Wenn ich mir selbst als Berufseinsteiger – Anfang zwanzig, frisch nach dem Bachelor – nur fünf Ratschläge hätte geben dürfen, dann wären es genau diese fünf. Sie sind die zentralen Hebel für eine erfüllende und erfolgreiche Karriere als Ingenieur.
In dieser Folge bekommst du diese fünf Prinzipien kompakt und mit konkreten Beispielen, mit denen du sofort anfangen kannst.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- 1. Ergründe deine Ziele, Werte und Prinzipien und halte sie in einem persönlichen Leitbild fest.
- 2. Lies täglich Bücher zur persönlichen Entwicklung – der Zinseszins der Entwicklung.
- 3. Denke und handle unternehmerisch – proaktiv, mit Owner-Mindset.
- 4. Sei authentisch sichtbar und kommuniziere effektiv – „Menschen denken psychologisch, nicht logisch.“
- 5. Entwickle deine Karriere in Micro Steps – kleine Schritte statt großer, lähmender Fragen.
Die 5 Dinge im Detail
1. Ergründe deine Ziele, Werte und Prinzipien. Jedes erfolgreiche Unternehmen hat ein Leitbild zur Orientierung für wichtige Entscheidungen – bei Einzelpersonen sieht man das selten. Wer sich ein persönliches Leitbild erarbeitet, lernt viel über sich selbst und schafft sich einen Kompass für Karriereentscheidungen. Das Format ist zweitrangig; entscheidend ist, es aufzuschreiben. Verstehe es als Sammelordner: Jedes Zitat, jedes Vorbild, jede Idee, die dich begeistert, gehört hinein. Das Tückische am Wissen über sich selbst: Liest du heute einen starken Gedanken, ist er in zwei Wochen wieder weg – im Leitbild bleibt er erhalten.
2. Lies täglich Bücher zur persönlichen Entwicklung. Es gibt unzählige außergewöhnliche Menschen, die ihr Leben einem Thema gewidmet haben. Stell dir vor, du lernst täglich von ihnen – nur 15 Minuten, über fünf Jahre. Das ist der Zinseszins der persönlichen Entwicklung: exponentielles Wachstum. Mach das Lesen zum täglichen Standard („raise your standards“), nicht zur Ausnahme einmal pro Woche.
3. Denke und handle unternehmerisch. Erstklassige Unternehmer und Führungskräfte sehnen sich nach Menschen, die den Erfolg des Unternehmens im Sinn haben, Eigeninitiative zeigen, mitdenken und Probleme lösen. Niemand wünscht sich reaktive Mitarbeiter. Frag dich: Was würde ich tun, um den größtmöglichen Beitrag zu leisten, wenn mir niemand Aufgaben vorgibt? Wer so denkt und es sichtbar macht, bekommt oft früh viel Verantwortung.
4. Sei authentisch sichtbar und kommuniziere effektiv. Sichtbarkeit, Selbstmarketing und souveränes Auftreten sind für viele – gerade introvertierte Ingenieure – emotional negativ belegt. Dabei ist Sichtbarkeit etwas Neutrales. Das Schlüsselwort ist authentisch: Es geht nicht darum, laut zu sein, sondern Beziehungen aufzubauen und Vertrauen zu gewinnen. Das kann auch bedeuten, keine Vorträge zu halten, sondern die Tiefe in Einzelgesprächen zu suchen oder dem Chef regelmäßig eine kurze Zusammenfassung zu geben. Denn: Menschen denken und handeln psychologisch, nicht logisch. Die Arbeit allein für sich sprechen zu lassen, ist „Hope Marketing“ – zu wenig.
5. Entwickle deine Karriere in Micro Steps. Man kann sich mit den großen Fragen verrückt machen: „Was ist meine Berufung? Welcher Weg passt zu mir?“ Diese Fragen lassen sich am Schreibtisch nicht lösen und bremsen, weil sie keinen Fortschritt bringen – und Fortschritt ist der größte Motivator. Die Lösung sind Micro Steps: die kleinstmögliche Handlung, die du heute oder morgen umsetzen kannst. Zum Beispiel: ein Gespräch mit dem Chef über deine Ambitionen initiieren (statt aufs Jahresgespräch zu warten), mit drei Personen aus anderen Bereichen sprechen, fünf spannende Werdegänge auf LinkedIn anschreiben, einfach eine Bewerbung schreiben (der Prozess allein ist lehrreich), dir einen Mentor suchen oder drei passende Bücher bestellen (Just-in-time-Learning). So machst du jede Woche echten Fortschritt.
Punkt 2 vertieft die Folge Lebenslanges Lernen, Punkt 3 die Folge Unternehmerisch denken, und für Punkt 4 hörst du Sichtbarkeit im Job.
Häufige Fragen
Was ist ein persönliches Leitbild? Eine geordnete Sammlung deiner zentralen Ziele, Werte und Prinzipien – wie das Leitbild eines Unternehmens. Es gibt Orientierung bei Karriereentscheidungen und hält wichtige Erkenntnisse über dich selbst fest.
Warum sollte ich täglich lesen? Weil sich tägliche kleine Investitionen in Wissen exponentiell auswirken (Zinseszins der persönlichen Entwicklung). 15 Minuten am Tag über Jahre verändern deine Lernkurve grundlegend.
Was bedeutet „Karriere in Micro Steps“? Statt auf die perfekte Antwort auf große Karrierefragen zu warten, definierst du die kleinstmögliche nächste Handlung – ein Gespräch, eine Nachricht, eine Bewerbung – und machst so kontinuierlich Fortschritt.
Wie werde ich als introvertierter Ingenieur sichtbar? Authentisch: über Einzelgespräche, gezielte kurze Updates an die richtigen Personen und den Aufbau von Vertrauen – statt über laute Selbstinszenierung, die nicht zu dir passt.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Grundlage des persönlichen Leitbilds.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.
Diese Folge gehört zum Thema Karriere als Ingenieur und persönliche Entwicklung.
Transkript
Willkommen zu Folge 77: 5 Dinge, die jeder ambitionierte Ingenieur wissen sollte. Diese fünf Dinge sind für mich so zentral, dass ich sie mir selbst geben würde, wenn ich als Berufseinsteiger – Anfang zwanzig, nach dem Bachelor – nur fünf Ratschläge hätte. Natürlich brauchen sie Erläuterung, aber das sind genau die fünf Kernpunkte.
Punkt 1: Ergründe deine zentralen Ziele, Werte und Prinzipien. Jedes erfolgreiche Unternehmen hat ein Leitbild zur Orientierung für wichtige Entscheidungen und um zentrale Ziele, Werte und Prinzipien nicht aus den Augen zu verlieren. Was bei den besten Unternehmen Standard ist, sieht man bei Einzelpersonen selten. Wer sich ein Leitbild erarbeitet, lernt viel über sich selbst und schafft sich ein wertvolles Werkzeug, das bei Karriereentscheidungen Orientierung gibt. Im ersten Moment klingt das banal – jeder könnte sofort über seine Ziele, Werte und Prinzipien sprechen. Wichtig ist, sie aufzuschreiben, in geordneter Form. Das Format ist zweitrangig; ich habe anfangs die perfekte Struktur gesucht, das ist aber irrelevant. Verstehe das Leitbild als Sammelordner: Jedes Mal, wenn du über ein Zitat, eine Aussage, ein Vorbild oder eine Inspirationsquelle stolperst, gehört das hinein. Das Wissen über sich selbst ist flüchtig: Liest du heute einen tollen Satz, denkst du „daran muss ich mich öfter erinnern“ – in zwei Wochen ist er weg, und in zwei Jahren bist du froh, ihn notiert zu haben.
Punkt 2: Lies täglich Bücher zur persönlichen Entwicklung. Es gibt unzählige außergewöhnliche Menschen – Künstler, Unternehmer, Mentoren, Pioniere, Vordenker, Strategen, Praktiker, Wissenschaftler –, die ihr Leben einem Thema gewidmet und Herausragendes geleistet haben. Stell dir vor, du würdest täglich von ihnen lernen, ihre Bücher lesen, ihre Erfahrungen aufsaugen – nur 15 Minuten täglich für die nächsten fünf Jahre. Das ist der exponentielle Effekt, der Zinseszins nicht nur bei der Geldanlage, sondern bei der persönlichen Entwicklung. Wer zur Lernmaschine wird, dem öffnen sich viele Türen. Mach das tägliche Lesen zu deinem Standard – „raise your standards“ – statt nur einmal pro Woche zu lesen. Es wird Phasen geben, in denen es nicht klappt, aber mach es zum Standard.
Punkt 3: Sei unternehmerisch. Erstklassige Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte sehnen sich nach Personen, die den Erfolg des Unternehmens im Sinn haben, Eigeninitiative zeigen, mitdenken, Ideen einbringen, andere für Verbesserungen begeistern und Probleme lösen. Sie lieben proaktive Mitarbeiter. Ich kenne keinen guten Chef, der sich reaktive Mitarbeiter wünscht. Jeder hat eine Rolle, aber wie du sie auslegst, ist dir überlassen. Kenne deine Kernaktivitäten – wann bist du wirklich effektiv und lieferst den besten Beitrag? Eine starke Frage: Wenn du deine Aufgaben nicht vorgegeben bekämst, was würdest du tun, um den größtmöglichen Beitrag zu leisten? Wer unternehmerisch denkt und das sichtbar macht, trifft früher oder später auf die richtige Person – und bekommt dann oft sehr viel Verantwortung.
Punkt 4: Sei authentisch sichtbar und kommuniziere effektiv. Niemand mag Schwätzer oder Blender – viel reden, nichts dahinter. Und doch können manche eines besonders gut: sichtbar sein. Wenn so jemand Lob, Anerkennung oder eine Beförderung erfährt, empfinden stille Performer das als ungerecht. Sichtbarkeit, Selbstmarketing, souveränes Auftreten – überall, wo Menschen arbeiten, ist das wichtig, denn Menschen denken und handeln nicht logisch, sondern psychologisch. Es geht nicht darum, laut zu sein, sondern Beziehungen aufzubauen und Vertrauen zu gewinnen – und das kann man lernen. Für viele, gerade introvertierte Ingenieure, sind diese Begriffe ein Feindbild und emotional belegt. Dabei ist Sichtbarkeit neutral, und das richtige Beiwort ist authentisch. Wenn dir das schwerfällt, finde trotzdem Wege, authentisch sichtbar zu sein: vielleicht keine Vorträge, keine große Online-Präsenz, sondern die Tiefe in Einzelgesprächen mit den richtigen Personen, oder regelmäßige kurze Zusammenfassungen an deinen Chef. So vermittelst du auch deine unternehmerische Denkweise. Die Arbeit allein für sich sprechen zu lassen, ist „Hope Marketing“ – zu wenig. Du darfst deine Komfortzone erweitern, aber den für dich richtigen, authentischen Weg wählen. Ich poste heute Beiträge, die mir früher schwerfielen – mache aber bewusst keine Videos oder einen YouTube-Kanal, weil das nicht mein authentischer Weg ist. Sichtbarkeit und Selbstvermarktung sind neutral – nimm sie auch so auf und überlege: Wie möchtest du wahrgenommen werden, und was kannst du dafür tun?
Punkt 5: Entwickle deine Karriere in Micro Steps. Man kann Tage mit der Suche nach dem perfekten Karriereziel vergeuden: Welche Optionen habe ich, wo will ich hin, welcher Weg passt zu mir? Diese großen Fragen haben mich verrückt gemacht – und am Ende hatte ich keine Antwort, weil man sie am Schreibtisch nicht lösen kann. Schlimmer: Ich habe keinen Fortschritt erzielt, und fehlender Fortschritt demotiviert. Erfolgreiche Karriereentwicklung funktioniert nicht über das große Planungsbild, sondern über Fortschritt durch Micro Steps – die kleinstmögliche Handlung, die du heute oder morgen umsetzen kannst. Beispiele: Initiiere ein Gespräch mit deinem Chef über deine Ambitionen, statt aufs Jahresgespräch zu warten. Sprich mit drei Personen aus deinem oder einem anderen Bereich. Such auf LinkedIn fünf Menschen mit spannendem Werdegang, schreib sie an und stell Fragen. Schreib einfach eine Bewerbung – du hast nichts zu verlieren, und allein der Prozess ist lehrreich. Such dir einen Mentor. Bestell dir drei Bücher, die genau zu deiner Frage passen (Just-in-time-Learning). Blocke dir feste Zeit dafür und such einen Ort abseits deines normalen Umfelds. Du kannst Spotify übrigens wie eine Suchmaschine nutzen und nach konkreten Begriffen wie „nächster Karriereschritt“ suchen. Lass dich nicht von den großen Fragen zermürben, sondern übersetze sie in konkrete Micro Steps – und sag am Ende jeder Woche: Ich habe Fortschritt gemacht.
Zusammengefasst die fünf Punkte: Erstens, ergründe deine Ziele, Werte und Prinzipien (persönliches Leitbild). Zweitens, lies täglich Bücher zur persönlichen Entwicklung. Drittens, sei unternehmerisch. Viertens, sei authentisch sichtbar und kommuniziere effektiv. Fünftens, entwickle deine Karriere in Micro Steps. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.