Motivation überbewertet: Warum dein Umfeld dich trägt, nicht deine Willenskraft

Die meisten Menschen glauben, dass ihr Verhalten das Ergebnis von Motivation, Talent und Willenskraft ist. Wenn etwas nicht klappt, lautet die Frage: „Wie werde ich motivierter?“

Das ist die falsche Frage. Jedes Verhalten ist kontextabhängig – es hängt von deinem Umfeld ab. In dieser Folge geht es darum, warum Motivation überbewertet wird und wie du deine Umgebung so gestaltest, dass sie dich automatisch in die richtige Richtung lenkt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Motivation wird überbewertet. „Wie werde ich motivierter?“ ist die falsche Frage. James Clear bringt es in Atomic Habits auf den Punkt: Motivation wird überschätzt.
  • Dein Umfeld ist der größte Hebel. Der stärkste Einflussfaktor auf dein Verhalten – im Positiven wie im Negativen – ist nicht deine Willenskraft, sondern dein Kontext: die Menschen um dich herum und deine physische Umgebung.
  • Verhalten ist kontextabhängig. Jede Gewohnheit ist an ihr Umfeld gekoppelt. Wer den Kontext richtig gestaltet, muss keine Willenskraft mehr aufbringen.
  • Gestalte als Architekt deines Umfelds. Mach gute Dinge sichtbar und leicht zugänglich, schlechte Dinge unsichtbar und schwer zugänglich. Das gilt zu Hause, am Arbeitsplatz und im ganzen Alltag.
  • Schon zwei, drei kleine Änderungen reichen. Das Auto abschaffen, das Fahrrad in die Wohnung stellen, Bücher griffbereit halten, kleinere Teller benutzen – kleine Eingriffe verändern dein Verhalten dauerhaft.
  • Umfeldgestaltung wirkt auch im Team. Büro, Räume und Wege formen die Unternehmenskultur. Wer Begegnungen fördert, formt das Verhalten ganzer Teams.

Warum Motivation überbewertet wird – das Wichtigste im Detail

1. Die falsche Frage: „Wie werde ich motivierter?“

Die meisten gehen davon aus, dass ihre Gewohnheiten und ihr Verhalten die Folge von Motivation, Talent, Einsatz und Willenskraft sind. James Clear, in seinem Buch Atomic Habits einer der wichtigsten Autoren zum Thema Gewohnheiten, sagt klar: Motivation wird überbewertet. Wenn du das Gefühl hast „Ich würde gerne mehr von dem und dem machen, aber ich raffe mich nicht auf“, dann ist „Wie kann ich motivierter werden?“ die falsche Frage. Denn Willenskraft ist eine endliche Ressource – und gegen die eigene Willenskraft zu kämpfen, ist ein Kampf, den du auf Dauer verlierst.

2. Verhalten ist kontextabhängig

Jedes Verhalten, jede Gewohnheit ist kontextabhängig – sprich umfeldabhängig. Der Kontext, in dem du dich bewegst, die Menschen und die Umgebung, prägen deine Entscheidungen. Ein gutes Beispiel sind Supermärkte: Wie das Obst am Eingang präsentiert wird, welche Produkte auf Augenhöhe stehen, welche Auswahl es überhaupt gibt – diese Gestaltung hat enormen Einfluss darauf, wofür du dich entscheidest. Genau dieses Prinzip kannst du dir selbst zu eigen machen.

3. Der größte Einflussfaktor ist dein Umfeld

Die wichtigste Erkenntnis: Der größte Hebel, um dein Verhalten in eine positive oder negative Richtung zu lenken, ist dein Umfeld. Damit sind zwei Dinge gemeint: die Menschen um dich herum und deine physische Umgebung – also wie dein Arbeitsplatz und deine Wohnung gestaltet sind. Das Ganze ist im Kern Architektur: Wie kannst du dein Umfeld so bauen, dass du die für dich richtigen Entscheidungen fast automatisch triffst?

4. Eine persönliche Geschichte: Auto raus, Fahrrad rein

Im letzten Jahr wurde mein Rennrad aus dem Keller geklaut. Auf der Suche nach einem neuen Fahrrad ist mir aufgefallen: Eigentlich würde ich gern viel häufiger fahren – tue es aber nicht. Das größte Hindernis war offensichtlich mein Auto. Die meisten Wege – ins Büro, Einkäufe, Besuche bei Freunden und Familie – hätte ich problemlos mit dem Rad machen können. Aus Bequemlichkeit war das Auto aber immer die Standardlösung. Da kann ich noch so viel Motivation aufbringen: Solange das Auto der einfachste Weg ist, nehme ich das Auto.

Also habe ich nach 17 Jahren als Autobesitzer mein Auto verkauft. In den knapp acht Monaten danach hat sich alles verändert. Ich fahre jetzt fast überall mit dem Rad – sogar bei Regen, und merke: So schlimm ist das gar nicht. Wichtig waren zwei einfache Änderungen am Umfeld: Erstens steht das Fahrrad nicht mehr im Keller, sondern in der Wohnung – leicht zugänglich, ohne Umweg übers Abschließen. Zweitens habe ich mir bewusst ein Rad angeschafft, das mir Freude macht, sodass mich das Umfeld geradezu anzieht, es zu nutzen. Das Ergebnis: Ich bewege mich viel mehr und lege Kilometer zurück, die ich sonst nie gefahren wäre. Geholfen hat auch, dass ich in Hamburg von Mobilitätslösungen umgeben bin und in meiner Umgebung kaum jemand ein Auto besitzt – auch das ist Umfeld.

5. So gestaltest du dein Umfeld richtig

Die zentrale Frage lautet: Welches Verhalten möchtest du ändern – etwas verstärken oder etwas vermeiden? Schreib dir zwei, drei Punkte auf. Dann gilt: Mach positive Dinge offensichtlicher und leichter zugänglich, mach negative Dinge schwerer zugänglich. Ein paar konkrete Beispiele aus der Folge:

  • Mehr lesen? Umgib dich mit Büchern. Ich habe immer ein Buch dabei. Ich lese nicht viel, weil ich viele Bücher habe – ich habe viele Bücher, deshalb lese ich viel.
  • Mehr trinken? Stell eine Wasserflasche oder -karaffe sichtbar an deinen Arbeitsplatz. Steht sie da, trinkst du automatisch mehr.
  • Mehr Sport und Bewegung? Stell Fahrrad, Sportkleidung und Sportgeräte sichtbar in die Wohnung. Visuelle Trigger stoßen das richtige Verhalten an.
  • Gesünder essen? Halt Obst und Nüsse griffbereit. Und nutze kleinere Teller, Gläser und Becher – allein die Größe steuert, wie viel du isst.
  • Negative Gewohnheiten erschweren: kein Fernseher, weniger Apps und Social Media auf dem Handy, keine Süßigkeitenschale in Sichtweite. Wo eine Schale steht, greifst du zu – egal, wie sehr du dich wehrst.

6. Umfeldgestaltung am Arbeitsplatz

Auch deine Produktivität hängt vom Umfeld ab. Pflanzen erhöhen erwiesenermaßen die Produktivität – such einfach mal nach „Pflanzen und Produktivität“. Kopfhörer, Visualisierungen und Bücher mit wichtigen Aussagen können dich fokussieren. Für die Pomodoro-Technik (Arbeit in 25-Minuten-Sprints mit kurzen Pausen) hilft ein einfacher Wecker auf dem Tisch mehr als der Handy-Timer. Und auch eine Couch im Büro kann nützlich sein – sie macht einen Powernap überhaupt erst greifbar. Ein Tipp zum Schluss: Such auf YouTube nach „work with me“ oder „study with me“. Dort siehst du, wie andere ihren Arbeitsplatz gestalten, um fokussiert zu arbeiten.

7. Umfeld im Team und Unternehmen

Umfeldgestaltung geht über den eigenen Schreibtisch hinaus. Die Gestaltung von Büro, Gebäude und Räumen hat immensen Einfluss auf das Verhalten von Mitarbeitern – und die Summe dieses Verhaltens ist die Unternehmenskultur. Ein Gründer mit einem Process-Engineering-Hintergrund hat das konsequent genutzt: Er wollte möglichst viele Begegnungen erzeugen – er nannte sie „Kollisionen“ –, weil aus Austausch und Reibung eine starke, vertrauensvolle Kultur entsteht. Dafür hat er fast alle Eingänge des Gebäudes schließen lassen, sodass alle durch denselben Haupteingang gehen und sich zwangsläufig häufiger begegnen. Egal welche Rolle du hast: Wenn du das Umfeld deines Teams mitgestalten kannst, formst du damit dessen Verhalten.

Kurz gefasst: Dein Umfeld beeinflusst dein Verhalten nicht nur ein bisschen, sondern immens – es ist der wichtigste Faktor. Statt zu fragen „Wie motiviere ich mich?“, frag: „Wie verändere ich meinen Kontext, sodass die richtigen Entscheidungen leicht werden?“ Überlege, welches Verhalten du ändern willst, und gestalte dein Umfeld so, dass positive Dinge einfach und negative Dinge schwer werden. Oft reichen zwei, drei kleine Eingriffe – und ein kleines Budget für Anschaffungen, die dein Verhalten dauerhaft tragen.

Wie stark allein die Menschen um dich herum auf dich abfärben und wie du dich vor einem destruktiven Umfeld schützt, vertieft Umgang mit negativen Menschen. Warum Systeme und Disziplin verlässlicher sind als kurzfristige Motivation, hörst du in Kultur der Disziplin. Wie du die Umgebung gezielt nutzt, um konkrete Routinen aufzubauen, zeigt Wie du positive Gewohnheiten entwickelst. Und wie du deine Grundhaltung selbst gestaltest, statt auf gute Stimmung zu warten, ergänzt Optimismus lernen.

Häufige Fragen zu Motivation und Umfeld

Ist Motivation wirklich überbewertet? Ja. Motivation und Willenskraft sind endlich und schwanken stark. James Clear formuliert in Atomic Habits, dass Motivation überbewertet wird. Verlässlicher ist es, dein Umfeld so zu gestalten, dass das richtige Verhalten leicht und das falsche schwer wird – dann brauchst du gar nicht erst viel Willenskraft.

Warum ist mein Umfeld wichtiger als meine Willenskraft? Weil jedes Verhalten kontextabhängig ist. Dein Kontext – die Menschen um dich herum und deine physische Umgebung – steuert deine Entscheidungen oft unbewusst. Gegen ein Umfeld anzukämpfen, das dich in die falsche Richtung zieht, kostet ständig Energie. Ein gut gestaltetes Umfeld trägt dich dagegen von allein.

Wie gestalte ich mein Umfeld so, dass es mich unterstützt? Frag dich zuerst, welches Verhalten du verstärken oder vermeiden willst. Dann mach die guten Dinge sichtbar und leicht zugänglich (Buch dabei, Wasserflasche am Tisch, Fahrrad in der Wohnung) und die schlechten unsichtbar und schwer erreichbar (keine Süßigkeitenschale, weniger Apps, kein Fernseher). Schau dich bewusst um und verändere zwei, drei Dinge.

Beeinflusst das Umfeld auch ein ganzes Team? Ja. Wie Büro, Gebäude und Wege gestaltet sind, prägt das Verhalten der Mitarbeiter – und die Summe dieses Verhaltens ist die Unternehmenskultur. Wer Begegnungen fördert, etwa durch einen gemeinsamen Haupteingang statt vieler Nebeneingänge, formt aktiv die Kultur und das Verhalten des Teams.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

James Clear – Die 1%-Methode (Atomic Habits): das zentrale Werk zum Thema Gewohnheiten und Umfeldgestaltung – „Motivation wird überbewertet“.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge Nummer 75: die Power des Umfelds – warum Motivation überbewertet wird. Ich habe in diesem Podcast schon viel über Gewohnheiten gesprochen und darüber, wie man sein Verhalten verbessern und optimieren kann. Heute geht es um den Einflussfaktor schlechthin, über den relativ selten gesprochen wird: die Power des Umfelds. Ich zeige dir, wie du dein Umfeld richtig gestalten kannst, was genau dahintersteckt, und teile zwischendurch eine persönliche Geschichte, die mir dieses Thema in den letzten Monaten immer wieder vor Augen geführt hat.

Grundsätzlich, und das ist mir besonders wichtig: Die meisten Menschen glauben, dass ihre Gewohnheiten und ihr Verhalten die Folge von Motivation, Talent, Einsatz und Willenskraft sind. James Clear, der in seinem Buch Atomic Habits einer der wichtigsten Autoren zum Thema Gewohnheiten ist, sagt klar: Motivation wird überbewertet. Das heißt: Wenn du das Gefühl hast „Ich würde gern mehr von dem und dem machen, aber ich raffe mich nicht auf“, dann ist „Wie kann ich motivierter werden?“ die falsche Frage. Wichtig zu verstehen ist, dass jedes Verhalten, jede Gewohnheit kontextabhängig ist – sprich umfeldabhängig. Der Kontext, in dem du dich bewegst, das Umfeld und die Menschen prägen dein Verhalten. Wenn du diesen Kontext so gestaltest, dass er das richtige Verhalten fördert, machst du es richtig.

Die wichtigste Erkenntnis: Der größte Einflussfaktor, um dein Verhalten in eine positive oder negative Richtung zu lenken, ist dein Umfeld – die Menschen, aber auch deine Umgebung, also wie dein Arbeitsplatz und deine Wohnung gestaltet sind. Das Ganze ist im Kern Architektur: Wie kann ich mein Umfeld so gestalten, dass ich die für mich richtigen Entscheidungen treffe? Das klingt vielleicht komisch, weil so selten darüber gesprochen wird, aber dein Umfeld hat direkten Einfluss auf deine Entscheidungen. Denk an Supermärkte: wie und wo das Obst präsentiert wird, welche Dinge in den Regalen wo stehen, welche Auswahl es gibt. Diese Gestaltung hat enormen Einfluss darauf, wofür du dich entscheidest. Genau dieses Phänomen – das Verhaltensmuster von Menschen zu verstehen und es sich zu eigen zu machen – darum geht es.

Dazu eine kurze persönliche Geschichte. Im letzten Jahr wurde mein Rennrad aus dem Keller geklaut – ich hatte es nicht angeschlossen. Auch wenn ich das Rad sehr mochte und gern damit gefahren bin, habe ich auf der Suche nach einem neuen gemerkt: Eigentlich nutze ich es viel zu selten, dabei würde ich es viel lieber häufiger nutzen. Mit einem neuen Fahrrad allein ist es aber nicht getan. Wie kann ich mein Umfeld so gestalten, dass ich es mehr nutze? Mein größtes Hindernis war damals offensichtlich mein Auto. Die meisten Wege – ins Büro, Einkäufe, Fahrten zu Freunden, Bekannten und Familie – hätte ich problemlos mit dem Rad machen können. Aus Bequemlichkeit habe ich es aber nicht gemacht, weil in meinem Umfeld das Auto immer die einfachste Lösung war. Da kann ich noch so viel Motivation und Willenskraft aufbringen – meine Standardhaltung war das Auto. Also war für mich klar: Das Auto muss weg.

Kurz zu mir: Ich habe mit 17 den Führerschein gemacht und war seitdem Autobesitzer, bin immer viel gefahren, weil es die Standardlösung war. Im letzten Jahr habe ich mich entschieden, mein Auto loszuwerden, und es verkauft. Rückblickend faszinierend, wie einfach eine Änderung des Umfelds positive Gewohnheiten fördern kann. Es ist jetzt knapp acht Monate her, und alles hat sich geändert. Ich fahre jetzt mit dem Rad ins Büro und mache auch andere Wege damit. Typisches Beispiel: Früher habe ich bei Regen nie das Rad genommen. Heute nehme ich auch da das Fahrrad und merke, es ist gar nicht so schlimm – die Dinge lösen sich, weil ich das Umfeld so gestaltet habe, dass ich das Fahrrad nehme. Dazu kommt: Das Fahrrad steht nicht mehr im Keller, sondern in meiner Wohnung, ist also leicht zugänglich. Ich muss es nicht extra im Keller aufwendig abschließen, sondern kann es mir schnappen und losfahren. Das sind zwei einfache Änderungen.

Und noch etwas habe ich gemacht: Ich habe mir ein Fahrrad angeschafft, das mich begeistert und an dem ich Freude habe. So gestalte ich mein Umfeld so, dass es mich anzieht, es zu nutzen. Es klingt banal, aber in den letzten acht Monaten habe ich mich viel mehr bewegt und kilometerweit zurückgelegt, was ich sonst nicht getan hätte. Natürlich ist die Entscheidung, das Auto zu verkaufen, nicht leicht. Geholfen hat, dass ich hier in Hamburg in einer Gemeinschaft lebe, in der ich einer der wenigen war, die überhaupt ein Auto hatten – auch das ist Umfeld: Wenn die Leute um dich herum kein Auto haben, bringt dich das dazu, ebenfalls keins zu haben. Dazu gibt es in Hamburg unglaublich viele Mobilitätslösungen, Carsharing, Roller, Stadträder, dazu Lieferdienste fürs Einkaufen. Es gibt schlicht keine Notwendigkeit mehr für ein Auto. Trotzdem ist die Entscheidung, es zu verkaufen, nicht banal. Ich werfe die Geschichte ein, weil sie schön zeigt, wie man sein Verhalten komplett ändern kann – durch zwei, drei kleine Änderungen am Umfeld.

Jetzt zu der Frage, wie du dein Umfeld richtig gestalten kannst – ein paar Beispiele. Wenn du mehr lesen möchtest, umgib dich mit Büchern. Egal ob am Arbeitsplatz oder in der Wohnung, ich habe immer ein Buch dabei. Das sorgt dafür, dass ich lese: Ich lese nicht viel, weil ich viele Bücher habe, sondern andersrum – ich habe viele Bücher, deshalb lese ich viel. Genauso banal und wirkungsvoll: Wenn du mehr trinken willst, stell eine Wasserflasche oder -karaffe an deinen Arbeitsplatz; steht sie da, trinkst du automatisch mehr.

Die Kernfrage ist also: Welches Verhalten möchtest du ändern, was möchtest du verstärken oder vermeiden? Schreib dir zwei, drei Punkte auf. Und dann: Wie kannst du den Kontext, das Umfeld, ändern? Wenn du gute Dinge offensichtlicher machst, nutzt du sie mehr; machst du schlechte Dinge schwerer zugänglich, nutzt du sie weniger. Es geht darum, positiven Einfluss leichter zugänglich und negativen Einfluss schwerer zugänglich zu machen. Ein gutes Fahrrad und gute Sportkleidung sind so ein Anstoß in die richtige Richtung. Dinge auch visuell sichtbar in der Wohnung zu haben – das Fahrrad, Sportkleidung, Sportgeräte –, hat enormen Wert, das habe ich lange unterschätzt. Bei Freunden, die sich zu Corona-Zeiten ein kleines Homegym eingerichtet haben, ist die sportliche Aktivität enorm gestiegen.

Es können auch kleine Dinge sein. Bücher hatte ich schon. Schau dich einfach um, nach links und rechts, egal wo du bist: Welche Gegenstände sind in deinem Umfeld? Gerade bei der Ernährung – sind Obst, Nüsse und dergleichen griffbereit, oder eher andere Sachen? Und noch ein Beispiel zur Ernährung: die Tellergröße. Die meisten kennen das nicht, aber große Teller, Gläser und Becher führen dazu, dass du mehr isst. Kleinere Teller und kleinere Portionsgrößen sind nicht nur gesünder, sondern auch förderlich für die Produktivität. Das klingt banal, aber es ist wirklich so – und das ist es, was ich meine, wenn ich sage, dass so wenige Leute darüber sprechen und es aktiv in die Hand nehmen.

Auch negative Beispiele: Ich habe vom Auto gesprochen. Genauso geht es darum, keinen Fernseher zu haben oder das Handy und den Rechner so zu gestalten, dass du weniger Apps und weniger Social-Media-Apps hast. Süßigkeiten: Wenn ich zur Weihnachtszeit meine Eltern besuche, weiß ich, dass ich Süßigkeiten essen werde, auch wenn ich es nicht will – weil eine riesige Schale auf dem Tisch steht. Da kann ich mich kaum wehren; es ist ein Kampf gegen die eigene Willenskraft. Bei mir zu Hause steht stattdessen der Obstkorb, also greife ich automatisch zum Apfel. Schau dir dein Umfeld an, nach links und rechts, am Arbeitsplatz wie zu Hause: Was steht da, und wie beeinflusst es dich? Ich garantiere dir, es gibt viele Dinge, die du optimieren kannst.

Zum Thema Arbeitsplatzgestaltung für höhere Produktivität: Ich habe mich in den letzten Wochen damit beschäftigt und wollte meinen Arbeitsplatz aufwerten. Dabei bin ich auf das Thema Pflanzen gestoßen – such mal nach „Pflanzen und Produktivität“. Pflanzen erhöhen erwiesenermaßen die Produktivität, das war für mich ein neues Feld. Ich habe mir ein paar pflegeleichte Pflanzen angeschafft. Weitere Quick-Tipps: Kopfhörer, das Arbeiten mit Visualisierungen – das können Bücher sein, die für dich wichtige Aussagen haben, oder andere Dinge, die dir persönlich etwas bedeuten. Dann die Pomodoro-Technik: eine Arbeitsstunde in 25-Minuten-Sprints mit kurzen Pausen unterteilen, dafür einen Wecker stellen. Ein einfaches Mittel ist, sich einen simplen Wecker zu kaufen und auf den Arbeitsplatz zu stellen, statt nur den Handy-Wecker zu nutzen – ich garantiere dir, du wirst die Technik mehr nutzen, weil es wieder mit der Umfeldgestaltung zusammenhängt.

Einfache Dinge wie das Handy vom Tisch nehmen, Apfel, Nüsse, Wasser und Tee bereitstellen, die richtige Teekanne haben, am Rechner E-Mail-Programme und andere Ablenkungen ausstellen. Sogar so etwas wie eine Couch im Büro: Wir haben eine im Büro, und nur weil sie greifbar in der Nähe steht, mache ich vielleicht mal für zehn Minuten die Augen zu, einen Powernap, und starte danach mit frischer Energie in die nächste Arbeitsphase. Eine kleine Entdeckung möchte ich dir noch mitgeben: Such auf YouTube nach „work with me“ oder „study with me“. Da kannst du anderen beim Arbeiten zusehen. Besonders spannend finde ich, zu sehen, wie andere ihren Arbeitsplatz gestaltet haben, um produktiv zu sein. Wir alle haben ein eigenes Produktivitätssystem und eine eigene Arbeitsplatzgestaltung, reden aber viel zu selten darüber. Deshalb ist es spannend, einer Person über die Schulter zu schauen, wie sie wirklich fokussiert arbeitet.

Egal wo du unterwegs bist und wie viel Verantwortung du trägst: Das Thema Umfeld- und Arbeitsplatzgestaltung geht über den eigenen Arbeitsplatz hinaus und ist auch im beruflichen Kontext, im Unternehmen und im Team wichtig. Die Bürogestaltung hat immensen Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeiter, und sie formt die Unternehmenskultur: wie der Bürokomplex, das Gebäude, die Räume und die Schreibtische gestaltet sind. Die Summe dieses Verhaltens ist die Kultur im Unternehmen. Ein Gründer mit Process-Engineering-Hintergrund – sein Unternehmen wurde in den USA von Emerson aufgekauft und ist für eine tolle Unternehmenskultur bekannt – hat sich genau das zu Herzen genommen: Wie gestalte ich das Umfeld so, dass eine Kultur entsteht, in der es Spaß macht zu arbeiten und in der Menschen die beste Performance liefern? Die Grundlage dafür ist eine vertrauensvolle Kultur, in der Mitarbeiter viel miteinander reden und sich austauschen. Seine Prämisse war, möglichst viele „Kollisionen“ zu erzeugen – also dass Personen aufeinandertreffen. In seinem Unternehmen arbeiteten hunderte Leute, und es gab mehrere Eingänge. Er hat alle bis auf einen Haupteingang schließen lassen, mit dem Gedanken, dass dann alle durch eine Tür laufen und es mehr Begegnungen gibt. Das hat er auch auf die Raum- und Bürogestaltung übertragen.

Ich lade dich herzlich ein, dir das anzuschauen – egal welche Rolle du hast. Wenn du gestalten kannst, dann nicht nur deinen eigenen Arbeitsplatz, dein Zuhause und deine Umgebung, sondern auch die Umgebung deines Teams und Unternehmens. Bei der Arbeitsplatzgestaltung wird viel über Ergonomie gesprochen, und die ist wichtig, aber es ist ein viel größeres Thema: Wie kannst du durch Umgebungsgestaltung Verhalten in positiver Weise formen? Schau einfach mal nach links und rechts und überlege, welche kleinen Dinge du ändern kannst. Es gibt viele tolle Investments für dreißig, vierzig Euro – ein Wecker, eine Obstschale, ein wöchentlicher Obst-Lieferdienst. Überleg, wie du ein kleines Budget freimachst, fünfzig bis hundert Euro, für Neuanschaffungen, die dein Verhalten positiv fördern.

Ich fasse zusammen: Das Umfeld beeinflusst dein Verhalten nicht nur ein bisschen, sondern immens – es ist der wichtigste Faktor. James Clear sagt, Motivation wird einfach überbewertet. „Wie kann ich mich mehr motivieren?“ ist die falsche Frage. Die wichtigere Frage ist: Wie kann ich meinen Kontext, mein Umfeld und meine Umgebung so beeinflussen, dass sie die richtigen Entscheidungen für mich fördern? Ich habe die persönliche Geschichte erzählt: Fahrrad geklaut, Auto verkauft. Ich kann dich nur einladen, das mal zu testen – das Auto zu verkaufen, wenn du nicht gerade auf dem Land wohnst. Man gewöhnt sich an viele Dinge, auch daran. Die Kernfrage bleibt: Welches Verhalten möchtest du ändern, und wie kannst du dein Umfeld entsprechend ändern, also positive Dinge fördern und negative erschweren? Egal in welchem Bereich – Fitness, Gesundheit, persönliche Entwicklung wie Lesen, Produktivität oder Konsum. Ich hoffe, du konntest einige Impulse mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Motivation überbewertet: Warum dein Umfeld dich trägt, nicht deine Willenskraft

Die meisten Menschen glauben, dass ihr Verhalten das Ergebnis von Motivation, Talent und Willenskraft ist. Wenn etwas nicht klappt, lautet die Frage: „Wie werde ich motivierter?“

Das ist die falsche Frage. Jedes Verhalten ist kontextabhängig – es hängt von deinem Umfeld ab. In dieser Folge geht es darum, warum Motivation überbewertet wird und wie du deine Umgebung so gestaltest, dass sie dich automatisch in die richtige Richtung lenkt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Motivation wird überbewertet. „Wie werde ich motivierter?“ ist die falsche Frage. James Clear bringt es in Atomic Habits auf den Punkt: Motivation wird überschätzt.
  • Dein Umfeld ist der größte Hebel. Der stärkste Einflussfaktor auf dein Verhalten – im Positiven wie im Negativen – ist nicht deine Willenskraft, sondern dein Kontext: die Menschen um dich herum und deine physische Umgebung.
  • Verhalten ist kontextabhängig. Jede Gewohnheit ist an ihr Umfeld gekoppelt. Wer den Kontext richtig gestaltet, muss keine Willenskraft mehr aufbringen.
  • Gestalte als Architekt deines Umfelds. Mach gute Dinge sichtbar und leicht zugänglich, schlechte Dinge unsichtbar und schwer zugänglich. Das gilt zu Hause, am Arbeitsplatz und im ganzen Alltag.
  • Schon zwei, drei kleine Änderungen reichen. Das Auto abschaffen, das Fahrrad in die Wohnung stellen, Bücher griffbereit halten, kleinere Teller benutzen – kleine Eingriffe verändern dein Verhalten dauerhaft.
  • Umfeldgestaltung wirkt auch im Team. Büro, Räume und Wege formen die Unternehmenskultur. Wer Begegnungen fördert, formt das Verhalten ganzer Teams.

Warum Motivation überbewertet wird – das Wichtigste im Detail

1. Die falsche Frage: „Wie werde ich motivierter?“

Die meisten gehen davon aus, dass ihre Gewohnheiten und ihr Verhalten die Folge von Motivation, Talent, Einsatz und Willenskraft sind. James Clear, in seinem Buch Atomic Habits einer der wichtigsten Autoren zum Thema Gewohnheiten, sagt klar: Motivation wird überbewertet. Wenn du das Gefühl hast „Ich würde gerne mehr von dem und dem machen, aber ich raffe mich nicht auf“, dann ist „Wie kann ich motivierter werden?“ die falsche Frage. Denn Willenskraft ist eine endliche Ressource – und gegen die eigene Willenskraft zu kämpfen, ist ein Kampf, den du auf Dauer verlierst.

2. Verhalten ist kontextabhängig

Jedes Verhalten, jede Gewohnheit ist kontextabhängig – sprich umfeldabhängig. Der Kontext, in dem du dich bewegst, die Menschen und die Umgebung, prägen deine Entscheidungen. Ein gutes Beispiel sind Supermärkte: Wie das Obst am Eingang präsentiert wird, welche Produkte auf Augenhöhe stehen, welche Auswahl es überhaupt gibt – diese Gestaltung hat enormen Einfluss darauf, wofür du dich entscheidest. Genau dieses Prinzip kannst du dir selbst zu eigen machen.

3. Der größte Einflussfaktor ist dein Umfeld

Die wichtigste Erkenntnis: Der größte Hebel, um dein Verhalten in eine positive oder negative Richtung zu lenken, ist dein Umfeld. Damit sind zwei Dinge gemeint: die Menschen um dich herum und deine physische Umgebung – also wie dein Arbeitsplatz und deine Wohnung gestaltet sind. Das Ganze ist im Kern Architektur: Wie kannst du dein Umfeld so bauen, dass du die für dich richtigen Entscheidungen fast automatisch triffst?

4. Eine persönliche Geschichte: Auto raus, Fahrrad rein

Im letzten Jahr wurde mein Rennrad aus dem Keller geklaut. Auf der Suche nach einem neuen Fahrrad ist mir aufgefallen: Eigentlich würde ich gern viel häufiger fahren – tue es aber nicht. Das größte Hindernis war offensichtlich mein Auto. Die meisten Wege – ins Büro, Einkäufe, Besuche bei Freunden und Familie – hätte ich problemlos mit dem Rad machen können. Aus Bequemlichkeit war das Auto aber immer die Standardlösung. Da kann ich noch so viel Motivation aufbringen: Solange das Auto der einfachste Weg ist, nehme ich das Auto.

Also habe ich nach 17 Jahren als Autobesitzer mein Auto verkauft. In den knapp acht Monaten danach hat sich alles verändert. Ich fahre jetzt fast überall mit dem Rad – sogar bei Regen, und merke: So schlimm ist das gar nicht. Wichtig waren zwei einfache Änderungen am Umfeld: Erstens steht das Fahrrad nicht mehr im Keller, sondern in der Wohnung – leicht zugänglich, ohne Umweg übers Abschließen. Zweitens habe ich mir bewusst ein Rad angeschafft, das mir Freude macht, sodass mich das Umfeld geradezu anzieht, es zu nutzen. Das Ergebnis: Ich bewege mich viel mehr und lege Kilometer zurück, die ich sonst nie gefahren wäre. Geholfen hat auch, dass ich in Hamburg von Mobilitätslösungen umgeben bin und in meiner Umgebung kaum jemand ein Auto besitzt – auch das ist Umfeld.

5. So gestaltest du dein Umfeld richtig

Die zentrale Frage lautet: Welches Verhalten möchtest du ändern – etwas verstärken oder etwas vermeiden? Schreib dir zwei, drei Punkte auf. Dann gilt: Mach positive Dinge offensichtlicher und leichter zugänglich, mach negative Dinge schwerer zugänglich. Ein paar konkrete Beispiele aus der Folge:

  • Mehr lesen? Umgib dich mit Büchern. Ich habe immer ein Buch dabei. Ich lese nicht viel, weil ich viele Bücher habe – ich habe viele Bücher, deshalb lese ich viel.
  • Mehr trinken? Stell eine Wasserflasche oder -karaffe sichtbar an deinen Arbeitsplatz. Steht sie da, trinkst du automatisch mehr.
  • Mehr Sport und Bewegung? Stell Fahrrad, Sportkleidung und Sportgeräte sichtbar in die Wohnung. Visuelle Trigger stoßen das richtige Verhalten an.
  • Gesünder essen? Halt Obst und Nüsse griffbereit. Und nutze kleinere Teller, Gläser und Becher – allein die Größe steuert, wie viel du isst.
  • Negative Gewohnheiten erschweren: kein Fernseher, weniger Apps und Social Media auf dem Handy, keine Süßigkeitenschale in Sichtweite. Wo eine Schale steht, greifst du zu – egal, wie sehr du dich wehrst.

6. Umfeldgestaltung am Arbeitsplatz

Auch deine Produktivität hängt vom Umfeld ab. Pflanzen erhöhen erwiesenermaßen die Produktivität – such einfach mal nach „Pflanzen und Produktivität“. Kopfhörer, Visualisierungen und Bücher mit wichtigen Aussagen können dich fokussieren. Für die Pomodoro-Technik (Arbeit in 25-Minuten-Sprints mit kurzen Pausen) hilft ein einfacher Wecker auf dem Tisch mehr als der Handy-Timer. Und auch eine Couch im Büro kann nützlich sein – sie macht einen Powernap überhaupt erst greifbar. Ein Tipp zum Schluss: Such auf YouTube nach „work with me“ oder „study with me“. Dort siehst du, wie andere ihren Arbeitsplatz gestalten, um fokussiert zu arbeiten.

7. Umfeld im Team und Unternehmen

Umfeldgestaltung geht über den eigenen Schreibtisch hinaus. Die Gestaltung von Büro, Gebäude und Räumen hat immensen Einfluss auf das Verhalten von Mitarbeitern – und die Summe dieses Verhaltens ist die Unternehmenskultur. Ein Gründer mit einem Process-Engineering-Hintergrund hat das konsequent genutzt: Er wollte möglichst viele Begegnungen erzeugen – er nannte sie „Kollisionen“ –, weil aus Austausch und Reibung eine starke, vertrauensvolle Kultur entsteht. Dafür hat er fast alle Eingänge des Gebäudes schließen lassen, sodass alle durch denselben Haupteingang gehen und sich zwangsläufig häufiger begegnen. Egal welche Rolle du hast: Wenn du das Umfeld deines Teams mitgestalten kannst, formst du damit dessen Verhalten.

Kurz gefasst: Dein Umfeld beeinflusst dein Verhalten nicht nur ein bisschen, sondern immens – es ist der wichtigste Faktor. Statt zu fragen „Wie motiviere ich mich?“, frag: „Wie verändere ich meinen Kontext, sodass die richtigen Entscheidungen leicht werden?“ Überlege, welches Verhalten du ändern willst, und gestalte dein Umfeld so, dass positive Dinge einfach und negative Dinge schwer werden. Oft reichen zwei, drei kleine Eingriffe – und ein kleines Budget für Anschaffungen, die dein Verhalten dauerhaft tragen.

Wie stark allein die Menschen um dich herum auf dich abfärben und wie du dich vor einem destruktiven Umfeld schützt, vertieft Umgang mit negativen Menschen. Warum Systeme und Disziplin verlässlicher sind als kurzfristige Motivation, hörst du in Kultur der Disziplin. Wie du die Umgebung gezielt nutzt, um konkrete Routinen aufzubauen, zeigt Wie du positive Gewohnheiten entwickelst. Und wie du deine Grundhaltung selbst gestaltest, statt auf gute Stimmung zu warten, ergänzt Optimismus lernen.

Häufige Fragen zu Motivation und Umfeld

Ist Motivation wirklich überbewertet? Ja. Motivation und Willenskraft sind endlich und schwanken stark. James Clear formuliert in Atomic Habits, dass Motivation überbewertet wird. Verlässlicher ist es, dein Umfeld so zu gestalten, dass das richtige Verhalten leicht und das falsche schwer wird – dann brauchst du gar nicht erst viel Willenskraft.

Warum ist mein Umfeld wichtiger als meine Willenskraft? Weil jedes Verhalten kontextabhängig ist. Dein Kontext – die Menschen um dich herum und deine physische Umgebung – steuert deine Entscheidungen oft unbewusst. Gegen ein Umfeld anzukämpfen, das dich in die falsche Richtung zieht, kostet ständig Energie. Ein gut gestaltetes Umfeld trägt dich dagegen von allein.

Wie gestalte ich mein Umfeld so, dass es mich unterstützt? Frag dich zuerst, welches Verhalten du verstärken oder vermeiden willst. Dann mach die guten Dinge sichtbar und leicht zugänglich (Buch dabei, Wasserflasche am Tisch, Fahrrad in der Wohnung) und die schlechten unsichtbar und schwer erreichbar (keine Süßigkeitenschale, weniger Apps, kein Fernseher). Schau dich bewusst um und verändere zwei, drei Dinge.

Beeinflusst das Umfeld auch ein ganzes Team? Ja. Wie Büro, Gebäude und Wege gestaltet sind, prägt das Verhalten der Mitarbeiter – und die Summe dieses Verhaltens ist die Unternehmenskultur. Wer Begegnungen fördert, etwa durch einen gemeinsamen Haupteingang statt vieler Nebeneingänge, formt aktiv die Kultur und das Verhalten des Teams.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

James Clear – Die 1%-Methode (Atomic Habits): das zentrale Werk zum Thema Gewohnheiten und Umfeldgestaltung – „Motivation wird überbewertet“.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.

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Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge Nummer 75: die Power des Umfelds – warum Motivation überbewertet wird. Ich habe in diesem Podcast schon viel über Gewohnheiten gesprochen und darüber, wie man sein Verhalten verbessern und optimieren kann. Heute geht es um den Einflussfaktor schlechthin, über den relativ selten gesprochen wird: die Power des Umfelds. Ich zeige dir, wie du dein Umfeld richtig gestalten kannst, was genau dahintersteckt, und teile zwischendurch eine persönliche Geschichte, die mir dieses Thema in den letzten Monaten immer wieder vor Augen geführt hat.

Grundsätzlich, und das ist mir besonders wichtig: Die meisten Menschen glauben, dass ihre Gewohnheiten und ihr Verhalten die Folge von Motivation, Talent, Einsatz und Willenskraft sind. James Clear, der in seinem Buch Atomic Habits einer der wichtigsten Autoren zum Thema Gewohnheiten ist, sagt klar: Motivation wird überbewertet. Das heißt: Wenn du das Gefühl hast „Ich würde gern mehr von dem und dem machen, aber ich raffe mich nicht auf“, dann ist „Wie kann ich motivierter werden?“ die falsche Frage. Wichtig zu verstehen ist, dass jedes Verhalten, jede Gewohnheit kontextabhängig ist – sprich umfeldabhängig. Der Kontext, in dem du dich bewegst, das Umfeld und die Menschen prägen dein Verhalten. Wenn du diesen Kontext so gestaltest, dass er das richtige Verhalten fördert, machst du es richtig.

Die wichtigste Erkenntnis: Der größte Einflussfaktor, um dein Verhalten in eine positive oder negative Richtung zu lenken, ist dein Umfeld – die Menschen, aber auch deine Umgebung, also wie dein Arbeitsplatz und deine Wohnung gestaltet sind. Das Ganze ist im Kern Architektur: Wie kann ich mein Umfeld so gestalten, dass ich die für mich richtigen Entscheidungen treffe? Das klingt vielleicht komisch, weil so selten darüber gesprochen wird, aber dein Umfeld hat direkten Einfluss auf deine Entscheidungen. Denk an Supermärkte: wie und wo das Obst präsentiert wird, welche Dinge in den Regalen wo stehen, welche Auswahl es gibt. Diese Gestaltung hat enormen Einfluss darauf, wofür du dich entscheidest. Genau dieses Phänomen – das Verhaltensmuster von Menschen zu verstehen und es sich zu eigen zu machen – darum geht es.

Dazu eine kurze persönliche Geschichte. Im letzten Jahr wurde mein Rennrad aus dem Keller geklaut – ich hatte es nicht angeschlossen. Auch wenn ich das Rad sehr mochte und gern damit gefahren bin, habe ich auf der Suche nach einem neuen gemerkt: Eigentlich nutze ich es viel zu selten, dabei würde ich es viel lieber häufiger nutzen. Mit einem neuen Fahrrad allein ist es aber nicht getan. Wie kann ich mein Umfeld so gestalten, dass ich es mehr nutze? Mein größtes Hindernis war damals offensichtlich mein Auto. Die meisten Wege – ins Büro, Einkäufe, Fahrten zu Freunden, Bekannten und Familie – hätte ich problemlos mit dem Rad machen können. Aus Bequemlichkeit habe ich es aber nicht gemacht, weil in meinem Umfeld das Auto immer die einfachste Lösung war. Da kann ich noch so viel Motivation und Willenskraft aufbringen – meine Standardhaltung war das Auto. Also war für mich klar: Das Auto muss weg.

Kurz zu mir: Ich habe mit 17 den Führerschein gemacht und war seitdem Autobesitzer, bin immer viel gefahren, weil es die Standardlösung war. Im letzten Jahr habe ich mich entschieden, mein Auto loszuwerden, und es verkauft. Rückblickend faszinierend, wie einfach eine Änderung des Umfelds positive Gewohnheiten fördern kann. Es ist jetzt knapp acht Monate her, und alles hat sich geändert. Ich fahre jetzt mit dem Rad ins Büro und mache auch andere Wege damit. Typisches Beispiel: Früher habe ich bei Regen nie das Rad genommen. Heute nehme ich auch da das Fahrrad und merke, es ist gar nicht so schlimm – die Dinge lösen sich, weil ich das Umfeld so gestaltet habe, dass ich das Fahrrad nehme. Dazu kommt: Das Fahrrad steht nicht mehr im Keller, sondern in meiner Wohnung, ist also leicht zugänglich. Ich muss es nicht extra im Keller aufwendig abschließen, sondern kann es mir schnappen und losfahren. Das sind zwei einfache Änderungen.

Und noch etwas habe ich gemacht: Ich habe mir ein Fahrrad angeschafft, das mich begeistert und an dem ich Freude habe. So gestalte ich mein Umfeld so, dass es mich anzieht, es zu nutzen. Es klingt banal, aber in den letzten acht Monaten habe ich mich viel mehr bewegt und kilometerweit zurückgelegt, was ich sonst nicht getan hätte. Natürlich ist die Entscheidung, das Auto zu verkaufen, nicht leicht. Geholfen hat, dass ich hier in Hamburg in einer Gemeinschaft lebe, in der ich einer der wenigen war, die überhaupt ein Auto hatten – auch das ist Umfeld: Wenn die Leute um dich herum kein Auto haben, bringt dich das dazu, ebenfalls keins zu haben. Dazu gibt es in Hamburg unglaublich viele Mobilitätslösungen, Carsharing, Roller, Stadträder, dazu Lieferdienste fürs Einkaufen. Es gibt schlicht keine Notwendigkeit mehr für ein Auto. Trotzdem ist die Entscheidung, es zu verkaufen, nicht banal. Ich werfe die Geschichte ein, weil sie schön zeigt, wie man sein Verhalten komplett ändern kann – durch zwei, drei kleine Änderungen am Umfeld.

Jetzt zu der Frage, wie du dein Umfeld richtig gestalten kannst – ein paar Beispiele. Wenn du mehr lesen möchtest, umgib dich mit Büchern. Egal ob am Arbeitsplatz oder in der Wohnung, ich habe immer ein Buch dabei. Das sorgt dafür, dass ich lese: Ich lese nicht viel, weil ich viele Bücher habe, sondern andersrum – ich habe viele Bücher, deshalb lese ich viel. Genauso banal und wirkungsvoll: Wenn du mehr trinken willst, stell eine Wasserflasche oder -karaffe an deinen Arbeitsplatz; steht sie da, trinkst du automatisch mehr.

Die Kernfrage ist also: Welches Verhalten möchtest du ändern, was möchtest du verstärken oder vermeiden? Schreib dir zwei, drei Punkte auf. Und dann: Wie kannst du den Kontext, das Umfeld, ändern? Wenn du gute Dinge offensichtlicher machst, nutzt du sie mehr; machst du schlechte Dinge schwerer zugänglich, nutzt du sie weniger. Es geht darum, positiven Einfluss leichter zugänglich und negativen Einfluss schwerer zugänglich zu machen. Ein gutes Fahrrad und gute Sportkleidung sind so ein Anstoß in die richtige Richtung. Dinge auch visuell sichtbar in der Wohnung zu haben – das Fahrrad, Sportkleidung, Sportgeräte –, hat enormen Wert, das habe ich lange unterschätzt. Bei Freunden, die sich zu Corona-Zeiten ein kleines Homegym eingerichtet haben, ist die sportliche Aktivität enorm gestiegen.

Es können auch kleine Dinge sein. Bücher hatte ich schon. Schau dich einfach um, nach links und rechts, egal wo du bist: Welche Gegenstände sind in deinem Umfeld? Gerade bei der Ernährung – sind Obst, Nüsse und dergleichen griffbereit, oder eher andere Sachen? Und noch ein Beispiel zur Ernährung: die Tellergröße. Die meisten kennen das nicht, aber große Teller, Gläser und Becher führen dazu, dass du mehr isst. Kleinere Teller und kleinere Portionsgrößen sind nicht nur gesünder, sondern auch förderlich für die Produktivität. Das klingt banal, aber es ist wirklich so – und das ist es, was ich meine, wenn ich sage, dass so wenige Leute darüber sprechen und es aktiv in die Hand nehmen.

Auch negative Beispiele: Ich habe vom Auto gesprochen. Genauso geht es darum, keinen Fernseher zu haben oder das Handy und den Rechner so zu gestalten, dass du weniger Apps und weniger Social-Media-Apps hast. Süßigkeiten: Wenn ich zur Weihnachtszeit meine Eltern besuche, weiß ich, dass ich Süßigkeiten essen werde, auch wenn ich es nicht will – weil eine riesige Schale auf dem Tisch steht. Da kann ich mich kaum wehren; es ist ein Kampf gegen die eigene Willenskraft. Bei mir zu Hause steht stattdessen der Obstkorb, also greife ich automatisch zum Apfel. Schau dir dein Umfeld an, nach links und rechts, am Arbeitsplatz wie zu Hause: Was steht da, und wie beeinflusst es dich? Ich garantiere dir, es gibt viele Dinge, die du optimieren kannst.

Zum Thema Arbeitsplatzgestaltung für höhere Produktivität: Ich habe mich in den letzten Wochen damit beschäftigt und wollte meinen Arbeitsplatz aufwerten. Dabei bin ich auf das Thema Pflanzen gestoßen – such mal nach „Pflanzen und Produktivität“. Pflanzen erhöhen erwiesenermaßen die Produktivität, das war für mich ein neues Feld. Ich habe mir ein paar pflegeleichte Pflanzen angeschafft. Weitere Quick-Tipps: Kopfhörer, das Arbeiten mit Visualisierungen – das können Bücher sein, die für dich wichtige Aussagen haben, oder andere Dinge, die dir persönlich etwas bedeuten. Dann die Pomodoro-Technik: eine Arbeitsstunde in 25-Minuten-Sprints mit kurzen Pausen unterteilen, dafür einen Wecker stellen. Ein einfaches Mittel ist, sich einen simplen Wecker zu kaufen und auf den Arbeitsplatz zu stellen, statt nur den Handy-Wecker zu nutzen – ich garantiere dir, du wirst die Technik mehr nutzen, weil es wieder mit der Umfeldgestaltung zusammenhängt.

Einfache Dinge wie das Handy vom Tisch nehmen, Apfel, Nüsse, Wasser und Tee bereitstellen, die richtige Teekanne haben, am Rechner E-Mail-Programme und andere Ablenkungen ausstellen. Sogar so etwas wie eine Couch im Büro: Wir haben eine im Büro, und nur weil sie greifbar in der Nähe steht, mache ich vielleicht mal für zehn Minuten die Augen zu, einen Powernap, und starte danach mit frischer Energie in die nächste Arbeitsphase. Eine kleine Entdeckung möchte ich dir noch mitgeben: Such auf YouTube nach „work with me“ oder „study with me“. Da kannst du anderen beim Arbeiten zusehen. Besonders spannend finde ich, zu sehen, wie andere ihren Arbeitsplatz gestaltet haben, um produktiv zu sein. Wir alle haben ein eigenes Produktivitätssystem und eine eigene Arbeitsplatzgestaltung, reden aber viel zu selten darüber. Deshalb ist es spannend, einer Person über die Schulter zu schauen, wie sie wirklich fokussiert arbeitet.

Egal wo du unterwegs bist und wie viel Verantwortung du trägst: Das Thema Umfeld- und Arbeitsplatzgestaltung geht über den eigenen Arbeitsplatz hinaus und ist auch im beruflichen Kontext, im Unternehmen und im Team wichtig. Die Bürogestaltung hat immensen Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeiter, und sie formt die Unternehmenskultur: wie der Bürokomplex, das Gebäude, die Räume und die Schreibtische gestaltet sind. Die Summe dieses Verhaltens ist die Kultur im Unternehmen. Ein Gründer mit Process-Engineering-Hintergrund – sein Unternehmen wurde in den USA von Emerson aufgekauft und ist für eine tolle Unternehmenskultur bekannt – hat sich genau das zu Herzen genommen: Wie gestalte ich das Umfeld so, dass eine Kultur entsteht, in der es Spaß macht zu arbeiten und in der Menschen die beste Performance liefern? Die Grundlage dafür ist eine vertrauensvolle Kultur, in der Mitarbeiter viel miteinander reden und sich austauschen. Seine Prämisse war, möglichst viele „Kollisionen“ zu erzeugen – also dass Personen aufeinandertreffen. In seinem Unternehmen arbeiteten hunderte Leute, und es gab mehrere Eingänge. Er hat alle bis auf einen Haupteingang schließen lassen, mit dem Gedanken, dass dann alle durch eine Tür laufen und es mehr Begegnungen gibt. Das hat er auch auf die Raum- und Bürogestaltung übertragen.

Ich lade dich herzlich ein, dir das anzuschauen – egal welche Rolle du hast. Wenn du gestalten kannst, dann nicht nur deinen eigenen Arbeitsplatz, dein Zuhause und deine Umgebung, sondern auch die Umgebung deines Teams und Unternehmens. Bei der Arbeitsplatzgestaltung wird viel über Ergonomie gesprochen, und die ist wichtig, aber es ist ein viel größeres Thema: Wie kannst du durch Umgebungsgestaltung Verhalten in positiver Weise formen? Schau einfach mal nach links und rechts und überlege, welche kleinen Dinge du ändern kannst. Es gibt viele tolle Investments für dreißig, vierzig Euro – ein Wecker, eine Obstschale, ein wöchentlicher Obst-Lieferdienst. Überleg, wie du ein kleines Budget freimachst, fünfzig bis hundert Euro, für Neuanschaffungen, die dein Verhalten positiv fördern.

Ich fasse zusammen: Das Umfeld beeinflusst dein Verhalten nicht nur ein bisschen, sondern immens – es ist der wichtigste Faktor. James Clear sagt, Motivation wird einfach überbewertet. „Wie kann ich mich mehr motivieren?“ ist die falsche Frage. Die wichtigere Frage ist: Wie kann ich meinen Kontext, mein Umfeld und meine Umgebung so beeinflussen, dass sie die richtigen Entscheidungen für mich fördern? Ich habe die persönliche Geschichte erzählt: Fahrrad geklaut, Auto verkauft. Ich kann dich nur einladen, das mal zu testen – das Auto zu verkaufen, wenn du nicht gerade auf dem Land wohnst. Man gewöhnt sich an viele Dinge, auch daran. Die Kernfrage bleibt: Welches Verhalten möchtest du ändern, und wie kannst du dein Umfeld entsprechend ändern, also positive Dinge fördern und negative erschweren? Egal in welchem Bereich – Fitness, Gesundheit, persönliche Entwicklung wie Lesen, Produktivität oder Konsum. Ich hoffe, du konntest einige Impulse mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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