Prinzipal-Agent-Problem: warum es deine größte Chance ist

Vor einigen Tagen habe ich genau zu diesem Thema einen Newsletter veröffentlicht – und vielseitige Rückmeldungen bekommen. Eine Sache war klar: Bei vielen hat es Aha-Momente ausgelöst. Genau die Aha-Momente, die ich selbst hatte.

Es geht um einen einzigen Satz, den ich für einen der wichtigsten überhaupt halte. Dahinter steckt das Prinzipal-Agent-Problem – das größte Problem im Management. Für Unternehmer ist es eine Last. Für dich als ambitionierte Persönlichkeit ist es eine riesige Chance.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Das Kernproblem heißt Prinzipal-Agent-Problem. Der Prinzipal ist der Unternehmer oder Geschäftsinhaber, der Agent die Person, die für ihn arbeitet.
  • Die Anreize laufen auseinander. Was für den Unternehmer am besten ist, ist nicht automatisch das, was für den Mitarbeiter am besten aussieht oder ihm am meisten bringt. Genau das ist die Bruchstelle.
  • Menschen handeln nach Anreizen. Nicht nur monetär – ganz grundsätzlich. Wer das versteht, versteht das Verhalten in Unternehmen.
  • Für Unternehmer ist es die wichtigste Aufgabe. Wer ein erstklassiges Unternehmen aufbauen will, muss die Anreize so gestalten, dass beide am selben Strang ziehen – eine echte Win-win-Situation.
  • Für dich ist es eine Chance. Erstklassige Unternehmer suchen Menschen, die wie ein Prinzipal denken – und befördern sie unverhältnismäßig schnell, unabhängig von Abschlüssen oder Jahren im Job.

Das Prinzipal-Agent-Problem im Detail

Was das Problem überhaupt ist. Der Prinzipal ist der Geschäftsinhaber, also der Unternehmer – der Auftraggeber. Der Agent ist die Person, die für ihn arbeitet, der Arbeitnehmer. Das Kernproblem liegt in den Anreizen: Die Anreize von Prinzipal und Agent unterscheiden sich oft maßgeblich. Menschen handeln nach Anreizen – das ist ein biologisches Grundprinzip, und es geht längst nicht nur ums Geld. Ein Beispiel, das nicht die Regel sein muss, aber sein kann: Der Unternehmer will vor allem das, was für sein Unternehmen am besten ist und ihm langfristig das meiste einbringt. Der Agent will in der Regel das, was für ihn gut aussieht, ihm Anerkennung im Unternehmen verschafft oder ihm persönlich das meiste bringt. Das klingt nach Schnittmenge – kann aber grundlegend auseinanderlaufen. Im schlimmsten Fall ziehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht an einem Strang, sondern arbeiten gegeneinander. Meistens, ohne dass es einem der Beteiligten bewusst ist. Und das sind keine guten Voraussetzungen, um ein erstklassiges Unternehmen aufzubauen.

Warum es für Unternehmer das größte Problem ist. Ich verstehe das Ausmaß dieses Problems erst wirklich, seit ich selbst Unternehmer bin. Im Studium war es für mich nur eine von vielen Theorien – heute weiß ich, wie zentral es ist. Wer ein erstklassiges Unternehmen aufbauen will, muss dieses Problem lösen. Die wichtigste Aufgabe des Prinzipals ist es, die Anreize des Agenten zu verstehen, zu gestalten und eine Win-win-Situation zu schaffen. Charlie Munger und Warren Buffett sind Experten genau für dieses Thema. Wenn sie in ein Unternehmen investieren, ist eine ihrer wichtigsten Fragen: Wie denkt und arbeitet das Management? Und wenn sie ein Unternehmen kaufen, dreht sich alles darum, wie die Anreize so ausgelegt werden, dass die Geschäftsführer dieselben Interessen verfolgen wie sie selbst. Mungers Satz dazu lautet sinngemäß: „Never, ever think about something else when you should be thinking about the power of incentives.“ Die Macht der Anreize – immer wieder. Übrigens: Viele Bonus- und Anreizsysteme in Unternehmen sind alles andere als perfekt gelöst. Da liegt noch viel Potenzial.

Warum es für dich eine Chance ist. Wenn du ein Agent bist, ist dieses Thema vor allem eine Chance. Ich bin immer wieder beeindruckt von Unternehmern, die sehr junge Menschen in hohe Positionen befördern – völlig unabhängig von ihrer bisherigen Erfahrung. Ich durfte das am eigenen Leib erleben. Mein damaliger Chef, ein Unternehmer im Mittelstand, sagte: Erfahrung ist wichtig, aber auf keinen Fall das oberste Kriterium für eine Beförderung. Abschlüsse, Zertifikate, Noten – für ihn irrelevant. Er hat nie nach meinem Bachelor-Abschluss gefragt. Das Einzige, was zählte: Denke und handle ich wie ein Prinzipal? Ziehen wir am selben Strang? Viele erstklassige Unternehmer, die ich kennengelernt habe, denken genauso. Wichtig zur Einordnung: Das ist meine persönliche Erfahrung und lässt sich nicht pauschalisieren. In großen Konzernen ist die Entfernung zum eigentlichen Geschäftsinhaber groß, und nicht jeder Chef ist ein Prinzipal. Aber auch dort gibt es immer wieder herausragende Führungskräfte, die sich wie ein Prinzipal verhalten. Nach denen halte Ausschau.

Die zwei Fragen, die du dir stellen solltest. Das Ganze ist eine langfristige berufliche Strategie. Es kann sein, dass dein jetziger Vorgesetzter die Karten gar nicht so spielt – das macht nichts. Wenn du langfristig ambitionierte Ziele verfolgst, ist deine wichtigste Aufgabe, wie ein Unternehmer zu denken, zu handeln und das auch zu zeigen. Je häufiger du das tust, desto eher stößt du auf echte Prinzipale, die dich erkennen – und dich plötzlich in ganz andere Bereiche befördern. Zwei Fragen helfen dir dabei: Was ist das größte Problem meines Unternehmens und meines Vorgesetzten? Und: Was lässt meine Vorgesetzte nachts wachliegen? Ich habe diese Fragen kürzlich einer ambitionierten Person gestellt – und sah nur ein großes Fragezeichen, weil sie sich das noch nie gefragt hatte. Ein guter Prinzipal wird dich fördern und befördern, unverhältnismäßig schnell. Und nebenbei trainierst du unternehmerisches Denken – wodurch du mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst zu einem Unternehmer wirst.

Wie du andere Menschen wirklich für gemeinsame Ziele gewinnst, vertiefst du in Mitarbeiter motivieren. Was eine gute Führungskraft im Kern ausmacht, hörst du in Gute Führungskraft. Und warum die richtigen Fragen oft mehr bewegen als jede Anweisung, zeigt Führen mit Fragen.

Häufige Fragen zum Prinzipal-Agent-Problem

Was ist das Prinzipal-Agent-Problem? Es beschreibt den Interessenkonflikt zwischen Prinzipal und Agent. Der Prinzipal ist der Unternehmer oder Geschäftsinhaber, der Agent die Person, die für ihn arbeitet. Das Kernproblem: Ihre Anreize laufen oft auseinander, sodass beide nicht am selben Strang ziehen – manchmal sogar gegeneinander arbeiten, ohne es zu merken.

Warum ist es das größte Problem im Management? Weil kein erstklassiges Unternehmen entsteht, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschiedliche Ziele verfolgen. Die wichtigste Aufgabe des Unternehmers ist deshalb, die Anreize so zu gestalten, dass eine echte Win-win-Situation entsteht und alle dieselben Interessen verfolgen.

Wie kann ich als Mitarbeiter vom Prinzipal-Agent-Problem profitieren? Indem du wie ein Prinzipal denkst und handelst – und das auch zeigst. Frag dich, was das größte Problem deines Unternehmens und deines Vorgesetzten ist. Erstklassige Unternehmer suchen Menschen, die unternehmerisch denken, und befördern sie schnell – unabhängig von Abschlüssen oder Erfahrung.

Welche Rolle spielen Anreize dabei? Eine zentrale. Menschen handeln nach Anreizen, nicht nur nach monetären. Charlie Munger betont immer wieder „the power of incentives“. Wer Anreize versteht und richtig gestaltet, löst das Problem an der Wurzel – wer sie ignoriert, kämpft dauerhaft gegen auseinanderlaufende Interessen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Eric Jorgenson – The Almanack of Naval Ravikant: Naval Ravikant ist die Quelle des Leitsatzes und der Prinzipal-Agent-Perspektive dieser Folge.
  • Charlie Munger – Poor Charlie’s Almanack: Mungers „power of incentives“ – warum die Macht der Anreize im Management alles entscheidet.

Wenn du tiefer ins Thema Führung einsteigen willst, findest du die passenden Titel unter Bücher zum Thema Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge Nummer 94: das größte Problem im Management. Vor einigen Tagen habe ich genau zu diesem Thema einen Newsletter veröffentlicht und sehr vielseitige Rückmeldungen bekommen. Eines war klar: Bei vielen, die ihn gelesen haben, habe ich Aha-Momente ausgelöst – genau die gleichen, die ich selbst hatte. Dabei ging es um einen Satz, den ich schon öfter genannt habe und der aus meiner Sicht so unglaublich essenziell ist – einer der wichtigsten Sätze für ambitionierte Persönlichkeiten, den ich selbst seit Langem verinnerlicht habe. In dieser Folge möchte ich dir näherbringen, was es genau mit diesem Satz auf sich hat, warum er so bedeutend ist und warum du damit das größte Problem im Management löst.

Aber lass uns vorne anfangen: Was ist das größte Problem im Management? Das habe ich mir nicht ausgedacht. Es kommt von demselben Mann, von dem auch dieses Zitat stammt – Naval Ravikant. Eine unglaublich inspirierende Persönlichkeit, Investor und Anteilseigner an ganz vielen erfolgreichen Unternehmen, mit breiter Erfahrung und viel zu erzählen. Vielleicht hast du davon sogar schon einmal gehört. Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: Das kenne ich doch schon. Tatsächlich war es Teil des klassischen Curriculums in meinem Master, der sehr managementlastig geprägt war – und vielleicht sogar schon im Bachelor, obwohl es ein Ingenieurstudiengang war. Trotzdem war es für mich damals nur eine von vielen Theorien. Ich habe es gar nicht als ernsthaftes Thema wahrgenommen. In angestellter Funktion war es mir zwar präsent, aber lange nicht so wie heute. Erst seit ich Unternehmer bin, verstehe ich wirklich das Ausmaß dieses Problems.

Um welches Problem geht es? Es geht um das Prinzipal-Agent-Problem. Vielleicht sagt dir das etwas, vielleicht hast du schon davon gehört – dann lass dich nicht abschrecken. Mir ging es genauso: Es fühlte sich an wie eine von vielen Theorien. Aber ich kann dir versichern: Nein, es ist eine ganz zentrale Theorie mit großem Einfluss auf deine berufliche Entwicklung und auf deine heutige Situation.

Was ist das Prinzipal-Agent-Problem überhaupt? Wichtig: „Prinzipal“ wie der Geschäftsinhaber, nicht „Prinzip“. Im Englischen heißt es Principal-Agent-Theory. Ein Prinzipal ist der Geschäftsinhaber, also der Unternehmer – der eigentliche Auftraggeber. Der Agent ist die Person, die für diesen Unternehmer arbeitet, also der Arbeitnehmer. Das Kernproblem dieser Konstellation liegt darin, dass sich die Anreize von Prinzipal und Agent maßgeblich unterscheiden. Auch hier kann man tief einsteigen – im Englischen ist „incentives“ ein riesiges Thema. Tatsächlich handeln Menschen aus biologischer Sicht nach einem Grundprinzip: Sie handeln nach Anreizen. Natürlich nicht nur nach monetären, ganz generell nach Anreizen.

Um ein paar Beispiele zu nennen – das ist in keinem Fall die Regel: Es könnte sein, dass ein Unternehmer in erster Linie das möchte, was für sein Unternehmen am besten ist und ihm das meiste Geld einbringt. Ein Agent hingegen will in der Regel das, was für ihn gut aussieht, was ihm zum Beispiel Anerkennung im Unternehmen verschafft oder ihm persönlich das meiste Geld einbringt. Es klingt, als gäbe es da große Schnittmengen – aber es kann wirklich sein, dass diese beiden Anreize, diese beiden Motivationen grundlegend unterschiedlich sind. Die Folge: Im schlimmsten Fall ziehen Prinzipal und Agent nicht an einem Strang, sondern arbeiten gegeneinander. Meistens ist das den Beteiligten gar nicht bewusst. Eines ist klar: Wenn dieses Problem nicht gelöst ist – wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer grundsätzlich nicht an einem Strang ziehen –, sind das keine guten Voraussetzungen für den Aufbau eines erstklassigen Unternehmens. Das ist absolute Grundvoraussetzung.

Daraus ergeben sich zwei Perspektiven. Zuallererst ist das Prinzipal-Agent-Problem das Problem des Unternehmers – und deswegen ist es mir so bewusst, seit ich selbst Unternehmer bin. Wenn ein Geschäftsinhaber ein erstklassiges, erfolgreiches Unternehmen aufbauen möchte, muss er oder sie dieses Problem lösen. Es ist also die wichtigste Aufgabe des Prinzipals, die Anreize des Agenten zu verstehen, zu gestalten und eine Win-win-Situation zu schaffen.

Charlie Munger, der Partner von Warren Buffett – die beiden sind echte Experten in genau diesem Thema. Wenn sie in ein Unternehmen investieren, ist einer der wichtigsten Faktoren: Wie arbeitet, wie denkt das Management? Und wenn sie ein Unternehmen kaufen, dreht sich alles um die Frage: Wie müssen wir die Anreize richtig auslegen, damit die Geschäftsführer dieses Unternehmens am gleichen Strang ziehen und die gleichen Interessen verfolgen wie wir? Ein Satz von Charlie Munger lautet sinngemäß: „Never, ever think about something else when you should be thinking about the power of incentives.“ Er betont immer wieder die Macht der Anreize. Aus Unternehmersicht ist das eines der wichtigsten Themen überhaupt: sich Gedanken über Anreizsysteme zu machen. Und du kennst das selbst, wenn du Bonussysteme hast – bewerte sie einmal aus dieser Perspektive. Aus meiner Sicht sind viele dieser Anreizsysteme nicht die perfekte Lösung; da liegt noch deutlich mehr Potenzial. Wichtig zu verstehen ist: Für Unternehmer ist dieses Thema ein schwerwiegendes Problem, das es zu lösen gilt.

Für ambitionierte Persönlichkeiten und Mitarbeiter, also für Agenten, ist das Ganze auch ein Problem – aber vielmehr eine Chance. Und damit komme ich zum eingangs genannten Satz zurück und warum dieses Thema für dich so relevant ist: Darin steckt eine unglaublich große Chance für dich persönlich. Vorausgesetzt, du hast ambitionierte Ziele, willst beruflich etwas bewegen und Verantwortung übernehmen. Die Kernfrage lautet: Wie kannst du als ambitionierte Persönlichkeit vom Prinzipal-Agent-Problem profitieren?

Tatsächlich bin ich immer wieder beeindruckt von Unternehmern, die sehr junge Personen in hohe Führungspositionen befördern – völlig unabhängig von ihrer bisherigen Erfahrung. Damals habe ich mir darüber gar nicht so viele Gedanken gemacht, aber rückblickend bin ich umso faszinierter, weil ich dieses Phänomen am eigenen Leib erleben durfte. Ich hatte das große Glück, einen Unternehmer als Chef zu haben, einen Mittelständler, der sagte: Erfahrung ist natürlich wichtig, aber auf keinen Fall das oberste Kriterium für eine Beförderung. Abschlüsse, Zertifikate und dergleichen waren für ihn so etwas von irrelevant. Ob ich eine Schulung besucht hatte, interessierte ihn nicht. Er hat sich in keiner Weise für meinen Bachelor-Abschluss interessiert – ich glaube, er hat nie gesehen, dass ich ihn überhaupt gemacht habe. Noten waren absolut irrelevant. Das Einzige, was wirklich zählte, war: Denke und handle ich wie ein Prinzipal? Inwieweit ziehen wir am gleichen Strang? Viele erstklassige Unternehmer, von denen ich eine ganze Reihe kennengelernt habe, denken genauso. Abschlüsse und Zertifikate sind für sie zweitrangig.

Eine kleine Randnotiz: Das kann man nicht pauschalisieren, und es ist meine persönliche Erfahrung. In großen Unternehmen und Konzernen arbeiten Agenten oft mit Agenten zusammen, nicht direkt mit dem Prinzipal. Und nicht jede Führungskraft denkt wie ein Prinzipal. In einem meiner letzten Workshops kam das auch auf: Nicht jeder Chef ist ein Prinzipal. Letzten Endes geht es um den Unternehmer und Geschäftsinhaber – und je größer das Unternehmen, desto weiter die Entfernung zu diesen Leuten. Trotzdem gibt es auch in solchen Unternehmen immer wieder herausragende Führungskräfte, die sich wie ein Prinzipal verhalten. Nach denen halte Ausschau. Und wichtig: Wundere dich nicht, wenn diese Dinge nicht sofort bei dir greifen. Natürlich achten einige Leute auf Abschlüsse, Zertifikate, Noten und die Anzahl der Jahre in einer Position. Aber ich kann dir versichern: Erstklassigen Unternehmern ist das vollkommen egal. Das Einzige, was zählt, ist: Denkst und handelst du wie ein Prinzipal? Denn das ist das Kernproblem – du zahlst damit auf die gleiche Herausforderung ein wie der Unternehmer selbst.

Wenn du ein Agent bist, dann ist das Ganze eine langfristige berufliche Strategie. Es kann sein, dass dein jetziger Vorgesetzter die Karten gar nicht so spielt. Aber wenn du langfristig ambitionierte berufliche Ziele verfolgst und erreichen möchtest, ist deine allerwichtigste Aufgabe, wirklich so zu denken und zu handeln wie ein Unternehmer – und das auch zu zeigen. Je mehr und je häufiger du das machst, desto eher wirst du auf solche Prinzipale stoßen. Und ich kann dir versichern: Es kann ganz leicht passieren, dass diese dich erkennen und plötzlich in ganz andere Bereiche befördern, weil du letzten Endes genauso denkst und sie das erkennen. Erstklassige Unternehmer sehnen sich nach solchen Persönlichkeiten, weil es sie viel zu selten gibt. Wenn du ein Agent bist, ist das deine wichtigste Aufgabe – und sie trainiert dich nebenbei darin, wie ein Unternehmer zu denken. Das ist nichts Schwarz-Weißes, sondern Training: Unternehmerisches Denken und Handeln ist nicht ganz einfach, aber es sorgt – wie das Zitat sagt – auch dafür, dass du wahrscheinlicher selbst zu einem Unternehmer wirst.

Zwei Fragen solltest du dir in jedem Fall stellen: Was ist das größte Problem meines Unternehmens und meines Vorgesetzten? Und: Was lässt meinen Vorgesetzten oder meine Vorgesetzte nachts wachliegen? Das sind Fragen, die du dir unbedingt stellen solltest. Ich habe das kürzlich mit einer ambitionierten Person besprochen. Als ich ihr diese Frage stellte, sah ich nur ein großes Fragezeichen im Gesicht, weil sie sich das noch nie gefragt hatte. Das ist eine ganz essenzielle Frage, die du für dich beantworten solltest, um das Prinzipal-Agent-Problem als Chance zu nutzen. Denn ein guter Prinzipal wird dich fördern und befördern – und das unverhältnismäßig schnell im Vergleich zu vielen anderen und zu vielen Standardwegen, die man normalerweise hört.

Um das Ganze zusammenzufassen: Das größte Problem im Management ist das Prinzipal-Agent-Problem. Der Prinzipal ist der Unternehmer, der Agent die Person, die für ihn arbeitet. Das Kernproblem liegt darin, dass die Anreize dieser beiden Personengruppen oft in unterschiedliche Richtungen gehen. Das kann bedeuten, dass der Prinzipal sich nach Leuten sehnt, die an seinem Strang ziehen und so denken wie er – denn erstklassige Unternehmer wollen erstklassige Unternehmen aufbauen. Deshalb ist es für Unternehmer eine der wichtigsten Aufgaben. Ich habe über Charlie Munger gesprochen, der sagt: „Never, ever think about something else when you should be thinking about the power of incentives.“ Die Macht der Anreize – ein super essenzielles Thema. Und aus Sicht jeder ambitionierten Persönlichkeit bin ich immer wieder beeindruckt, dass es Unternehmen gibt, die alles Sachliche beiseitelegen – Abschlüsse, Zertifikate, wie viele Jahre du irgendwo warst – und stattdessen sagen: Nein, ich befördere dich, weil du genauso denkst wie ich und mir hilfst, das Unternehmen aufzubauen. Dann ist jeder Abschluss irrelevant. Das ist eines der größten Themen überhaupt.

Ich hoffe, du konntest einige Impulse aus dieser Folge mitnehmen. Wenn du Fragen zu diesem Thema hast, schreib mir gern. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim. Ich freue mich, dass du dabei warst – und wenn du glaubst, dass dieser Podcast auch für andere interessant ist, dann teile ihn gern mit Freunden und Bekannten. Bis zum nächsten Mal.

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Prinzipal-Agent-Problem: warum es deine größte Chance ist

Vor einigen Tagen habe ich genau zu diesem Thema einen Newsletter veröffentlicht – und vielseitige Rückmeldungen bekommen. Eine Sache war klar: Bei vielen hat es Aha-Momente ausgelöst. Genau die Aha-Momente, die ich selbst hatte.

Es geht um einen einzigen Satz, den ich für einen der wichtigsten überhaupt halte. Dahinter steckt das Prinzipal-Agent-Problem – das größte Problem im Management. Für Unternehmer ist es eine Last. Für dich als ambitionierte Persönlichkeit ist es eine riesige Chance.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Das Kernproblem heißt Prinzipal-Agent-Problem. Der Prinzipal ist der Unternehmer oder Geschäftsinhaber, der Agent die Person, die für ihn arbeitet.
  • Die Anreize laufen auseinander. Was für den Unternehmer am besten ist, ist nicht automatisch das, was für den Mitarbeiter am besten aussieht oder ihm am meisten bringt. Genau das ist die Bruchstelle.
  • Menschen handeln nach Anreizen. Nicht nur monetär – ganz grundsätzlich. Wer das versteht, versteht das Verhalten in Unternehmen.
  • Für Unternehmer ist es die wichtigste Aufgabe. Wer ein erstklassiges Unternehmen aufbauen will, muss die Anreize so gestalten, dass beide am selben Strang ziehen – eine echte Win-win-Situation.
  • Für dich ist es eine Chance. Erstklassige Unternehmer suchen Menschen, die wie ein Prinzipal denken – und befördern sie unverhältnismäßig schnell, unabhängig von Abschlüssen oder Jahren im Job.

Das Prinzipal-Agent-Problem im Detail

Was das Problem überhaupt ist. Der Prinzipal ist der Geschäftsinhaber, also der Unternehmer – der Auftraggeber. Der Agent ist die Person, die für ihn arbeitet, der Arbeitnehmer. Das Kernproblem liegt in den Anreizen: Die Anreize von Prinzipal und Agent unterscheiden sich oft maßgeblich. Menschen handeln nach Anreizen – das ist ein biologisches Grundprinzip, und es geht längst nicht nur ums Geld. Ein Beispiel, das nicht die Regel sein muss, aber sein kann: Der Unternehmer will vor allem das, was für sein Unternehmen am besten ist und ihm langfristig das meiste einbringt. Der Agent will in der Regel das, was für ihn gut aussieht, ihm Anerkennung im Unternehmen verschafft oder ihm persönlich das meiste bringt. Das klingt nach Schnittmenge – kann aber grundlegend auseinanderlaufen. Im schlimmsten Fall ziehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht an einem Strang, sondern arbeiten gegeneinander. Meistens, ohne dass es einem der Beteiligten bewusst ist. Und das sind keine guten Voraussetzungen, um ein erstklassiges Unternehmen aufzubauen.

Warum es für Unternehmer das größte Problem ist. Ich verstehe das Ausmaß dieses Problems erst wirklich, seit ich selbst Unternehmer bin. Im Studium war es für mich nur eine von vielen Theorien – heute weiß ich, wie zentral es ist. Wer ein erstklassiges Unternehmen aufbauen will, muss dieses Problem lösen. Die wichtigste Aufgabe des Prinzipals ist es, die Anreize des Agenten zu verstehen, zu gestalten und eine Win-win-Situation zu schaffen. Charlie Munger und Warren Buffett sind Experten genau für dieses Thema. Wenn sie in ein Unternehmen investieren, ist eine ihrer wichtigsten Fragen: Wie denkt und arbeitet das Management? Und wenn sie ein Unternehmen kaufen, dreht sich alles darum, wie die Anreize so ausgelegt werden, dass die Geschäftsführer dieselben Interessen verfolgen wie sie selbst. Mungers Satz dazu lautet sinngemäß: „Never, ever think about something else when you should be thinking about the power of incentives.“ Die Macht der Anreize – immer wieder. Übrigens: Viele Bonus- und Anreizsysteme in Unternehmen sind alles andere als perfekt gelöst. Da liegt noch viel Potenzial.

Warum es für dich eine Chance ist. Wenn du ein Agent bist, ist dieses Thema vor allem eine Chance. Ich bin immer wieder beeindruckt von Unternehmern, die sehr junge Menschen in hohe Positionen befördern – völlig unabhängig von ihrer bisherigen Erfahrung. Ich durfte das am eigenen Leib erleben. Mein damaliger Chef, ein Unternehmer im Mittelstand, sagte: Erfahrung ist wichtig, aber auf keinen Fall das oberste Kriterium für eine Beförderung. Abschlüsse, Zertifikate, Noten – für ihn irrelevant. Er hat nie nach meinem Bachelor-Abschluss gefragt. Das Einzige, was zählte: Denke und handle ich wie ein Prinzipal? Ziehen wir am selben Strang? Viele erstklassige Unternehmer, die ich kennengelernt habe, denken genauso. Wichtig zur Einordnung: Das ist meine persönliche Erfahrung und lässt sich nicht pauschalisieren. In großen Konzernen ist die Entfernung zum eigentlichen Geschäftsinhaber groß, und nicht jeder Chef ist ein Prinzipal. Aber auch dort gibt es immer wieder herausragende Führungskräfte, die sich wie ein Prinzipal verhalten. Nach denen halte Ausschau.

Die zwei Fragen, die du dir stellen solltest. Das Ganze ist eine langfristige berufliche Strategie. Es kann sein, dass dein jetziger Vorgesetzter die Karten gar nicht so spielt – das macht nichts. Wenn du langfristig ambitionierte Ziele verfolgst, ist deine wichtigste Aufgabe, wie ein Unternehmer zu denken, zu handeln und das auch zu zeigen. Je häufiger du das tust, desto eher stößt du auf echte Prinzipale, die dich erkennen – und dich plötzlich in ganz andere Bereiche befördern. Zwei Fragen helfen dir dabei: Was ist das größte Problem meines Unternehmens und meines Vorgesetzten? Und: Was lässt meine Vorgesetzte nachts wachliegen? Ich habe diese Fragen kürzlich einer ambitionierten Person gestellt – und sah nur ein großes Fragezeichen, weil sie sich das noch nie gefragt hatte. Ein guter Prinzipal wird dich fördern und befördern, unverhältnismäßig schnell. Und nebenbei trainierst du unternehmerisches Denken – wodurch du mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst zu einem Unternehmer wirst.

Wie du andere Menschen wirklich für gemeinsame Ziele gewinnst, vertiefst du in Mitarbeiter motivieren. Was eine gute Führungskraft im Kern ausmacht, hörst du in Gute Führungskraft. Und warum die richtigen Fragen oft mehr bewegen als jede Anweisung, zeigt Führen mit Fragen.

Häufige Fragen zum Prinzipal-Agent-Problem

Was ist das Prinzipal-Agent-Problem? Es beschreibt den Interessenkonflikt zwischen Prinzipal und Agent. Der Prinzipal ist der Unternehmer oder Geschäftsinhaber, der Agent die Person, die für ihn arbeitet. Das Kernproblem: Ihre Anreize laufen oft auseinander, sodass beide nicht am selben Strang ziehen – manchmal sogar gegeneinander arbeiten, ohne es zu merken.

Warum ist es das größte Problem im Management? Weil kein erstklassiges Unternehmen entsteht, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschiedliche Ziele verfolgen. Die wichtigste Aufgabe des Unternehmers ist deshalb, die Anreize so zu gestalten, dass eine echte Win-win-Situation entsteht und alle dieselben Interessen verfolgen.

Wie kann ich als Mitarbeiter vom Prinzipal-Agent-Problem profitieren? Indem du wie ein Prinzipal denkst und handelst – und das auch zeigst. Frag dich, was das größte Problem deines Unternehmens und deines Vorgesetzten ist. Erstklassige Unternehmer suchen Menschen, die unternehmerisch denken, und befördern sie schnell – unabhängig von Abschlüssen oder Erfahrung.

Welche Rolle spielen Anreize dabei? Eine zentrale. Menschen handeln nach Anreizen, nicht nur nach monetären. Charlie Munger betont immer wieder „the power of incentives“. Wer Anreize versteht und richtig gestaltet, löst das Problem an der Wurzel – wer sie ignoriert, kämpft dauerhaft gegen auseinanderlaufende Interessen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Eric Jorgenson – The Almanack of Naval Ravikant: Naval Ravikant ist die Quelle des Leitsatzes und der Prinzipal-Agent-Perspektive dieser Folge.
  • Charlie Munger – Poor Charlie’s Almanack: Mungers „power of incentives“ – warum die Macht der Anreize im Management alles entscheidet.

Wenn du tiefer ins Thema Führung einsteigen willst, findest du die passenden Titel unter Bücher zum Thema Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge Nummer 94: das größte Problem im Management. Vor einigen Tagen habe ich genau zu diesem Thema einen Newsletter veröffentlicht und sehr vielseitige Rückmeldungen bekommen. Eines war klar: Bei vielen, die ihn gelesen haben, habe ich Aha-Momente ausgelöst – genau die gleichen, die ich selbst hatte. Dabei ging es um einen Satz, den ich schon öfter genannt habe und der aus meiner Sicht so unglaublich essenziell ist – einer der wichtigsten Sätze für ambitionierte Persönlichkeiten, den ich selbst seit Langem verinnerlicht habe. In dieser Folge möchte ich dir näherbringen, was es genau mit diesem Satz auf sich hat, warum er so bedeutend ist und warum du damit das größte Problem im Management löst.

Aber lass uns vorne anfangen: Was ist das größte Problem im Management? Das habe ich mir nicht ausgedacht. Es kommt von demselben Mann, von dem auch dieses Zitat stammt – Naval Ravikant. Eine unglaublich inspirierende Persönlichkeit, Investor und Anteilseigner an ganz vielen erfolgreichen Unternehmen, mit breiter Erfahrung und viel zu erzählen. Vielleicht hast du davon sogar schon einmal gehört. Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: Das kenne ich doch schon. Tatsächlich war es Teil des klassischen Curriculums in meinem Master, der sehr managementlastig geprägt war – und vielleicht sogar schon im Bachelor, obwohl es ein Ingenieurstudiengang war. Trotzdem war es für mich damals nur eine von vielen Theorien. Ich habe es gar nicht als ernsthaftes Thema wahrgenommen. In angestellter Funktion war es mir zwar präsent, aber lange nicht so wie heute. Erst seit ich Unternehmer bin, verstehe ich wirklich das Ausmaß dieses Problems.

Um welches Problem geht es? Es geht um das Prinzipal-Agent-Problem. Vielleicht sagt dir das etwas, vielleicht hast du schon davon gehört – dann lass dich nicht abschrecken. Mir ging es genauso: Es fühlte sich an wie eine von vielen Theorien. Aber ich kann dir versichern: Nein, es ist eine ganz zentrale Theorie mit großem Einfluss auf deine berufliche Entwicklung und auf deine heutige Situation.

Was ist das Prinzipal-Agent-Problem überhaupt? Wichtig: „Prinzipal“ wie der Geschäftsinhaber, nicht „Prinzip“. Im Englischen heißt es Principal-Agent-Theory. Ein Prinzipal ist der Geschäftsinhaber, also der Unternehmer – der eigentliche Auftraggeber. Der Agent ist die Person, die für diesen Unternehmer arbeitet, also der Arbeitnehmer. Das Kernproblem dieser Konstellation liegt darin, dass sich die Anreize von Prinzipal und Agent maßgeblich unterscheiden. Auch hier kann man tief einsteigen – im Englischen ist „incentives“ ein riesiges Thema. Tatsächlich handeln Menschen aus biologischer Sicht nach einem Grundprinzip: Sie handeln nach Anreizen. Natürlich nicht nur nach monetären, ganz generell nach Anreizen.

Um ein paar Beispiele zu nennen – das ist in keinem Fall die Regel: Es könnte sein, dass ein Unternehmer in erster Linie das möchte, was für sein Unternehmen am besten ist und ihm das meiste Geld einbringt. Ein Agent hingegen will in der Regel das, was für ihn gut aussieht, was ihm zum Beispiel Anerkennung im Unternehmen verschafft oder ihm persönlich das meiste Geld einbringt. Es klingt, als gäbe es da große Schnittmengen – aber es kann wirklich sein, dass diese beiden Anreize, diese beiden Motivationen grundlegend unterschiedlich sind. Die Folge: Im schlimmsten Fall ziehen Prinzipal und Agent nicht an einem Strang, sondern arbeiten gegeneinander. Meistens ist das den Beteiligten gar nicht bewusst. Eines ist klar: Wenn dieses Problem nicht gelöst ist – wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer grundsätzlich nicht an einem Strang ziehen –, sind das keine guten Voraussetzungen für den Aufbau eines erstklassigen Unternehmens. Das ist absolute Grundvoraussetzung.

Daraus ergeben sich zwei Perspektiven. Zuallererst ist das Prinzipal-Agent-Problem das Problem des Unternehmers – und deswegen ist es mir so bewusst, seit ich selbst Unternehmer bin. Wenn ein Geschäftsinhaber ein erstklassiges, erfolgreiches Unternehmen aufbauen möchte, muss er oder sie dieses Problem lösen. Es ist also die wichtigste Aufgabe des Prinzipals, die Anreize des Agenten zu verstehen, zu gestalten und eine Win-win-Situation zu schaffen.

Charlie Munger, der Partner von Warren Buffett – die beiden sind echte Experten in genau diesem Thema. Wenn sie in ein Unternehmen investieren, ist einer der wichtigsten Faktoren: Wie arbeitet, wie denkt das Management? Und wenn sie ein Unternehmen kaufen, dreht sich alles um die Frage: Wie müssen wir die Anreize richtig auslegen, damit die Geschäftsführer dieses Unternehmens am gleichen Strang ziehen und die gleichen Interessen verfolgen wie wir? Ein Satz von Charlie Munger lautet sinngemäß: „Never, ever think about something else when you should be thinking about the power of incentives.“ Er betont immer wieder die Macht der Anreize. Aus Unternehmersicht ist das eines der wichtigsten Themen überhaupt: sich Gedanken über Anreizsysteme zu machen. Und du kennst das selbst, wenn du Bonussysteme hast – bewerte sie einmal aus dieser Perspektive. Aus meiner Sicht sind viele dieser Anreizsysteme nicht die perfekte Lösung; da liegt noch deutlich mehr Potenzial. Wichtig zu verstehen ist: Für Unternehmer ist dieses Thema ein schwerwiegendes Problem, das es zu lösen gilt.

Für ambitionierte Persönlichkeiten und Mitarbeiter, also für Agenten, ist das Ganze auch ein Problem – aber vielmehr eine Chance. Und damit komme ich zum eingangs genannten Satz zurück und warum dieses Thema für dich so relevant ist: Darin steckt eine unglaublich große Chance für dich persönlich. Vorausgesetzt, du hast ambitionierte Ziele, willst beruflich etwas bewegen und Verantwortung übernehmen. Die Kernfrage lautet: Wie kannst du als ambitionierte Persönlichkeit vom Prinzipal-Agent-Problem profitieren?

Tatsächlich bin ich immer wieder beeindruckt von Unternehmern, die sehr junge Personen in hohe Führungspositionen befördern – völlig unabhängig von ihrer bisherigen Erfahrung. Damals habe ich mir darüber gar nicht so viele Gedanken gemacht, aber rückblickend bin ich umso faszinierter, weil ich dieses Phänomen am eigenen Leib erleben durfte. Ich hatte das große Glück, einen Unternehmer als Chef zu haben, einen Mittelständler, der sagte: Erfahrung ist natürlich wichtig, aber auf keinen Fall das oberste Kriterium für eine Beförderung. Abschlüsse, Zertifikate und dergleichen waren für ihn so etwas von irrelevant. Ob ich eine Schulung besucht hatte, interessierte ihn nicht. Er hat sich in keiner Weise für meinen Bachelor-Abschluss interessiert – ich glaube, er hat nie gesehen, dass ich ihn überhaupt gemacht habe. Noten waren absolut irrelevant. Das Einzige, was wirklich zählte, war: Denke und handle ich wie ein Prinzipal? Inwieweit ziehen wir am gleichen Strang? Viele erstklassige Unternehmer, von denen ich eine ganze Reihe kennengelernt habe, denken genauso. Abschlüsse und Zertifikate sind für sie zweitrangig.

Eine kleine Randnotiz: Das kann man nicht pauschalisieren, und es ist meine persönliche Erfahrung. In großen Unternehmen und Konzernen arbeiten Agenten oft mit Agenten zusammen, nicht direkt mit dem Prinzipal. Und nicht jede Führungskraft denkt wie ein Prinzipal. In einem meiner letzten Workshops kam das auch auf: Nicht jeder Chef ist ein Prinzipal. Letzten Endes geht es um den Unternehmer und Geschäftsinhaber – und je größer das Unternehmen, desto weiter die Entfernung zu diesen Leuten. Trotzdem gibt es auch in solchen Unternehmen immer wieder herausragende Führungskräfte, die sich wie ein Prinzipal verhalten. Nach denen halte Ausschau. Und wichtig: Wundere dich nicht, wenn diese Dinge nicht sofort bei dir greifen. Natürlich achten einige Leute auf Abschlüsse, Zertifikate, Noten und die Anzahl der Jahre in einer Position. Aber ich kann dir versichern: Erstklassigen Unternehmern ist das vollkommen egal. Das Einzige, was zählt, ist: Denkst und handelst du wie ein Prinzipal? Denn das ist das Kernproblem – du zahlst damit auf die gleiche Herausforderung ein wie der Unternehmer selbst.

Wenn du ein Agent bist, dann ist das Ganze eine langfristige berufliche Strategie. Es kann sein, dass dein jetziger Vorgesetzter die Karten gar nicht so spielt. Aber wenn du langfristig ambitionierte berufliche Ziele verfolgst und erreichen möchtest, ist deine allerwichtigste Aufgabe, wirklich so zu denken und zu handeln wie ein Unternehmer – und das auch zu zeigen. Je mehr und je häufiger du das machst, desto eher wirst du auf solche Prinzipale stoßen. Und ich kann dir versichern: Es kann ganz leicht passieren, dass diese dich erkennen und plötzlich in ganz andere Bereiche befördern, weil du letzten Endes genauso denkst und sie das erkennen. Erstklassige Unternehmer sehnen sich nach solchen Persönlichkeiten, weil es sie viel zu selten gibt. Wenn du ein Agent bist, ist das deine wichtigste Aufgabe – und sie trainiert dich nebenbei darin, wie ein Unternehmer zu denken. Das ist nichts Schwarz-Weißes, sondern Training: Unternehmerisches Denken und Handeln ist nicht ganz einfach, aber es sorgt – wie das Zitat sagt – auch dafür, dass du wahrscheinlicher selbst zu einem Unternehmer wirst.

Zwei Fragen solltest du dir in jedem Fall stellen: Was ist das größte Problem meines Unternehmens und meines Vorgesetzten? Und: Was lässt meinen Vorgesetzten oder meine Vorgesetzte nachts wachliegen? Das sind Fragen, die du dir unbedingt stellen solltest. Ich habe das kürzlich mit einer ambitionierten Person besprochen. Als ich ihr diese Frage stellte, sah ich nur ein großes Fragezeichen im Gesicht, weil sie sich das noch nie gefragt hatte. Das ist eine ganz essenzielle Frage, die du für dich beantworten solltest, um das Prinzipal-Agent-Problem als Chance zu nutzen. Denn ein guter Prinzipal wird dich fördern und befördern – und das unverhältnismäßig schnell im Vergleich zu vielen anderen und zu vielen Standardwegen, die man normalerweise hört.

Um das Ganze zusammenzufassen: Das größte Problem im Management ist das Prinzipal-Agent-Problem. Der Prinzipal ist der Unternehmer, der Agent die Person, die für ihn arbeitet. Das Kernproblem liegt darin, dass die Anreize dieser beiden Personengruppen oft in unterschiedliche Richtungen gehen. Das kann bedeuten, dass der Prinzipal sich nach Leuten sehnt, die an seinem Strang ziehen und so denken wie er – denn erstklassige Unternehmer wollen erstklassige Unternehmen aufbauen. Deshalb ist es für Unternehmer eine der wichtigsten Aufgaben. Ich habe über Charlie Munger gesprochen, der sagt: „Never, ever think about something else when you should be thinking about the power of incentives.“ Die Macht der Anreize – ein super essenzielles Thema. Und aus Sicht jeder ambitionierten Persönlichkeit bin ich immer wieder beeindruckt, dass es Unternehmen gibt, die alles Sachliche beiseitelegen – Abschlüsse, Zertifikate, wie viele Jahre du irgendwo warst – und stattdessen sagen: Nein, ich befördere dich, weil du genauso denkst wie ich und mir hilfst, das Unternehmen aufzubauen. Dann ist jeder Abschluss irrelevant. Das ist eines der größten Themen überhaupt.

Ich hoffe, du konntest einige Impulse aus dieser Folge mitnehmen. Wenn du Fragen zu diesem Thema hast, schreib mir gern. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim. Ich freue mich, dass du dabei warst – und wenn du glaubst, dass dieser Podcast auch für andere interessant ist, dann teile ihn gern mit Freunden und Bekannten. Bis zum nächsten Mal.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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