Fatale Fehler im Berufsleben: so findest du deinen Berufsweg

Seien wir ehrlich: 9 von 10 Ingenieuren werden nie ein Berufsleben erleben, das sie vollständig erfüllt. Nicht, weil ihnen das Zeug fehlt – sondern weil sie nie gelernt haben, herauszufinden, welcher Berufsweg wirklich zu ihnen passt. Und ein weiteres Studium oder Zertifikat ist nicht die Lösung.

In dieser Folge teile ich sechs Ideen, mit denen du dein Bigger Picture klärst – den Grundstein dafür, montags vor dem Wecker aufzuwachen, weil du dich auf den Tag freust.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Den richtigen Berufsweg findest du über dein Bigger Picture – nicht über das nächste Studium oder Zertifikat.
  • 1. Mimetic Desire: Wir übernehmen oft unbewusst die Ziele anderer. Frag dich, ob deine Berufswahl wirklich dein eigener Wunsch war.
  • 2. Vision Setting (Leitbild): Ohne Ziel keine Richtung. Beschreibe in 10 Minuten einen idealen Tag in 10 Jahren – so konkret wie möglich.
  • 3. Fixe Vision, flexible Details (Jeff Bezos): Halte eisern an deiner Vision fest, aber bleib offen, auf welchem Weg du dorthin kommst.
  • 4. Sitzt du im richtigen Boot? (Warren Buffett): Marktwachstum bestimmt Unternehmenswachstum bestimmt dein Wachstum. Ein stagnierendes Umfeld begrenzt dich.
  • 5. Erst experimentieren, dann profitieren: In den ersten Jahren breit testen – nicht zu früh aufs Gehalt optimieren (lokale vs. globale Maxima).
  • 6. Der goldene Käfig: Der Weg vom kleinen zum großen Berg führt durch ein Tal. Je länger du wartest, desto schwerer der Absprung.

Berufsweg finden: die Kernidee

1. Mimetic Desire

Menschen neigen dazu, die Wünsche anderer zu übernehmen – von Freunden, Familie, Influencern. Wir wollen, was andere wollen. Luke Burgis beschreibt in seinem Buch Wanting, wie er eines Tages „erkannte“, einen Marathon laufen zu wollen – und erstaunlicherweise hatten alle seine Freunde Mitte 30 dieselbe „Erkenntnis“. Die meisten reden sich ein, ihre Ziele seien eigenständig. Oft sind sie es nicht – das ist ein sehr unbewusster Prozess. Bevor du deinen idealen Berufsweg findest, musst du dich fragen: War meine bisherige Berufswahl wirklich mein eigener Wunsch, perfekt abgestimmt auf meine Persönlichkeit und meine Vorstellung vom idealen Tag – oder war es Mimetic Desire?

2. Vision Setting (dein Leitbild)

Wenn du das Haus verlässt, durchläufst du vier Schritte: Du legst fest, wo du hinwillst, planst den Weg, gehst los und justierst unterwegs nach. Entscheidend ist der erste Schritt – ohne Ziel sind alle anderen sinnlos. Genau das fehlt vielen im Berufsleben: Sie rennen nach dem Studium einfach los und merken Jahre später, dass sie kein Ziel haben. Die Lösung ist ein Leitbild (Stephen Covey, Die 7 Wege zur Effektivität). Es geht auch in der Light-Version: Nimm Zettel und Stift, stell einen Timer auf 10 Minuten und beschreibe einen Tag in deinem Leben in 10 Jahren – so konkret wie möglich. Denk groß, du darfst spinnen. Verrückt, dass viele 40, 50 Jahre arbeiten, sich aber nicht einmal 10 Minuten Zeit für ihr Leitbild nehmen. Dabei fließen drei Dinge ein: Wer bist du und was sind deine Stärken? Was ist im Markt möglich? Und was sind deine persönlichen Präferenzen (auch zu wissen, was du nicht willst, ist wertvoll)?

3. Fixe Vision, flexible Details

Sobald dein Zielbild etwas klarer ist, halte eisern daran fest – aber leg dich nicht auf einen bestimmten Weg fest. Viele Wege führen nach Rom. Lass dich nicht entmutigen, wenn du den Weg noch nicht kennst oder eine vielversprechende Strategie in eine Sackgasse führt. Sei offen für Zufälle und spontane Gelegenheiten, die das Leben bietet. Jeff Bezos nennt das ein Kernprinzip von Amazon: „We are stubborn on vision and flexible on details.“ Bei den Zielen eisern, beim Weg flexibel – notfalls zehn Anläufe.

4. Sitzt du im richtigen Boot?

Warren Buffett sagt sinngemäß: Es ist egal, wie hart du ruderst – viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt. Dahinter steckt die Wachstumsformel: Das Wachstum des Marktes bestimmt das Wachstum des Unternehmens, und das Wachstum des Unternehmens bestimmt dein persönliches Wachstum. Egal wie smart du bist, wie hart du arbeitest oder wie schnell du lernst – ein stagnierendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt begrenzt deine Entwicklung. Eine viel spannendere Perspektive hast du dort, wo sich das harte Rudern lohnt: mit Rückenwind statt Gegenwind.

5. Erst experimentieren, dann profitieren

In den ersten Jahren (durchaus den ersten zehn) deines Berufslebens ist es wichtig, breit zu experimentieren. Die meisten optimieren zu früh auf maximalen Profit – etwa aufs Gehalt. Verstehe den Unterschied zwischen lokalem und globalem Maximum: Dein jetziges Unternehmen ist vielleicht ein kleiner Berg, während woanders viel größere Berge (Wachstumschancen) stehen. Statt dich zu schnell auf ein lokales Maximum zu fokussieren, schau nach links und rechts, sammle Datenpunkte über deine Interessen, Stärken und die Chancen im Markt. Erst wenn du genug experimentiert und den größten Berg gefunden hast, lohnt es sich, fokussiert auf das globale Maximum hinzuarbeiten – mit der größten Hebelwirkung.

6. Der goldene Käfig

Der Schritt vom kleinen zum großen Berg führt immer durch ein Tal. Ambitionierte Persönlichkeiten überbewerten kurzfristige Chancen nach oben gegenüber langfristigen Zielen – der eigene Ehrgeiz macht es schwer, auf den nächsten Schritt zu verzichten. Genau das ist der goldene Käfig: Je länger du wartest, desto mehr verdienst du, desto bequemer wird es – und desto größer werden Tal und Verzicht. Ich habe das selbst erlebt: Ich habe eine Interims-Betriebsleitung aufgegeben und bin durchs Tal gegangen, um Mentorwerk aufzubauen, weil mein lokales Maximum fast erreicht war, ich aber andere langfristige Ziele hatte. Wenn dein Vision Setting zeigt, dass du auf dem falschen Maximum sitzt: Zieh das Pflaster früh ab. Das Tal kommt sowieso.

Kurz gefasst: Den erfüllenden Berufsweg findest du, indem du Mimetic Desire entlarvst, ein Leitbild erstellst, fix an deiner Vision festhältst (flexibel beim Weg), dir das richtige Boot suchst, erst experimentierst und dann profitierst – und den Mut hast, den goldenen Käfig zu verlassen.

Den kompakten Überblick zu diesen sechs Ideen liest du auch im Artikel 6 Ideen für ein erfülltes Berufsleben. Warum kurzfristige Chancen oft auf den falschen Berg führen, vertieft Besteigst du den falschen Berg?. Wie du aus deiner Vision ein klares Ziel machst, hörst du in Wie du dir richtig Ziele setzt. Und wann sich der Wechsel aus dem goldenen Käfig wirklich lohnt, zeigt Job wechseln oder bleiben?.

Häufige Fragen zum Thema Berufsweg finden

Wie finde ich den richtigen Berufsweg? Indem du dein Bigger Picture klärst, statt auf das nächste Zertifikat zu setzen. Sechs Ideen helfen: Mimetic Desire entlarven, ein Leitbild erstellen, an deiner Vision festhalten (flexibel beim Weg), das richtige Umfeld („Boot“) wählen, breit experimentieren und den goldenen Käfig rechtzeitig verlassen.

Was ist Mimetic Desire? Die Neigung, unbewusst die Wünsche und Ziele anderer Menschen zu übernehmen – von Freunden, Familie oder Influencern. Für die Berufswahl heißt das: Prüfe ehrlich, ob dein bisheriger Weg dein eigener Wunsch war oder nur nachgeahmt.

Wie erstelle ich ein berufliches Leitbild? In der Light-Version: Nimm dir 10 Minuten, Zettel und Stift, und beschreibe einen idealen Tag in 10 Jahren – so konkret und groß wie möglich. Berücksichtige deine Stärken, deine persönlichen Präferenzen und die Chancen im Markt.

Was bedeutet „erst experimentieren, dann profitieren“? In den ersten Berufsjahren breit zu testen, statt zu früh aufs Gehalt zu optimieren. So findest du das globale Maximum (den größten Berg) statt eines lokalen. Erst wenn du genug Datenpunkte gesammelt hast, fokussierst du dich gezielt.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Karriere.

Transkript

Herzlich willkommen zur Podcast-Folge 163: Fatale Fehler im Berufsleben – Mimetic Desire, Stagnation und goldener Käfig. Seien wir mal ehrlich: 9 von 10 Ingenieure werden niemals in den Genuss kommen, ein Berufsleben zu haben, das sie vollständig erfüllt. Sie werden nie so richtig strategisch arbeiten, nie ein inspirierendes Vorbild für ihr Team werden und nie die Magie spüren, etwas wirklich Großes zu bewegen – und zwar nicht, weil sie nicht das Zeug dazu hätten. Sie haben es in der Regel. Sondern weil sie nicht gelernt haben, wie sie herausfinden, welcher Berufsweg optimal für sie geeignet ist. Sie haben vielleicht gelernt, einen guten Job zu machen und bei ihrem Chef gut anzukommen, aber nicht, wie sie ihren idealen Weg finden. Kleiner Spoiler: noch ein Masterstudium, noch ein Bachelor oder noch ein Zertifikat ist nicht die Lösung.

In dieser Folge möchte ich sechs Ideen teilen, die dir helfen, dein Bigger Picture besser zu verstehen und herauszuarbeiten. Denn das ist der Grundstein für ein Berufsleben, das dich vollständig erfüllt und zufrieden macht – wo du montagmorgens nicht zusammenzuckst, wenn der Wecker klingelt, sondern schon vor dem Wecker wach wirst und dich auf den Tag freust.

Punkt eins der sechs Ideen ist das Thema Mimetic Desire. Mimetic Desire bedeutet, dass Menschen dazu neigen, die Wünsche anderer Menschen zu übernehmen – von Freunden, von der Familie oder heutzutage natürlich von Influencern. Wir wollen das, was andere Menschen wollen. Ein klassisches Beispiel von Luke Burgis, der ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat: Er ist eines Tages aufgewacht und wusste plötzlich, dass er einen Marathon laufen möchte – und erstaunlicherweise hatten all seine Freunde eine ähnliche Erkenntnis, als sie Mitte 30 waren. Er hat viele solcher Beispiele. Er hatte das Gefühl: „Das ist mein Ziel“, erkannte aber nicht, dass alle in seinem Umfeld kurz vorher dasselbe Ziel ausgerufen hatten. Die meisten Menschen reden sich ein, dass ihre Ziele und Wünsche eigenständig sind. Das sind sie oft nicht – das ist ein sehr unbewusster Prozess. Viele folgen nicht ihren eigenen Zielen, sondern ihrem Drang, andere nachzuahmen. Um deinen idealen Berufsweg zu finden, musst du dich zuerst fragen: War deine derzeitige Berufswahl wirklich dein eigener Wunsch, dein eigenes Ziel – oder war es bisher Mimetic Desire? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass in deinem Leben viel Mimetic Desire steckt: aus dem Freundeskreis, der Familie, von Führungskräften, die du spannend fandest, von Influencern. Wichtig ist zu reflektieren: Ist das, wo du heute stehst, das Resultat deiner selbst ausgerufenen, zu deiner Persönlichkeit passenden Ziele – oder Mimetic Desire?

Idee Nummer zwei: Vision Setting. Was machst du, wenn du das Haus verlässt, um irgendwo hinzugehen? Ich durchlaufe jedes Mal vier Schritte. Erstens lege ich fest, wo ich hinwill – zum Beispiel in welchen Supermarkt. Zweitens plane ich den Weg: Wenn ich ihn kenne, erinnere ich mich, sonst nutze ich ein Navi oder frage jemanden. Drittens gehe ich los, egal ob mit Auto, Fahrrad, Bus, Zug oder zu Fuß. Und viertens justiere ich nach: Unterwegs gibt es Hindernisse – eine Baustelle, einen Stau –, und man muss spontan Dinge regeln. Das Wichtige: Ohne den ersten Schritt sind die anderen sinnlos. Ohne ein Ziel im Kopf ist es unmöglich, eine berufliche Richtung zu finden. Ich kann den Weg planen und losgehen, aber wenn ich nicht festlege, wo ich hinwill, ergibt das keinen Sinn.

Für diese große Frage der beruflichen Orientierung gibt es eine relativ simple Lösung, die die meisten nicht haben, weil sie nach dem Studium einfach losrennen und erst Jahre später merken: „Ich habe ja gar kein Ziel.“ Die Lösung: ein Leitbild. Stephen Covey hat in Die 7 Wege zur Effektivität erstmals davon geschrieben; wir machen das heute sehr intensiv mit unserem Team. Ein Leitbild kann sehr ausführlich sein – das ist wertvoll –, aber auch in einer sehr minimalen Form. Wenn dir Orientierung fehlt, empfehle ich die Light-Version: Nimm Zettel und Stift, stell einen Timer auf 10 Minuten und beschreibe einen Tag in deinem Leben in 10 Jahren so konkret wie möglich. Mach es spezifisch und detailliert, denke groß, du darfst spinnen – auch wenn es unrealistisch wirkt. Schreib einfach aus dem Bauch heraus auf, was du attraktiv findest. Das ist die ganze Magie. Es ist verrückt, dass Menschen 40, 50 Jahre im Arbeitsleben verbringen, sich aber keine 10 Minuten Zeit nehmen, ihr eigenes Leitbild auszuarbeiten. Natürlich ist das eine Reise, und es geht nicht darum, sofort die perfekte Version zu finden – dafür braucht es auch den Dialog mit anderen. Es fließen viele Faktoren ein: Wer bist du, was sind deine Stärken, wie willst du sie einbringen? Was ist heute im Markt möglich? Und auf der anderen Seite: Was sind deine persönlichen Präferenzen, welche Erfahrungen hast du gesammelt – und was weißt du, dass du es nicht willst? Auch das ist wertvoll. Vision Setting wird oft unterschätzt oder als esoterisch abgetan. Darum geht es nicht – nicht ums Glaskugel-Schauen –, sondern darum, ein Stück näher herauszufinden, wohin du willst.

Punkt Nummer drei: fixe Vision, flexible Details – Stichwort Jeff Bezos. Sobald du dich mit deinem Zielbild befasst hast und es etwas klarer ist, solltest du eisern daran festhalten. Es darf und wird durch Reflexion reifen, aber lass dich nicht entmutigen, wenn du den Weg dorthin noch nicht kennst oder eine vielversprechende Strategie in eine Sackgasse führt. Leg dich nicht auf einen bestimmten Weg fest – viele Wege führen nach Rom. Die Vision sollte fix sein, aber wie du dorthin gelangst, ist flexibel. Sei offen für Zufälle und spontane Gelegenheiten, die das Leben bietet; es gibt so viele Dinge, die wir nicht erahnen können. Jeff Bezos hat in einem Interview gesagt, eines der wichtigsten Prinzipien von Amazon sei: „We are stubborn on vision and flexible on details. We don’t give up on things easily.“ Bei den Zielen eisern und hart, auch wenn es zehn Anläufe braucht – aber beim Weg flexibel: testen, versuchen, viele Wege gehen und auch Strategien, die zunächst vielversprechend schienen, irgendwann loslassen und neue Wege ausprobieren.

Punkt vier, eine ganz wichtige Frage: Sitzt du im richtigen Boot? Warren Buffett hat gesagt: Es ist egal, wie hart du ruderst – viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt. Das ist einer der wichtigsten Sätze für deine Entwicklungschancen, denn er beschreibt die Wachstumsformel: Das Wachstum des Marktes bestimmt das Wachstum eines Unternehmens, und das Wachstum eines Unternehmens bestimmt das Wachstum einer Person. Egal wie smart du bist, wie hart du arbeitest, wie schnell und wie viel du lernst – ein stagnierendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt begrenzt dein persönliches Wachstum. Wenn du all in auf deine Entwicklung gehst, aber Unternehmen und Branche stagnieren, dann sitzt du nicht im richtigen Boot. Du hast eine viel spannendere Entwicklungsperspektive, wenn sich das harte Rudern wirklich lohnt – wenn du Rückenwind hast statt Gegenwind.

Punkt Nummer fünf: erst experimentieren, dann profitieren. In den ersten Jahren deines Berufslebens ist es wichtig, breit zu experimentieren, denn die meisten konzentrieren sich zu früh darauf, maximal zu profitieren – etwa, wie sie ihr Gehalt steigern. Die Frage nach dem Geld ist wichtig, aber sie sollte nie die erste sein, gerade nicht in den ersten zehn Jahren. Da geht es ums Experimentieren. Verstehe das Prinzip von lokalen und globalen Maxima: Stell dir vor, in deiner Branche gibt es verschiedene Berge. Du bist vielleicht auf einem kleinen Berg – deinem jetzigen Unternehmen mit gewissen Wachstumspotenzialen. Aber es gibt Unternehmen und Umfelder mit viel größeren Bergen, also viel größeren Entwicklungschancen. Experimentieren heißt, sich nicht zu schnell auf ein lokales Maximum zu fokussieren, sondern nach links und rechts zu schauen, den Space in und über die Branche hinaus zu erkunden und herauszufinden, wo die wirklich großen Berge sind – die globalen Maxima für deine Potenziale. Wenn du genug experimentiert und genug Datenpunkte zu deinen Interessen, Stärken und den Chancen im Markt gesammelt hast, darfst du Entscheidungen treffen und dich auf den größten Berg fokussieren – den Weg mit der größten Hebelwirkung. Nicht Vollgas geben und 20 Jahre später feststellen, dass es nur ein kleiner Berg war, während andere, die anfangs vielleicht weniger verdient haben, dich längst überholt haben.

Punkt Nummer sechs, der letzte und damit verbunden: der goldene Käfig. Der Schritt vom kleinen zum großen Berg führt immer durch ein Tal. Ambitionierte Persönlichkeiten neigen dazu, kurzfristige Chancen nach oben gegenüber langfristigen Zielen zu überbewerten – der eigene Ehrgeiz macht es schwer, auf den nächsten Schritt zu verzichten. Je länger du wartest, desto mehr verdienst du, desto angenehmer ist die Komfortzone – und desto größer werden das Tal, der Weg und der Verzicht. Wenn du beim Vision Setting feststellst, dass du auf einem lokalen Maximum sitzt, das nicht dein Optimum ist, dann triff die Entscheidung so schnell wie möglich: Zieh das Pflaster ab und warte nicht zu lange, denn der goldene Käfig wird immer schwerer zu verlassen. Viele trauen sich nicht, geben sich mit Mittelmaß zufrieden und hängen ihre Ambitionen an den Nagel. Im Kern ist es nur das Überwinden eigener Ängste. Ich habe das selbst erlebt: Ich habe eine Interims-Betriebsleitung aufgegeben und bin durchs Tal gegangen, weil ich fast am lokalen Maximum war, aber andere langfristige Pläne hatte. Das Tal hat einige Zeit gedauert. Aber das ist der Gedanke: kurzfristig auf Gewinne zu verzichten, um langfristig die eigenen Ziele zu verfolgen. Solche Entscheidungen sind extrem schwer, auch weil das Umfeld es einem nicht leicht macht – aber sie sind häufig wertvoll.

Ich fasse zusammen. Die meisten Menschen kommen nie in den Genuss, ihr Berufsleben als 10 von 10 zu erleben – aus mehreren Gründen. Ich habe dir sechs Ideen mitgegeben, wie du das vermeidest und dein Bigger Picture besser erkennst. Erstens Mimetic Desire: Wir wollen, was andere wollen – verstehe, ob dein bisheriger Weg von eigenen Zielen oder von Mimetic Desire geprägt war, und sei ehrlich mit dir. Zweitens Vision Setting: Ein einfaches Leitbild kann reichen. Drittens fixe Vision, flexible Details: Gib dein langfristiges Zielbild nicht auf, aber teste viele unterschiedliche Wege. Viertens das richtige Boot: Es ist egal, wie du ruderst – wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt; ein stagnierendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt begrenzt dein Wachstum. Fünftens erst experimentieren, dann profitieren: Commit dich nicht zu schnell, ergründe Interessen, Stärken und Marktchancen, sammle Datenpunkte und leg dann den Schalter um Richtung größtem Berg. Und sechstens der goldene Käfig: Warte nicht zu lange auf einem lokalen Maximum – der Weg zum globalen Maximum führt durch ein Tal, und je länger du wartest, desto schwerer fällt der Schritt. Ich hoffe, da waren einige Inspirationen für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Fatale Fehler im Berufsleben: so findest du deinen Berufsweg

Seien wir ehrlich: 9 von 10 Ingenieuren werden nie ein Berufsleben erleben, das sie vollständig erfüllt. Nicht, weil ihnen das Zeug fehlt – sondern weil sie nie gelernt haben, herauszufinden, welcher Berufsweg wirklich zu ihnen passt. Und ein weiteres Studium oder Zertifikat ist nicht die Lösung.

In dieser Folge teile ich sechs Ideen, mit denen du dein Bigger Picture klärst – den Grundstein dafür, montags vor dem Wecker aufzuwachen, weil du dich auf den Tag freust.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Den richtigen Berufsweg findest du über dein Bigger Picture – nicht über das nächste Studium oder Zertifikat.
  • 1. Mimetic Desire: Wir übernehmen oft unbewusst die Ziele anderer. Frag dich, ob deine Berufswahl wirklich dein eigener Wunsch war.
  • 2. Vision Setting (Leitbild): Ohne Ziel keine Richtung. Beschreibe in 10 Minuten einen idealen Tag in 10 Jahren – so konkret wie möglich.
  • 3. Fixe Vision, flexible Details (Jeff Bezos): Halte eisern an deiner Vision fest, aber bleib offen, auf welchem Weg du dorthin kommst.
  • 4. Sitzt du im richtigen Boot? (Warren Buffett): Marktwachstum bestimmt Unternehmenswachstum bestimmt dein Wachstum. Ein stagnierendes Umfeld begrenzt dich.
  • 5. Erst experimentieren, dann profitieren: In den ersten Jahren breit testen – nicht zu früh aufs Gehalt optimieren (lokale vs. globale Maxima).
  • 6. Der goldene Käfig: Der Weg vom kleinen zum großen Berg führt durch ein Tal. Je länger du wartest, desto schwerer der Absprung.

Berufsweg finden: die Kernidee

1. Mimetic Desire

Menschen neigen dazu, die Wünsche anderer zu übernehmen – von Freunden, Familie, Influencern. Wir wollen, was andere wollen. Luke Burgis beschreibt in seinem Buch Wanting, wie er eines Tages „erkannte“, einen Marathon laufen zu wollen – und erstaunlicherweise hatten alle seine Freunde Mitte 30 dieselbe „Erkenntnis“. Die meisten reden sich ein, ihre Ziele seien eigenständig. Oft sind sie es nicht – das ist ein sehr unbewusster Prozess. Bevor du deinen idealen Berufsweg findest, musst du dich fragen: War meine bisherige Berufswahl wirklich mein eigener Wunsch, perfekt abgestimmt auf meine Persönlichkeit und meine Vorstellung vom idealen Tag – oder war es Mimetic Desire?

2. Vision Setting (dein Leitbild)

Wenn du das Haus verlässt, durchläufst du vier Schritte: Du legst fest, wo du hinwillst, planst den Weg, gehst los und justierst unterwegs nach. Entscheidend ist der erste Schritt – ohne Ziel sind alle anderen sinnlos. Genau das fehlt vielen im Berufsleben: Sie rennen nach dem Studium einfach los und merken Jahre später, dass sie kein Ziel haben. Die Lösung ist ein Leitbild (Stephen Covey, Die 7 Wege zur Effektivität). Es geht auch in der Light-Version: Nimm Zettel und Stift, stell einen Timer auf 10 Minuten und beschreibe einen Tag in deinem Leben in 10 Jahren – so konkret wie möglich. Denk groß, du darfst spinnen. Verrückt, dass viele 40, 50 Jahre arbeiten, sich aber nicht einmal 10 Minuten Zeit für ihr Leitbild nehmen. Dabei fließen drei Dinge ein: Wer bist du und was sind deine Stärken? Was ist im Markt möglich? Und was sind deine persönlichen Präferenzen (auch zu wissen, was du nicht willst, ist wertvoll)?

3. Fixe Vision, flexible Details

Sobald dein Zielbild etwas klarer ist, halte eisern daran fest – aber leg dich nicht auf einen bestimmten Weg fest. Viele Wege führen nach Rom. Lass dich nicht entmutigen, wenn du den Weg noch nicht kennst oder eine vielversprechende Strategie in eine Sackgasse führt. Sei offen für Zufälle und spontane Gelegenheiten, die das Leben bietet. Jeff Bezos nennt das ein Kernprinzip von Amazon: „We are stubborn on vision and flexible on details.“ Bei den Zielen eisern, beim Weg flexibel – notfalls zehn Anläufe.

4. Sitzt du im richtigen Boot?

Warren Buffett sagt sinngemäß: Es ist egal, wie hart du ruderst – viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt. Dahinter steckt die Wachstumsformel: Das Wachstum des Marktes bestimmt das Wachstum des Unternehmens, und das Wachstum des Unternehmens bestimmt dein persönliches Wachstum. Egal wie smart du bist, wie hart du arbeitest oder wie schnell du lernst – ein stagnierendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt begrenzt deine Entwicklung. Eine viel spannendere Perspektive hast du dort, wo sich das harte Rudern lohnt: mit Rückenwind statt Gegenwind.

5. Erst experimentieren, dann profitieren

In den ersten Jahren (durchaus den ersten zehn) deines Berufslebens ist es wichtig, breit zu experimentieren. Die meisten optimieren zu früh auf maximalen Profit – etwa aufs Gehalt. Verstehe den Unterschied zwischen lokalem und globalem Maximum: Dein jetziges Unternehmen ist vielleicht ein kleiner Berg, während woanders viel größere Berge (Wachstumschancen) stehen. Statt dich zu schnell auf ein lokales Maximum zu fokussieren, schau nach links und rechts, sammle Datenpunkte über deine Interessen, Stärken und die Chancen im Markt. Erst wenn du genug experimentiert und den größten Berg gefunden hast, lohnt es sich, fokussiert auf das globale Maximum hinzuarbeiten – mit der größten Hebelwirkung.

6. Der goldene Käfig

Der Schritt vom kleinen zum großen Berg führt immer durch ein Tal. Ambitionierte Persönlichkeiten überbewerten kurzfristige Chancen nach oben gegenüber langfristigen Zielen – der eigene Ehrgeiz macht es schwer, auf den nächsten Schritt zu verzichten. Genau das ist der goldene Käfig: Je länger du wartest, desto mehr verdienst du, desto bequemer wird es – und desto größer werden Tal und Verzicht. Ich habe das selbst erlebt: Ich habe eine Interims-Betriebsleitung aufgegeben und bin durchs Tal gegangen, um Mentorwerk aufzubauen, weil mein lokales Maximum fast erreicht war, ich aber andere langfristige Ziele hatte. Wenn dein Vision Setting zeigt, dass du auf dem falschen Maximum sitzt: Zieh das Pflaster früh ab. Das Tal kommt sowieso.

Kurz gefasst: Den erfüllenden Berufsweg findest du, indem du Mimetic Desire entlarvst, ein Leitbild erstellst, fix an deiner Vision festhältst (flexibel beim Weg), dir das richtige Boot suchst, erst experimentierst und dann profitierst – und den Mut hast, den goldenen Käfig zu verlassen.

Den kompakten Überblick zu diesen sechs Ideen liest du auch im Artikel 6 Ideen für ein erfülltes Berufsleben. Warum kurzfristige Chancen oft auf den falschen Berg führen, vertieft Besteigst du den falschen Berg?. Wie du aus deiner Vision ein klares Ziel machst, hörst du in Wie du dir richtig Ziele setzt. Und wann sich der Wechsel aus dem goldenen Käfig wirklich lohnt, zeigt Job wechseln oder bleiben?.

Häufige Fragen zum Thema Berufsweg finden

Wie finde ich den richtigen Berufsweg? Indem du dein Bigger Picture klärst, statt auf das nächste Zertifikat zu setzen. Sechs Ideen helfen: Mimetic Desire entlarven, ein Leitbild erstellen, an deiner Vision festhalten (flexibel beim Weg), das richtige Umfeld („Boot“) wählen, breit experimentieren und den goldenen Käfig rechtzeitig verlassen.

Was ist Mimetic Desire? Die Neigung, unbewusst die Wünsche und Ziele anderer Menschen zu übernehmen – von Freunden, Familie oder Influencern. Für die Berufswahl heißt das: Prüfe ehrlich, ob dein bisheriger Weg dein eigener Wunsch war oder nur nachgeahmt.

Wie erstelle ich ein berufliches Leitbild? In der Light-Version: Nimm dir 10 Minuten, Zettel und Stift, und beschreibe einen idealen Tag in 10 Jahren – so konkret und groß wie möglich. Berücksichtige deine Stärken, deine persönlichen Präferenzen und die Chancen im Markt.

Was bedeutet „erst experimentieren, dann profitieren“? In den ersten Berufsjahren breit zu testen, statt zu früh aufs Gehalt zu optimieren. So findest du das globale Maximum (den größten Berg) statt eines lokalen. Erst wenn du genug Datenpunkte gesammelt hast, fokussierst du dich gezielt.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

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Diese Folge gehört zum Thema Karriere.

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Herzlich willkommen zur Podcast-Folge 163: Fatale Fehler im Berufsleben – Mimetic Desire, Stagnation und goldener Käfig. Seien wir mal ehrlich: 9 von 10 Ingenieure werden niemals in den Genuss kommen, ein Berufsleben zu haben, das sie vollständig erfüllt. Sie werden nie so richtig strategisch arbeiten, nie ein inspirierendes Vorbild für ihr Team werden und nie die Magie spüren, etwas wirklich Großes zu bewegen – und zwar nicht, weil sie nicht das Zeug dazu hätten. Sie haben es in der Regel. Sondern weil sie nicht gelernt haben, wie sie herausfinden, welcher Berufsweg optimal für sie geeignet ist. Sie haben vielleicht gelernt, einen guten Job zu machen und bei ihrem Chef gut anzukommen, aber nicht, wie sie ihren idealen Weg finden. Kleiner Spoiler: noch ein Masterstudium, noch ein Bachelor oder noch ein Zertifikat ist nicht die Lösung.

In dieser Folge möchte ich sechs Ideen teilen, die dir helfen, dein Bigger Picture besser zu verstehen und herauszuarbeiten. Denn das ist der Grundstein für ein Berufsleben, das dich vollständig erfüllt und zufrieden macht – wo du montagmorgens nicht zusammenzuckst, wenn der Wecker klingelt, sondern schon vor dem Wecker wach wirst und dich auf den Tag freust.

Punkt eins der sechs Ideen ist das Thema Mimetic Desire. Mimetic Desire bedeutet, dass Menschen dazu neigen, die Wünsche anderer Menschen zu übernehmen – von Freunden, von der Familie oder heutzutage natürlich von Influencern. Wir wollen das, was andere Menschen wollen. Ein klassisches Beispiel von Luke Burgis, der ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat: Er ist eines Tages aufgewacht und wusste plötzlich, dass er einen Marathon laufen möchte – und erstaunlicherweise hatten all seine Freunde eine ähnliche Erkenntnis, als sie Mitte 30 waren. Er hat viele solcher Beispiele. Er hatte das Gefühl: „Das ist mein Ziel“, erkannte aber nicht, dass alle in seinem Umfeld kurz vorher dasselbe Ziel ausgerufen hatten. Die meisten Menschen reden sich ein, dass ihre Ziele und Wünsche eigenständig sind. Das sind sie oft nicht – das ist ein sehr unbewusster Prozess. Viele folgen nicht ihren eigenen Zielen, sondern ihrem Drang, andere nachzuahmen. Um deinen idealen Berufsweg zu finden, musst du dich zuerst fragen: War deine derzeitige Berufswahl wirklich dein eigener Wunsch, dein eigenes Ziel – oder war es bisher Mimetic Desire? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass in deinem Leben viel Mimetic Desire steckt: aus dem Freundeskreis, der Familie, von Führungskräften, die du spannend fandest, von Influencern. Wichtig ist zu reflektieren: Ist das, wo du heute stehst, das Resultat deiner selbst ausgerufenen, zu deiner Persönlichkeit passenden Ziele – oder Mimetic Desire?

Idee Nummer zwei: Vision Setting. Was machst du, wenn du das Haus verlässt, um irgendwo hinzugehen? Ich durchlaufe jedes Mal vier Schritte. Erstens lege ich fest, wo ich hinwill – zum Beispiel in welchen Supermarkt. Zweitens plane ich den Weg: Wenn ich ihn kenne, erinnere ich mich, sonst nutze ich ein Navi oder frage jemanden. Drittens gehe ich los, egal ob mit Auto, Fahrrad, Bus, Zug oder zu Fuß. Und viertens justiere ich nach: Unterwegs gibt es Hindernisse – eine Baustelle, einen Stau –, und man muss spontan Dinge regeln. Das Wichtige: Ohne den ersten Schritt sind die anderen sinnlos. Ohne ein Ziel im Kopf ist es unmöglich, eine berufliche Richtung zu finden. Ich kann den Weg planen und losgehen, aber wenn ich nicht festlege, wo ich hinwill, ergibt das keinen Sinn.

Für diese große Frage der beruflichen Orientierung gibt es eine relativ simple Lösung, die die meisten nicht haben, weil sie nach dem Studium einfach losrennen und erst Jahre später merken: „Ich habe ja gar kein Ziel.“ Die Lösung: ein Leitbild. Stephen Covey hat in Die 7 Wege zur Effektivität erstmals davon geschrieben; wir machen das heute sehr intensiv mit unserem Team. Ein Leitbild kann sehr ausführlich sein – das ist wertvoll –, aber auch in einer sehr minimalen Form. Wenn dir Orientierung fehlt, empfehle ich die Light-Version: Nimm Zettel und Stift, stell einen Timer auf 10 Minuten und beschreibe einen Tag in deinem Leben in 10 Jahren so konkret wie möglich. Mach es spezifisch und detailliert, denke groß, du darfst spinnen – auch wenn es unrealistisch wirkt. Schreib einfach aus dem Bauch heraus auf, was du attraktiv findest. Das ist die ganze Magie. Es ist verrückt, dass Menschen 40, 50 Jahre im Arbeitsleben verbringen, sich aber keine 10 Minuten Zeit nehmen, ihr eigenes Leitbild auszuarbeiten. Natürlich ist das eine Reise, und es geht nicht darum, sofort die perfekte Version zu finden – dafür braucht es auch den Dialog mit anderen. Es fließen viele Faktoren ein: Wer bist du, was sind deine Stärken, wie willst du sie einbringen? Was ist heute im Markt möglich? Und auf der anderen Seite: Was sind deine persönlichen Präferenzen, welche Erfahrungen hast du gesammelt – und was weißt du, dass du es nicht willst? Auch das ist wertvoll. Vision Setting wird oft unterschätzt oder als esoterisch abgetan. Darum geht es nicht – nicht ums Glaskugel-Schauen –, sondern darum, ein Stück näher herauszufinden, wohin du willst.

Punkt Nummer drei: fixe Vision, flexible Details – Stichwort Jeff Bezos. Sobald du dich mit deinem Zielbild befasst hast und es etwas klarer ist, solltest du eisern daran festhalten. Es darf und wird durch Reflexion reifen, aber lass dich nicht entmutigen, wenn du den Weg dorthin noch nicht kennst oder eine vielversprechende Strategie in eine Sackgasse führt. Leg dich nicht auf einen bestimmten Weg fest – viele Wege führen nach Rom. Die Vision sollte fix sein, aber wie du dorthin gelangst, ist flexibel. Sei offen für Zufälle und spontane Gelegenheiten, die das Leben bietet; es gibt so viele Dinge, die wir nicht erahnen können. Jeff Bezos hat in einem Interview gesagt, eines der wichtigsten Prinzipien von Amazon sei: „We are stubborn on vision and flexible on details. We don’t give up on things easily.“ Bei den Zielen eisern und hart, auch wenn es zehn Anläufe braucht – aber beim Weg flexibel: testen, versuchen, viele Wege gehen und auch Strategien, die zunächst vielversprechend schienen, irgendwann loslassen und neue Wege ausprobieren.

Punkt vier, eine ganz wichtige Frage: Sitzt du im richtigen Boot? Warren Buffett hat gesagt: Es ist egal, wie hart du ruderst – viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt. Das ist einer der wichtigsten Sätze für deine Entwicklungschancen, denn er beschreibt die Wachstumsformel: Das Wachstum des Marktes bestimmt das Wachstum eines Unternehmens, und das Wachstum eines Unternehmens bestimmt das Wachstum einer Person. Egal wie smart du bist, wie hart du arbeitest, wie schnell und wie viel du lernst – ein stagnierendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt begrenzt dein persönliches Wachstum. Wenn du all in auf deine Entwicklung gehst, aber Unternehmen und Branche stagnieren, dann sitzt du nicht im richtigen Boot. Du hast eine viel spannendere Entwicklungsperspektive, wenn sich das harte Rudern wirklich lohnt – wenn du Rückenwind hast statt Gegenwind.

Punkt Nummer fünf: erst experimentieren, dann profitieren. In den ersten Jahren deines Berufslebens ist es wichtig, breit zu experimentieren, denn die meisten konzentrieren sich zu früh darauf, maximal zu profitieren – etwa, wie sie ihr Gehalt steigern. Die Frage nach dem Geld ist wichtig, aber sie sollte nie die erste sein, gerade nicht in den ersten zehn Jahren. Da geht es ums Experimentieren. Verstehe das Prinzip von lokalen und globalen Maxima: Stell dir vor, in deiner Branche gibt es verschiedene Berge. Du bist vielleicht auf einem kleinen Berg – deinem jetzigen Unternehmen mit gewissen Wachstumspotenzialen. Aber es gibt Unternehmen und Umfelder mit viel größeren Bergen, also viel größeren Entwicklungschancen. Experimentieren heißt, sich nicht zu schnell auf ein lokales Maximum zu fokussieren, sondern nach links und rechts zu schauen, den Space in und über die Branche hinaus zu erkunden und herauszufinden, wo die wirklich großen Berge sind – die globalen Maxima für deine Potenziale. Wenn du genug experimentiert und genug Datenpunkte zu deinen Interessen, Stärken und den Chancen im Markt gesammelt hast, darfst du Entscheidungen treffen und dich auf den größten Berg fokussieren – den Weg mit der größten Hebelwirkung. Nicht Vollgas geben und 20 Jahre später feststellen, dass es nur ein kleiner Berg war, während andere, die anfangs vielleicht weniger verdient haben, dich längst überholt haben.

Punkt Nummer sechs, der letzte und damit verbunden: der goldene Käfig. Der Schritt vom kleinen zum großen Berg führt immer durch ein Tal. Ambitionierte Persönlichkeiten neigen dazu, kurzfristige Chancen nach oben gegenüber langfristigen Zielen zu überbewerten – der eigene Ehrgeiz macht es schwer, auf den nächsten Schritt zu verzichten. Je länger du wartest, desto mehr verdienst du, desto angenehmer ist die Komfortzone – und desto größer werden das Tal, der Weg und der Verzicht. Wenn du beim Vision Setting feststellst, dass du auf einem lokalen Maximum sitzt, das nicht dein Optimum ist, dann triff die Entscheidung so schnell wie möglich: Zieh das Pflaster ab und warte nicht zu lange, denn der goldene Käfig wird immer schwerer zu verlassen. Viele trauen sich nicht, geben sich mit Mittelmaß zufrieden und hängen ihre Ambitionen an den Nagel. Im Kern ist es nur das Überwinden eigener Ängste. Ich habe das selbst erlebt: Ich habe eine Interims-Betriebsleitung aufgegeben und bin durchs Tal gegangen, weil ich fast am lokalen Maximum war, aber andere langfristige Pläne hatte. Das Tal hat einige Zeit gedauert. Aber das ist der Gedanke: kurzfristig auf Gewinne zu verzichten, um langfristig die eigenen Ziele zu verfolgen. Solche Entscheidungen sind extrem schwer, auch weil das Umfeld es einem nicht leicht macht – aber sie sind häufig wertvoll.

Ich fasse zusammen. Die meisten Menschen kommen nie in den Genuss, ihr Berufsleben als 10 von 10 zu erleben – aus mehreren Gründen. Ich habe dir sechs Ideen mitgegeben, wie du das vermeidest und dein Bigger Picture besser erkennst. Erstens Mimetic Desire: Wir wollen, was andere wollen – verstehe, ob dein bisheriger Weg von eigenen Zielen oder von Mimetic Desire geprägt war, und sei ehrlich mit dir. Zweitens Vision Setting: Ein einfaches Leitbild kann reichen. Drittens fixe Vision, flexible Details: Gib dein langfristiges Zielbild nicht auf, aber teste viele unterschiedliche Wege. Viertens das richtige Boot: Es ist egal, wie du ruderst – wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt; ein stagnierendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt begrenzt dein Wachstum. Fünftens erst experimentieren, dann profitieren: Commit dich nicht zu schnell, ergründe Interessen, Stärken und Marktchancen, sammle Datenpunkte und leg dann den Schalter um Richtung größtem Berg. Und sechstens der goldene Käfig: Warte nicht zu lange auf einem lokalen Maximum – der Weg zum globalen Maximum führt durch ein Tal, und je länger du wartest, desto schwerer fällt der Schritt. Ich hoffe, da waren einige Inspirationen für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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