Inversion: Wie du Probleme löst, indem du sie umdrehst

„Sag mir, wo ich sterbe, und ich werde niemals dorthin gehen.“ Dieser Satz von Charlie Munger, dem Geschäftspartner von Warren Buffett, bringt eines der mächtigsten Denkmodelle überhaupt auf den Punkt: Inversion. Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht und aus der anderen Perspektive betrachtet.

In dieser Folge zeige ich dir, wie du Inversion auf deinen Arbeitsalltag anwendest: Statt den perfekten Tag zu planen, stellst du dir den schlimmstmöglichen vor – und leitest daraus konkrete Anti-Ziele ab. Inklusive meiner persönlichen 6-Punkte-Liste.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Inversion (Charlie Munger): Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht und vom Ende her denkt.
  • Statt den perfekten Tag zu planen, definiere den schlimmstmöglichen – und vermeide ihn gezielt.
  • Aus den Kriterien des schlechten Tages werden Anti-Ziele – quasi eine „Anti-To-do-Liste“.
  • Anti-Ziele sind die Dinge, die du vermeiden willst – sie machen den Alltag attraktiver, nicht nur produktiver.
  • Circle of Influence (Stephen Covey): Kümmere dich nur um das, was du beeinflussen kannst – beschwere dich nicht, verändere es.
  • Übung in 2 Schritten: Was ist dein schlimmstmöglicher Tag? → Forme aus jedem Punkt ein Anti-Ziel.

Inversion in der Praxis: vom schlechten Tag zu Anti-Zielen

Das Prinzip

Munger und Buffett sind große Fans der Inversion: „A lot of success in life and business comes from knowing what you want to avoid.“ Statt zu fragen „Wie sieht mein perfekter Tag aus?“, drehst du die Frage um: „Wie sieht mein schlimmstmöglicher Tag aus?“ Die Antwort fällt meist überraschend leicht – und daraus lassen sich direkt Regeln (Anti-Ziele) ableiten.

Mein schlimmstmöglicher Tag – 6 Kriterien

  1. Zu viele Meetings (Gefühl, nichts erledigt zu haben).
  2. Ein vollgepackter Kalender (raubt Energie für Deep Creative Work).
  3. Zusammenarbeit mit Menschen, die ich nicht mag oder denen ich nicht vertraue.
  4. Nur Low-Value-Tätigkeiten (z. B. den ganzen Tag E-Mails).
  5. Keine Energie (schlecht geschlafen, durchhängen).
  6. Negatives Mindset (Jammer- bzw. Opfermodus).

Meine 6 Anti-Ziele (die Umkehrung)

  1. Plane nie ein persönliches Treffen, wenn Videocall, Telefon oder Vermeiden möglich ist.
  2. Nicht mehr als 3 Stunden geplante Zeit pro Tag – genug Space für ungeplante Kreativität.
  3. Keine Geschäfte mit Menschen, die ich nicht mag – ein leichtes ungutes Gefühl heißt: klares Nein.
  4. Nutze den Morgen für Deep Work, nicht für E-Mails oder Low-Value-Aufgaben.
  5. Nicht länger als 2 Stunden sitzen – aufstehen, Spaziergang, Bewegung.
  6. Beschwere dich nicht – verändere es. Fokus auf den Circle of Influence (Covey), nicht den Circle of Concern.

Anti-Ziel 4 setzt voraus, dass dein Morgen geschützt ist – wie das gelingt, hörst du in Morgenroutine. Der Gedanke „weniger, aber das Richtige“ steckt auch in Eliminieren statt Optimieren. Und warum klare Ziele und Anti-Ziele zusammengehören, zeigt Ziele schneller erreichen. Das ganze Konzept findest du auch im Artikel Die Power von Anti-Zielen.

Häufige Fragen zu Anti-Zielen & Inversion

Was ist Inversion? Ein Denkmodell, das Charlie Munger und Warren Buffett nutzen: Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht. Statt zu fragen, wie der Erfolg aussieht, fragst du, wie das Scheitern aussieht – und vermeidest es gezielt.

Was sind Anti-Ziele? Anti-Ziele sind die Dinge, die du bewusst vermeiden möchtest. Statt nur klassische Ziele zu setzen, definierst du Regeln, die deinen schlimmstmöglichen Tag verhindern – eine Art „Anti-To-do-Liste“.

Wie erstelle ich meine Anti-Ziele? In zwei Schritten: Erstens den schlimmstmöglichen Tag in Stichpunkten beschreiben. Zweitens jeden Punkt in eine konkrete Vermeidungsregel (Anti-Ziel) übersetzen.

Was ist der Circle of Influence? Ein Konzept von Stephen Covey: Konzentriere deine Energie auf die Dinge, die du beeinflussen kannst (Circle of Influence), statt dich über das aufzuregen, was du nicht ändern kannst (Circle of Concern).

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Entscheidungen und Produktivität.

Transkript

Jeder hat schon einmal davon gehört, dass es sinnvoll ist, sich Ziele zu setzen. Doch wovon die wenigsten gehört haben, sind Anti-Ziele. Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht. Manchmal ist es also hilfreich, Anti-Ziele zu haben. Anti-Ziele sind die Dinge, die du vermeiden möchtest. Sie helfen dir dabei, deinen Alltag attraktiver und angenehmer zu gestalten.

„Sag mir, an welchem Ort ich sterbe, und ich weiß, wo ich niemals hingehen werde.“ Dieser Satz kommt von Charlie Munger, dem Geschäftspartner von Warren Buffett. Munger und Buffett sind beide große Fans dieses Gedankens – des Konzepts der Inversion, im Deutschen so viel wie „umkehren“. Die Botschaft dahinter: Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht und aus der anderen Perspektive betrachtet. In Mungers Worten: „A lot of success in life and business comes from knowing what you want to avoid – early death, a bad marriage“ und so weiter. Genau da knüpfen Anti-Ziele an: Anti-Ziele sind die Dinge, die du auf täglicher Basis vermeiden möchtest – die dir helfen, deinen Alltag attraktiver und angenehmer zu gestalten. Wenn du also einen besseren beruflichen Alltag möchtest – nicht nur einen produktiveren, sondern auch einen angenehmeren –, dann kann es hilfreich sein, dir Gedanken über deine Anti-Ziele zu machen. Anstatt zu überlegen, wie ein perfekter Tag aussieht, ist es sinnvoller, sich den schlimmstmöglichen Tag vorzustellen und diesen zu vermeiden. Das ist mit Inversion gemeint.

Ich mache das in dieser Folge anhand meines persönlichen Beispiels. Vor einiger Zeit habe ich diese Übung durchgeführt. Der Gedanke der Inversion begleitet mich schon lange, aber gerade bezogen auf den perfekten Tag und den schlimmstmöglichen Tag fand ich es spannend, mir den schlimmstmöglichen Tag vorzustellen und dann zu überlegen: Welche Regeln, welche Themen, also welche Anti-Ziel-Liste kann ich erarbeiten, um diesen schlimmsten Tag zu vermeiden? Es geht mir dabei nicht nur um das maximale Maß an Produktivität – auch wenn aus Produktivität und Effektivität Freude und Erfüllung entstehen, etwa im Flow-Zustand. Ein schlimmstmöglicher Tag heißt für mich vor allem: keinen Spaß zu haben.

Für mich sind es sechs Punkte – ich könnte noch mehr aufführen, aber das sind die wichtigsten. Punkt 1: zu viele Meetings. Wenn ich den ganzen Tag in Meetings sitze, habe ich das Gefühl, nichts erledigt zu haben, und das löst ein schlechtes Gefühl aus. Punkt 2: ein vollgepackter Kalender. Mein Alltag ist sehr kreativ, ein Großteil meiner effektiven Aufgaben ist kreativer Natur. Ein vollgepackter Kalender – ein Meeting oder eine Deadline nach der nächsten – raubt mir Spaß und kreative Energie, und ich liefere nicht den Output, den ich liefern könnte. Punkt 3: mit Menschen zusammenarbeiten, die ich nicht mag oder denen ich nicht vertraue. Wenn ich von Menschen umgeben bin, die nicht mein Mindset teilen, andere Werte haben, keine Lust zu arbeiten haben oder nur ein negatives, destruktives, pessimistisches Mindset mitbringen, zieht mich das runter. Punkt 4 knüpft an 1 und 2 an: nur Low-Value-Tätigkeiten. Wenn ich den ganzen Tag nur E-Mails checke und beantworte, macht das einen schlechten Tag aus. Am meisten Freude habe ich, wenn mein Tag voll ist mit Deep Creative Work, mit komplexen Aufgaben, die Brainpower benötigen. Low-Value-Tätigkeiten gehören zum Alltag dazu, ganz streichen kann man sie nicht – aber wenn der Tag nur daraus besteht, raubt das Energie. Punkt 5: keine Energie. Wenn ich durchhänge oder schlecht geschlafen habe, ist das ein schlechter Tag. Die Tage, die ein Krampf sind, sind meist die, an denen ich keine Energie habe. Punkt 6: negatives Mindset. Auch ich bin davor nicht gefeit – es gibt Tage, an denen man optimistisch ist, und Tage, an denen man pessimistischer ist. Ein schlimmstmöglicher Tag ist die Kombination dieser sechs Punkte.

Davon ausgehend habe ich meine Anti-Ziele entwickelt – und du wirst merken, wie einfach sich aus den Kriterien für den schlimmsten Tag konkrete Anti-Ziele ableiten lassen. Anti-Ziel 1: Plane niemals ein persönliches Treffen, wenn es auch per Videocall oder Telefon möglich ist – oder wenn man es ganz vermeiden kann. Deep Creative Work hat für mich Priorität; wenn ich mich den ganzen Tag von einem persönlichen Treffen zum nächsten hangle, habe ich einen schlechten Tag. Vieles lässt sich heute über E-Mails, Telefonate, Walking Meetings oder Chatprogramme regeln. Anti-Ziel 2: nicht mehr als drei Stunden geplante Zeit pro Tag. Deep Creative Work ist nicht immer konkret planbar; wenn man den Tag zu eng taktet und sich zu wenig Space gibt, leidet die Qualität enorm. Deshalb lasse ich mir viel Raum im Kalender. Anti-Ziel 3: keine Geschäfte mit Menschen, die ich nicht mag – schon ein leichtes ungutes Gefühl bedeutet ein klares Nein. Wir haben über die Jahre auf viel Umsatz verzichtet, weil wir mit bestimmten Menschen nicht zusammenarbeiten wollten, etwa weil wir die Werte nicht teilen. Anti-Ziel 4: Nutze den Morgen – meine produktivste, „heilige“ Zeit – für Deep Work und nicht für E-Mails oder andere Low-Value-Tätigkeiten. So rutsche ich gar nicht erst in den schlimmstmöglichen Tag. Anti-Ziel 5: nicht länger als zwei Stunden sitzen. Steh auf, mach einen Spaziergang, Liegestütze oder Kniebeugen. Gerade bei kreativer Arbeit ist Bewegung wichtig – die besten Ideen kommen oft beim Spazierengehen, und es fördert die Energie (auch Power Naps gehören dazu). Anti-Ziel 6: negatives Mindset vermeiden – hier hilft mir Stephen Coveys Circle of Influence. Beschwere dich nicht; wenn dich etwas stört, dann verändere es. Dinge, die du nicht beeinflussen kannst (Circle of Concern), solltest du gedanklich loslassen und dich auf die konzentrieren, die du verändern kannst (Circle of Influence). Sobald sich Unzufriedenheit oder ein Jammer- bzw. Opfermodus einschleicht, erinnere ich mich daran.

Das sind meine sechs Anti-Ziele. Zusammengefasst: Erstens, plane nie ein persönliches Treffen, wenn es auch per Videocall oder Telefon geht oder vermeidbar ist. Zweitens, nicht mehr als drei Stunden geplante Zeit pro Tag. Drittens, keine Geschäfte mit Menschen, die ich nicht mag. Viertens, nutze den Morgen für Deep Work statt für Low-Value-Tätigkeiten. Fünftens, nicht länger als zwei Stunden sitzen. Sechstens, beschwere dich nicht – verändere es. Natürlich gibt es immer noch den einen oder anderen Tag, der unvermeidlich schlecht ist – schlechte Tage hat jeder. Aber diese Anti-Ziele helfen mir definitiv, und als Reminder stehen sie in meinem Second Brain, damit ich meinen Alltag sukzessive verbessere.

Probiere es gern aus, es ist unglaublich einfach und seltsamerweise mächtig – zwei Schritte: Erstens, was ist dein schlimmstmöglicher Tag? Mach ein paar Stichpunkte. Zweitens, überführe das in deine Anti-Ziele, also ganz konkrete Regeln – du könntest es auch eine Anti-To-do-Liste nennen. Und wie eingangs gesagt: Sag mir, wie mein schlimmstmöglicher Tag aussieht, und ich weiß, was ich auf jeden Fall vermeiden muss. Das ist die Power von Inversion. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um das für dich zu reflektieren. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Inversion: Wie du Probleme löst, indem du sie umdrehst

„Sag mir, wo ich sterbe, und ich werde niemals dorthin gehen.“ Dieser Satz von Charlie Munger, dem Geschäftspartner von Warren Buffett, bringt eines der mächtigsten Denkmodelle überhaupt auf den Punkt: Inversion. Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht und aus der anderen Perspektive betrachtet.

In dieser Folge zeige ich dir, wie du Inversion auf deinen Arbeitsalltag anwendest: Statt den perfekten Tag zu planen, stellst du dir den schlimmstmöglichen vor – und leitest daraus konkrete Anti-Ziele ab. Inklusive meiner persönlichen 6-Punkte-Liste.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Inversion (Charlie Munger): Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht und vom Ende her denkt.
  • Statt den perfekten Tag zu planen, definiere den schlimmstmöglichen – und vermeide ihn gezielt.
  • Aus den Kriterien des schlechten Tages werden Anti-Ziele – quasi eine „Anti-To-do-Liste“.
  • Anti-Ziele sind die Dinge, die du vermeiden willst – sie machen den Alltag attraktiver, nicht nur produktiver.
  • Circle of Influence (Stephen Covey): Kümmere dich nur um das, was du beeinflussen kannst – beschwere dich nicht, verändere es.
  • Übung in 2 Schritten: Was ist dein schlimmstmöglicher Tag? → Forme aus jedem Punkt ein Anti-Ziel.

Inversion in der Praxis: vom schlechten Tag zu Anti-Zielen

Das Prinzip

Munger und Buffett sind große Fans der Inversion: „A lot of success in life and business comes from knowing what you want to avoid.“ Statt zu fragen „Wie sieht mein perfekter Tag aus?“, drehst du die Frage um: „Wie sieht mein schlimmstmöglicher Tag aus?“ Die Antwort fällt meist überraschend leicht – und daraus lassen sich direkt Regeln (Anti-Ziele) ableiten.

Mein schlimmstmöglicher Tag – 6 Kriterien

  1. Zu viele Meetings (Gefühl, nichts erledigt zu haben).
  2. Ein vollgepackter Kalender (raubt Energie für Deep Creative Work).
  3. Zusammenarbeit mit Menschen, die ich nicht mag oder denen ich nicht vertraue.
  4. Nur Low-Value-Tätigkeiten (z. B. den ganzen Tag E-Mails).
  5. Keine Energie (schlecht geschlafen, durchhängen).
  6. Negatives Mindset (Jammer- bzw. Opfermodus).

Meine 6 Anti-Ziele (die Umkehrung)

  1. Plane nie ein persönliches Treffen, wenn Videocall, Telefon oder Vermeiden möglich ist.
  2. Nicht mehr als 3 Stunden geplante Zeit pro Tag – genug Space für ungeplante Kreativität.
  3. Keine Geschäfte mit Menschen, die ich nicht mag – ein leichtes ungutes Gefühl heißt: klares Nein.
  4. Nutze den Morgen für Deep Work, nicht für E-Mails oder Low-Value-Aufgaben.
  5. Nicht länger als 2 Stunden sitzen – aufstehen, Spaziergang, Bewegung.
  6. Beschwere dich nicht – verändere es. Fokus auf den Circle of Influence (Covey), nicht den Circle of Concern.

Anti-Ziel 4 setzt voraus, dass dein Morgen geschützt ist – wie das gelingt, hörst du in Morgenroutine. Der Gedanke „weniger, aber das Richtige“ steckt auch in Eliminieren statt Optimieren. Und warum klare Ziele und Anti-Ziele zusammengehören, zeigt Ziele schneller erreichen. Das ganze Konzept findest du auch im Artikel Die Power von Anti-Zielen.

Häufige Fragen zu Anti-Zielen & Inversion

Was ist Inversion? Ein Denkmodell, das Charlie Munger und Warren Buffett nutzen: Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht. Statt zu fragen, wie der Erfolg aussieht, fragst du, wie das Scheitern aussieht – und vermeidest es gezielt.

Was sind Anti-Ziele? Anti-Ziele sind die Dinge, die du bewusst vermeiden möchtest. Statt nur klassische Ziele zu setzen, definierst du Regeln, die deinen schlimmstmöglichen Tag verhindern – eine Art „Anti-To-do-Liste“.

Wie erstelle ich meine Anti-Ziele? In zwei Schritten: Erstens den schlimmstmöglichen Tag in Stichpunkten beschreiben. Zweitens jeden Punkt in eine konkrete Vermeidungsregel (Anti-Ziel) übersetzen.

Was ist der Circle of Influence? Ein Konzept von Stephen Covey: Konzentriere deine Energie auf die Dinge, die du beeinflussen kannst (Circle of Influence), statt dich über das aufzuregen, was du nicht ändern kannst (Circle of Concern).

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Entscheidungen und Produktivität.

Transkript

Jeder hat schon einmal davon gehört, dass es sinnvoll ist, sich Ziele zu setzen. Doch wovon die wenigsten gehört haben, sind Anti-Ziele. Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht. Manchmal ist es also hilfreich, Anti-Ziele zu haben. Anti-Ziele sind die Dinge, die du vermeiden möchtest. Sie helfen dir dabei, deinen Alltag attraktiver und angenehmer zu gestalten.

„Sag mir, an welchem Ort ich sterbe, und ich weiß, wo ich niemals hingehen werde.“ Dieser Satz kommt von Charlie Munger, dem Geschäftspartner von Warren Buffett. Munger und Buffett sind beide große Fans dieses Gedankens – des Konzepts der Inversion, im Deutschen so viel wie „umkehren“. Die Botschaft dahinter: Probleme werden oft einfacher, wenn man sie umdreht und aus der anderen Perspektive betrachtet. In Mungers Worten: „A lot of success in life and business comes from knowing what you want to avoid – early death, a bad marriage“ und so weiter. Genau da knüpfen Anti-Ziele an: Anti-Ziele sind die Dinge, die du auf täglicher Basis vermeiden möchtest – die dir helfen, deinen Alltag attraktiver und angenehmer zu gestalten. Wenn du also einen besseren beruflichen Alltag möchtest – nicht nur einen produktiveren, sondern auch einen angenehmeren –, dann kann es hilfreich sein, dir Gedanken über deine Anti-Ziele zu machen. Anstatt zu überlegen, wie ein perfekter Tag aussieht, ist es sinnvoller, sich den schlimmstmöglichen Tag vorzustellen und diesen zu vermeiden. Das ist mit Inversion gemeint.

Ich mache das in dieser Folge anhand meines persönlichen Beispiels. Vor einiger Zeit habe ich diese Übung durchgeführt. Der Gedanke der Inversion begleitet mich schon lange, aber gerade bezogen auf den perfekten Tag und den schlimmstmöglichen Tag fand ich es spannend, mir den schlimmstmöglichen Tag vorzustellen und dann zu überlegen: Welche Regeln, welche Themen, also welche Anti-Ziel-Liste kann ich erarbeiten, um diesen schlimmsten Tag zu vermeiden? Es geht mir dabei nicht nur um das maximale Maß an Produktivität – auch wenn aus Produktivität und Effektivität Freude und Erfüllung entstehen, etwa im Flow-Zustand. Ein schlimmstmöglicher Tag heißt für mich vor allem: keinen Spaß zu haben.

Für mich sind es sechs Punkte – ich könnte noch mehr aufführen, aber das sind die wichtigsten. Punkt 1: zu viele Meetings. Wenn ich den ganzen Tag in Meetings sitze, habe ich das Gefühl, nichts erledigt zu haben, und das löst ein schlechtes Gefühl aus. Punkt 2: ein vollgepackter Kalender. Mein Alltag ist sehr kreativ, ein Großteil meiner effektiven Aufgaben ist kreativer Natur. Ein vollgepackter Kalender – ein Meeting oder eine Deadline nach der nächsten – raubt mir Spaß und kreative Energie, und ich liefere nicht den Output, den ich liefern könnte. Punkt 3: mit Menschen zusammenarbeiten, die ich nicht mag oder denen ich nicht vertraue. Wenn ich von Menschen umgeben bin, die nicht mein Mindset teilen, andere Werte haben, keine Lust zu arbeiten haben oder nur ein negatives, destruktives, pessimistisches Mindset mitbringen, zieht mich das runter. Punkt 4 knüpft an 1 und 2 an: nur Low-Value-Tätigkeiten. Wenn ich den ganzen Tag nur E-Mails checke und beantworte, macht das einen schlechten Tag aus. Am meisten Freude habe ich, wenn mein Tag voll ist mit Deep Creative Work, mit komplexen Aufgaben, die Brainpower benötigen. Low-Value-Tätigkeiten gehören zum Alltag dazu, ganz streichen kann man sie nicht – aber wenn der Tag nur daraus besteht, raubt das Energie. Punkt 5: keine Energie. Wenn ich durchhänge oder schlecht geschlafen habe, ist das ein schlechter Tag. Die Tage, die ein Krampf sind, sind meist die, an denen ich keine Energie habe. Punkt 6: negatives Mindset. Auch ich bin davor nicht gefeit – es gibt Tage, an denen man optimistisch ist, und Tage, an denen man pessimistischer ist. Ein schlimmstmöglicher Tag ist die Kombination dieser sechs Punkte.

Davon ausgehend habe ich meine Anti-Ziele entwickelt – und du wirst merken, wie einfach sich aus den Kriterien für den schlimmsten Tag konkrete Anti-Ziele ableiten lassen. Anti-Ziel 1: Plane niemals ein persönliches Treffen, wenn es auch per Videocall oder Telefon möglich ist – oder wenn man es ganz vermeiden kann. Deep Creative Work hat für mich Priorität; wenn ich mich den ganzen Tag von einem persönlichen Treffen zum nächsten hangle, habe ich einen schlechten Tag. Vieles lässt sich heute über E-Mails, Telefonate, Walking Meetings oder Chatprogramme regeln. Anti-Ziel 2: nicht mehr als drei Stunden geplante Zeit pro Tag. Deep Creative Work ist nicht immer konkret planbar; wenn man den Tag zu eng taktet und sich zu wenig Space gibt, leidet die Qualität enorm. Deshalb lasse ich mir viel Raum im Kalender. Anti-Ziel 3: keine Geschäfte mit Menschen, die ich nicht mag – schon ein leichtes ungutes Gefühl bedeutet ein klares Nein. Wir haben über die Jahre auf viel Umsatz verzichtet, weil wir mit bestimmten Menschen nicht zusammenarbeiten wollten, etwa weil wir die Werte nicht teilen. Anti-Ziel 4: Nutze den Morgen – meine produktivste, „heilige“ Zeit – für Deep Work und nicht für E-Mails oder andere Low-Value-Tätigkeiten. So rutsche ich gar nicht erst in den schlimmstmöglichen Tag. Anti-Ziel 5: nicht länger als zwei Stunden sitzen. Steh auf, mach einen Spaziergang, Liegestütze oder Kniebeugen. Gerade bei kreativer Arbeit ist Bewegung wichtig – die besten Ideen kommen oft beim Spazierengehen, und es fördert die Energie (auch Power Naps gehören dazu). Anti-Ziel 6: negatives Mindset vermeiden – hier hilft mir Stephen Coveys Circle of Influence. Beschwere dich nicht; wenn dich etwas stört, dann verändere es. Dinge, die du nicht beeinflussen kannst (Circle of Concern), solltest du gedanklich loslassen und dich auf die konzentrieren, die du verändern kannst (Circle of Influence). Sobald sich Unzufriedenheit oder ein Jammer- bzw. Opfermodus einschleicht, erinnere ich mich daran.

Das sind meine sechs Anti-Ziele. Zusammengefasst: Erstens, plane nie ein persönliches Treffen, wenn es auch per Videocall oder Telefon geht oder vermeidbar ist. Zweitens, nicht mehr als drei Stunden geplante Zeit pro Tag. Drittens, keine Geschäfte mit Menschen, die ich nicht mag. Viertens, nutze den Morgen für Deep Work statt für Low-Value-Tätigkeiten. Fünftens, nicht länger als zwei Stunden sitzen. Sechstens, beschwere dich nicht – verändere es. Natürlich gibt es immer noch den einen oder anderen Tag, der unvermeidlich schlecht ist – schlechte Tage hat jeder. Aber diese Anti-Ziele helfen mir definitiv, und als Reminder stehen sie in meinem Second Brain, damit ich meinen Alltag sukzessive verbessere.

Probiere es gern aus, es ist unglaublich einfach und seltsamerweise mächtig – zwei Schritte: Erstens, was ist dein schlimmstmöglicher Tag? Mach ein paar Stichpunkte. Zweitens, überführe das in deine Anti-Ziele, also ganz konkrete Regeln – du könntest es auch eine Anti-To-do-Liste nennen. Und wie eingangs gesagt: Sag mir, wie mein schlimmstmöglicher Tag aussieht, und ich weiß, was ich auf jeden Fall vermeiden muss. Das ist die Power von Inversion. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um das für dich zu reflektieren. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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