Personal Board of Directors: wer wirklich an deiner Seite sitzt

„Mir fehlt ein Sparringspartner.“ „Ich habe kaum Gleichgesinnte in meinem Umfeld.“ Diese Sätze höre ich sehr häufig im Austausch mit ambitionierten Ingenieuren. Das eigentliche Problem dahinter ist selten fehlendes Wissen – sondern ein fehlendes Team.

In dieser Folge zeige ich dir, was starke Sparringspartner ausmacht und wie du dir in vier Schritten ein erstklassiges Support-Team aufbaust: dein persönliches Personal Board of Directors.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die „Wie-Falle“: Die meisten fragen nur „Wie erreiche ich meine Ziele?“ Dan Sullivan nennt das die Wie-Falle – wer sich nur darauf konzentriert, wie er ein Problem löst, begrenzt sich selbst.
  • Die bessere Frage ist „Wer“: Wer kann mir helfen? Wer hat das schon gemeistert? Genau dieses Wer-Denken ist bei ambitionierten Ingenieuren oft stark unterrepräsentiert.
  • Du bist der CEO deiner Laufbahn – und idealerweise hast du einen Beirat an deiner Seite, der dir auf die Finger schaut, dich unterstützt und Impulse gibt. Der Gedanke kommt aus dem Board-System: Trennung von Management und Überwachung.
  • Fünf Dinge, die ein Board für dich tut: Es öffnet Türen und erweitert dein Netzwerk, bietet Unterstützung, entwickelt dich weiter, fordert dich heraus (Coaching) und fördert dich.
  • Wer hineingehört: vertrauenswürdige Kollegen, Mentoren, Sponsoren mit Einfluss, externe Experten und Coaches – und eine echte Vielfalt an Perspektiven.
  • Dein Board ist dynamisch: Es wandelt sich mit jeder neuen Rolle und jeder neuen Verantwortung. Reflektiere regelmäßig, wer heute hineingehört.
  • Als Einzelkämpfer verlierst du gegen ein Team – egal, wie brillant dein Verstand oder deine Strategie ist.

Personal Board of Directors im Detail

Die „Wie-Falle“: warum die meisten die falsche Frage stellen

Um das Thema einzuordnen, fängt es mit einem grundlegenden Problem an. Dan Sullivan beschreibt die sogenannte Wie-Falle. Die meisten von uns drehen sich um drei Fragen: Wie erreiche ich meine Ziele? Wie entwickle ich mich weiter? Wie überwinde ich meine Herausforderungen? Du hörst schon: wie, wie, wie.

Sullivan sagt: Wer sich nur darauf konzentriert, wie er ein Problem löst, der begrenzt sich selbst. Die Frage ist nicht unwichtig. Aber eine mindestens genauso wichtige Frage ist eine andere: Wer? Wer kann mir helfen, dieses Ziel zu erreichen? Wer kann mit anpacken? Wer hat dieses Thema schon gemeistert?

Genau dieses Wer-Denken ist bei ambitionierten Ingenieuren oft stark unterrepräsentiert. Sie machen sich viele Gedanken darüber, welche Ziele sie erreichen wollen und wie. Aber am allerwenigsten stellen sie die Frage: Wer ist eigentlich mein Team? Dabei hat das Umfeld einen riesigen Einfluss auf die persönliche Entwicklung.

Was ein Personal Board of Directors ist

Der Begriff kommt aus dem Board-System, ursprünglich aus den USA. Im deutschen Mittelstand gibt es häufig einen Beirat, in Aktiengesellschaften Vorstand und Aufsichtsrat. Das Grundprinzip: eine Trennung von Management und Überwachung. Im Board sitzen meist mehrere unabhängige Mitglieder, die zur Kontrolle da sind, aber auch aktiv zur Strategie beitragen und als Rat- und Ideengeber für die Geschäftsführung wirken.

Übertragen auf dich heißt das: Dein persönliches Board of Directors ist eine kleine Gruppe von Personen, an die du dich für Unterstützung und Ratschläge zu deiner beruflichen Entwicklung wenden kannst. Stell es dir so vor: Du bist der oder die CEO deiner beruflichen Laufbahn. Du hast das Steuer in der Hand. Und idealerweise hast du einen Beirat an deiner Seite, der dir auf die Finger schaut, dich unterstützt, Impulse gibt.

Wichtig: Es geht im ersten Schritt nicht darum, Räumlichkeiten zu mieten und alle an einen Tisch zu holen. Es geht darum, den Wer-Gedanken bewusst zu reflektieren: Wer sitzt eigentlich in deinem persönlichen Board? An wen wendest du dich, wenn du vor einer Herausforderung stehst?

Warum ein Board so wertvoll ist: fünf Dinge, die es für dich tut

Für jede berufliche Krise, jeden Richtungswechsel, jede wichtige Entscheidung brauchst du ein Team, mit dem du reden kannst – ein Team, das deine Situation schon einmal erlebt hat und dir die Wahrheit sagt. Egal, wie brillant dein Verstand oder deine Strategie ist: Als Einzelkämpfer wirst du immer gegen ein Team verlieren.

Konkret kann ein Board fünf Dinge für dich tun:

  1. Es öffnet Türen und erweitert dein Netzwerk. Jede Person bringt eigene Kontakte mit. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, spricht von „Network Intelligence“: Deine Network Intelligence wächst mit jeder klugen Person in deinem Board, weil sie wiederum Türen zu neuen Kontakten öffnet.
  2. Es bietet Unterstützung – in schwierigen Zeiten, aber auch beim Feiern von Erfolgen und Meilensteinen, was man viel zu selten tut.
  3. Es entwickelt dich weiter. Du lernst, indem du kompetente, vielseitige Personen beobachtest und siehst, wie sie ihre Prinzipien anwenden (Modelling of Excellence). Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du dich am meisten umgibst – wähle Inspirationsquellen bewusst.
  4. Es coacht und fordert dich heraus. Die besten Mitglieder stellen dir harte Fragen zu deiner Strategie, decken Schwachstellen auf und schaffen Klarheit. Solches Feedback entgegenzunehmen ist nicht leicht, aber extrem wertvoll.
  5. Es fördert dich. Ein Board-Mitglied kann als Förderer agieren: deine Fähigkeiten weiterempfehlen, dich zu wichtigen Meetings mitnehmen, dafür sorgen, dass du das richtige Training und die richtige Sichtbarkeit bekommst.

Und in den meisten Fällen hast du längst ein kleines Support-Team – nur hast du wahrscheinlich noch nie bewusst darüber nachgedacht.

Wer in dein Board gehört

Vielfalt und eine gute Mischung an Erfahrungen sind besonders wichtig. Einige Leitfragen für dein Brainstorming: Wer hat dein bestes Interesse im Sinn? Wer ist in einer Position, die du selbst anstrebst – schon ein paar Schritte voraus? Wer arbeitet in einer ganz anderen Branche, inspiriert dich aber? Wer sind Experten in deinem Fachgebiet? Wer ist gut darin, andere zu ermutigen? Wer hat starke analytische und unternehmerische Fähigkeiten? Und ganz wichtig: Wer sagt dir die Wahrheit und ist bereit, dich herauszufordern?

Typische Rollen, die in deinem Board nicht fehlen sollten:

  • Vertrauenswürdige Kollegen, denen du dich öffnen kannst und die hinter dir stehen.
  • Mentoren, die ein paar Schritte weiter sind und ihre Erfahrungen teilen.
  • Sponsoren mit Einfluss im Unternehmen oder in der Branche, die deine Sichtbarkeit erhöhen.
  • Experten – externe Branchenführer, die dir neue Wege aufzeigen und dich über Trends auf dem Laufenden halten.
  • Coaches, die dich herausfordern, dir den Spiegel vorhalten und Benchmarks aus vielen anderen Gesprächen mitbringen.

Die Übung in vier Schritten: dein Board sichtbar machen

Diese kleine Übung kannst du sofort umsetzen. Du brauchst nur einen DIN-A4-Zettel und einen Stift.

  1. Zeichne einen großen Tisch in die Mitte und schreibe „Personal Board of Directors“ hinein. Drumherum kommen einige Stühle – eine grobe Skizze reicht, kein Meisterwerk.
  2. Schreibe deinen Namen ans Tischende. Du bist der CEO.
  3. Trage alle Namen ein, die dir heute bereits helfen und die du heute schon zu deinem Board zählst.
  4. Reflektiere: Ist diese Gruppe divers genug? Wo siehst du blinde Flecken? Welche Kompetenz fehlt? Welche Person fehlt?

Und denk daran: Dein Board ist dynamisch. Wenn du mehr Verantwortung übernimmst und in Führungsrollen kommst, werden andere Kompetenzen wichtig. Reflektiere also regelmäßig, wie dein ideales Board für deine aktuelle Situation aussieht.

Wie du dein Board nutzt

Du musst nicht einmal im Quartal alle Personen zusammenholen und Präsentationen vorbereiten – das kannst du tun, ist aber oft überdimensioniert. Häufig reichen Einzelgespräche. Manchmal ist ein Gruppengespräch spannend, vor allem, um die Personen untereinander zu vernetzen. Wie aktiv du damit umgehst, hängt von dir und deiner Persönlichkeit ab.

Und du musst niemandem formell sagen, dass er Teil deines Boards ist. Wenn es Menschen sind, die offen dafür sind, dir Feedback zu geben, dich zu unterstützen und als Mentor, Coach oder Sponsor zu wirken, reicht das in der Regel. Erst wenn du wirklich in die Geschäftsführung kommst, lohnt es sich, den Gedanken formal ins Berufliche zu übertragen und einen echten Beirat mit Regelmäßigkeit aufzubauen.

Diese Folge gehört direkt mit anderen Bausteinen deiner Entwicklung zusammen. Wie du gezielt Beziehungen aufbaust und pflegst, vertieft Netzwerk nutzen. Wie du die richtigen Mentoren findest und ansprichst, zeigt Mentor finden. Warum die Bereitschaft, Feedback anzunehmen, über deine Entwicklung entscheidet, hörst du in Coachability. Und wie du systematisch von herausragenden Vorbildern lernst, vertieft Von den Besten lernen.

Häufige Fragen zum Personal Board of Directors

Was ist ein Personal Board of Directors? Ein Personal Board of Directors ist eine kleine, bewusst zusammengestellte Gruppe von Personen, an die du dich für Rat und Unterstützung in deiner beruflichen Entwicklung wenden kannst. Der Gedanke stammt aus dem Board-System aus den USA: So wie ein CEO einen Aufsichtsrat oder Beirat hat, hast du einen persönlichen Beirat für deine Laufbahn – mit dir als CEO an der Spitze.

Wer gehört in mein Personal Board of Directors? Idealerweise eine vielfältige Mischung aus vertrauenswürdigen Kollegen, Mentoren (die ein paar Schritte voraus sind), Sponsoren mit Einfluss, externen Experten und Coaches. Entscheidend sind Vielfalt der Perspektiven, dein bestes Interesse im Sinn – und Menschen, die dir die Wahrheit sagen und dich herausfordern.

Was ist die „Wie-Falle“? Die Wie-Falle (nach Dan Sullivan) beschreibt das Muster, Probleme nur über die Frage „Wie löse ich das?“ anzugehen und sie allein bewältigen zu wollen. Wer sich darauf versteift, begrenzt sich selbst. Die oft stärkere Frage lautet „Wer?“: Wer kann helfen und hat das Thema schon gemeistert?

Muss ich die Mitglieder formell anfragen? Nein. In der Regel brauchst du keinen formellen Prozess. Wenn es Menschen sind, die ohnehin offen dafür sind, dir Feedback zu geben und dich zu unterstützen, reicht das. Erst in sehr hohen Verantwortungsrollen, etwa in der Geschäftsführung, lohnt es sich, einen echten Beirat mit fester Regelmäßigkeit aufzubauen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Dan Sullivan – Who Not How: Quelle der „Wie-Falle“ und des Perspektivwechsels von „Wie“ zu „Wer“.
  • Reid Hoffman – The Startup of You: der LinkedIn-Gründer über „Network Intelligence“ und den Aufbau eines starken Netzwerks.

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zur Podcast-Folge Nummer 142: Starke Sparringspartner – in 4 Schritten zum Personal Board of Directors. Das ist das Thema der heutigen Folge.

Bevor wir einsteigen, starten wir mit zwei Zitaten: „Mir fehlt ein Sparringspartner“ und „Ich habe kaum Gleichgesinnte in meinem Umfeld.“ Sätze wie diese beiden höre ich sehr, sehr häufig im Austausch mit ambitionierten Ingenieuren. Genau deshalb möchte ich in dieser Folge ganz konkret zeigen, wie du starke Sparringspartner aufbaust, was sie auszeichnet und wie du in vier Schritten ein erstklassiges Support-Team für dich zusammenstellst – dein Personal Board of Directors.

Vorher, ganz wichtig: Was ist überhaupt ein Personal Board of Directors? Vielleicht hast du den Begriff noch nicht gehört, hast aber schon eine Vorahnung. Um das Thema einzuordnen, möchte ich von einem grundlegenden Problem ambitionierter Ingenieure erzählen – und ich fasse mir da auch selbst an die eigene Nase. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, habe ich mich ertappt; das Thema war in meiner Vergangenheit ganz präsent.

Dan Sullivan nennt es die sogenannte „Wie-Falle“. Es gibt drei typische Fragen: Wie erreiche ich meine Ziele? Wie entwickle ich mich weiter? Wie überwinde ich meine Herausforderungen? Du hörst schon: wie, wie, wie. Sullivans Aussage: Wer sich darauf konzentriert, wie man ein Problem löst, begrenzt sich selbst. Diese Fragen sind absolute Klassiker, auch in Unternehmen ist dieses Wie-Denken sehr stark vertreten. Klar, die Frage ist nicht unwichtig. Aber eine mindestens genauso wichtige Frage ist: Wer? Wer kann mir helfen, diese Ziele zu erreichen? Wer kann mit anpacken? Wer hat diese Themen schon gemeistert?

Darum geht es beim Personal Board of Directors: um das Wer, nicht um das Wie. Und ich stelle häufig fest, dass das Wer sehr stark unterrepräsentiert ist, wenn ich mit ambitionierten Ingenieuren spreche. Auch im Kontext unseres Mentorings machen sie sich viele Gedanken darüber, welche Ziele sie erreichen wollen und wie. Aber am allerwenigsten wird die Frage gestellt: Wer ist eigentlich mein Team, wer ist mein Umfeld? Dabei hat das einen riesigen Einfluss auf die persönliche Entwicklung.

Zurück zur Frage: Was ist ein Personal Board of Directors? Es wird nicht überraschen: Das Ganze kommt aus dem Board-System, ursprünglich aus den USA. Im deutschen Mittelstand gibt es häufig einen Beirat, in Aktiengesellschaften Vorstand und Aufsichtsrat. Das Grundprinzip beim Board-System ist eine Trennung von Management und Überwachung. Ob Board, Aufsichtsrat oder Beirat – im Detail gibt es Unterschiede, aber das Prinzip ist ähnlich: Da sitzen meist mehrere unabhängige Mitglieder, die zur Kontrolle da sind, aber auch aktiv zur Strategiearbeit beitragen und als Rat- und Ideengeber für die Geschäftsführung wirken.

Was hat das mit dem Personal Board of Directors zu tun? Dein persönliches Board of Directors ist eine kleine Gruppe von Personen, an die du dich wenden kannst, um Unterstützung und Ratschläge für deine berufliche Entwicklung zu erhalten. Du kannst es dir so vorstellen: Du bist der oder die CEO deiner persönlichen beruflichen Laufbahn – deiner Karriere oder letztlich deines Lebens. Du hast das Steuer in der Hand. Und idealerweise hast du ein Board an deiner Seite, einen Aufsichtsrat oder Beirat, der dir auf die Finger schaut, dich unterstützt, supportet und Impulse gibt.

Dabei geht es nicht darum, dass du wirklich Räumlichkeiten mietest und in regelmäßigen Abständen alle Personen zusammenholst. Das kannst du tun, ist auch spannend. Aber im ersten Moment geht es darum, den Gedanken des Wer zu reflektieren: Wer sitzt eigentlich in deinem persönlichen Board? Wenn du vor einer Herausforderung oder einem Problem stehst, wenn du Fragen hast – an wen wendest du dich? Und das aktiv anzugehen und dein persönliches Board of Directors zusammenzustellen.

Warum ist ein Personal Board of Directors so wertvoll? Für jede berufliche Krise, jeden Richtungswechsel, jede wichtige Entscheidung in deiner Karriere brauchst du ein Team, mit dem du reden kannst. Ein Team, das deine Situation schon einmal erlebt hat, das weiß, wie unsicher und zerrissen du dich fühlst – und das dir die Wahrheit sagt: So solltest du über deine Berufswahl nachdenken, so wirst du eine bessere Führungskraft, so kannst du mehr bewegen. Egal, wie brillant dein Verstand oder deine Strategie ist: Als Einzelkämpfer wirst du immer gegen ein Team verlieren.

Was kann ein Board konkret für dich tun? Ich habe fünf Punkte mitgebracht.

Erstens: Es öffnet dir Türen und erweitert dein Netzwerk. Jede Person in deinem Board hat eigene spannende Kontakte und ein eigenes Netzwerk. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, spricht von „Network Intelligence“. Deine Network Intelligence wächst mit jeder klügeren, besseren Person in deinem Board – denn diese Personen öffnen Türen zu wichtigen neuen Kontakten.

Zweitens: Es bietet Unterstützung – in schwierigen Zeiten, aber auch, wenn es darum geht, Erfolge und Meilensteine zu feiern, was man häufig viel zu selten tut.

Drittens: Ein Board entwickelt dich weiter. Du lernst viel, indem du kompetente, intelligente und vielseitige Personen beobachtest und schaust, wie sie ihre Prinzipien in der Realität anwenden und ihre Fähigkeiten einsetzen – Modelling of Excellence. Wenn du hervorragende Personen im Board hast, bist du immer von Inspirationsquellen umgeben. Du kennst den Spruch: Du bist der Durchschnitt der fünf Personen, mit denen du dich am meisten umgibst. Wenn du aktiv Personen ins Board holst, die dich inspirieren, strahlt das auf deine persönliche und berufliche Weiterentwicklung aus.

Viertens: Es coacht dich und fordert dich heraus. Die besten Mitglieder deines Boards stellen harte Fragen zu deiner Gesamtstrategie und deinen Plänen. Das hilft dir, mögliche Schwachstellen aufzudecken und Klarheit zu gewinnen. Es bedarf persönlicher Reife, um harte Fragen zu stellen und auch mal Kritik zu äußern. So ein Feedback entgegenzunehmen ist nicht einfach, aber extrem wertvoll.

Fünftens: Ein Board kann dich fördern. Ein Board-Mitglied kann als Förderer agieren: deine Fähigkeiten und Erfahrungen in der Personalabteilung oder bei anderen, die nach Talenten suchen, weiterempfehlen. Es gibt Überschneidungen mit dem Thema Netzwerk. Sie können dich zu wichtigen Meetings mitnehmen und dafür sorgen, dass du das richtige Training, die richtigen Schulungen und die richtige Unterstützung bekommst.

Auch wichtig: In den meisten Fällen ist es gar nicht so, dass man kein Board hat. Meistens hast du nur noch nie darüber nachgedacht, dass du diese Art von Unterstützernetzwerk bereits hast. Ich kenne viele Personen, die schon spannende Supporter, einen Coach oder Mentor an ihrer Seite haben. Das Gedankenspiel hilft, aktiver damit umzugehen: Wo sind Engpässe? Wo sind Lücken? Wie kann ich mein persönliches Support-Team für meine berufliche Laufbahn ergänzen und verbessern? In der Regel hast du heute schon irgendwo ein Support-Team – manchmal klein ausgeprägt, manchmal schon fortgeschrittener.

Die zentrale Frage, die jetzt folgt: Wer gehört in dein Karriereteam, in dein Personal Board of Directors? Ganz wichtig sind Vielfalt und eine gute Mischung an Erfahrungen. Einige Leitfragen fürs Brainstorming: Wer hat dein bestes Interesse im Sinn? Wer ist in einer Position, die du selbst anstrebst, also schon zwei, drei Schritte voraus? Wer arbeitet in einem völlig anderen Wirtschaftszweig, ist aber trotzdem inspirierend? Wer arbeitet in einem anderen Unternehmen der gleichen Branche? Wer sind Experten in deinem Fachgebiet? Wer ist gut darin, andere zu ermutigen? Wer hat gute analytische und unternehmerische Fähigkeiten, um deine berufliche Situation gut zu erfassen, Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und gutes Branchenwissen mitzubringen? Und ganz wichtig: Wer sagt die Wahrheit? Wer ist bereit, dich herauszufordern?

Typische Personen, die in deinem Board nicht fehlen dürfen: vertrauenswürdige Kollegen, denen du dich öffnen kannst und die hinter dir stehen. Mentoren, die ein paar Schritte weiter sind und ihre Erfahrungen mitteilen können. Sponsoren – Personen mit Einfluss im Unternehmen oder in der Branche, die dir helfen können, deine Sichtbarkeit zu erhöhen. Experten – externe Branchenführer, die dir neue Wege aufzeigen und dich über neue Trends auf dem Laufenden halten. Und Coaches – Personen, die dich herausfordern, dir den Spiegel vorhalten und Benchmarks mitbringen, weil sie sich mit vielen anderen austauschen.

Jetzt eine kleine Übung, die du direkt in die Praxis umsetzen kannst. Du nimmst dir einen DIN-A4-Zettel und einen Stift. Dann zeichnest du einen großen Tisch in die Mitte und schreibst „Personal Board of Directors“ hinein. Drumherum malst du einige Stühle – eine Skizze reicht, kein Meisterwerk. Du schreibst deinen Namen ans Tischende. Und jetzt schreibst du alle Namen an den Tisch, die dir heute bereits helfen, die in deinem direkten Umfeld sind und die du heute schon zu deinem Board zählst. Danach schaust du es dir an und stellst zwei Fragen: Ist diese Gruppe divers genug? Und wo siehst du blinde Flecken – welche Kompetenz fehlt, welche Person fehlt?

Wichtig ist auch: Dein Board ist dynamisch und wandelt sich mit der Zeit. Wenn du mehr Verantwortung übernimmst, neue Rollen und Führungsaufgaben dazukommen, werden andere Kompetenzen wichtig, die in deinem Board nicht fehlen dürfen. Reflektiere also regelmäßig, wie das ideale Board für dich und deine Situation aussieht.

Wie nutzt du dieses Board idealerweise? Es geht nicht darum, einmal im Quartal alle zusammenzuholen, eine Präsentation vorzubereiten und deine Situation vorzustellen. Das kannst du tun, ist in einigen Fällen aber ein bisschen drüber. Manchmal helfen Einzelgespräche, manchmal ein Gruppengespräch – muss aber nicht. Wenn sich die Personen untereinander kennen, kann es spannend sein, sie zu vernetzen. Das hängt von dir und deiner Persönlichkeit ab, wie aktiv du mit deinem Board umgehen möchtest.

Und du musst keiner der Personen sagen, dass sie Bestandteil deines Personal Board of Directors ist. Wenn es Menschen sind, die offen dafür sind, dir Feedback zu geben, dich zu unterstützen, Mentor, Coach oder Sponsor zu sein, dann reicht das in der Regel. Du brauchst keinen formellen Prozess. Erst wenn du wirklich in die Geschäftsführung kommst – bis hin zur CEO-Rolle im Mittelstand – würde ich klar empfehlen, diesen Gedanken ins Berufliche zu übertragen und einen Beirat zu implementieren. Dann kann es spannender sein, alle Personen an einen Tisch zu holen und eine Regelmäßigkeit daraus zu machen, sei es im Quartal oder halbjährlich, um dieses Wissen anzuzapfen und Commitment zu haben.

Zusammengefasst: Deine berufliche Laufbahn kannst du wie ein Unternehmen sehen. Du bist der oder die CEO, du führst das Unternehmen, und das Produkt bist du. Für eine erfolgreiche Karrierestrategie und die richtige Richtung brauchst du fundierte Ratschläge aus möglichst vielen Perspektiven. Wir alle brauchen eine unterstützende Community aus Menschen, die uns helfen – und dein Personal Board of Directors ist genau diese persönliche Community. Wenn du dich von diesen Beratern leiten lässt, hat das sehr gute Einflüsse auf deine berufliche Weiterentwicklung. Du kannst der Stagnation Ade sagen und wirst spannende Möglichkeiten bekommen.

Das merken wir immer wieder in unserem Programm: Alle kommen in eine Gruppe von super ambitionierten Persönlichkeiten, die überwiegend danach streben, hochrangige, verantwortliche Rollen zu übernehmen – Geschäftsführungen oder höhere Managementrollen im Konzern. Das sind keine direkten Kollegen, aber spannende, inspirierende Persönlichkeiten aus der Branche, die direkt ins Personal Board of Directors kommen können.

Noch einmal kurz zusammengefasst: Eingangs ging es um die sogenannte Wie-Falle. Meistens verfallen wir ins Wie-Denken und versuchen, Probleme allein zu lösen. Oft vergessen wird das Wer-Denken: Wer kann mir dabei helfen? Darum geht es beim Personal Board of Directors. Der Board-Gedanke kommt aus den USA – Trennung von Management und Überwachung. Jeder Vorstand hat einen Aufsichtsrat, im Mittelstand einen Beirat, der unterstützt und Ratschläge rund um die berufliche Entwicklung gibt.

Warum ist das sinnvoll? Es öffnet Türen und erweitert dein Netzwerk, bietet Unterstützung, entwickelt dich weiter, coacht und fordert dich heraus und fördert dich – indem du Zugriff auf Chancen bekommst. Wer gehört hinein? Zum Beispiel Mentoren, vertrauenswürdige Kollegen, Sponsoren, Experten, Coaches – aber auch andere inspirierende, ambitionierte Ingenieure.

Mach gerne diese kleine Übung: DIN-A4-Zettel, einen Tisch in die Mitte malen, einige Stühle, deinen Namen dahinschreiben und reflektieren, wer heute in deinem Umfeld ist, den du jederzeit zurate ziehen kannst. Und wenn es noch relativ leer ist, dann ist es wichtig, das mit der Zeit aufzubauen. Dann bist du heute wahrscheinlich auf das Wie-Thema versteift und hast einen großen blinden Fleck beim Wer. Ich lege dir ans Herz, das Thema ernst zu nehmen – es kann mit der Zeit ganz viele Türen öffnen und deine berufliche Entwicklung auf ein ganz anderes Level heben.

Ich hoffe, da waren einige Punkte für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Personal Board of Directors: wer wirklich an deiner Seite sitzt

„Mir fehlt ein Sparringspartner.“ „Ich habe kaum Gleichgesinnte in meinem Umfeld.“ Diese Sätze höre ich sehr häufig im Austausch mit ambitionierten Ingenieuren. Das eigentliche Problem dahinter ist selten fehlendes Wissen – sondern ein fehlendes Team.

In dieser Folge zeige ich dir, was starke Sparringspartner ausmacht und wie du dir in vier Schritten ein erstklassiges Support-Team aufbaust: dein persönliches Personal Board of Directors.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die „Wie-Falle“: Die meisten fragen nur „Wie erreiche ich meine Ziele?“ Dan Sullivan nennt das die Wie-Falle – wer sich nur darauf konzentriert, wie er ein Problem löst, begrenzt sich selbst.
  • Die bessere Frage ist „Wer“: Wer kann mir helfen? Wer hat das schon gemeistert? Genau dieses Wer-Denken ist bei ambitionierten Ingenieuren oft stark unterrepräsentiert.
  • Du bist der CEO deiner Laufbahn – und idealerweise hast du einen Beirat an deiner Seite, der dir auf die Finger schaut, dich unterstützt und Impulse gibt. Der Gedanke kommt aus dem Board-System: Trennung von Management und Überwachung.
  • Fünf Dinge, die ein Board für dich tut: Es öffnet Türen und erweitert dein Netzwerk, bietet Unterstützung, entwickelt dich weiter, fordert dich heraus (Coaching) und fördert dich.
  • Wer hineingehört: vertrauenswürdige Kollegen, Mentoren, Sponsoren mit Einfluss, externe Experten und Coaches – und eine echte Vielfalt an Perspektiven.
  • Dein Board ist dynamisch: Es wandelt sich mit jeder neuen Rolle und jeder neuen Verantwortung. Reflektiere regelmäßig, wer heute hineingehört.
  • Als Einzelkämpfer verlierst du gegen ein Team – egal, wie brillant dein Verstand oder deine Strategie ist.

Personal Board of Directors im Detail

Die „Wie-Falle“: warum die meisten die falsche Frage stellen

Um das Thema einzuordnen, fängt es mit einem grundlegenden Problem an. Dan Sullivan beschreibt die sogenannte Wie-Falle. Die meisten von uns drehen sich um drei Fragen: Wie erreiche ich meine Ziele? Wie entwickle ich mich weiter? Wie überwinde ich meine Herausforderungen? Du hörst schon: wie, wie, wie.

Sullivan sagt: Wer sich nur darauf konzentriert, wie er ein Problem löst, der begrenzt sich selbst. Die Frage ist nicht unwichtig. Aber eine mindestens genauso wichtige Frage ist eine andere: Wer? Wer kann mir helfen, dieses Ziel zu erreichen? Wer kann mit anpacken? Wer hat dieses Thema schon gemeistert?

Genau dieses Wer-Denken ist bei ambitionierten Ingenieuren oft stark unterrepräsentiert. Sie machen sich viele Gedanken darüber, welche Ziele sie erreichen wollen und wie. Aber am allerwenigsten stellen sie die Frage: Wer ist eigentlich mein Team? Dabei hat das Umfeld einen riesigen Einfluss auf die persönliche Entwicklung.

Was ein Personal Board of Directors ist

Der Begriff kommt aus dem Board-System, ursprünglich aus den USA. Im deutschen Mittelstand gibt es häufig einen Beirat, in Aktiengesellschaften Vorstand und Aufsichtsrat. Das Grundprinzip: eine Trennung von Management und Überwachung. Im Board sitzen meist mehrere unabhängige Mitglieder, die zur Kontrolle da sind, aber auch aktiv zur Strategie beitragen und als Rat- und Ideengeber für die Geschäftsführung wirken.

Übertragen auf dich heißt das: Dein persönliches Board of Directors ist eine kleine Gruppe von Personen, an die du dich für Unterstützung und Ratschläge zu deiner beruflichen Entwicklung wenden kannst. Stell es dir so vor: Du bist der oder die CEO deiner beruflichen Laufbahn. Du hast das Steuer in der Hand. Und idealerweise hast du einen Beirat an deiner Seite, der dir auf die Finger schaut, dich unterstützt, Impulse gibt.

Wichtig: Es geht im ersten Schritt nicht darum, Räumlichkeiten zu mieten und alle an einen Tisch zu holen. Es geht darum, den Wer-Gedanken bewusst zu reflektieren: Wer sitzt eigentlich in deinem persönlichen Board? An wen wendest du dich, wenn du vor einer Herausforderung stehst?

Warum ein Board so wertvoll ist: fünf Dinge, die es für dich tut

Für jede berufliche Krise, jeden Richtungswechsel, jede wichtige Entscheidung brauchst du ein Team, mit dem du reden kannst – ein Team, das deine Situation schon einmal erlebt hat und dir die Wahrheit sagt. Egal, wie brillant dein Verstand oder deine Strategie ist: Als Einzelkämpfer wirst du immer gegen ein Team verlieren.

Konkret kann ein Board fünf Dinge für dich tun:

  1. Es öffnet Türen und erweitert dein Netzwerk. Jede Person bringt eigene Kontakte mit. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, spricht von „Network Intelligence“: Deine Network Intelligence wächst mit jeder klugen Person in deinem Board, weil sie wiederum Türen zu neuen Kontakten öffnet.
  2. Es bietet Unterstützung – in schwierigen Zeiten, aber auch beim Feiern von Erfolgen und Meilensteinen, was man viel zu selten tut.
  3. Es entwickelt dich weiter. Du lernst, indem du kompetente, vielseitige Personen beobachtest und siehst, wie sie ihre Prinzipien anwenden (Modelling of Excellence). Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du dich am meisten umgibst – wähle Inspirationsquellen bewusst.
  4. Es coacht und fordert dich heraus. Die besten Mitglieder stellen dir harte Fragen zu deiner Strategie, decken Schwachstellen auf und schaffen Klarheit. Solches Feedback entgegenzunehmen ist nicht leicht, aber extrem wertvoll.
  5. Es fördert dich. Ein Board-Mitglied kann als Förderer agieren: deine Fähigkeiten weiterempfehlen, dich zu wichtigen Meetings mitnehmen, dafür sorgen, dass du das richtige Training und die richtige Sichtbarkeit bekommst.

Und in den meisten Fällen hast du längst ein kleines Support-Team – nur hast du wahrscheinlich noch nie bewusst darüber nachgedacht.

Wer in dein Board gehört

Vielfalt und eine gute Mischung an Erfahrungen sind besonders wichtig. Einige Leitfragen für dein Brainstorming: Wer hat dein bestes Interesse im Sinn? Wer ist in einer Position, die du selbst anstrebst – schon ein paar Schritte voraus? Wer arbeitet in einer ganz anderen Branche, inspiriert dich aber? Wer sind Experten in deinem Fachgebiet? Wer ist gut darin, andere zu ermutigen? Wer hat starke analytische und unternehmerische Fähigkeiten? Und ganz wichtig: Wer sagt dir die Wahrheit und ist bereit, dich herauszufordern?

Typische Rollen, die in deinem Board nicht fehlen sollten:

  • Vertrauenswürdige Kollegen, denen du dich öffnen kannst und die hinter dir stehen.
  • Mentoren, die ein paar Schritte weiter sind und ihre Erfahrungen teilen.
  • Sponsoren mit Einfluss im Unternehmen oder in der Branche, die deine Sichtbarkeit erhöhen.
  • Experten – externe Branchenführer, die dir neue Wege aufzeigen und dich über Trends auf dem Laufenden halten.
  • Coaches, die dich herausfordern, dir den Spiegel vorhalten und Benchmarks aus vielen anderen Gesprächen mitbringen.

Die Übung in vier Schritten: dein Board sichtbar machen

Diese kleine Übung kannst du sofort umsetzen. Du brauchst nur einen DIN-A4-Zettel und einen Stift.

  1. Zeichne einen großen Tisch in die Mitte und schreibe „Personal Board of Directors“ hinein. Drumherum kommen einige Stühle – eine grobe Skizze reicht, kein Meisterwerk.
  2. Schreibe deinen Namen ans Tischende. Du bist der CEO.
  3. Trage alle Namen ein, die dir heute bereits helfen und die du heute schon zu deinem Board zählst.
  4. Reflektiere: Ist diese Gruppe divers genug? Wo siehst du blinde Flecken? Welche Kompetenz fehlt? Welche Person fehlt?

Und denk daran: Dein Board ist dynamisch. Wenn du mehr Verantwortung übernimmst und in Führungsrollen kommst, werden andere Kompetenzen wichtig. Reflektiere also regelmäßig, wie dein ideales Board für deine aktuelle Situation aussieht.

Wie du dein Board nutzt

Du musst nicht einmal im Quartal alle Personen zusammenholen und Präsentationen vorbereiten – das kannst du tun, ist aber oft überdimensioniert. Häufig reichen Einzelgespräche. Manchmal ist ein Gruppengespräch spannend, vor allem, um die Personen untereinander zu vernetzen. Wie aktiv du damit umgehst, hängt von dir und deiner Persönlichkeit ab.

Und du musst niemandem formell sagen, dass er Teil deines Boards ist. Wenn es Menschen sind, die offen dafür sind, dir Feedback zu geben, dich zu unterstützen und als Mentor, Coach oder Sponsor zu wirken, reicht das in der Regel. Erst wenn du wirklich in die Geschäftsführung kommst, lohnt es sich, den Gedanken formal ins Berufliche zu übertragen und einen echten Beirat mit Regelmäßigkeit aufzubauen.

Diese Folge gehört direkt mit anderen Bausteinen deiner Entwicklung zusammen. Wie du gezielt Beziehungen aufbaust und pflegst, vertieft Netzwerk nutzen. Wie du die richtigen Mentoren findest und ansprichst, zeigt Mentor finden. Warum die Bereitschaft, Feedback anzunehmen, über deine Entwicklung entscheidet, hörst du in Coachability. Und wie du systematisch von herausragenden Vorbildern lernst, vertieft Von den Besten lernen.

Häufige Fragen zum Personal Board of Directors

Was ist ein Personal Board of Directors? Ein Personal Board of Directors ist eine kleine, bewusst zusammengestellte Gruppe von Personen, an die du dich für Rat und Unterstützung in deiner beruflichen Entwicklung wenden kannst. Der Gedanke stammt aus dem Board-System aus den USA: So wie ein CEO einen Aufsichtsrat oder Beirat hat, hast du einen persönlichen Beirat für deine Laufbahn – mit dir als CEO an der Spitze.

Wer gehört in mein Personal Board of Directors? Idealerweise eine vielfältige Mischung aus vertrauenswürdigen Kollegen, Mentoren (die ein paar Schritte voraus sind), Sponsoren mit Einfluss, externen Experten und Coaches. Entscheidend sind Vielfalt der Perspektiven, dein bestes Interesse im Sinn – und Menschen, die dir die Wahrheit sagen und dich herausfordern.

Was ist die „Wie-Falle“? Die Wie-Falle (nach Dan Sullivan) beschreibt das Muster, Probleme nur über die Frage „Wie löse ich das?“ anzugehen und sie allein bewältigen zu wollen. Wer sich darauf versteift, begrenzt sich selbst. Die oft stärkere Frage lautet „Wer?“: Wer kann helfen und hat das Thema schon gemeistert?

Muss ich die Mitglieder formell anfragen? Nein. In der Regel brauchst du keinen formellen Prozess. Wenn es Menschen sind, die ohnehin offen dafür sind, dir Feedback zu geben und dich zu unterstützen, reicht das. Erst in sehr hohen Verantwortungsrollen, etwa in der Geschäftsführung, lohnt es sich, einen echten Beirat mit fester Regelmäßigkeit aufzubauen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Dan Sullivan – Who Not How: Quelle der „Wie-Falle“ und des Perspektivwechsels von „Wie“ zu „Wer“.
  • Reid Hoffman – The Startup of You: der LinkedIn-Gründer über „Network Intelligence“ und den Aufbau eines starken Netzwerks.

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zur Podcast-Folge Nummer 142: Starke Sparringspartner – in 4 Schritten zum Personal Board of Directors. Das ist das Thema der heutigen Folge.

Bevor wir einsteigen, starten wir mit zwei Zitaten: „Mir fehlt ein Sparringspartner“ und „Ich habe kaum Gleichgesinnte in meinem Umfeld.“ Sätze wie diese beiden höre ich sehr, sehr häufig im Austausch mit ambitionierten Ingenieuren. Genau deshalb möchte ich in dieser Folge ganz konkret zeigen, wie du starke Sparringspartner aufbaust, was sie auszeichnet und wie du in vier Schritten ein erstklassiges Support-Team für dich zusammenstellst – dein Personal Board of Directors.

Vorher, ganz wichtig: Was ist überhaupt ein Personal Board of Directors? Vielleicht hast du den Begriff noch nicht gehört, hast aber schon eine Vorahnung. Um das Thema einzuordnen, möchte ich von einem grundlegenden Problem ambitionierter Ingenieure erzählen – und ich fasse mir da auch selbst an die eigene Nase. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, habe ich mich ertappt; das Thema war in meiner Vergangenheit ganz präsent.

Dan Sullivan nennt es die sogenannte „Wie-Falle“. Es gibt drei typische Fragen: Wie erreiche ich meine Ziele? Wie entwickle ich mich weiter? Wie überwinde ich meine Herausforderungen? Du hörst schon: wie, wie, wie. Sullivans Aussage: Wer sich darauf konzentriert, wie man ein Problem löst, begrenzt sich selbst. Diese Fragen sind absolute Klassiker, auch in Unternehmen ist dieses Wie-Denken sehr stark vertreten. Klar, die Frage ist nicht unwichtig. Aber eine mindestens genauso wichtige Frage ist: Wer? Wer kann mir helfen, diese Ziele zu erreichen? Wer kann mit anpacken? Wer hat diese Themen schon gemeistert?

Darum geht es beim Personal Board of Directors: um das Wer, nicht um das Wie. Und ich stelle häufig fest, dass das Wer sehr stark unterrepräsentiert ist, wenn ich mit ambitionierten Ingenieuren spreche. Auch im Kontext unseres Mentorings machen sie sich viele Gedanken darüber, welche Ziele sie erreichen wollen und wie. Aber am allerwenigsten wird die Frage gestellt: Wer ist eigentlich mein Team, wer ist mein Umfeld? Dabei hat das einen riesigen Einfluss auf die persönliche Entwicklung.

Zurück zur Frage: Was ist ein Personal Board of Directors? Es wird nicht überraschen: Das Ganze kommt aus dem Board-System, ursprünglich aus den USA. Im deutschen Mittelstand gibt es häufig einen Beirat, in Aktiengesellschaften Vorstand und Aufsichtsrat. Das Grundprinzip beim Board-System ist eine Trennung von Management und Überwachung. Ob Board, Aufsichtsrat oder Beirat – im Detail gibt es Unterschiede, aber das Prinzip ist ähnlich: Da sitzen meist mehrere unabhängige Mitglieder, die zur Kontrolle da sind, aber auch aktiv zur Strategiearbeit beitragen und als Rat- und Ideengeber für die Geschäftsführung wirken.

Was hat das mit dem Personal Board of Directors zu tun? Dein persönliches Board of Directors ist eine kleine Gruppe von Personen, an die du dich wenden kannst, um Unterstützung und Ratschläge für deine berufliche Entwicklung zu erhalten. Du kannst es dir so vorstellen: Du bist der oder die CEO deiner persönlichen beruflichen Laufbahn – deiner Karriere oder letztlich deines Lebens. Du hast das Steuer in der Hand. Und idealerweise hast du ein Board an deiner Seite, einen Aufsichtsrat oder Beirat, der dir auf die Finger schaut, dich unterstützt, supportet und Impulse gibt.

Dabei geht es nicht darum, dass du wirklich Räumlichkeiten mietest und in regelmäßigen Abständen alle Personen zusammenholst. Das kannst du tun, ist auch spannend. Aber im ersten Moment geht es darum, den Gedanken des Wer zu reflektieren: Wer sitzt eigentlich in deinem persönlichen Board? Wenn du vor einer Herausforderung oder einem Problem stehst, wenn du Fragen hast – an wen wendest du dich? Und das aktiv anzugehen und dein persönliches Board of Directors zusammenzustellen.

Warum ist ein Personal Board of Directors so wertvoll? Für jede berufliche Krise, jeden Richtungswechsel, jede wichtige Entscheidung in deiner Karriere brauchst du ein Team, mit dem du reden kannst. Ein Team, das deine Situation schon einmal erlebt hat, das weiß, wie unsicher und zerrissen du dich fühlst – und das dir die Wahrheit sagt: So solltest du über deine Berufswahl nachdenken, so wirst du eine bessere Führungskraft, so kannst du mehr bewegen. Egal, wie brillant dein Verstand oder deine Strategie ist: Als Einzelkämpfer wirst du immer gegen ein Team verlieren.

Was kann ein Board konkret für dich tun? Ich habe fünf Punkte mitgebracht.

Erstens: Es öffnet dir Türen und erweitert dein Netzwerk. Jede Person in deinem Board hat eigene spannende Kontakte und ein eigenes Netzwerk. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, spricht von „Network Intelligence“. Deine Network Intelligence wächst mit jeder klügeren, besseren Person in deinem Board – denn diese Personen öffnen Türen zu wichtigen neuen Kontakten.

Zweitens: Es bietet Unterstützung – in schwierigen Zeiten, aber auch, wenn es darum geht, Erfolge und Meilensteine zu feiern, was man häufig viel zu selten tut.

Drittens: Ein Board entwickelt dich weiter. Du lernst viel, indem du kompetente, intelligente und vielseitige Personen beobachtest und schaust, wie sie ihre Prinzipien in der Realität anwenden und ihre Fähigkeiten einsetzen – Modelling of Excellence. Wenn du hervorragende Personen im Board hast, bist du immer von Inspirationsquellen umgeben. Du kennst den Spruch: Du bist der Durchschnitt der fünf Personen, mit denen du dich am meisten umgibst. Wenn du aktiv Personen ins Board holst, die dich inspirieren, strahlt das auf deine persönliche und berufliche Weiterentwicklung aus.

Viertens: Es coacht dich und fordert dich heraus. Die besten Mitglieder deines Boards stellen harte Fragen zu deiner Gesamtstrategie und deinen Plänen. Das hilft dir, mögliche Schwachstellen aufzudecken und Klarheit zu gewinnen. Es bedarf persönlicher Reife, um harte Fragen zu stellen und auch mal Kritik zu äußern. So ein Feedback entgegenzunehmen ist nicht einfach, aber extrem wertvoll.

Fünftens: Ein Board kann dich fördern. Ein Board-Mitglied kann als Förderer agieren: deine Fähigkeiten und Erfahrungen in der Personalabteilung oder bei anderen, die nach Talenten suchen, weiterempfehlen. Es gibt Überschneidungen mit dem Thema Netzwerk. Sie können dich zu wichtigen Meetings mitnehmen und dafür sorgen, dass du das richtige Training, die richtigen Schulungen und die richtige Unterstützung bekommst.

Auch wichtig: In den meisten Fällen ist es gar nicht so, dass man kein Board hat. Meistens hast du nur noch nie darüber nachgedacht, dass du diese Art von Unterstützernetzwerk bereits hast. Ich kenne viele Personen, die schon spannende Supporter, einen Coach oder Mentor an ihrer Seite haben. Das Gedankenspiel hilft, aktiver damit umzugehen: Wo sind Engpässe? Wo sind Lücken? Wie kann ich mein persönliches Support-Team für meine berufliche Laufbahn ergänzen und verbessern? In der Regel hast du heute schon irgendwo ein Support-Team – manchmal klein ausgeprägt, manchmal schon fortgeschrittener.

Die zentrale Frage, die jetzt folgt: Wer gehört in dein Karriereteam, in dein Personal Board of Directors? Ganz wichtig sind Vielfalt und eine gute Mischung an Erfahrungen. Einige Leitfragen fürs Brainstorming: Wer hat dein bestes Interesse im Sinn? Wer ist in einer Position, die du selbst anstrebst, also schon zwei, drei Schritte voraus? Wer arbeitet in einem völlig anderen Wirtschaftszweig, ist aber trotzdem inspirierend? Wer arbeitet in einem anderen Unternehmen der gleichen Branche? Wer sind Experten in deinem Fachgebiet? Wer ist gut darin, andere zu ermutigen? Wer hat gute analytische und unternehmerische Fähigkeiten, um deine berufliche Situation gut zu erfassen, Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und gutes Branchenwissen mitzubringen? Und ganz wichtig: Wer sagt die Wahrheit? Wer ist bereit, dich herauszufordern?

Typische Personen, die in deinem Board nicht fehlen dürfen: vertrauenswürdige Kollegen, denen du dich öffnen kannst und die hinter dir stehen. Mentoren, die ein paar Schritte weiter sind und ihre Erfahrungen mitteilen können. Sponsoren – Personen mit Einfluss im Unternehmen oder in der Branche, die dir helfen können, deine Sichtbarkeit zu erhöhen. Experten – externe Branchenführer, die dir neue Wege aufzeigen und dich über neue Trends auf dem Laufenden halten. Und Coaches – Personen, die dich herausfordern, dir den Spiegel vorhalten und Benchmarks mitbringen, weil sie sich mit vielen anderen austauschen.

Jetzt eine kleine Übung, die du direkt in die Praxis umsetzen kannst. Du nimmst dir einen DIN-A4-Zettel und einen Stift. Dann zeichnest du einen großen Tisch in die Mitte und schreibst „Personal Board of Directors“ hinein. Drumherum malst du einige Stühle – eine Skizze reicht, kein Meisterwerk. Du schreibst deinen Namen ans Tischende. Und jetzt schreibst du alle Namen an den Tisch, die dir heute bereits helfen, die in deinem direkten Umfeld sind und die du heute schon zu deinem Board zählst. Danach schaust du es dir an und stellst zwei Fragen: Ist diese Gruppe divers genug? Und wo siehst du blinde Flecken – welche Kompetenz fehlt, welche Person fehlt?

Wichtig ist auch: Dein Board ist dynamisch und wandelt sich mit der Zeit. Wenn du mehr Verantwortung übernimmst, neue Rollen und Führungsaufgaben dazukommen, werden andere Kompetenzen wichtig, die in deinem Board nicht fehlen dürfen. Reflektiere also regelmäßig, wie das ideale Board für dich und deine Situation aussieht.

Wie nutzt du dieses Board idealerweise? Es geht nicht darum, einmal im Quartal alle zusammenzuholen, eine Präsentation vorzubereiten und deine Situation vorzustellen. Das kannst du tun, ist in einigen Fällen aber ein bisschen drüber. Manchmal helfen Einzelgespräche, manchmal ein Gruppengespräch – muss aber nicht. Wenn sich die Personen untereinander kennen, kann es spannend sein, sie zu vernetzen. Das hängt von dir und deiner Persönlichkeit ab, wie aktiv du mit deinem Board umgehen möchtest.

Und du musst keiner der Personen sagen, dass sie Bestandteil deines Personal Board of Directors ist. Wenn es Menschen sind, die offen dafür sind, dir Feedback zu geben, dich zu unterstützen, Mentor, Coach oder Sponsor zu sein, dann reicht das in der Regel. Du brauchst keinen formellen Prozess. Erst wenn du wirklich in die Geschäftsführung kommst – bis hin zur CEO-Rolle im Mittelstand – würde ich klar empfehlen, diesen Gedanken ins Berufliche zu übertragen und einen Beirat zu implementieren. Dann kann es spannender sein, alle Personen an einen Tisch zu holen und eine Regelmäßigkeit daraus zu machen, sei es im Quartal oder halbjährlich, um dieses Wissen anzuzapfen und Commitment zu haben.

Zusammengefasst: Deine berufliche Laufbahn kannst du wie ein Unternehmen sehen. Du bist der oder die CEO, du führst das Unternehmen, und das Produkt bist du. Für eine erfolgreiche Karrierestrategie und die richtige Richtung brauchst du fundierte Ratschläge aus möglichst vielen Perspektiven. Wir alle brauchen eine unterstützende Community aus Menschen, die uns helfen – und dein Personal Board of Directors ist genau diese persönliche Community. Wenn du dich von diesen Beratern leiten lässt, hat das sehr gute Einflüsse auf deine berufliche Weiterentwicklung. Du kannst der Stagnation Ade sagen und wirst spannende Möglichkeiten bekommen.

Das merken wir immer wieder in unserem Programm: Alle kommen in eine Gruppe von super ambitionierten Persönlichkeiten, die überwiegend danach streben, hochrangige, verantwortliche Rollen zu übernehmen – Geschäftsführungen oder höhere Managementrollen im Konzern. Das sind keine direkten Kollegen, aber spannende, inspirierende Persönlichkeiten aus der Branche, die direkt ins Personal Board of Directors kommen können.

Noch einmal kurz zusammengefasst: Eingangs ging es um die sogenannte Wie-Falle. Meistens verfallen wir ins Wie-Denken und versuchen, Probleme allein zu lösen. Oft vergessen wird das Wer-Denken: Wer kann mir dabei helfen? Darum geht es beim Personal Board of Directors. Der Board-Gedanke kommt aus den USA – Trennung von Management und Überwachung. Jeder Vorstand hat einen Aufsichtsrat, im Mittelstand einen Beirat, der unterstützt und Ratschläge rund um die berufliche Entwicklung gibt.

Warum ist das sinnvoll? Es öffnet Türen und erweitert dein Netzwerk, bietet Unterstützung, entwickelt dich weiter, coacht und fordert dich heraus und fördert dich – indem du Zugriff auf Chancen bekommst. Wer gehört hinein? Zum Beispiel Mentoren, vertrauenswürdige Kollegen, Sponsoren, Experten, Coaches – aber auch andere inspirierende, ambitionierte Ingenieure.

Mach gerne diese kleine Übung: DIN-A4-Zettel, einen Tisch in die Mitte malen, einige Stühle, deinen Namen dahinschreiben und reflektieren, wer heute in deinem Umfeld ist, den du jederzeit zurate ziehen kannst. Und wenn es noch relativ leer ist, dann ist es wichtig, das mit der Zeit aufzubauen. Dann bist du heute wahrscheinlich auf das Wie-Thema versteift und hast einen großen blinden Fleck beim Wer. Ich lege dir ans Herz, das Thema ernst zu nehmen – es kann mit der Zeit ganz viele Türen öffnen und deine berufliche Entwicklung auf ein ganz anderes Level heben.

Ich hoffe, da waren einige Punkte für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Als Nächstes hören