ehrliches Kompliment zu machen – mündlich oder schriftlich. Das tut dem Empfänger gut, baut Vertrauen und Beziehungen auf (die Basis jeder Führung) und lässt dich die andere Person positiver sehen.

Routine 3: 30 Minuten der Stille. Blaise Pascal sagte, alle Probleme des Menschen entstünden daraus, dass er nicht still allein in einem Raum sitzen kann. In Zeiten kurzer Aufmerksamkeitsspannen fällt genau das schwer. Das beste Trainingsmittel ist Meditation – und die ist einfach: Stillsitzen und nichts tun. Kommen Gedanken, lass sie ziehen, ohne dich zu ärgern. Es gibt viele Formen: Spazieren (Walking Meditation), Sport, ein Instrument im Flow, Journaling (Writing Meditation), auch Beten. Wer 30 Minuten Stille aushält und dabei gelassen bleibt, ist wahrhaftig erfolgreich.

Fang klein an – du musst nicht jeden Tag und nicht in voller Länge. Es geht um Konstanz, nicht um Perfektion.

Wie du eine grundsätzlich positivere Sicht trainierst, vertiefst du in Optimismus lernen. Wie Journaling deine Selbstreflexion stärkt, hörst du in Journaling. Und wie du im Job gelassener wirst, zeigt Gelassenheit lernen.

Häufige Fragen zur Zufriedenheit

Kann man Zufriedenheit trainieren? Ja. Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt, sondern ein Skill, den du wie Fitness aufbauen kannst – über einfache, regelmäßige Routinen. Das ist wissenschaftlich gut belegt.

Welche Routinen machen zufriedener? Drei einfache: drei Sätze der Dankbarkeit am Morgen, fünf Minuten der Wertschätzung (jemandem ein ehrliches Kompliment machen) und 30 Minuten der Stille bzw. Meditation.

Macht beruflicher Erfolg automatisch zufrieden? Nein. Beförderung, Geschäftsführung oder ein erfolgreiches Unternehmen sind nicht zwangsläufig mit Zufriedenheit verbunden. Zufriedenheit ist ein eigenes Thema, an dem du gezielt arbeiten solltest.

Ist das nicht alles Esoterik? Nein. Hinter Dankbarkeit, Wertschätzung und Stille stehen viele wissenschaftliche Studien. Sie sind so wirksam für die geistige Fitness wie Sport für die körperliche.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Matt Mochary – The Great CEO Within: nennt Zufriedenheit als einen der wichtigsten Faktoren für Führungskräfte.
  • Shawn Achor – The Happiness Advantage: der wissenschaftliche Deep Dive zum Thema Zufriedenheit und Leistung. (Buch-Link fehlt noch – siehe Hinweis unten.)
  • Hans Rosling – Factfulness: warum wir Fortschritt unterschätzen – Grundlage der Dankbarkeitsroutine.
  • Adam Grant – Geben und Nehmen: Ursprung des „Five Minute Favor“ (Routine 2).

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Sinn & Berufung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Die meisten ambitionierten Ingenieure denken in höher, schneller, weiter. Ihre klassische Erfolgsformel lautet: Setz dir mutige Ziele, etabliere robuste Systeme, die dich jeden Tag einen Schritt näher bringen, und in der Folge wirst du herausragende Erfolge erzielen – also Ziele plus Systeme gleich Erfolg. Das ist richtig und wichtig, und dieses Mindset führt unweigerlich zu persönlichem Wachstum und beruflichem Fortschritt. Und doch wird dabei meist ein entscheidender Faktor vernachlässigt: das Thema Zufriedenheit.

Jeder wünscht sich Zufriedenheit, und natürlich steckt da auch die Hoffnung drin, dass beruflicher Erfolg und persönliches Wachstum dorthin führen. Aber Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt äußerer Umstände, sondern das Ergebnis täglicher Übung und Training. Gerade wenn du mehr Verantwortung übernimmst und höhere Führungsrollen hast, ist das essenziell. Ich habe gerade The Great CEO Within gelesen, von einem sehr erfolgreichen CEO-Coach und Unternehmer aus dem Silicon Valley – sehr empfehlenswert, wenn du in einer Führungsrolle steckst. Er nennt Zufriedenheit sogar als einen der wichtigsten Faktoren.

Vorab ein Gedanke von Naval Ravikant: Der wichtigste Trick, um glücklich zu sein, ist zu erkennen, dass Happiness ein Skill ist, den du entwickeln kannst, und eine Entscheidung, die du triffst. Du kannst deine Zufriedenheits-Baseline langsam, aber stetig verbessern, genau wie deine Fitness. Wenn du viel unter Strom stehst und herausfordernde Aufgaben hast, ist es umso wichtiger, an deinem Happiness-Skill zu arbeiten. Tragischerweise schenken die meisten diesem Thema keine Beachtung oder halten es fatalerweise für zu esoterisch – mit der Folge, dass sie schlechter darin sind, zufrieden zu sein. Das Schlimmste ist, sich als Opfer seiner Umstände zu sehen; das passiert, wenn man Zufriedenheit nicht als Skill begreift, an dem man arbeiten kann. Das ist keine Esoterik, sondern wissenschaftliche Erkenntnis. Wer tiefer einsteigen will: The Happiness Advantage ist ein sehr empfehlenswertes Buch, auch als Hörbuch. Ich gebe dir hier drei prägnante Routinen mit, die teilweise daraus stammen und bewährte Praxis sind.

Die erste Routine sind drei Sätze der Dankbarkeit. Für die Skeptiker: Dankbarkeit bedeutet nicht, die Realität mit all ihren Problemen zu leugnen, sondern diesen Problemen mit einer positiven Haltung zu begegnen. Wir leben heute luxuriöser als Könige vor 300 Jahren – ich möchte mit keinem Napoleon tauschen, der nicht ansatzweise so luxuriös gelebt hat wie wir heute. Doch wir vergessen das, weil wir bahnbrechende Fortschritte schnell als neues Normal ansehen. Das führt bei vielen zu dauerhafter Unzufriedenheit. Factfulness beschreibt sehr gut, dass unsere Psychologie nicht auf die Fakten schaut und nicht sieht, wie stark der Wohlstand gestiegen und wie viel sicherer die Welt geworden ist. Hier ist Dankbarkeit wichtig, um die eigenen Fortschritte und Erfolge bewusster wahrzunehmen. Die Methode ist simpel und hat erstaunlich positive Effekte: Schreib jeden Morgen drei Dinge auf, für die du dankbar bist – oder sprich sie laut aus, etwa mit deinem Partner. Es können banale Dinge sein. Wer das noch nie gemacht hat, tut sich anfangs schwer, aber es gibt tausende Dinge, für die man dankbar sein kann, und du wirst überrascht sein, wie viel du schon erreicht hast. Wenn du diese drei Routinen umsetzt, kannst du es kaum vermeiden, zufrieden zu sein. Das Leben ist eine unendliche Problemkette – das ist nichts Negatives. Mit dieser Routine darfst du dich sogar über bessere, neue Probleme freuen.

Routine Nummer zwei sind fünf Minuten der Wertschätzung. Dankbarkeit ist nach innen gerichtete Zufriedenheit, Wertschätzung ist nach außen gerichtet. Wertschätzende Worte zu verteilen hat viele Vorteile: Der Empfänger fühlt sich besser, er fühlt sich dir verbunden, du baust Vertrauen auf, und die Beziehung wird stärker – Vertrauen ist die Basis im ganzen Leben, gerade im Berufsleben und in der Führung. Außerdem beginnst du, die Person positiver zu sehen. Eine einfache Methode ist der „Five Minute Favor“ von Adam Grant: Nimm dir täglich höchstens fünf Minuten, um einer Person aus deinem Umfeld – privat oder beruflich – ein Kompliment zu machen, schriftlich oder mündlich. Jedes Mal, wenn du an etwas Positives über eine Person denkst, mach es dir zur Gewohnheit, es ihr zu sagen. Auch das braucht Übung; je zufriedener du bist, desto leichter fällt es dir.

Routine Nummer drei sind 30 Minuten der Stille. Blaise Pascal sagte: Alle Probleme des Menschen entstehen daraus, dass er nicht still allein in einem Raum sitzen kann. Die meisten sind unglaublich nervös, gerade in Zeiten von Social Media mit immer kürzerer Aufmerksamkeitsspanne – vielen fällt es schon schwer, 15 Minuten ein Buch zu lesen. Aber auch das kann man trainieren, und das beste Mittel ist Meditation. Meditieren ist nicht hart, sondern einfach: Stillsitzen und nichts tun. Schließ die Augen, nimm dir eine Auszeit, und wenn Gedanken aufkommen, lass sie ziehen, ärgere dich nicht über sie und denke nicht tiefer nach. Es gibt viele Formen: Spazierengehen ist Walking Meditation, Sport kann eine Form sein, ein Instrument im Flow, Journaling ist Writing Meditation, auch Beten ist eine Form von Dankbarkeits-Meditation, selbst Duschen kann eine sein. Die klarste Form ist, sich hinzusetzen, die Augen zu schließen und sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen. Stell dir einen Timer. Wer 30 Minuten Stille aushält und dabei gelassen und zufrieden bleibt, ist wahrhaftig erfolgreich.

Mein Fazit: drei simple Gewohnheiten – drei Sätze der Dankbarkeit, fünf Minuten der Wertschätzung, 30 Minuten der Stille. Du musst nicht mit den vollen Mengen anfangen und nicht jeden Tag; es geht um Konstanz, nicht um Perfektion. Wichtig ist, zu merken: Happiness ist ein Skill, den du aufbauen kannst, und eine zufriedene Grundstimmung macht dich zu einer besseren Führungskraft, steigert deine Produktivität und bringt auch privat viel. Wenn du dir Ziele setzt, vergiss nicht, das Thema Zufriedenheit mit auf die Agenda zu holen. Beruflicher Erfolg ist nicht zwangsläufig mit Zufriedenheit verbunden – das sind zwei verschiedene Themen. Mach nicht den Fehler, Zufriedenheit als Esoterik abzutun; dafür gibt es viel zu viele wissenschaftliche Erkenntnisse. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Zufriedener werden: 3 unterschätzte Routinen erfolgreicher Menschen

Ambitionierte Ingenieure denken in höher, schneller, weiter: mutige Ziele plus robuste Systeme gleich Erfolg. Das ist richtig – und vergisst trotzdem einen entscheidenden Faktor: Zufriedenheit.

Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt äußerer Umstände, sondern ein Skill, den du trainieren kannst. In dieser Folge bekommst du drei einfache, wissenschaftlich gut belegte Routinen, mit denen du eine zufriedene Grundstimmung aufbaust.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Zufriedenheit ist ein Skill. Wie Fitness lässt sich Happiness trainieren – es ist eine Entscheidung, daran zu arbeiten.
  • Erfolg ≠ Zufriedenheit. Beförderung oder Geschäftsführung machen dich nicht automatisch zufrieden – das ist ein eigenes Thema.
  • 3 Sätze der Dankbarkeit: Den eigenen Fortschritt bewusst wahrnehmen, statt ihn als neues Normal abzutun.
  • 5 Minuten der Wertschätzung: Nach außen gerichtete Zufriedenheit – sie stärkt Vertrauen und Beziehungen.
  • 30 Minuten der Stille: Aushalten, mit dir allein zu sein, ist eine trainierbare Tugend.

Die 3 Routinen für mehr Zufriedenheit

Vorab: Zufriedenheit ist trainierbar. Naval Ravikant bringt es auf den Punkt: Happiness ist ein Skill, den du entwickeln kannst, und eine Entscheidung, die du triffst – du kannst deine Zufriedenheits-Baseline langsam, aber stetig verbessern, genau wie deine Fitness. Gerade wenn du unter Strom stehst und herausfordernde Rollen hast, ist das entscheidend. Wer sich als Opfer seiner Umstände sieht, hat Zufriedenheit nicht als Skill verstanden. Das ist keine Esoterik, sondern gut erforscht (vertiefend: The Happiness Advantage).

Routine 1: 3 Sätze der Dankbarkeit. Dankbarkeit heißt nicht, Probleme zu leugnen, sondern ihnen mit positiver Haltung zu begegnen. Wir leben heute luxuriöser als Könige vor 300 Jahren – vergessen das aber ständig, weil wir Fortschritt schnell als neues Normal abtun (gut beschrieben in Factfulness). Die Methode ist simpel: Schreib oder sag jeden Morgen drei Dinge, für die du dankbar bist. Anfangs fällt das schwer, mit Übung merkst du, wie endlos lang die Liste wird – und wie viel du schon erreicht hast.

Routine 2: 5 Minuten der Wertschätzung. Während Dankbarkeit nach innen gerichtet ist, ist Wertschätzung nach außen gerichtet. Adam Grants „Five Minute Favor“: Nimm dir täglich fünf Minuten, um einer Person ein ehrliches Kompliment zu machen – mündlich oder schriftlich. Das tut dem Empfänger gut, baut Vertrauen und Beziehungen auf (die Basis jeder Führung) und lässt dich die andere Person positiver sehen.

Routine 3: 30 Minuten der Stille. Blaise Pascal sagte, alle Probleme des Menschen entstünden daraus, dass er nicht still allein in einem Raum sitzen kann. In Zeiten kurzer Aufmerksamkeitsspannen fällt genau das schwer. Das beste Trainingsmittel ist Meditation – und die ist einfach: Stillsitzen und nichts tun. Kommen Gedanken, lass sie ziehen, ohne dich zu ärgern. Es gibt viele Formen: Spazieren (Walking Meditation), Sport, ein Instrument im Flow, Journaling (Writing Meditation), auch Beten. Wer 30 Minuten Stille aushält und dabei gelassen bleibt, ist wahrhaftig erfolgreich.

Fang klein an – du musst nicht jeden Tag und nicht in voller Länge. Es geht um Konstanz, nicht um Perfektion.

Wie du eine grundsätzlich positivere Sicht trainierst, vertiefst du in Optimismus lernen. Wie Journaling deine Selbstreflexion stärkt, hörst du in Journaling. Und wie du im Job gelassener wirst, zeigt Gelassenheit lernen.

Häufige Fragen zur Zufriedenheit

Kann man Zufriedenheit trainieren? Ja. Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt, sondern ein Skill, den du wie Fitness aufbauen kannst – über einfache, regelmäßige Routinen. Das ist wissenschaftlich gut belegt.

Welche Routinen machen zufriedener? Drei einfache: drei Sätze der Dankbarkeit am Morgen, fünf Minuten der Wertschätzung (jemandem ein ehrliches Kompliment machen) und 30 Minuten der Stille bzw. Meditation.

Macht beruflicher Erfolg automatisch zufrieden? Nein. Beförderung, Geschäftsführung oder ein erfolgreiches Unternehmen sind nicht zwangsläufig mit Zufriedenheit verbunden. Zufriedenheit ist ein eigenes Thema, an dem du gezielt arbeiten solltest.

Ist das nicht alles Esoterik? Nein. Hinter Dankbarkeit, Wertschätzung und Stille stehen viele wissenschaftliche Studien. Sie sind so wirksam für die geistige Fitness wie Sport für die körperliche.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Matt Mochary – The Great CEO Within: nennt Zufriedenheit als einen der wichtigsten Faktoren für Führungskräfte.
  • Shawn Achor – The Happiness Advantage: der wissenschaftliche Deep Dive zum Thema Zufriedenheit und Leistung. (Buch-Link fehlt noch – siehe Hinweis unten.)
  • Hans Rosling – Factfulness: warum wir Fortschritt unterschätzen – Grundlage der Dankbarkeitsroutine.
  • Adam Grant – Geben und Nehmen: Ursprung des „Five Minute Favor“ (Routine 2).

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Sinn & Berufung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Die meisten ambitionierten Ingenieure denken in höher, schneller, weiter. Ihre klassische Erfolgsformel lautet: Setz dir mutige Ziele, etabliere robuste Systeme, die dich jeden Tag einen Schritt näher bringen, und in der Folge wirst du herausragende Erfolge erzielen – also Ziele plus Systeme gleich Erfolg. Das ist richtig und wichtig, und dieses Mindset führt unweigerlich zu persönlichem Wachstum und beruflichem Fortschritt. Und doch wird dabei meist ein entscheidender Faktor vernachlässigt: das Thema Zufriedenheit.

Jeder wünscht sich Zufriedenheit, und natürlich steckt da auch die Hoffnung drin, dass beruflicher Erfolg und persönliches Wachstum dorthin führen. Aber Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt äußerer Umstände, sondern das Ergebnis täglicher Übung und Training. Gerade wenn du mehr Verantwortung übernimmst und höhere Führungsrollen hast, ist das essenziell. Ich habe gerade The Great CEO Within gelesen, von einem sehr erfolgreichen CEO-Coach und Unternehmer aus dem Silicon Valley – sehr empfehlenswert, wenn du in einer Führungsrolle steckst. Er nennt Zufriedenheit sogar als einen der wichtigsten Faktoren.

Vorab ein Gedanke von Naval Ravikant: Der wichtigste Trick, um glücklich zu sein, ist zu erkennen, dass Happiness ein Skill ist, den du entwickeln kannst, und eine Entscheidung, die du triffst. Du kannst deine Zufriedenheits-Baseline langsam, aber stetig verbessern, genau wie deine Fitness. Wenn du viel unter Strom stehst und herausfordernde Aufgaben hast, ist es umso wichtiger, an deinem Happiness-Skill zu arbeiten. Tragischerweise schenken die meisten diesem Thema keine Beachtung oder halten es fatalerweise für zu esoterisch – mit der Folge, dass sie schlechter darin sind, zufrieden zu sein. Das Schlimmste ist, sich als Opfer seiner Umstände zu sehen; das passiert, wenn man Zufriedenheit nicht als Skill begreift, an dem man arbeiten kann. Das ist keine Esoterik, sondern wissenschaftliche Erkenntnis. Wer tiefer einsteigen will: The Happiness Advantage ist ein sehr empfehlenswertes Buch, auch als Hörbuch. Ich gebe dir hier drei prägnante Routinen mit, die teilweise daraus stammen und bewährte Praxis sind.

Die erste Routine sind drei Sätze der Dankbarkeit. Für die Skeptiker: Dankbarkeit bedeutet nicht, die Realität mit all ihren Problemen zu leugnen, sondern diesen Problemen mit einer positiven Haltung zu begegnen. Wir leben heute luxuriöser als Könige vor 300 Jahren – ich möchte mit keinem Napoleon tauschen, der nicht ansatzweise so luxuriös gelebt hat wie wir heute. Doch wir vergessen das, weil wir bahnbrechende Fortschritte schnell als neues Normal ansehen. Das führt bei vielen zu dauerhafter Unzufriedenheit. Factfulness beschreibt sehr gut, dass unsere Psychologie nicht auf die Fakten schaut und nicht sieht, wie stark der Wohlstand gestiegen und wie viel sicherer die Welt geworden ist. Hier ist Dankbarkeit wichtig, um die eigenen Fortschritte und Erfolge bewusster wahrzunehmen. Die Methode ist simpel und hat erstaunlich positive Effekte: Schreib jeden Morgen drei Dinge auf, für die du dankbar bist – oder sprich sie laut aus, etwa mit deinem Partner. Es können banale Dinge sein. Wer das noch nie gemacht hat, tut sich anfangs schwer, aber es gibt tausende Dinge, für die man dankbar sein kann, und du wirst überrascht sein, wie viel du schon erreicht hast. Wenn du diese drei Routinen umsetzt, kannst du es kaum vermeiden, zufrieden zu sein. Das Leben ist eine unendliche Problemkette – das ist nichts Negatives. Mit dieser Routine darfst du dich sogar über bessere, neue Probleme freuen.

Routine Nummer zwei sind fünf Minuten der Wertschätzung. Dankbarkeit ist nach innen gerichtete Zufriedenheit, Wertschätzung ist nach außen gerichtet. Wertschätzende Worte zu verteilen hat viele Vorteile: Der Empfänger fühlt sich besser, er fühlt sich dir verbunden, du baust Vertrauen auf, und die Beziehung wird stärker – Vertrauen ist die Basis im ganzen Leben, gerade im Berufsleben und in der Führung. Außerdem beginnst du, die Person positiver zu sehen. Eine einfache Methode ist der „Five Minute Favor“ von Adam Grant: Nimm dir täglich höchstens fünf Minuten, um einer Person aus deinem Umfeld – privat oder beruflich – ein Kompliment zu machen, schriftlich oder mündlich. Jedes Mal, wenn du an etwas Positives über eine Person denkst, mach es dir zur Gewohnheit, es ihr zu sagen. Auch das braucht Übung; je zufriedener du bist, desto leichter fällt es dir.

Routine Nummer drei sind 30 Minuten der Stille. Blaise Pascal sagte: Alle Probleme des Menschen entstehen daraus, dass er nicht still allein in einem Raum sitzen kann. Die meisten sind unglaublich nervös, gerade in Zeiten von Social Media mit immer kürzerer Aufmerksamkeitsspanne – vielen fällt es schon schwer, 15 Minuten ein Buch zu lesen. Aber auch das kann man trainieren, und das beste Mittel ist Meditation. Meditieren ist nicht hart, sondern einfach: Stillsitzen und nichts tun. Schließ die Augen, nimm dir eine Auszeit, und wenn Gedanken aufkommen, lass sie ziehen, ärgere dich nicht über sie und denke nicht tiefer nach. Es gibt viele Formen: Spazierengehen ist Walking Meditation, Sport kann eine Form sein, ein Instrument im Flow, Journaling ist Writing Meditation, auch Beten ist eine Form von Dankbarkeits-Meditation, selbst Duschen kann eine sein. Die klarste Form ist, sich hinzusetzen, die Augen zu schließen und sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen. Stell dir einen Timer. Wer 30 Minuten Stille aushält und dabei gelassen und zufrieden bleibt, ist wahrhaftig erfolgreich.

Mein Fazit: drei simple Gewohnheiten – drei Sätze der Dankbarkeit, fünf Minuten der Wertschätzung, 30 Minuten der Stille. Du musst nicht mit den vollen Mengen anfangen und nicht jeden Tag; es geht um Konstanz, nicht um Perfektion. Wichtig ist, zu merken: Happiness ist ein Skill, den du aufbauen kannst, und eine zufriedene Grundstimmung macht dich zu einer besseren Führungskraft, steigert deine Produktivität und bringt auch privat viel. Wenn du dir Ziele setzt, vergiss nicht, das Thema Zufriedenheit mit auf die Agenda zu holen. Beruflicher Erfolg ist nicht zwangsläufig mit Zufriedenheit verbunden – das sind zwei verschiedene Themen. Mach nicht den Fehler, Zufriedenheit als Esoterik abzutun; dafür gibt es viel zu viele wissenschaftliche Erkenntnisse. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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