13 Dinge, die ich gerne schon zum Berufseinstieg gewusst hätte

Die ersten Berufsjahre sind hart – man fühlt sich gefühlt 98 % der Zeit verloren, verwirrt oder unsicher. Genau dafür hätte ich mir damals einen Spickzettel mit Prinzipien gewünscht.

In dieser Folge bekommst du genau diesen Spickzettel: 13 kompakte Dinge, die ich gern schon zum Berufseinstieg gewusst hätte – direkt anwendbar in deinen ersten Jobjahren.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Du bist (noch) nicht der Stratege: Erst Ergebnisse liefern und Vertrauen verdienen, dann das große Ganze gestalten.
  • Quick Wins & dem Chef Arbeit abnehmen: schnelle Erfolge bei „Low Hanging Fruits“ und bei dem, was dein Chef ungern macht.
  • Über-Kommunikation: Lieber das Gefühl haben, zu viel zu kommunizieren – sei kein stiller Performer.
  • Open-minded statt closed-minded: Fragen stellen und zuhören, nicht recht haben wollen.
  • Verliebe dich in Unordnung: Provisorien und Iteration schlagen Perfektionismus.
  • Werde Meister im Verkaufen & Verhandeln: Jede Interaktion ist ein Verkaufs-Event.

Die 13 Dinge im Detail

  1. Du bist (noch) nicht der Stratege. Konzentriere dich auf Ergebnisse, nicht auf das Ausarbeiten großer Konzepte. Erst musst du Respekt, Vertrauen und Glaubwürdigkeit verdienen, indem du Nutzen stiftest.
  2. Halte dich an deine Versprechen. Sag, was du tun wirst – und tu es. Klingt banal, machen aber viele nicht.
  3. Erziele Quick Wins. In jedem Unternehmen gibt es „Low Hanging Fruits“ – offensichtliche Probleme, die keiner anpackt. Ergreif die Initiative, das bringt früh Sichtbarkeit und Dankbarkeit.
  4. Finde heraus, was dein Chef hasst – und nimm es ihm ab. Drei Fragen: Was magst du? Was kannst du gut? Was braucht das Unternehmen? Die Schnittmenge ist der Jackpot.
  5. Schau über den Tellerrand. Bereichsübergreifendes Wissen ist unterschätzt: Verstehe, wie Wirtschaft, Branche und Unternehmen funktionieren (z. B. Ray Dalios „How the Economic Machine Works“).
  6. Gewinne Freunde. Menschen gehen für die, die sie mögen, die Extrameile. Eine Gebermentalität zahlt sich aus.
  7. Sei open-minded, nicht closed-minded (Ray Dalio). Authentische Fragen stellen und aufmerksam zuhören – statt nur Aussagen zu treffen und recht haben zu wollen.
  8. Verliebe dich in Unordnung und fehlenden Perfektionismus. Meist braucht es kein perfektes Konzept, sondern ein schnelles Provisorium und Fortschritt durch Iteration.
  9. Schreibe Dinge auf. Aufschreiben bringt Klarheit ins Denken (vgl. Amazons „Writing Culture“: Konzeptpapiere statt PowerPoint).
  10. Schnelligkeit ist immer ein Vorteil. Frag dich: Was bräuchte ich, um 50 % schneller zu werden? Oft die Abkürzung: Wer kennt den Weg schon – und kann mir helfen?
  11. Entwickle ein Gefühl von Über-Kommunikation. Vertrauen braucht Zeit; bis es da ist, kommuniziere lieber zu viel. Erledige deine Aufgaben und halte alle von Anfang bis Ende auf dem Laufenden – sei kein stiller Performer.
  12. Sei ein Team Player. Am Anfang ist keine Aufgabe unter deiner Würde. Was zählt, ist, dass das Team gewinnt – Ego hinten anstellen.
  13. Werde ein Meister im Verkaufen und Verhandeln. Verkauft und verhandelt wird überall, nicht nur im Vertrieb – jedes Reporting, jeder Vortrag, jedes Meeting ist ein Verkaufs-Event. Menschen denken psychologisch, nicht logisch.

Weitere Karrieregrundlagen hörst du in Karrieretipps für Ingenieure. Punkt 11 vertieft Sichtbarkeit im Job, und Punkt 13 die Folge Sales für Ingenieure.

Häufige Fragen

Was ist beim Berufseinstieg am wichtigsten? Zuerst Ergebnisse liefern und Vertrauen verdienen, statt sofort den Strategen zu spielen. Quick Wins, verlässliche Versprechen und Über-Kommunikation legen die Basis für alles Weitere.

Wie falle ich als Berufseinsteiger positiv auf? Indem du „Low Hanging Fruits“ anpackst, deinem Chef ungeliebte Aufgaben abnimmst, Team Player bist und alle Beteiligten konsequent auf dem Laufenden hältst.

Warum ist Kommunikation am Anfang so wichtig? Weil Vertrauen Zeit braucht. Wer zu wenig kommuniziert (stiller Performer), wird übersehen – auch wenn die Arbeit gut ist. Lieber das Gefühl haben, etwas zu viel zu kommunizieren.

Was bedeutet open-minded vs. closed-minded? Ein Konzept von Ray Dalio: Open-minded heißt, neugierig Fragen zu stellen und zuzuhören; closed-minded heißt, recht haben zu wollen und nur Aussagen zu treffen. Ersteres lässt dich schneller lernen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Ray Dalio – Principles: open-minded vs. closed-minded (und „How the Economic Machine Works“).
  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: Beziehungen und Gebermentalität.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Karriere als Ingenieur und Kommunikation & Gesprächsführung.

Transkript

Willkommen zu Folge 107: 13 Dinge, die ich gerne schon zum Berufseinstieg gewusst hätte. Die ersten Berufsjahre sind schwierig – das höre ich von fast jedem, mit dem ich spreche. Gerade am Anfang fühlt man sich gefühlt 98 % der Zeit verloren, verwirrt oder unsicher. Man muss sich orientieren, es ist eine neue Welt mit neuer Verantwortung. Ich hätte mir damals einen Spickzettel mit Prinzipien für meine ersten Jobs gewünscht – wie ich mich verhalte und Dinge richtig mache. Genau das sind diese 13 Dinge.

Erstens: Du bist noch nicht der Stratege. Gerade am Anfang musst du dir erst Respekt, Vertrauen und Glaubwürdigkeit verdienen, um überhaupt Entscheidungen über das große Ganze treffen zu dürfen. Das erreichst du nur, indem du Nutzen stiftest und Mehrwert lieferst. Konzentriere dich also auf das Erzielen von Ergebnissen, nicht auf das Ausarbeiten diverser Konzepte. Ich habe selbst einen Hang zu konzeptionellem, ganzheitlichem Denken, und es hat lange gedauert zu akzeptieren, dass ich zum Berufseinstieg noch nicht der Stratege bin.

Zweitens: Halte dich an deine Versprechen. Das klingt banal, ist aber sehr wertvoll – und viele tun es nicht. Wenn du eine Verpflichtung eingehst oder etwas zusagst, dann halte es ein. Nichts ist schlimmer, als etwas nicht einzuhalten oder nur halbherzig umzusetzen – das schafft am Ende mehr Arbeit für alle. Zwei simple Dinge: sagen, dass du etwas tun wirst, und es dann auch tun. Wendet man diesen Zyklus auf alles an, ist das die halbe Miete.

Drittens: Erziele Quick Wins. In jedem Unternehmen gibt es „Low Hanging Fruits“ – offensichtliche Probleme, die jeder kennt, die aber aus irgendeinem Grund niemand behebt. Ergreif die Initiative und löse sie. Du wirst auf viel Dankbarkeit stoßen, zeigst Motivation und sammelst gleich am Anfang Pluspunkte für einen guten ersten Eindruck.

Viertens: Finde heraus, was dein Chef hasst, und nimm es ihm ab. Eine sinnvolle Übung sind drei Fragen: Was magst du? Was kannst du gut? Und was braucht das Unternehmen? Wenn du herausfindest, was das Unternehmen braucht und dein Chef ungern macht, ist das der absolute Jackpot. Es gibt nichts Besseres, als deinem Chef proaktiv Aufgaben abzunehmen, die er ungern macht.

Fünftens: Schau über den Tellerrand. Bereichsübergreifendes Wissen wird unterschätzt. Du solltest wissen, wie die Welt, die Wirtschaft, deine Branche und dein Unternehmen funktionieren. Ein hervorragender Einstieg ist Ray Dalios halbstündiges Video „How the Economic Machine Works“. Wer ein generalistisches Mindset mitbringt, ist ab Tag eins ein wertvoller Zugewinn.

Sechstens: Gewinne Freunde. Menschen setzen sich für die ein, die sie mögen, und gehen für sie die Extrameile. Wer nett zu anderen ist und Freunde gewinnt, dem kommt das in entscheidenden Momenten zugute – eine Gebermentalität ist im beruflichen Kontext ein No-Brainer.

Siebtens: Sei open-minded, nicht closed-minded. Open-minded heißt, offen für Neues zu sein, authentische Fragen zu stellen, neugierig zu sein und aufmerksam zuzuhören. Closed-minded ist das Gegenteil: nur Aussagen treffen, recht haben wollen und mehr reden als zuhören. Letzteres ist nicht erstrebenswert, weil man so nicht lernt.

Achtens: Verliebe dich in Unordnung und fehlenden Perfektionismus. Die meisten hassen Unordnung und meiden sie wie die Pest, und Prokrastination durch Perfektionismus ist ein Riesenthema. Dabei liegt in der Unordnung eine große Chance: Meist braucht es keine perfekte Lösung, sondern ein schnelles Provisorium. Eigne dir provisorisches Denken an und schaffe schnellen Fortschritt durch Iteration.

Neuntens: Schreibe Dinge auf. Das bringt Klarheit in den Denkprozess. Reden und Diskutieren ist wertvoll, birgt aber die Gefahr, Luftschlösser zu bauen. Etwas auszuformulieren und zusammenzufassen ist schwieriger – und genau deshalb wertvoll. Nicht ohne Grund hat Jeff Bezos bei Amazon die Writing Culture eingeführt: Vor Meetings wird ein Konzeptpapier ausformuliert und vorab verteilt.

Zehntens: Schnelligkeit ist immer ein Vorteil. Frag dich: Was müsste ich tun, um 50 % schneller zu werden? Brauche ich Geld, andere Menschen, Support, frische Ideen, andere Blickwinkel oder Abstimmung? Eine starke Abkürzung ist, nicht selbst zu grübeln, sondern zu fragen: Wer kennt diesen Weg schon? Mit dieser Person zu sprechen, spart enorm viel Zeit.

Elftens: Entwickle ein Gefühl von Über-Kommunikation. Vertrauen aufzubauen braucht Zeit; solange es nicht da ist, musst du sehr viel kommunizieren. Im besten Fall hast du dauerhaft das Gefühl, zu viel zu kommunizieren – denn wir alle neigen dazu, zu wenig über das zu reden, was wir tun. Ich habe viele ambitionierte Karrieren stagnieren sehen, weil zu wenig kommuniziert wurde. Sei kein stiller Performer: Erledige deine Aufgaben und halte alle Beteiligten von Anfang bis Ende auf dem Laufenden – mündlich, per Mail oder über andere Wege.

Zwölftens: Sei ein Team Player. Am Anfang steigt jeder am unteren Ende ein – keine Aufgabe sollte unter deiner Würde sein. Was zählt, ist, dass das Team gewinnt; das Ego gehört hinten angestellt. In der Theorie einfach, in der Praxis manchmal ein Kampf mit dem eigenen Ego – aber das Team wird es dir danken, und du hebst dich davon ab.

Dreizehntens: Werde ein Meister im Verkaufen und Verhandeln. Das findet nicht nur im Vertrieb statt, sondern überall und jeden Tag, in jeder menschlichen Interaktion. Ob Reporting, Vortrag, Meeting-Moderation, das Vorstellen von Ideen oder ein Mitarbeitergespräch – jede dieser Interaktionen ist ein Verkaufs-Event. Je schneller du die psychologischen Prinzipien dahinter verstehst und nutzt, desto erfolgreicher wirst du.

Das waren die 13 Dinge: Du bist nicht der Stratege; halte dich an deine Versprechen; erziele Quick Wins; finde heraus, was dein Chef hasst, und nimm es ihm ab; schau über den Tellerrand; gewinne Freunde; sei open-minded; verliebe dich in Unordnung; schreibe Dinge auf; denk an Schnelligkeit; betreibe Über-Kommunikation; sei ein Team Player; und werde ein Meister im Verkaufen und Verhandeln. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

13 Dinge, die ich gerne schon zum Berufseinstieg gewusst hätte

Die ersten Berufsjahre sind hart – man fühlt sich gefühlt 98 % der Zeit verloren, verwirrt oder unsicher. Genau dafür hätte ich mir damals einen Spickzettel mit Prinzipien gewünscht.

In dieser Folge bekommst du genau diesen Spickzettel: 13 kompakte Dinge, die ich gern schon zum Berufseinstieg gewusst hätte – direkt anwendbar in deinen ersten Jobjahren.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Du bist (noch) nicht der Stratege: Erst Ergebnisse liefern und Vertrauen verdienen, dann das große Ganze gestalten.
  • Quick Wins & dem Chef Arbeit abnehmen: schnelle Erfolge bei „Low Hanging Fruits“ und bei dem, was dein Chef ungern macht.
  • Über-Kommunikation: Lieber das Gefühl haben, zu viel zu kommunizieren – sei kein stiller Performer.
  • Open-minded statt closed-minded: Fragen stellen und zuhören, nicht recht haben wollen.
  • Verliebe dich in Unordnung: Provisorien und Iteration schlagen Perfektionismus.
  • Werde Meister im Verkaufen & Verhandeln: Jede Interaktion ist ein Verkaufs-Event.

Die 13 Dinge im Detail

  1. Du bist (noch) nicht der Stratege. Konzentriere dich auf Ergebnisse, nicht auf das Ausarbeiten großer Konzepte. Erst musst du Respekt, Vertrauen und Glaubwürdigkeit verdienen, indem du Nutzen stiftest.
  2. Halte dich an deine Versprechen. Sag, was du tun wirst – und tu es. Klingt banal, machen aber viele nicht.
  3. Erziele Quick Wins. In jedem Unternehmen gibt es „Low Hanging Fruits“ – offensichtliche Probleme, die keiner anpackt. Ergreif die Initiative, das bringt früh Sichtbarkeit und Dankbarkeit.
  4. Finde heraus, was dein Chef hasst – und nimm es ihm ab. Drei Fragen: Was magst du? Was kannst du gut? Was braucht das Unternehmen? Die Schnittmenge ist der Jackpot.
  5. Schau über den Tellerrand. Bereichsübergreifendes Wissen ist unterschätzt: Verstehe, wie Wirtschaft, Branche und Unternehmen funktionieren (z. B. Ray Dalios „How the Economic Machine Works“).
  6. Gewinne Freunde. Menschen gehen für die, die sie mögen, die Extrameile. Eine Gebermentalität zahlt sich aus.
  7. Sei open-minded, nicht closed-minded (Ray Dalio). Authentische Fragen stellen und aufmerksam zuhören – statt nur Aussagen zu treffen und recht haben zu wollen.
  8. Verliebe dich in Unordnung und fehlenden Perfektionismus. Meist braucht es kein perfektes Konzept, sondern ein schnelles Provisorium und Fortschritt durch Iteration.
  9. Schreibe Dinge auf. Aufschreiben bringt Klarheit ins Denken (vgl. Amazons „Writing Culture“: Konzeptpapiere statt PowerPoint).
  10. Schnelligkeit ist immer ein Vorteil. Frag dich: Was bräuchte ich, um 50 % schneller zu werden? Oft die Abkürzung: Wer kennt den Weg schon – und kann mir helfen?
  11. Entwickle ein Gefühl von Über-Kommunikation. Vertrauen braucht Zeit; bis es da ist, kommuniziere lieber zu viel. Erledige deine Aufgaben und halte alle von Anfang bis Ende auf dem Laufenden – sei kein stiller Performer.
  12. Sei ein Team Player. Am Anfang ist keine Aufgabe unter deiner Würde. Was zählt, ist, dass das Team gewinnt – Ego hinten anstellen.
  13. Werde ein Meister im Verkaufen und Verhandeln. Verkauft und verhandelt wird überall, nicht nur im Vertrieb – jedes Reporting, jeder Vortrag, jedes Meeting ist ein Verkaufs-Event. Menschen denken psychologisch, nicht logisch.

Weitere Karrieregrundlagen hörst du in Karrieretipps für Ingenieure. Punkt 11 vertieft Sichtbarkeit im Job, und Punkt 13 die Folge Sales für Ingenieure.

Häufige Fragen

Was ist beim Berufseinstieg am wichtigsten? Zuerst Ergebnisse liefern und Vertrauen verdienen, statt sofort den Strategen zu spielen. Quick Wins, verlässliche Versprechen und Über-Kommunikation legen die Basis für alles Weitere.

Wie falle ich als Berufseinsteiger positiv auf? Indem du „Low Hanging Fruits“ anpackst, deinem Chef ungeliebte Aufgaben abnimmst, Team Player bist und alle Beteiligten konsequent auf dem Laufenden hältst.

Warum ist Kommunikation am Anfang so wichtig? Weil Vertrauen Zeit braucht. Wer zu wenig kommuniziert (stiller Performer), wird übersehen – auch wenn die Arbeit gut ist. Lieber das Gefühl haben, etwas zu viel zu kommunizieren.

Was bedeutet open-minded vs. closed-minded? Ein Konzept von Ray Dalio: Open-minded heißt, neugierig Fragen zu stellen und zuzuhören; closed-minded heißt, recht haben zu wollen und nur Aussagen zu treffen. Ersteres lässt dich schneller lernen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Ray Dalio – Principles: open-minded vs. closed-minded (und „How the Economic Machine Works“).
  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: Beziehungen und Gebermentalität.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Karriere als Ingenieur und Kommunikation & Gesprächsführung.

Transkript

Willkommen zu Folge 107: 13 Dinge, die ich gerne schon zum Berufseinstieg gewusst hätte. Die ersten Berufsjahre sind schwierig – das höre ich von fast jedem, mit dem ich spreche. Gerade am Anfang fühlt man sich gefühlt 98 % der Zeit verloren, verwirrt oder unsicher. Man muss sich orientieren, es ist eine neue Welt mit neuer Verantwortung. Ich hätte mir damals einen Spickzettel mit Prinzipien für meine ersten Jobs gewünscht – wie ich mich verhalte und Dinge richtig mache. Genau das sind diese 13 Dinge.

Erstens: Du bist noch nicht der Stratege. Gerade am Anfang musst du dir erst Respekt, Vertrauen und Glaubwürdigkeit verdienen, um überhaupt Entscheidungen über das große Ganze treffen zu dürfen. Das erreichst du nur, indem du Nutzen stiftest und Mehrwert lieferst. Konzentriere dich also auf das Erzielen von Ergebnissen, nicht auf das Ausarbeiten diverser Konzepte. Ich habe selbst einen Hang zu konzeptionellem, ganzheitlichem Denken, und es hat lange gedauert zu akzeptieren, dass ich zum Berufseinstieg noch nicht der Stratege bin.

Zweitens: Halte dich an deine Versprechen. Das klingt banal, ist aber sehr wertvoll – und viele tun es nicht. Wenn du eine Verpflichtung eingehst oder etwas zusagst, dann halte es ein. Nichts ist schlimmer, als etwas nicht einzuhalten oder nur halbherzig umzusetzen – das schafft am Ende mehr Arbeit für alle. Zwei simple Dinge: sagen, dass du etwas tun wirst, und es dann auch tun. Wendet man diesen Zyklus auf alles an, ist das die halbe Miete.

Drittens: Erziele Quick Wins. In jedem Unternehmen gibt es „Low Hanging Fruits“ – offensichtliche Probleme, die jeder kennt, die aber aus irgendeinem Grund niemand behebt. Ergreif die Initiative und löse sie. Du wirst auf viel Dankbarkeit stoßen, zeigst Motivation und sammelst gleich am Anfang Pluspunkte für einen guten ersten Eindruck.

Viertens: Finde heraus, was dein Chef hasst, und nimm es ihm ab. Eine sinnvolle Übung sind drei Fragen: Was magst du? Was kannst du gut? Und was braucht das Unternehmen? Wenn du herausfindest, was das Unternehmen braucht und dein Chef ungern macht, ist das der absolute Jackpot. Es gibt nichts Besseres, als deinem Chef proaktiv Aufgaben abzunehmen, die er ungern macht.

Fünftens: Schau über den Tellerrand. Bereichsübergreifendes Wissen wird unterschätzt. Du solltest wissen, wie die Welt, die Wirtschaft, deine Branche und dein Unternehmen funktionieren. Ein hervorragender Einstieg ist Ray Dalios halbstündiges Video „How the Economic Machine Works“. Wer ein generalistisches Mindset mitbringt, ist ab Tag eins ein wertvoller Zugewinn.

Sechstens: Gewinne Freunde. Menschen setzen sich für die ein, die sie mögen, und gehen für sie die Extrameile. Wer nett zu anderen ist und Freunde gewinnt, dem kommt das in entscheidenden Momenten zugute – eine Gebermentalität ist im beruflichen Kontext ein No-Brainer.

Siebtens: Sei open-minded, nicht closed-minded. Open-minded heißt, offen für Neues zu sein, authentische Fragen zu stellen, neugierig zu sein und aufmerksam zuzuhören. Closed-minded ist das Gegenteil: nur Aussagen treffen, recht haben wollen und mehr reden als zuhören. Letzteres ist nicht erstrebenswert, weil man so nicht lernt.

Achtens: Verliebe dich in Unordnung und fehlenden Perfektionismus. Die meisten hassen Unordnung und meiden sie wie die Pest, und Prokrastination durch Perfektionismus ist ein Riesenthema. Dabei liegt in der Unordnung eine große Chance: Meist braucht es keine perfekte Lösung, sondern ein schnelles Provisorium. Eigne dir provisorisches Denken an und schaffe schnellen Fortschritt durch Iteration.

Neuntens: Schreibe Dinge auf. Das bringt Klarheit in den Denkprozess. Reden und Diskutieren ist wertvoll, birgt aber die Gefahr, Luftschlösser zu bauen. Etwas auszuformulieren und zusammenzufassen ist schwieriger – und genau deshalb wertvoll. Nicht ohne Grund hat Jeff Bezos bei Amazon die Writing Culture eingeführt: Vor Meetings wird ein Konzeptpapier ausformuliert und vorab verteilt.

Zehntens: Schnelligkeit ist immer ein Vorteil. Frag dich: Was müsste ich tun, um 50 % schneller zu werden? Brauche ich Geld, andere Menschen, Support, frische Ideen, andere Blickwinkel oder Abstimmung? Eine starke Abkürzung ist, nicht selbst zu grübeln, sondern zu fragen: Wer kennt diesen Weg schon? Mit dieser Person zu sprechen, spart enorm viel Zeit.

Elftens: Entwickle ein Gefühl von Über-Kommunikation. Vertrauen aufzubauen braucht Zeit; solange es nicht da ist, musst du sehr viel kommunizieren. Im besten Fall hast du dauerhaft das Gefühl, zu viel zu kommunizieren – denn wir alle neigen dazu, zu wenig über das zu reden, was wir tun. Ich habe viele ambitionierte Karrieren stagnieren sehen, weil zu wenig kommuniziert wurde. Sei kein stiller Performer: Erledige deine Aufgaben und halte alle Beteiligten von Anfang bis Ende auf dem Laufenden – mündlich, per Mail oder über andere Wege.

Zwölftens: Sei ein Team Player. Am Anfang steigt jeder am unteren Ende ein – keine Aufgabe sollte unter deiner Würde sein. Was zählt, ist, dass das Team gewinnt; das Ego gehört hinten angestellt. In der Theorie einfach, in der Praxis manchmal ein Kampf mit dem eigenen Ego – aber das Team wird es dir danken, und du hebst dich davon ab.

Dreizehntens: Werde ein Meister im Verkaufen und Verhandeln. Das findet nicht nur im Vertrieb statt, sondern überall und jeden Tag, in jeder menschlichen Interaktion. Ob Reporting, Vortrag, Meeting-Moderation, das Vorstellen von Ideen oder ein Mitarbeitergespräch – jede dieser Interaktionen ist ein Verkaufs-Event. Je schneller du die psychologischen Prinzipien dahinter verstehst und nutzt, desto erfolgreicher wirst du.

Das waren die 13 Dinge: Du bist nicht der Stratege; halte dich an deine Versprechen; erziele Quick Wins; finde heraus, was dein Chef hasst, und nimm es ihm ab; schau über den Tellerrand; gewinne Freunde; sei open-minded; verliebe dich in Unordnung; schreibe Dinge auf; denk an Schnelligkeit; betreibe Über-Kommunikation; sei ein Team Player; und werde ein Meister im Verkaufen und Verhandeln. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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