Es gibt ein einfaches Modell, das ich vor Kurzem in einem Beitrag von James Clear gelesen habe. Es teilt Angestellte in drei Level ein – und es zeigt dir in wenigen Minuten, wo du heute stehst und was dich nach vorne bringt.
Das Modell ist mehr als eine nette Einordnung. Es macht sichtbar, was die wenigsten erreichen und warum. Der Kern liegt nicht im Talent und nicht in der Erfahrung. Der Kern heißt Proaktivität.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Level 1: Man tut, was verlangt wird. Typisch für Berufseinsteiger, die noch wenig Erfahrung gesammelt haben und sich auf die gestellte Aufgabe beschränken.
- Level 2: Man denkt voraus und löst Probleme, bevor sie entstehen. Hier bewegen sich die meisten ehrgeizigen Menschen – sie bringen Eigeninitiative und Erfahrung mit.
- Level 3: Man handelt proaktiv. Diese Menschen suchen aktiv nach Wachstumschancen im Unternehmen und finden Wege, sie zu nutzen. Sehr wenige erreichen dieses Level.
- Proaktivität ist der Schlüssel. Stephen Covey nennt Proaktivität den Schlüssel zum beruflichen Erfolg – und genau daran lässt sich Level 3 festmachen.
- Level 3 ist lernbar. Vom Gespräch mit dem Chef über eigene Vorträge bis zum Mentoring – Proaktivität lässt sich gezielt trainieren.
Die drei Level von Angestellten im Detail
Stell dir die drei Level als Evolutionsstufen vor. Jede Stufe schließt die vorige ein und legt etwas oben drauf.
Level 1: Man tut, was von einem verlangt wird. Das ist die klassische Ausgangslage – meistens bei Berufseinsteigern. Sie sind noch frisch im Beruf, haben sich noch nicht ganz orientiert und wenig Erfahrung gesammelt. In ihrem Tätigkeitsbereich beschränken sie sich darauf, das zu erledigen, was man ihnen aufträgt. Wer ambitioniert ist, bleibt selten lange hier.
Level 2: Man denkt voraus und löst Probleme, bevor sie entstehen. Hier tut man weiterhin, was verlangt wird – aber darüber hinaus denkt man mit. Man durchdringt Themen aus eigener Initiative, antizipiert Probleme und bringt sich ein. Diese Menschen gehen regelmäßig ins Gespräch mit ihren Führungskräften, legen auch mal Widerworte ein und gehen in die Diskussion. Man merkt ihnen die Erfahrung an. Die allermeisten Menschen, die ich kenne, bewegen sich genau hier.
Level 3: Man handelt proaktiv. Diese Menschen denken nicht nur voraus – sie suchen aktiv nach Möglichkeiten und Wachstumsfeldern im Unternehmen und finden Wege, diese zu schließen. Sie zeigen viel Eigeninitiative und Eigenverantwortung, überlegen, wie sie das Unternehmen voranbringen, und tun Dinge, die ihnen niemand sagt. Genau das ist der Unterschied zu Level 2. Und genau hier sind die wenigsten unterwegs.
Die ehrliche Frage zuerst: Wo stehst du heute? Fokussierst du dich auf das, was dir gesagt wird (Level 1)? Denkst du ständig voraus und löst Probleme, bevor sie entstehen (Level 2)? Oder bringst du bereits aus eigenem Antrieb komplett eigene Ideen ein (Level 3)?
Die zweite Frage folgt direkt daraus: Wie kommst du auf Level 3 voran? Proaktiver zu werden klingt abstrakt – deshalb hier konkrete Wege. Zwei kurze Beispiele aus meiner Arbeit zeigen, wie das aussieht. Tobias arbeitet in einem größeren Unternehmen, das eine neue Strategie ausgerollt hat. Er war an der Entwicklung nicht beteiligt – aber bei der Umsetzung hat er entschieden, aktiv eine Rolle zu spielen: Er geht auf den Personalbereich zu und schlägt Ideen vor, wie die Strategie wirklich umgesetzt werden kann. Jens, eine sehr erfahrene Persönlichkeit im Projektmanagement, hat in seinem global aufgestellten Unternehmen gemerkt, dass an vielen Standorten Projektmanagement-Kompetenz fehlt. Also hat er von sich aus ein Webinar dazu angeboten – mit über 50 Teilnehmern und sehr gutem Feedback. Beides sind rein proaktive Maßnahmen.
So machst du Proaktivität zur Gewohnheit:
- Such das Gespräch mit deinem Chef – aktiv. Warte nicht, bis du eingeladen wirst, sondern lade selbst ein und bring eine eigene Agenda mit. Teile deine Gedanken, biete Ideen und Lösungsvorschläge an und frag offen: „Wie kann ich mich noch proaktiver einbringen?“
- Treib Optimierungspotenziale voran. Fast jeder hat tausend Ideen, wie sich etwas verbessern ließe. Greif dir die „low hanging fruits“ und setze sie um – im Gespräch oder direkt aus eigener Initiative.
- Gib Inspiration weiter. Empfiehl Bücher im Unternehmen, verschenk sie auch mal, schreib eine Buchempfehlung an einen Verteiler oder teile Ideen und Artikel im Intranet. Mach ungefragt einen kurzen Vortrag, wenn er im Sinne des Unternehmens ist – dann musst du dir keine Sorgen machen, dass das als Zeitverschwendung gilt.
- Such dir einen Mentor. Überleg, welche spannenden Persönlichkeiten es im Unternehmen gibt, und tritt an sie heran. Das liegt meist weit außerhalb der Komfortzone – genau deshalb ist es der Weg der Proaktivität.
- Werde selbst Coach. Gib dein Wissen weiter und unterstütze andere – etwa Auszubildende, Studenten oder Berufseinsteiger – dabei, selbst ein Level voranzukommen.
Wenn dir der Schritt aufs nächste Level schwerfällt, hilft es, das große Bild der eigenen Laufbahn zu verstehen, wie ich es in Karriereleiter beschreibe. Warum Proaktivität direkt auf deinen Wert im Unternehmen einzahlt, vertiefe ich in Marktwert steigern. Und falls du als Ingenieur überlegst, welche Schritte konkret zu dir passen, hör in Karrieretipps für Ingenieure rein.
Häufige Fragen zu den drei Leveln von Angestellten
Was sind die drei Level von Angestellten? Level 1: Man tut, was von einem verlangt wird. Level 2: Man denkt voraus und löst Probleme, bevor sie entstehen. Level 3: Man handelt proaktiv und sucht aktiv nach Wachstumschancen im Unternehmen, um sie zu nutzen. Jede Stufe schließt die vorige ein.
Auf welchem Level stehen die meisten Menschen? Die meisten bewegen sich auf Level 2 – sie denken mit und lösen Probleme im Voraus. Level 1 ist typisch für unerfahrene Berufseinsteiger. Auf Level 3 sind nur sehr wenige unterwegs.
Wie komme ich auf Level 3? Indem du proaktiver wirst: aktiv das Gespräch mit deinem Chef suchen und eine eigene Agenda mitbringen, Optimierungspotenziale vorantreiben, Inspiration und Wissen weitergeben, dir einen Mentor suchen und selbst andere coachen.
Warum ist Proaktivität so entscheidend? Stephen Covey nennt Proaktivität den Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Sie ist genau das Merkmal, das Level 3 von Level 2 unterscheidet – und sie lässt sich gezielt trainieren.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Covey beschreibt Proaktivität als ersten und entscheidenden Schritt zum beruflichen Erfolg – genau das Prinzip hinter Level 3 dieses Modells.
Wenn du tiefer in deine berufliche Entwicklung einsteigen willst, findest du passende Titel in den Buchempfehlungen zur Karriere.
Diese Folge gehört zum Thema Karriere für Ingenieure.
Transkript
Herzlich willkommen aus Hamburg zu dieser Folge. Heute dreht sich alles um ein Thema, das ich in einem Beitrag von James Clear gelesen habe und das ich für ein wirklich gutes Modell halte: die drei Level von Angestellten. Es ist ein kurzer Impuls, aber ein spannendes Modell. Ich möchte dir die drei Level aufzeigen, erklären, was sie konkret bedeuten, und dir ein Gefühl dafür geben, wie du deine berufliche Entwicklung dadurch voranbringen kannst – und wie du auf diesen Leveln vorankommst, denn genau darum geht es.
Was genau sind diese drei Level? Stell sie dir als Evolutionsstufen vor. Level 1 bedeutet: Man tut, was von einem verlangt wird. Ganz klassisch. In der Regel sind das Berufseinsteiger, also Menschen, die relativ frisch im Beruf sind, sich noch nicht ganz orientiert und noch nicht viel Erfahrung gesammelt haben. Sie beschränken sich in ihrem Tätigkeitsbereich darauf, das zu tun, was man ihnen aufträgt. Wenn jemand sehr ambitioniert ist, kommt er relativ zügig auf Level 2 voran.
Level 2 bedeutet: Man tut weiterhin, was verlangt wird, aber darüber hinaus denkt man voraus und löst Probleme, bevor sie entstehen. Gerade ehrgeizige und ambitionierte Menschen kommen relativ schnell auf diese Stufe, weil sie aus eigener Initiative Dinge durchdringen, Probleme antizipieren und sich einbringen wollen. Sehr viele Menschen, die ich kenne, bewegen sich auf Level 2.
Was häufig versäumt wird, ist der Schritt zu Level 3 – und das ist der Kern dieser Episode. Level 3 bedeutet, dass diese Menschen ebenfalls vorausdenken und Probleme lösen, bevor sie entstehen, aber zusätzlich proaktiv nach Möglichkeiten und Wachstumsfeldern im Unternehmen suchen und Wege finden, diese zu schließen. Das Thema Proaktivität ist für mich eines der Schlüsselthemen – und das nicht nur für mich: Stephen Covey sagt, der Schlüssel zum beruflichen Erfolg ist Proaktivität. Genau das spiegelt sich in diesem Modell wider. Level 3 unterscheidet sich von Level 2 dadurch, dass Level-3-Angestellte proaktiv nach Möglichkeiten suchen, viel Eigeninitiative und Eigenverantwortung zeigen, überlegen, wie sie das Unternehmen voranbringen, und Dinge tun, die ihnen niemand sagt.
Die erste wichtige Frage, wenn du das reflektierst: Wo stehst du? Bist du auf Level 1 unterwegs und fokussierst dich vor allem auf das, was dir gesagt wird? Oder bist du auf Level 2 und denkst ständig voraus und löst Probleme, bevor sie entstehen? Menschen auf Level 2 gehen auch regelmäßig ins Gespräch mit ihren Führungskräften, legen mal Widerworte ein und gehen in die Diskussion – man merkt ihnen die Erfahrung an. Oder bist du vielleicht sogar auf Level 3, bist proaktiv und bringst komplett eigene Ideen ins Unternehmen ein? Was ich erkenne: Die wenigsten Menschen, die ich kenne, bewegen sich auf Level 3. Die meisten sind irgendwo zwischen Level eins und zwei, je nach Erfahrung und je nachdem, wie intensiv sie sich schon mit sich selbst auseinandergesetzt haben. Frag dich also ehrlich: Auf welchem Level stehst du heute?
Die zweite Frage, die sich daraus ergibt: Wie kommst du nun auf Level 3 voran? Das klingt schön – diese Menschen suchen proaktiv nach Wachstumschancen im Unternehmen. Ich möchte dir Beispiele und Anregungen geben, wie du wirklich proaktiver werden kannst. Zwei kurze Geschichten von zwei sehr ehrgeizigen Persönlichkeiten, mit denen ich aktuell zusammenarbeite. Erstens Tobias: Er arbeitet in einem größeren Unternehmen, das eine Strategie mit vielen spannenden Aspekten ausgerollt hat. An der Entwicklung war Tobias nicht aktiv beteiligt, aber jetzt geht es darum, die Strategie umzusetzen und über die nächsten Jahre einzuleiten. Er hat entschieden, sich aktiv einzubringen und eine Rolle zu spielen: Er geht auf den Personalbereich zu und schlägt Ideen vor, wie er dafür sorgen kann, dass die Strategie wirklich umgesetzt wird – proaktiv im Sinne des Unternehmens. Er hat auch gesagt, dass es ihm Spaß macht und er Lust hat, sich einzubringen. Das ist ein klasses Beispiel für Proaktivität in der Umsetzung einer Strategie.
Die zweite Geschichte ist von Jens, ebenfalls eine spannende Persönlichkeit, mit dem ich vor einigen Monaten zum Thema Projektmanagement gearbeitet habe. Er ist sehr erfahren und hat sich entschieden, in seinem Unternehmen einfach ein Webinar – einen Online-Vortrag – zum Thema Projektplanung und Projektmanagement zu machen. Er hat gemerkt, dass das Unternehmen mit verschiedenen Produktionsstandorten weltweit aufgestellt ist und an vielen Standorten diese Kompetenz fehlt, während er selbst viel davon mitbringt. Also hat er sich proaktiv entschieden, das Webinar zu geben. Ich kenne die genaue Teilnehmerzahl nicht, aber ich denke, es waren über 50 Teilnehmer – also rege Teilnahme, und es ist sehr gut angekommen. Auch das war eine rein proaktive Maßnahme.
Ein paar weitere Dinge, wie du deine Proaktivität steigern kannst. Es kann etwas Einfaches sein: Such das Gespräch mit deinem Chef, statt nur darauf zu warten, bis er dich einlädt. Lade ihn selbst ein und bring eine eigene Agenda mit. Das hat sich aus eigener Erfahrung super bewährt, so etwas regelmäßig zu tun. Überleg dir, welche Agendapunkte du einbringen kannst, teile deine Gedanken mit deinem Chef, bring Ideen und Lösungsvorschläge für Probleme ein und stell ihm sogar die Frage, wie du dich proaktiver einbringen kannst. Allein das aktive Gespräch zu suchen, kann eine sehr proaktive Maßnahme sein.
Treib auch Optimierungspotenziale voran. In der Regel haben die Menschen, mit denen ich spreche, tausend Ideen, wie man etwas verbessern könnte. Diese kannst du vorantreiben – im Gespräch oder durch eigene Initiative. Überleg, welche Optimierungspotenziale es gibt und welche „low hanging fruits“ du gleich umsetzen kannst.
Ein weiterer, sehr spannender Punkt: Inspiration geben. Wenn du Hörer dieses Podcasts bist, hast du bestimmt schon das eine oder andere Buch gelesen. Ein super Ansatz ist, diese Bücher innerhalb des Unternehmens weiterzuempfehlen. Das muss nicht heißen, sie zu verschenken – es kann einfach eine Empfehlung sein, zum Beispiel über einen E-Mail-Verteiler an eine bestimmte Personengruppe. Genauso kannst du, wie schon erwähnt, ungefragt Vorträge halten. Wenn du das Gefühl hast, dass es Bedarf gibt, blockiere dir eine Stunde, bereite dich vor und präsentiere. Hab keine Sorge: Wenn es im Sinne des Unternehmens ist, brauchst du dir keine Gedanken zu machen, dass jemand sagt, das sei Zeitverschwendung – im Gegenteil. Überleg auch, ob es ein Intranet gibt, wo du Ideen, Buchempfehlungen und Artikel teilen kannst. All deine Inspirationsquellen kannst du auch anderen zugänglich machen.
Ein weiterer Punkt ist, dir einen Mentor zu suchen. Gerade in größeren Unternehmen kann es spannend sein, zu überlegen, welche spannenden Persönlichkeiten es gibt – und an diese Personen heranzutreten. Meist liegt das weit außerhalb der Komfortzone, aber genau das ist der Weg der Proaktivität. Dadurch lernst du selbst viel und befasst dich in der Regel auch mit den größeren Problemen des Unternehmens und bringst dich stärker ein.
Ein weiterer Punkt, den ich dir heute wirklich als Aufgabe mitgeben würde: Werde Coach. Überleg dir innerhalb des Unternehmens, wie du andere dabei unterstützen kannst, selbst ein Level voranzukommen. Wie kannst du dein Wissen an Einzelpersonen weitergeben? Das können Auszubildende, Studenten oder Berufseinsteiger sein, denen gegenüber du einen Schritt weiter bist. Wie kannst du ihnen helfen, ihre Probleme voranzutreiben, und so die Rolle des Coaches einnehmen?
Das waren ein paar Anregungen zum Thema Proaktivität. Die Frage ist: Wie proaktiv bist du heute schon? Aus meiner Erfahrung kann man da definitiv proaktiver werden. Vielleicht fallen dir noch weitere spannende Maßnahmen ein – dann teile sie gern mit mir.
Das soll es für diese Folge gewesen sein. Ich hoffe, du konntest einiges zu den drei Leveln von Angestellten mitnehmen. Der Kern ist und bleibt die Proaktivität und die Frage, wie du proaktiver werden kannst. Das ist am Ende der Schlüssel – wie Stephen Covey sagt – für den beruflichen Erfolg und deine berufliche Entwicklung. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.