Du kannst so viele Bücher lesen, wie du willst – wenn du immer nur in deinem eigenen Umfeld bleibst, lässt du einen der größten Beschleuniger ungenutzt: das Potenzial anderer Menschen. Gerade proaktiv auf fremde Menschen zuzugehen unterschätzen die meisten massiv.
In dieser Folge bekommst du zwei konkrete Frameworks, mit denen genau das leichter wird: Growth Communities und Cold-E-Mail-Bets. Beide haben mir geholfen, die richtigen Menschen zu treffen und schneller zu wachsen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Eine simple Faustregel: Führe pro Woche eine Unterhaltung mit jemandem, der dir in mindestens einem Lebensbereich voraus ist. Das beschleunigt deine Entwicklung enorm.
- Fremde Menschen kennenzulernen ist ein Skill, kein Talent – ein Muskel, den du trainierst. Auch (und gerade) als introvertierte Person.
- Growth Communities: Gruppen mit hoher Dichte an Menschen, die weiter sind als du und Drive haben. Bist du überall „der Smarteste im Raum“, fehlt dir eine.
- Cold-E-Mail-Bets: kleine, risikoarme Nachrichten an fremde, spannende Personen. Wenig Aufwand, asymmetrisch große Chance – mach es zur wöchentlichen Gewohnheit.
- Netzwerk-Intelligenz (Reid Hoffman): Der Wert deines Netzwerks ergibt sich aus Quantität und Qualität – nicht aus der Zahl der Kontakte allein.
- Mut ist die fehlende Komponente. Die Theorie ist klar, die Praxis braucht Überwindung – die Downside ist klein, der Hebel groß.
Growth Communities im Detail
Die Faustregel, die alles auslöste. Vor Jahren notierte ich mir einen simplen Satz: Führe eine Unterhaltung pro Woche mit einer Person, die smarter ist als du – die dir in mindestens einem Bereich voraus ist. Wer diese Gewohnheit aufbaut, macht vieles richtig. Wenn du dich entwickeln willst, lautet die Frage immer: Wer hat das, was ich erreichen will, bereits gemeistert? Von dieser Person lernst du, du machst es ihr nach – das ist „Modeling of Excellence“. Das gilt für den Beruf genauso wie für Fitness, eine Sprache oder ein Instrument.
Framework 1: Growth Communities. Eine Growth Community ist eine Gruppe mit hoher Dichte an spannenden Personen – Menschen, die weiter sind als du und Drive haben. Eine gute Faustregel: Wenn du in jeder Runde gefühlt der Smarteste bist, bist du in keiner Growth Community. Solche Gruppen gibt es überall: Bürogemeinschaften, Vereine, Clubs, Nachbarschaften, Freundeskreise, Unternehmen, Meetups oder Masterminds. Bei meinem Einstieg in die Selbständigkeit bin ich einer Bürogemeinschaft aus Selbständigen beigetreten, die alle weiter waren als ich – ein enormer Beschleuniger. Der Vorteil: Innerhalb einer solchen Gruppe fällt es dir viel leichter, neue Menschen kennenzulernen, als wenn du außerhalb jedes Mal aktiv losgehen musst. Die Kernfrage: Hast du heute (mindestens) eine Growth Community? Du darfst ruhig mehrere haben – jede hebelt dein Wachstum.
Framework 2: Cold-E-Mail-Bets. Eine Cold-Nachricht ist eine Nachricht an eine fremde Person, zu der du noch kein Vertrauen aufgebaut hast – ein kalter Kontakt (aus der Welt von Sales und Marketing). Das Entscheidende ist die asymmetrische Chancenverteilung: Eine gute Nachricht zu formulieren kostet dich vielleicht eine halbe Stunde – kaum Risiko, aber je nach Empfänger eine große Chance. Ich habe so zum Beispiel dem CEO von FlixBus geschrieben (Wirtschaftsingenieur, spannender Unternehmer). Genau deshalb nenne ich es „Bets“: Du setzt mit minimalem Aufwand auf eine kleine Aktion mit großer möglicher Wirkung. Mach es zur Gewohnheit, jede Woche ein paar Cold-Nachrichten zu verschicken – über LinkedIn oder E-Mail. Über die Zeit summiert sich das zu hunderten Kontakten und vielen echten Chancen. Gute Cold-E-Mails schreiben zu können ist eine stark unterschätzte Fähigkeit – fast eine Waffe: Du bekommst Zugang zu Menschen, den andere nicht haben.
Netzwerk-Intelligenz statt Kontakte-Sammeln. Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn, spricht von „Network Intelligence“. Entscheidend sind zwei Faktoren: Quantität und Qualität. Ein Netzwerk aus sieben mittelmäßig ambitionierten Personen ist etwas völlig anderes als der Zugang zu 300 Menschen mit Drive, die in ihrer Branche etwas bewegen wollen. Genau diese Netzwerk-Intelligenz ist ein großer Turbo für deine Entwicklung.
Die fehlende Komponente: Mut. Die Theorie ist klar, doch die Praxis braucht Überwindung. Egal welcher Persönlichkeitstyp du bist und wie sehr es kribbelt: Teste es. Es gibt wenig zu verlieren – gerade auf Plattformen wie LinkedIn schafft die Distanz eine Art Trainingsplatz, und es ist oft einfacher, als man denkt, sobald man startet.
Wie du die erste Hürde nimmst, vertiefe ich in Komfortzone verlassen. Warum du gezielt von Menschen lernst, die dir voraus sind, zeigt Von den Besten lernen. Und wie du dein bestehendes Netzwerk richtig nutzt, hörst du in Netzwerk nutzen. Den ganzen Gedanken als Artikel – mit konkreten ersten Schritten – findest du unter Auf fremde Menschen zugehen.
Häufige Fragen zu Growth Communities und Cold-E-Mails
Was ist eine Growth Community? Eine Gruppe mit hoher Dichte an Menschen, die weiter sind als du und Drive haben – etwa eine Bürogemeinschaft, ein Verein, ein Mastermind, ein Meetup oder ein Unternehmen. In so einer Gruppe fällt es dir viel leichter, von anderen zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen.
Was ist eine Cold-E-Mail bzw. ein Cold-E-Mail-Bet? Eine Nachricht an eine fremde Person, zu der du noch kein Vertrauen aufgebaut hast (ein „kalter“ Kontakt). Als „Bet“ verstanden, ist es eine kleine, risikoarme Aktion mit asymmetrisch großer Chance: wenig Aufwand, potenziell großer Ertrag – ideal als wöchentliche Gewohnheit.
Wie gehe ich als introvertierte Person auf fremde Menschen zu? Sieh es als Skill, den du trainierst, nicht als angeborenes Talent. Senke die Hürde, indem du Growth Communities beitrittst (dort ergeben sich Kontakte fast von selbst) und mit Cold-Nachrichten über LinkedIn anfängst, wo die Distanz den Einstieg erleichtert. Entscheidend ist regelmäßiges Üben.
Was ist Netzwerk-Intelligenz? Ein Begriff von Reid Hoffman (LinkedIn): der Wert deines Netzwerks als Funktion von Quantität und Qualität. Nicht die Zahl der Kontakte zählt, sondern der Zugang zu vielen Menschen mit echtem Drive und Erfahrung.
Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation und Karriere für Ingenieure.
Transkript
Nach meinem Berufsstart als junger, ambitionierter Ingenieur habe ich vieles richtig gemacht: dutzende Sachbücher gelesen, viel Energie in meine persönliche Entwicklung investiert, proaktiv gearbeitet und die Extrameile gegangen. Doch vor einer Sache habe ich mich gesträubt und sie maßlos unterschätzt – die Power, proaktiv auf fremde Menschen zuzugehen. Genau darum geht es heute.
Als introvertierte Person bin ich in den ersten Berufsjahren an meiner Komfortzone gescheitert. Ich hielt mich an Kommilitonen, Freunde und Kollegen; aktiv auf Fremde zuzugehen war für mich schlicht keine Option, und wenn doch, war der Schritt raus zu viele Reize. Dann stieß ich auf eine alte Notiz von mir – eine simple Faustregel, die mein Mindset verändert hat: Führe eine Unterhaltung pro Woche mit einer Person, die smarter ist als du, also die dir in mindestens einem Lebensbereich voraus ist. Wenn du dir das zur Gewohnheit machst, beschleunigst du deine persönliche und berufliche Entwicklung enorm. Das gilt auch für andere Bereiche: Sprich mit der fittesten Person im Studio, mit jemandem, der das Instrument oder die Sprache schon beherrscht. Ich habe dazu schon oft über „Modeling of Excellence“ gesprochen: Wer hat das Thema bereits gemeistert – und wie kannst du von ihm lernen und abkürzen?
Auf neue Menschen zuzugehen und von ihnen zu lernen ist für die meisten ein riesiges, ungenutztes Potenzial. Du kannst so viele Bücher lesen, wie du willst – wenn du dich nur mit dir selbst befasst, nutzt du das große Potenzial anderer Menschen nicht. Für mich als eher introvertierte Persönlichkeit war das eine große Hürde, die Mut und Überwindung gebraucht hat. Aber: Es ist ein Muskel, den man trainieren kann. Fremde Menschen kennenzulernen ist ein Skill, nicht gottgegeben. Wer darin gut ist, hat einfach viel mehr Zeit auf dem „Trainingsplatz“ verbracht. Ich hatte das Gefühl, ich müsste aufholen – also Übung, Übung, Übung. Dafür habe ich zwei Konzepte mitgebracht.
Das erste sind Growth Communities. Eine Growth Community ist eine Gruppe mit hoher Dichte an spannenden Personen – Menschen, die weiter sind als du und Drive haben. Wenn du in jeder Konstellation mit Freunden, Kommilitonen oder Kollegen gefühlt der Smarteste im Raum bist, ohne überheblich zu wirken, machst du etwas falsch – dann bist du nicht Teil einer Growth Community. Mein Tipp: Halte nach solchen Gruppen Ausschau und tritt ihnen bei. Beim Einstieg in die Selbständigkeit bin ich einer Bürogemeinschaft aus Selbständigen beigetreten, die alle weiter waren als ich – sehr wertvoll. Ich habe verschiedene Ansätze ausprobiert, etwa ein Meetup, bei dem wir zu fünfzehnt mit Selbständigkeits-Ambitionen um die Alster gegangen sind. Es gibt tausend Möglichkeiten: Bürogemeinschaften, Nachbarschaften, Clubs, Vereine, Freundeskreise, Unternehmen, Masterminds. Auch das Unternehmen, in dem du arbeitest, ist eine Community. Die Kernfrage: Hast du heute eine Growth Community? Wenn nein, nutzt du großes Potenzial nicht – denn als Teil einer solchen Gruppe fällt es dir viel leichter, neue Menschen kennenzulernen, als wenn du außerhalb jedes Mal aktiv losgehen musst. Du darfst ruhig mehrere haben.
Das zweite Konzept sind Cold-E-Mail-Bets, oder das Cold-E-Mail-Habit. Eine Cold-Nachricht – das muss nicht einmal eine E-Mail sein – bedeutet, dass du einer fremden Person aus dem Nichts schreibst, zu der du noch kein Vertrauen aufgebaut hast. Sie ist ein kalter Kontakt; warme Kontakte sind Freunde und Bekannte. Wichtig zu verstehen ist die asymmetrische Chancenverteilung: Du brauchst vielleicht eine halbe Stunde, um eine Nachricht zu formulieren. Schickst du sie aber zum Beispiel an den CEO von FlixBus – den ich angeschrieben habe, weil er Wirtschaftsingenieur und ein spannender Unternehmer ist –, ist der Aufwand gering, das Risiko klein, die mögliche Chance groß. Deshalb „Bets“: eine kleine Aktion, auf die du wettest. Ich habe heute die Gewohnheit, jede Woche Cold-Nachrichten an spannende Personen zu schicken, über LinkedIn und andere Kanäle. Mit der Zeit werden daraus hunderte Nachrichten – und die Chance steigt, dass sich Menschen zurückmelden und ins Gespräch kommen. Wie man Cold-E-Mails formuliert, ist eine Kunst für sich, aber viel wichtiger ist: anfangen. Es ist eine stark unterschätzte Fähigkeit. Niemand sagt „ich übe gerade, bessere E-Mails zu schreiben“ – dabei ist das eine echte Superpower: Wer gute Nachrichten schreiben kann, bekommt Zugang zu Menschen, den andere nicht haben. Diese Personen kannst du interviewen, ihnen Fragen stellen, Vertrauen aufbauen – und so manchmal sogar in eine neue Growth Community eintreten.
Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn, spricht von Netzwerk-Intelligenz. Die meisten unterschätzen das. Wie intelligent ist dein Netzwerk? Das hängt von Quantität und Qualität ab. Ein Netzwerk aus sieben mittelmäßig ambitionierten Personen ist etwas radikal anderes als der Zugang zu 300 Menschen mit Drive, die in ihrer Branche etwas bewegen wollen – ein großer Turbo für deine Entwicklung.
Zusammengefasst: Erstens, Growth Communities – tritt ihnen bei, gerne mehreren. Zweitens, Cold-E-Mail-Bets – nutze die asymmetrische Chancenverteilung und verbessere nebenbei diese unterschätzte Fähigkeit. Beides hilft dir, auf fremde Menschen zuzugehen. Aber die Praxis braucht noch eine Komponente: Mut. Egal welcher Persönlichkeitstyp du bist – teste es. Es gibt wenig zu verlieren, und gerade über LinkedIn ist es einfacher, als man denkt, sobald man einmal startet. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.