Vom Sport lernen: was dir ein Marathon über deinen Beruf verrät

Mit 18 Jahren bin ich einen Marathon gelaufen – ohne dafür zu trainieren. Rückblickend war das ein gutes Stück Selbstüberschätzung und eine ordentliche Portion Naivität. Aber es war auch eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens.

In dieser Folge teile ich drei Lektionen, die ich damals auf diesen 42 Kilometern gelernt habe. Sie sind bis heute in Fleisch und Blut übergegangen – und ich sehe sie im Berufsleben immer wieder. Du musst keinen Marathon laufen, um sie zu nutzen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Starten ist einfach, beenden ist die Kunst. Jeder kann etwas anfangen – die Motivation ist am Anfang riesig. Wer es zu Ende bringt, gewinnt. Das Stichwort heißt Grit: Durchhaltevermögen.
  • Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, bist du erst bei rund 60 Prozent. Die restlichen 40 Prozent setzt nur frei, wer sich gegen die innere Stimme stellt.
  • Diese Grenze ist der Beginn der Komfortzone, nicht ihr Ende. Erst dahinter wartet das Potenzial.
  • Menschen, die dich anfeuern, setzen ungeahnte Energie frei – auch dann, wenn du sie nicht kennst.
  • Ein gutes Team rechnet anders: 1 + 1 = 3. Gute Führungskräfte schaffen genau diese Energie.
  • Mut zusprechen kostet fast nichts. Ein „5-Minuten-Gefallen“ reicht, um den Tag eines anderen Menschen zu verändern.

Vom Sport lernen im Detail

Ein bisschen Hintergrund vorweg: Ich war als Jugendlicher sehr sportlich – Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, alles auch im Verein, dazu Sport-Leistungskurs im Abitur. Ich dachte, diese Grundfitness würde für einen Marathon locker reichen. Zur Erinnerung: Ein Marathon sind knapp über 42 Kilometer. Es war hart. Ich habe jeden Schritt bereut. Und trotzdem habe ich es zu Ende gebracht – und drei Lektionen mitgenommen, die weit über den Sport hinausreichen.

Lektion 1: Starten ist einfach, beenden ist die Kunst. Die Entscheidung war schnell getroffen: Unser Sportlehrer fragte in die Runde, ich war einer der wenigen, die sich meldeten – und am Ende der einzige aus dem Kurs, der wirklich gelaufen ist. Loszulegen war leicht. Durchzuhalten war alles andere als einfach. James Clear bringt es auf den Punkt: „Winners and losers have the same goals.“ Am Anfang ist die Motivation enorm hoch – aber das Durchhaltevermögen trennt die Spreu vom Weizen. Damals kannte ich den Begriff noch nicht, heute weiß ich, wie er heißt: Grit. Im Berufsleben ist das genauso. Viele Dinge kann man starten. Sie wirklich durchzuziehen, wird oft unterschätzt.

Lektion 2: Wenn dein Kopf „Ich kann nicht mehr“ sagt, bist du erst bei 60 Prozent. Spätestens bei Kilometer 20 bis 25 fing mein Kopf an zu protestieren. Alles brannte, die Muskeln brannten, und der Verstand sagte: Hör auf, hör auf, hör auf. Genau dieser Punkt ist nicht das Ende der Komfortzone – er ist ihr Beginn. Dahinter kommt das kalte Wasser. Und dahinter liegen die restlichen 40 Prozent deines Potenzials, die nur frei werden, wenn du dich gegen die innere Stimme stellst. David Goggins hat genau diesen Gedanken verinnerlicht. Ich durfte ihn damals am eigenen Leib erleben – und gerade als Berufseinsteiger hat er mir enorm geholfen. Wann immer ich vor kaltem Wasser stand, war der Gedanke: Ich bin erst bei 60 Prozent. Da ist noch viel mehr. Ich muss mich nur gegen mich selbst durchsetzen.

Lektion 3: Wer dich anfeuert, setzt ungeahnte Energie frei. Auf einer Marathon-Startnummer steht in der Regel dein Vorname. Entlang der Strecke standen damals viele Zuschauer, die mir meinen Namen zuriefen, mich anfeuerten, mir Mut zusprachen. Jedes Mal hat das ungeahnte Energie freigesetzt – und das Bemerkenswerte daran: Ich kannte diese Menschen nicht. Es waren wildfremde Leute. Genauso gaben sich die Läufer untereinander Schub. Im Beruf ist es dieselbe Kraft: die Macht eines Teams. Es gibt diese schöne Formel 1 + 1 = 3 – manchmal mehr. Gute Führungskräfte schaffen genau das: Sie feuern ein Team an, sprechen Mut zu, gerade in stressigen Phasen, und setzen so Energie frei, die zusammenschweißt. Adam Grant beschreibt in Geben und Nehmen den „5-Minuten-Gefallen“: täglich einen kleinen Moment einbauen, um anderen etwas zu geben, ohne etwas zu verlangen. Genau das ist es. Jemandem zu sagen „Du machst einen klasse Job“ oder „Lass uns Gas geben“ kostet fast nichts – und kann den Tag eines anderen Menschen verändern. Auch dann, wenn du ihn kaum kennst.

Diese drei Lektionen sind keine Sport-Geheimnisse, sondern Bausteine persönlicher Entwicklung. Wer das Durchhalten übt, baut sich genau die Kultur der Disziplin auf, die Projekte zu Ende bringt. Warum die wahre Leistungsgrenze hinter dem Punkt liegt, an dem die meisten aufgeben, vertieft Komfortzone verlassen. Und wie du nach Rückschlägen wieder aufstehst und dranbleibst, zeigt Resilienz aufbauen.

Häufige Fragen zum Lernen vom Sport

Was kann man vom Leistungssport für den Beruf lernen? Vor allem drei Dinge: dass Beenden schwerer und wichtiger ist als Starten, dass die gefühlte Leistungsgrenze meist bei etwa 60 Prozent des Möglichen liegt, und dass Ermutigung – ob im Team oder von außen – ungeahnte Energie freisetzt. Diese Prinzipien gelten im Sport wie im Berufsalltag.

Was bedeutet die 60-Prozent-Regel? Wenn dein Kopf „Ich kann nicht mehr“ sagt, bist du in der Regel erst bei rund 60 Prozent deiner tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Die restlichen 40 Prozent setzt nur frei, wer sich bewusst gegen die innere Stimme stellt und die Komfortzone verlässt.

Warum ist Durchhalten wichtiger als Starten? Starten ist einfach – die Motivation ist am Anfang am höchsten und fast jeder kann etwas beginnen. Die Kunst liegt darin, ein Vorhaben zu beenden. Das nötige Durchhaltevermögen heißt Grit und entscheidet am Ende über Erfolg oder Scheitern, im Sport wie im Beruf.

Wie helfen mir andere Menschen, über mich hinauszuwachsen? Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen Energie frei, die du allein kaum mobilisierst – selbst wenn du sie nicht kennst. In Teams entsteht so der Effekt 1 + 1 = 3. Wer selbst andere ermutigt, kostet das wenig und bewirkt viel: ein einfacher „5-Minuten-Gefallen“.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Adam Grant – Geben und Nehmen: das Konzept des „5-Minuten-Gefallens“ – anderen etwas geben, ohne etwas zu verlangen.
  • Angela Duckworth – Grit: warum Durchhaltevermögen über langfristigen Erfolg entscheidet.
  • David Goggins – Can’t Hurt Me: den inneren Widerstand überwinden und die letzten 40 Prozent freisetzen.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 95: Was du vom Leistungssport für den Beruf lernen kannst. Ich will dir heute eine Geschichte erzählen, die ich hier im Podcast noch nie berichtet habe: meinen Marathon mit 18 Jahren. Und ich kann gleich zugeben – rückblickend wie auch schon damals: für so eine Distanz nicht zu trainieren, war auf jeden Fall Selbstüberschätzung, mit einer ordentlichen Portion Naivität.

Kurz zum Hintergrund: Ich war als Jugendlicher sehr sportlich, habe viele Sportarten betrieben – Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, alles auch im Verein. Ich hatte sogar Sport-Leistungskurs im Abitur und dachte, diese Grundfitness würde vollkommen reichen. Für alle, die es nicht so präsent haben, zur Erinnerung: Ein Marathon sind knapp über 42 Kilometer. Es war definitiv hart, und ich habe es mit jedem Schritt bereut. Und dennoch möchte ich heute drei Erkenntnisse, drei Lektionen mit dir teilen, die ich damals gelernt habe, die bis heute hängen geblieben sind und die ich auch im Berufsleben immer wieder sehe.

Lektion Nummer eins, ganz kurz gefasst: Starten ist einfach. Jeder kann etwas starten. Die Kunst liegt darin, es zu beenden. Einen Satz, den ich damals noch nicht kannte, der mir seitdem aber immer wieder begegnet, stammt von James Clear: „Winners and losers have the same goals.“ Damals war es wirklich so – es war relativ leicht, diese Entscheidung zu treffen: Klar, warum nicht, ich bin dabei, ich laufe diesen Marathon. Es lief im Rahmen des Sport-Leistungskurses, unser Sportlehrer fragte das in die Runde, und ich war einer der wenigen, die sich meldeten. Witzigerweise war ich am Ende auch der einzige aus diesem Kurs, der gelaufen ist – von knapp 15, 16 Leuten der Einzige. Es war sehr leicht, zu starten und loszulegen. Aber es war keinesfalls einfach, das Ganze zu beenden.

Auch im beruflichen Kontext und rund um persönliche Entwicklung ist das ein essenzielles Thema. Jeder, der sich schon einmal eine Challenge gesetzt hat – egal in welchem sportlichen Kontext, beim Thema Lesen oder bei einem umfangreichen Projekt – weiß: Starten ist einfach, die Motivation am Anfang ist enorm hoch. Aber das Durchhaltevermögen ist es, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Damals wusste ich noch nichts von dem Begriff Grit. Vielleicht hast du ihn schon gehört: Grit, Durchhaltevermögen, ist unheimlich wichtig. Die Kunst liegt wirklich darin, Dinge zu beenden, Projekte zu beenden – und das gerade auch im Berufsleben. Viele Dinge kann man starten, aber sie wirklich durchzuziehen, ist nicht zu unterschätzen. Erste Lektion also: Starten ist einfach, die Kunst liegt darin zu beenden.

Zweite Lektion: Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, dann bist du circa bei 60 Prozent deiner Leistungsfähigkeit. Nur wer sich selbst überwindet und sich gegen diese Stimme stellt, kann die restlichen 40 Prozent des Potenzials freisetzen. In dieser Marathon-Zeit habe ich das wirklich gespürt. Im Podcast habe ich schon ein paar Mal von David Goggins berichtet – er ist die Person, die diesen Satz verinnerlicht hat. Ich durfte es damals am eigenen Leib erleben. Und ich kann dir versichern: Wenn du nicht trainiert hast, jedenfalls nicht in der Tiefe, dann fängt spätestens bei 20, 25 Kilometern der Kopf an zu sagen: Verdammt nochmal, was tust du hier? Der Verstand versucht dir zu sagen: Hör auf, hör auf, hör auf. Alles brennt, die Muskeln brennen – und das schon bei Kilometer 20. Und trotzdem habe ich es geschafft, das Ganze zu finishen.

Gerade im Berufsleben ist es genauso. Oft hat man das Gefühl, an seine Grenzen zu stoßen. Aber das ist der Beginn der Komfortzone und ihr Ende zugleich – und dann kommt das kalte Wasser. Für mich war das Bild immer: Okay, ich bin jetzt bei der 20-Kilometer-Marke. Es war eine wichtige Lektion, die mir im Berufsleben gerade zu Beginn als Berufseinsteiger sehr viel geholfen hat. Bei mir gab es viel kaltes Wasser, und der Gedanke war immer: Okay, ich bin bei 60 Prozent, da folgen noch 40. Ich brauche keine Angst zu haben, da ist noch viel Potenzial, das ich freisetzen kann. Ich muss mich nur gegen mich selbst durchsetzen, gegen diese innere Stimme – man redet auch schön vom inneren Schweinehund. Diese Grenzen zu überwinden, um dann auf das Licht am Ende des Tunnels zu stoßen. Lektion Nummer zwei also: Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, bist du gerade einmal bei 60 Prozent deiner Leistungsfähigkeit.

Lektion Nummer drei: Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen ungeahnte Energie in dir frei. Ganz wichtiger Zusatz: auch dann, wenn du diese Menschen nicht kennst und vorher noch nie gesehen hast. Das war für mich damals in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Jeder, der schon einen Marathon gelaufen ist oder generell an einer Laufveranstaltung teilgenommen hat, weiß: Man bekommt eine Startnummer, und auf dieser Startnummer steht in der Regel dein Vorname. Gerade zu der Zeit waren an der Marathon-Strecke sehr viele Zuschauer, die einem den Namen zuriefen, einen bejubelten, anfeuerten und Mut zusprachen. Ich kann dir versichern: Jedes Mal hat das bei mir ungeahnte Energie freigesetzt. Und nicht nur das – auch wenn andere Läufer neben einem liefen, hat man sich gegenseitig gepusht. Das sind die Momente, in denen man wirklich spürt, was möglich ist. Ganz wichtig: Ich kannte diese Menschen nicht. Es waren keine Freunde oder Bekannten, sondern wildfremde Leute, die einen trotzdem gepusht haben.

Das spürt man im sportlichen Kontext ganz klar, aber auch im beruflichen: die Power eines Teams, die Macht eines Teams. Es gibt diese schöne Formel: 1 plus 1 gleich 3, manchmal sogar größer. Das habe ich damals enorm gespürt – diese Momente, in denen andere Leute dir zurufen, dich anfeuern, an dich glauben und dich pushen. Auch im Beruf merkt man, dass ein gut funktionierendes Team alles andere übertreffen kann. Das sind die Momente, in denen sich bei Führungskräften die Spreu vom Weizen trennt. Führungskräfte, die es schaffen, ein Team so anzufeuern und Energie freizusetzen, Mut zuzusprechen, auch in schwierigen und stressigen Phasen – das setzt ungeahnte Energie frei und schweißt zusammen. Und das kann jeder von wildfremden Menschen ausgehen.

Auch das beschreibt Adam Grant in seinem Buch Geben und Nehmen: den sogenannten „5-Minuten-Gefallen“, den er empfiehlt, wirklich in den Tag einzubauen, um anderen etwas zu geben, ohne etwas zu verlangen. Genau das ist dieser Moment. Es muss nicht jeden Tag sein, aber ab und zu in der Woche anderen Mut zuzusprechen, sie anzufeuern – im beruflichen Kontext zu sagen: „Hey, lass uns Gas geben, du machst einen klasse Job“, auch Wertschätzung zu äußern – das kann andere Menschen wirklich entflammen. Es muss nicht auf Freunde beschränkt sein. Es können auch Menschen sein, die du im beruflichen Kontext kaum richtig kennst, und trotzdem werden sie dir dankbar sein. Es ist unglaublich leicht, den Tag eines anderen Menschen durch genau so eine Aktion positiv zu beeinflussen. Lektion Nummer drei also: Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen ungeahnte Energie frei. Und das kannst du auch im beruflichen Kontext nutzen, um andere Leute anzufeuern und das Team zu beflügeln – gerade in einer Führungsrolle.

Diese drei Lektionen sind natürlich nicht nur auf den Sport begrenzt, sie passen wunderbar ins Berufsleben. Den Marathon habe ich damals übrigens in knapp vier Stunden, etwas darüber, gefinisht – in keiner Weise perfekt, aber darum ging es auch nicht. Kurz zusammengefasst: Was du vom Leistungssport für den Beruf lernen kannst, sind genau diese drei Dinge. Du musst keinen Marathon ohne Training gelaufen sein, um sie zu kennen. Erstens: Starten ist einfach, jeder kann etwas starten, die Kunst liegt darin, etwas zu beenden – denk immer an „Winners and losers have the same goals“. Beim Thema Grit, Durchhaltevermögen, trennt sich die Spreu vom Weizen: Diejenigen, die etwas zu Ende bringen, sind am Ende die Gewinner. Zweitens: Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, bist du maximal bei 60 Prozent – da ist noch viel mehr, wenn du dich selbst überwindest, dich gegen diese Stimme stellst und Gas gibst. Drittens: Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen ungeahnte Energie in dir frei.

Diese drei Punkte kannst du in jedem Fall nutzen, um deinen Berufsalltag auf ein neues Level zu bringen. Es sind kleine Punkte, aber super wichtige. Bei mir hat dieses sportliche Event damals etwas ausgelöst, das bis heute in Fleisch und Blut übergegangen ist – ich muss immer wieder an diese drei Punkte denken. Eine kürzere Folge heute, aber ich hoffe, es war die eine oder andere Inspiration für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Vom Sport lernen: was dir ein Marathon über deinen Beruf verrät

Mit 18 Jahren bin ich einen Marathon gelaufen – ohne dafür zu trainieren. Rückblickend war das ein gutes Stück Selbstüberschätzung und eine ordentliche Portion Naivität. Aber es war auch eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens.

In dieser Folge teile ich drei Lektionen, die ich damals auf diesen 42 Kilometern gelernt habe. Sie sind bis heute in Fleisch und Blut übergegangen – und ich sehe sie im Berufsleben immer wieder. Du musst keinen Marathon laufen, um sie zu nutzen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Starten ist einfach, beenden ist die Kunst. Jeder kann etwas anfangen – die Motivation ist am Anfang riesig. Wer es zu Ende bringt, gewinnt. Das Stichwort heißt Grit: Durchhaltevermögen.
  • Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, bist du erst bei rund 60 Prozent. Die restlichen 40 Prozent setzt nur frei, wer sich gegen die innere Stimme stellt.
  • Diese Grenze ist der Beginn der Komfortzone, nicht ihr Ende. Erst dahinter wartet das Potenzial.
  • Menschen, die dich anfeuern, setzen ungeahnte Energie frei – auch dann, wenn du sie nicht kennst.
  • Ein gutes Team rechnet anders: 1 + 1 = 3. Gute Führungskräfte schaffen genau diese Energie.
  • Mut zusprechen kostet fast nichts. Ein „5-Minuten-Gefallen“ reicht, um den Tag eines anderen Menschen zu verändern.

Vom Sport lernen im Detail

Ein bisschen Hintergrund vorweg: Ich war als Jugendlicher sehr sportlich – Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, alles auch im Verein, dazu Sport-Leistungskurs im Abitur. Ich dachte, diese Grundfitness würde für einen Marathon locker reichen. Zur Erinnerung: Ein Marathon sind knapp über 42 Kilometer. Es war hart. Ich habe jeden Schritt bereut. Und trotzdem habe ich es zu Ende gebracht – und drei Lektionen mitgenommen, die weit über den Sport hinausreichen.

Lektion 1: Starten ist einfach, beenden ist die Kunst. Die Entscheidung war schnell getroffen: Unser Sportlehrer fragte in die Runde, ich war einer der wenigen, die sich meldeten – und am Ende der einzige aus dem Kurs, der wirklich gelaufen ist. Loszulegen war leicht. Durchzuhalten war alles andere als einfach. James Clear bringt es auf den Punkt: „Winners and losers have the same goals.“ Am Anfang ist die Motivation enorm hoch – aber das Durchhaltevermögen trennt die Spreu vom Weizen. Damals kannte ich den Begriff noch nicht, heute weiß ich, wie er heißt: Grit. Im Berufsleben ist das genauso. Viele Dinge kann man starten. Sie wirklich durchzuziehen, wird oft unterschätzt.

Lektion 2: Wenn dein Kopf „Ich kann nicht mehr“ sagt, bist du erst bei 60 Prozent. Spätestens bei Kilometer 20 bis 25 fing mein Kopf an zu protestieren. Alles brannte, die Muskeln brannten, und der Verstand sagte: Hör auf, hör auf, hör auf. Genau dieser Punkt ist nicht das Ende der Komfortzone – er ist ihr Beginn. Dahinter kommt das kalte Wasser. Und dahinter liegen die restlichen 40 Prozent deines Potenzials, die nur frei werden, wenn du dich gegen die innere Stimme stellst. David Goggins hat genau diesen Gedanken verinnerlicht. Ich durfte ihn damals am eigenen Leib erleben – und gerade als Berufseinsteiger hat er mir enorm geholfen. Wann immer ich vor kaltem Wasser stand, war der Gedanke: Ich bin erst bei 60 Prozent. Da ist noch viel mehr. Ich muss mich nur gegen mich selbst durchsetzen.

Lektion 3: Wer dich anfeuert, setzt ungeahnte Energie frei. Auf einer Marathon-Startnummer steht in der Regel dein Vorname. Entlang der Strecke standen damals viele Zuschauer, die mir meinen Namen zuriefen, mich anfeuerten, mir Mut zusprachen. Jedes Mal hat das ungeahnte Energie freigesetzt – und das Bemerkenswerte daran: Ich kannte diese Menschen nicht. Es waren wildfremde Leute. Genauso gaben sich die Läufer untereinander Schub. Im Beruf ist es dieselbe Kraft: die Macht eines Teams. Es gibt diese schöne Formel 1 + 1 = 3 – manchmal mehr. Gute Führungskräfte schaffen genau das: Sie feuern ein Team an, sprechen Mut zu, gerade in stressigen Phasen, und setzen so Energie frei, die zusammenschweißt. Adam Grant beschreibt in Geben und Nehmen den „5-Minuten-Gefallen“: täglich einen kleinen Moment einbauen, um anderen etwas zu geben, ohne etwas zu verlangen. Genau das ist es. Jemandem zu sagen „Du machst einen klasse Job“ oder „Lass uns Gas geben“ kostet fast nichts – und kann den Tag eines anderen Menschen verändern. Auch dann, wenn du ihn kaum kennst.

Diese drei Lektionen sind keine Sport-Geheimnisse, sondern Bausteine persönlicher Entwicklung. Wer das Durchhalten übt, baut sich genau die Kultur der Disziplin auf, die Projekte zu Ende bringt. Warum die wahre Leistungsgrenze hinter dem Punkt liegt, an dem die meisten aufgeben, vertieft Komfortzone verlassen. Und wie du nach Rückschlägen wieder aufstehst und dranbleibst, zeigt Resilienz aufbauen.

Häufige Fragen zum Lernen vom Sport

Was kann man vom Leistungssport für den Beruf lernen? Vor allem drei Dinge: dass Beenden schwerer und wichtiger ist als Starten, dass die gefühlte Leistungsgrenze meist bei etwa 60 Prozent des Möglichen liegt, und dass Ermutigung – ob im Team oder von außen – ungeahnte Energie freisetzt. Diese Prinzipien gelten im Sport wie im Berufsalltag.

Was bedeutet die 60-Prozent-Regel? Wenn dein Kopf „Ich kann nicht mehr“ sagt, bist du in der Regel erst bei rund 60 Prozent deiner tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Die restlichen 40 Prozent setzt nur frei, wer sich bewusst gegen die innere Stimme stellt und die Komfortzone verlässt.

Warum ist Durchhalten wichtiger als Starten? Starten ist einfach – die Motivation ist am Anfang am höchsten und fast jeder kann etwas beginnen. Die Kunst liegt darin, ein Vorhaben zu beenden. Das nötige Durchhaltevermögen heißt Grit und entscheidet am Ende über Erfolg oder Scheitern, im Sport wie im Beruf.

Wie helfen mir andere Menschen, über mich hinauszuwachsen? Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen Energie frei, die du allein kaum mobilisierst – selbst wenn du sie nicht kennst. In Teams entsteht so der Effekt 1 + 1 = 3. Wer selbst andere ermutigt, kostet das wenig und bewirkt viel: ein einfacher „5-Minuten-Gefallen“.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Adam Grant – Geben und Nehmen: das Konzept des „5-Minuten-Gefallens“ – anderen etwas geben, ohne etwas zu verlangen.
  • Angela Duckworth – Grit: warum Durchhaltevermögen über langfristigen Erfolg entscheidet.
  • David Goggins – Can’t Hurt Me: den inneren Widerstand überwinden und die letzten 40 Prozent freisetzen.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 95: Was du vom Leistungssport für den Beruf lernen kannst. Ich will dir heute eine Geschichte erzählen, die ich hier im Podcast noch nie berichtet habe: meinen Marathon mit 18 Jahren. Und ich kann gleich zugeben – rückblickend wie auch schon damals: für so eine Distanz nicht zu trainieren, war auf jeden Fall Selbstüberschätzung, mit einer ordentlichen Portion Naivität.

Kurz zum Hintergrund: Ich war als Jugendlicher sehr sportlich, habe viele Sportarten betrieben – Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, alles auch im Verein. Ich hatte sogar Sport-Leistungskurs im Abitur und dachte, diese Grundfitness würde vollkommen reichen. Für alle, die es nicht so präsent haben, zur Erinnerung: Ein Marathon sind knapp über 42 Kilometer. Es war definitiv hart, und ich habe es mit jedem Schritt bereut. Und dennoch möchte ich heute drei Erkenntnisse, drei Lektionen mit dir teilen, die ich damals gelernt habe, die bis heute hängen geblieben sind und die ich auch im Berufsleben immer wieder sehe.

Lektion Nummer eins, ganz kurz gefasst: Starten ist einfach. Jeder kann etwas starten. Die Kunst liegt darin, es zu beenden. Einen Satz, den ich damals noch nicht kannte, der mir seitdem aber immer wieder begegnet, stammt von James Clear: „Winners and losers have the same goals.“ Damals war es wirklich so – es war relativ leicht, diese Entscheidung zu treffen: Klar, warum nicht, ich bin dabei, ich laufe diesen Marathon. Es lief im Rahmen des Sport-Leistungskurses, unser Sportlehrer fragte das in die Runde, und ich war einer der wenigen, die sich meldeten. Witzigerweise war ich am Ende auch der einzige aus diesem Kurs, der gelaufen ist – von knapp 15, 16 Leuten der Einzige. Es war sehr leicht, zu starten und loszulegen. Aber es war keinesfalls einfach, das Ganze zu beenden.

Auch im beruflichen Kontext und rund um persönliche Entwicklung ist das ein essenzielles Thema. Jeder, der sich schon einmal eine Challenge gesetzt hat – egal in welchem sportlichen Kontext, beim Thema Lesen oder bei einem umfangreichen Projekt – weiß: Starten ist einfach, die Motivation am Anfang ist enorm hoch. Aber das Durchhaltevermögen ist es, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Damals wusste ich noch nichts von dem Begriff Grit. Vielleicht hast du ihn schon gehört: Grit, Durchhaltevermögen, ist unheimlich wichtig. Die Kunst liegt wirklich darin, Dinge zu beenden, Projekte zu beenden – und das gerade auch im Berufsleben. Viele Dinge kann man starten, aber sie wirklich durchzuziehen, ist nicht zu unterschätzen. Erste Lektion also: Starten ist einfach, die Kunst liegt darin zu beenden.

Zweite Lektion: Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, dann bist du circa bei 60 Prozent deiner Leistungsfähigkeit. Nur wer sich selbst überwindet und sich gegen diese Stimme stellt, kann die restlichen 40 Prozent des Potenzials freisetzen. In dieser Marathon-Zeit habe ich das wirklich gespürt. Im Podcast habe ich schon ein paar Mal von David Goggins berichtet – er ist die Person, die diesen Satz verinnerlicht hat. Ich durfte es damals am eigenen Leib erleben. Und ich kann dir versichern: Wenn du nicht trainiert hast, jedenfalls nicht in der Tiefe, dann fängt spätestens bei 20, 25 Kilometern der Kopf an zu sagen: Verdammt nochmal, was tust du hier? Der Verstand versucht dir zu sagen: Hör auf, hör auf, hör auf. Alles brennt, die Muskeln brennen – und das schon bei Kilometer 20. Und trotzdem habe ich es geschafft, das Ganze zu finishen.

Gerade im Berufsleben ist es genauso. Oft hat man das Gefühl, an seine Grenzen zu stoßen. Aber das ist der Beginn der Komfortzone und ihr Ende zugleich – und dann kommt das kalte Wasser. Für mich war das Bild immer: Okay, ich bin jetzt bei der 20-Kilometer-Marke. Es war eine wichtige Lektion, die mir im Berufsleben gerade zu Beginn als Berufseinsteiger sehr viel geholfen hat. Bei mir gab es viel kaltes Wasser, und der Gedanke war immer: Okay, ich bin bei 60 Prozent, da folgen noch 40. Ich brauche keine Angst zu haben, da ist noch viel Potenzial, das ich freisetzen kann. Ich muss mich nur gegen mich selbst durchsetzen, gegen diese innere Stimme – man redet auch schön vom inneren Schweinehund. Diese Grenzen zu überwinden, um dann auf das Licht am Ende des Tunnels zu stoßen. Lektion Nummer zwei also: Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, bist du gerade einmal bei 60 Prozent deiner Leistungsfähigkeit.

Lektion Nummer drei: Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen ungeahnte Energie in dir frei. Ganz wichtiger Zusatz: auch dann, wenn du diese Menschen nicht kennst und vorher noch nie gesehen hast. Das war für mich damals in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Jeder, der schon einen Marathon gelaufen ist oder generell an einer Laufveranstaltung teilgenommen hat, weiß: Man bekommt eine Startnummer, und auf dieser Startnummer steht in der Regel dein Vorname. Gerade zu der Zeit waren an der Marathon-Strecke sehr viele Zuschauer, die einem den Namen zuriefen, einen bejubelten, anfeuerten und Mut zusprachen. Ich kann dir versichern: Jedes Mal hat das bei mir ungeahnte Energie freigesetzt. Und nicht nur das – auch wenn andere Läufer neben einem liefen, hat man sich gegenseitig gepusht. Das sind die Momente, in denen man wirklich spürt, was möglich ist. Ganz wichtig: Ich kannte diese Menschen nicht. Es waren keine Freunde oder Bekannten, sondern wildfremde Leute, die einen trotzdem gepusht haben.

Das spürt man im sportlichen Kontext ganz klar, aber auch im beruflichen: die Power eines Teams, die Macht eines Teams. Es gibt diese schöne Formel: 1 plus 1 gleich 3, manchmal sogar größer. Das habe ich damals enorm gespürt – diese Momente, in denen andere Leute dir zurufen, dich anfeuern, an dich glauben und dich pushen. Auch im Beruf merkt man, dass ein gut funktionierendes Team alles andere übertreffen kann. Das sind die Momente, in denen sich bei Führungskräften die Spreu vom Weizen trennt. Führungskräfte, die es schaffen, ein Team so anzufeuern und Energie freizusetzen, Mut zuzusprechen, auch in schwierigen und stressigen Phasen – das setzt ungeahnte Energie frei und schweißt zusammen. Und das kann jeder von wildfremden Menschen ausgehen.

Auch das beschreibt Adam Grant in seinem Buch Geben und Nehmen: den sogenannten „5-Minuten-Gefallen“, den er empfiehlt, wirklich in den Tag einzubauen, um anderen etwas zu geben, ohne etwas zu verlangen. Genau das ist dieser Moment. Es muss nicht jeden Tag sein, aber ab und zu in der Woche anderen Mut zuzusprechen, sie anzufeuern – im beruflichen Kontext zu sagen: „Hey, lass uns Gas geben, du machst einen klasse Job“, auch Wertschätzung zu äußern – das kann andere Menschen wirklich entflammen. Es muss nicht auf Freunde beschränkt sein. Es können auch Menschen sein, die du im beruflichen Kontext kaum richtig kennst, und trotzdem werden sie dir dankbar sein. Es ist unglaublich leicht, den Tag eines anderen Menschen durch genau so eine Aktion positiv zu beeinflussen. Lektion Nummer drei also: Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen ungeahnte Energie frei. Und das kannst du auch im beruflichen Kontext nutzen, um andere Leute anzufeuern und das Team zu beflügeln – gerade in einer Führungsrolle.

Diese drei Lektionen sind natürlich nicht nur auf den Sport begrenzt, sie passen wunderbar ins Berufsleben. Den Marathon habe ich damals übrigens in knapp vier Stunden, etwas darüber, gefinisht – in keiner Weise perfekt, aber darum ging es auch nicht. Kurz zusammengefasst: Was du vom Leistungssport für den Beruf lernen kannst, sind genau diese drei Dinge. Du musst keinen Marathon ohne Training gelaufen sein, um sie zu kennen. Erstens: Starten ist einfach, jeder kann etwas starten, die Kunst liegt darin, etwas zu beenden – denk immer an „Winners and losers have the same goals“. Beim Thema Grit, Durchhaltevermögen, trennt sich die Spreu vom Weizen: Diejenigen, die etwas zu Ende bringen, sind am Ende die Gewinner. Zweitens: Wenn dein Kopf sagt „Ich kann nicht mehr“, bist du maximal bei 60 Prozent – da ist noch viel mehr, wenn du dich selbst überwindest, dich gegen diese Stimme stellst und Gas gibst. Drittens: Menschen, die dich anfeuern und dir Mut zusprechen, setzen ungeahnte Energie in dir frei.

Diese drei Punkte kannst du in jedem Fall nutzen, um deinen Berufsalltag auf ein neues Level zu bringen. Es sind kleine Punkte, aber super wichtige. Bei mir hat dieses sportliche Event damals etwas ausgelöst, das bis heute in Fleisch und Blut übergegangen ist – ich muss immer wieder an diese drei Punkte denken. Eine kürzere Folge heute, aber ich hoffe, es war die eine oder andere Inspiration für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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