Ich möchte dir eine sehr persönliche Story erzählen. Es ist eine Geschichte aus den ersten Jahren meines Berufslebens, die mich bis heute prägt.
An einem einzigen Tag bin ich mehr gewachsen als in den Monaten davor. Und die eigentliche Lektion war nicht, was ich erreicht habe, sondern was ich über Ziele gelernt habe.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Größer denken beginnt im Kopf. Erst wenn du dir ein großes Ziel selbst zutraust und es aussprichst, wird es real.
- Ein Titel ist kein Ziel. Geschäftsführer zu sein sagt wenig über einen Menschen aus. Die persönliche Reife sagt alles.
- Reife schlägt Rang. Manche Berufseinsteiger mit drei Jahren Erfahrung sind reifer als so mancher langjährige Geschäftsführer.
- Der Weg zählt, nicht die Stufe. Wie der schwarze Gürtel im Karate ist ein erreichtes Ziel oft nicht das Ende, sondern der Anfang der eigentlichen Reise.
- Selbstbestimmung erfüllt. Ein Weg ohne klaren Fahrplan bringt Unsicherheit, aber auch Impact, Freiheit und echte Erfüllung.
Der Workshop, der alles veränderte im Detail
Die E-Mail am Mittwoch. Alles begann mit einer Nachricht meines Chefs, Betreff: „Bitte kurzfristig einspringen.“ Mein Chef war bekannt für solche Aktionen, also machte mich das zunächst nicht nervös. Dann las ich den Titel der Einladung: „Business Roundtable – exklusiver Workshop für geschäftsführende Gesellschafter im Mittelstand.“ In dem Moment blieb mein Herz stehen.
Die Panikzone. Ich hatte gerade erst mein Ingenieurstudium abgeschlossen und war als Qualitätsmanager in einem mittelständischen Industriebetrieb eingestiegen. Komplett grün hinter den Ohren. Als introvertierte Persönlichkeit war ein Workshop mit Geschäftsführern meilenweit außerhalb meiner Komfortzone. Kein Briefing, keine Vorbereitung, nur zwei Zeilen: „Der Veranstalter erwartet zwar mich, aber das sollte kein Problem sein.“ Es folgte eine schlaflose Nacht.
Der Moment im Raum. Schon durchgeschwitzt betrat ich am Donnerstag das Veranstaltungszentrum. An jedem Platz stand ein Namensschild, ich setzte mich an den Platz meines Chefs. Der Raum war für 25 Leute ausgelegt, alle begrüßten sich, als würden sie sich seit Jahren kennen. Genau so war es: eine eingespielte Runde von 24 Unternehmerfreunden. Und ich, der mit Abstand Jüngste.
Die Wende. Dann sagte der Gastgeber das Erste, was mich völlig überraschte: „Ich finde es klasse, dass wir heute einen Ehrengast dabei haben, ein echtes Nachwuchstalent.“ Er sagte einige sehr persönliche Dinge über mich und ergänzte: „Ihr Chef hat mich gestern noch angerufen.“ Diese Worte nahmen mir von einem auf den anderen Moment den Druck. Ein Nachbar klopfte mir auf die Schulter. Es herrschte fast ein Vater-Sohn-Verhältnis im Raum.
Der Entschluss. Der Rest des Tages verging wie im Flug: Gruppendiskussionen, Workshops, Einzelgespräche, Impulsvorträge. Ich hörte Worte, die ich nicht kannte, sah neue Perspektiven, lernte Strategien, die mich stark beeindruckten. Dieses Treffen inspirierte mich, größer zu denken. Danach war für mich klar: Ich werde Geschäftsführer.
Die eigentliche Erkenntnis. Knapp neun Jahre später bin ich Geschäftsführer. Und trotzdem habe ich das Ziel im eigentlichen Sinne nie „erreicht“. Wie beim schwarzen Gürtel im Karate: Wenn du ihn hast, merkst du, dass die Reise erst beginnt. Ein Titel ist irgendwann nur ein Statussymbol, das an Magie verliert. Viel wichtiger ist die persönliche Reife, neugierig zu bleiben und den eigenen, selbstbestimmten Weg zu gehen.
Wenn dich dieser Gedanke bewegt, hörst du am besten weiter: In der Folge Geschäftsführer werden gehe ich dem Weg nach oben genauer nach, und in der Frage, ob besteigst du den falschen Berg geht es genau darum, ob dein Ziel wirklich deins ist. Warum echte Reife oft aus der Arbeit selbst wächst und nicht aus dem Titel, zeigt schließlich das Passion Paradox.
Häufige Fragen zu ambitionierten Zielen
Was heißt „größer denken“ konkret? Größer denken bedeutet, dir ein Ziel zuzutrauen, das heute noch außerhalb deiner Reichweite liegt, es auszusprechen und den Mut zu fassen, den Weg dorthin zu gehen, auch ohne den fertigen Plan.
Ist ein Titel wie „Geschäftsführer“ das eigentliche Ziel? Nein. Ein Titel ist nur ein Etikett. Entscheidend sind persönliche Reife, Entwicklung und die Fähigkeit, neugierig zu bleiben. Der Titel selbst verliert mit der Zeit an Bedeutung.
Muss ich Geschäftsführer werden, um mich zu entwickeln? Nein. Du kannst dich für den Weg des Intrapreneurs entscheiden, also unternehmerisch im Unternehmen handeln. Dieser Weg ist nicht vorgezeichnet, bringt aber Impact, Selbstbestimmung und Erfüllung.
Was war die wichtigste Lektion aus dem Workshop? Dass Geschäftsführer nahbar sind und dass persönliche Reife mehr zählt als jeder Rang. Der Weg mit seinen Erfahrungen ist wichtiger als die Stufe, auf der du gerade stehst.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.
Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.
Transkript
Diese Folge wird etwas kürzer sein als die meisten bisherigen. Weniger wichtig ist sie deshalb nicht, im Gegenteil. Ich möchte eine sehr persönliche Story teilen, eine sehr wichtige Story für mich aus den ersten Jahren meines Berufslebens.
Alles dreht sich um Donnerstag, den 20. November 2014. Dieser Tag war für mich kein normaler Arbeitstag. Es ist ein Tag, den ich nie wieder vergessen werde, einer der Tage, die mich am meisten geprägt haben. An diesem einen Donnerstag bin ich mehr gewachsen als in den drei bis sechs Monaten zuvor.
Und alles begann einen Tag vorher, am Mittwoch, mit einer E-Mail meines Chefs. Der Betreff lautete: „Bitte kurzfristig einspringen.“ Als ich diesen Betreff las, ahnte ich noch nicht, dass diese Mail der Auftakt zu einem der inspirierendsten Tage meines Berufslebens werden würde. Zunächst machte mich das gar nicht nervös, denn mein Chef war bekannt für kurzfristige Aktionen. Nicht selten kam er in mein Büro mit einer Bitte, die meine gesamte Wochenplanung durcheinanderwirbelte. Das war also nichts Ungewöhnliches.
Ich öffnete die Mail. Sinngemäß schrieb Lars: „Morgen ist ein Termin, zu dem ich es leider nicht schaffe. Würden Sie bitte für mich teilnehmen? Hier die Einladung.“ Es war etwa 16:30 Uhr. Mir war klar: mal wieder so eine kurzfristige Aktion. Doch beim Blick auf den Titel des Termins blieb mein Herz stehen. Der Wortlaut: „Business Roundtable – exklusiver Workshop für geschäftsführende Gesellschafter im Mittelstand.“
Geschäftsführende Gesellschafter. Das ging mir sofort durch den Kopf. Mein Puls stieg durch die Decke, meine Hände wurden feucht. Erst vor wenigen Monaten hatte ich mein Ingenieurstudium abgeschlossen und war als Qualitätsmanager in einem mittelständischen Industriebetrieb eingestiegen. Ich war komplett grün hinter den Ohren. Als introvertierte Persönlichkeit war ein Workshop mit Geschäftsführern meilenweit außerhalb meiner Komfortzone, ganz sicher in meiner Panikzone.
Natürlich hatte mein Chef diese Mail gerade dann verschickt und war im nächsten Moment raus aus dem Büro zu einem wichtigen Termin. Ich war auf mich allein gestellt. Kein Briefing, keine Vorbereitung, nur zwei weitere Zeilen, die mich überhaupt nicht beruhigten: „Der Veranstalter erwartet zwar mich, aber das sollte kein Problem sein. Berichten Sie mir einfach am Freitag.“
Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war eine sehr schlaflose Nacht. Schon bevor ich am nächsten Morgen das Veranstaltungszentrum betrat, war ich vor Aufregung völlig durchgeschwitzt. Kennst du solche Momente? Für mich war das extrem.
Ich ging hinein, und an jedem Platz stand ein Namensschild. Wenig überraschend fehlte meines nicht am Platz meines Chefs, dort saß ich also. Der Raum war für 25 Leute ausgelegt. Schnell stellte ich fest: Alle begrüßten sich herzlich, als würden sie sich seit Jahren kennen. Und genau so war es. Es war eine eingespielte Gruppe von Unternehmerfreunden, die sich seit Jahren regelmäßig traf: insgesamt 24 Geschäftsführer und ich. Ich war mit Abstand der Jüngste. Und irgendwie ahnte ich, dass ich mich und meinen Chef an diesem Tag blamieren würde.
Dann sagte der Gastgeber und Moderator etwas, das mich völlig überraschte. Das Event ging los, alle nahmen ihre Plätze ein, und das Erste, was er sagte, war: „Ich finde es klasse, dass wir heute einen Ehrengast dabei haben, ein echtes Nachwuchstalent.“ Er führte das aus und sagte einige sehr detaillierte Dinge über mich. Am Ende schaute er mich an und sagte: „Ihr Chef hat mich gestern noch angerufen und mir einiges erzählt.“
Ich weiß nicht, warum, aber diese Worte halfen ungemein. Von einem auf den anderen Moment nahmen sie mir den Druck. Ich sah die Blicke der anderen Geschäftsführer, mein Nachbar klopfte mir mit seiner Hand auf die Schulter. Es herrschte fast ein Vater-Sohn-Verhältnis im gesamten Raum. Diese Worte beflügelten mich.
Der Rest des Tages verging wie im Flug. Die Zeit raste an mir vorbei. Es gab Gruppendiskussionen, Workshops, Einzelgespräche, kleine Impulsvorträge. Es wurde gelacht, es wurde hitzig diskutiert. Ich hörte Worte, die ich bis dahin nicht kannte, sah Perspektiven, die für mich neu waren, und hörte von Strategien, die mich stark beeindruckten. Ich weiß noch genau, wie ich am nächsten Morgen, am Freitag, voller Begeisterung zu meinem Chef ins Büro ging und ihm von all meinen Eindrücken erzählte.
In den ersten Jahren meines Berufslebens gab es viele Momente außerhalb meiner Komfortzone. Ich habe auf mehreren Betriebsversammlungen gesprochen, Strategieworkshops der Unternehmensführung moderiert und Vorlesungen an der Uni gehalten. Aber es war dieses eine Event, dieses Treffen mit 24 anderen Geschäftsführern, das mich inspiriert hat, größer zu denken. Nach diesem Tag war für mich eines klar: Ich werde Geschäftsführer.
Für mich war das ein ganz besonderer Moment, einer, der mir die Augen geöffnet hat und den ich heute noch nachspüre. Er hat mir einen neuen Blickwinkel auf meine berufliche Laufbahn gegeben und ganz viel Selbstvertrauen, weil ich gemerkt habe: Geschäftsführende Gesellschafter sind nahbar. Als Einsteiger hatte ich nicht viel mit diesem Umfeld zu tun, aber dieses Erlebnis gab mir den Mut, größer zu denken und solche Ziele auch auszusprechen, obwohl ich mir vorher gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht hatte, wo ich langfristig hinwollte. Nach diesem Tag war die Richtung klar: Geschäftsführung.
Was ich heute, knapp neun Jahre später, sagen kann: Ich bin Geschäftsführer, und trotzdem habe ich das Ziel lange nicht erreicht. Das ist die eigentliche Erkenntnis. Es gibt eine Story aus dem Kampfsport. Wer im Karate aktiv ist, kennt den schwarzen Gürtel. Oft denkt man, der schwarze Gürtel sei das Endziel, die Endstation. Doch wenn du ihn erreicht hast, stellst du fest, dass das nicht das Ende der Reise ist, sondern erst ihr Beginn.
Genau das habe ich auch auf meinem eigenen Weg festgestellt. Geschäftsführer zu werden geht schnell. Alles beginnt im Kopf: dass du dir das Ziel selbst zutraust, es für dich ausrufst und den Mut ergreifst, es zuzulassen und auszusprechen. Aber der eigentliche Spaß der Reise beginnt erst danach. Jeder kann ein Gewerbe gründen oder in eine Rolle hineinschlüpfen. Geschäftsführer zu sein ist eine unglaublich spannende Reise, die genau dort erst beginnt.
Und ich kann sagen: Geschäftsführer zu sein ist am Ende gar nicht das wahre Ziel. Das stelle ich nicht nur bei mir selbst fest, sondern auch in der Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, die wir bei Mentorwerk begleiten. Auf der einen Seite gibt es super ambitionierte Ingenieure ganz am Anfang ihres Berufslebens, gerade zwei bis drei Jahre dabei. Auf der anderen Seite begleiten wir Ingenieure, die seit acht bis zehn Jahren im Berufsalltag sind und bereits Geschäftsführer.
Ein großer Aha-Moment für mich war: Nicht selten sind die Einsteiger, die drei Jahre dabei sind, in ihrer Persönlichkeit deutlich reifer als so mancher Geschäftsführer. Da merkt man wieder: Geschäftsführer ist irgendein Titel. Viel wichtiger ist die Persönlichkeit, die persönliche Reife, die persönliche Entwicklung, der berufliche Weg, neugierig zu bleiben und alles aufzusaugen. Natürlich ist die Rolle des Geschäftsführers auch ein Statussymbol, das mit der Zeit an Magie verliert, weil es gar nicht so wichtig ist.
Viel wichtiger ist der Weg. Es gibt zwei davon. Es gibt den klassischen Karriereweg, wie man ihn kennt: die Karriereleiter, vorprogrammiert, du weißt genau, welche Stufen kommen. Und es gibt den Weg, der nicht vorprogrammiert ist, bei dem du nicht weißt, was als Nächstes folgt. Das ist zum Beispiel der Weg eines Unternehmers oder Geschäftsführers.
Aber du musst nicht Geschäftsführer oder Unternehmer sein, um einen solchen abenteuerlichen Weg zu gehen. Du kannst einfach die Entscheidung treffen, Intrapreneur zu werden, also Unternehmer im Unternehmen. Auch dieser Weg ist nicht klar vorgezeichnet. Er ist eher ein Pfad ohne festen Weg, der viel Abenteuer und Unsicherheit mit sich bringt. Aber unterm Strich, und das kann ich für meine Erfahrung, für das gesamte Team bei Mentorwerk und für alle Teams, die wir begleiten, bestätigen, bringt er vor allem Erfüllung. Er bringt Impact, Selbstbestimmung und viele Freiheitsgrade.
Und darum sollte es im Berufsleben eigentlich gehen: nicht fremdbestimmt irgendwelchen Zielen hinterherzujagen, die einem selbst gar nicht wichtig sind, sondern selbstbestimmt den eigenen, individuellen Weg zu gehen und nicht irgendeinen, den sich ein Personaler oder eine Person in einem großen Unternehmen ausgedacht hat.
Ich hoffe, du konntest einige inspirierende Gedanken aus dieser Story mitnehmen. Sei mutig, dir große Ziele zu setzen, auch wenn du heute noch nicht weißt, wie du sie erreichen kannst. Und sei mutig, einen Berufspfad zu wählen und Entscheidungen zu treffen, bei denen du nicht weißt, was in drei Jahren sein wird. Sei mutig, den Weg des Intrapreneurs zu gehen, des Unternehmers im Unternehmen.