Manche Prinzipien sind einfach zu verstehen. Genau deshalb gehen sie im Alltag unter. Man kennt sie, nickt – und vergisst sie wieder.
Diese Folge ist ein Manifest. Vier Prinzipien tauchen immer wieder auf, wenn es um die Entwicklung als ambitionierter Ingenieur geht. Kein neues Konzept, sondern ein Reminder: vier Leitlinien, an die du dich immer wieder erinnern solltest, damit du sie auch wirklich lebst.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Prinzip 1 – Verantwortung übernehmen. Extreme Ownership und der Circle of Influence: nicht jammern, sondern den eigenen Einflussbereich gestalten. Harte Entscheidungen treffen statt vor sich herschieben.
- Prinzip 2 – Growth Mindset und Lesen. Sich entwickeln heißt nicht, sich zu verbiegen, sondern mehr aus sich herauszuholen. Eng verbunden mit der Liebe zum Lesen.
- Prinzip 3 – Selfmade-Erfolg ist ein Mythos. Hinter jeder Karriere steht ein Netzwerk. Das richtige Umfeld zählt – und die Fähigkeit, von jedem zu lernen.
- Prinzip 4 – Chancen ergreifen und der Mut zu fragen. An wenigen Tagen entscheidet sich die Richtung des nächsten Jahrzehnts. Wer fragt, sticht heraus.
- Die vier Prinzipien hängen zusammen. Sie sind kein Wissen, sondern eine Praxis, an die man sich immer wieder erinnern muss.
Die 4 Prinzipien im Detail
Prinzip 1: Verantwortung übernehmen – Extreme Ownership und Circle of Influence. Niemand umgibt sich gern mit Menschen, die ständig meckern und die Schuld immer bei anderen suchen. Jammern hilft nicht. Irgendwann ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen – und das bedeutet: Fehler akzeptieren, um aus ihnen zu lernen, Impulse kontrollieren und unbequeme Entscheidungen treffen. Es gibt einen schönen Satz dazu: Easy decisions, hard life. Hard decisions, easy life. Das zu verinnerlichen ist ein Zeichen persönlicher Reife.
Dieses Prinzip hört nie auf. Auch wer es kennt, verfällt manchmal in den Jammermodus. Der Punkt ist, es zu bemerken: „Achtung, ich jammere gerade – das heißt, ich übernehme gerade keine Verantwortung.“ Oft ist Jammern ein Zeichen dafür, dass man eine harte Entscheidung vor sich herschiebt. Wenn die Jahre vergehen und dein Leben nicht besser wird, lohnt die ehrliche Reflexion: Hast du deinen langfristigen Plan vergessen? Umgibst du dich mit den falschen Menschen? Fällt es dir schwer, dich auf das Wesentliche zu fokussieren? Verantwortung übernehmen heißt, das zu erkennen und dann die harte Entscheidung zu treffen, statt in der Sackgasse zu bleiben.
Besonders als frische Führungskraft wird dieses Prinzip wichtig. Du gibst Kontrolle ab, du delegierst – und wenn Aufgaben nicht so umgesetzt werden, wie du es dir erhofft hast, ist die Versuchung groß, in den Jammermodus zu verfallen oder alles selbst zu machen. Souveräne Führungspersönlichkeiten entkommen dieser Falle. Sie fragen nicht „Wer ist schuld?“, sondern „Was ist mein Einflussbereich – und was kann ich tun?“.
Prinzip 2: Growth Mindset und Lesen. Ein Growth Mindset bedeutet nicht, dich zu verbiegen. Es bedeutet, dich zu entwickeln – mehr aus dir herauszuholen, mehr zu dem zu werden, was du sein könntest. Es geht nicht darum, eine andere Person zu werden, sondern dein Potenzial zu entfalten.
Dieses Prinzip ist eng mit dem Lesen verbunden. Ein provokanter Satz dazu: Menschen, die nicht lesen, haben keinen Vorteil gegenüber denjenigen, die nicht lesen können. Gemeint sind Sachbücher. Die meisten, die sagen „Ich lese nicht“, lesen im Alltag sehr viel – E-Mails, Feeds, Texte. Sie haben nur noch nicht gemeistert, Sachbücher richtig zu lesen. Wer gerade wenig Motivation zum Lesen hat, hat oft einfach das falsche Buch in der Hand. Dann hilft es, das Buch abzubrechen und ein neues zu finden, das genau jetzt passt.
Zwei Reminder zum Lesen gehören dazu. Erstens: Buchläden sind faszinierend. Jedes einzelne Buch ist als kleiner Impuls im Kopf eines Menschen entstanden, der dann tausende Stunden investiert hat, um es zu perfektionieren – von einer ersten Idee über tausende Iterationen bis zum fertigen Werk. Wer diese Fülle sieht, spürt, wie viel Lern-Potenzial darin steckt. Zweitens: Ein großartiges Buch zweimal zu lesen ist wertvoller als zehn mittelmäßige Bücher zu lesen. Nicht das Buch verändert sich – du veränderst dich. Einige Jahre später bist du eine andere Person, hast andere Probleme und ziehst andere Erkenntnisse aus demselben Text. Gerade bei großen Veränderungen, etwa der ersten Führungsrolle, lohnt der Blick ins eigene Bücherregal.
Prinzip 3: Selfmade-Erfolg ist ein Mythos. Hinter jeder erfolgreichen Karriere steht ein Netzwerk. Hinter jedem erfolgreichen Unternehmen steht ein Team. Und hinter jedem erfolgreichen Leben stehen Familie und Freunde. Life is people. Ein tiefes Gespräch mit einer ambitionierten Person ist immer gut investierte Zeit: Es schärft den Blick für Prioritäten, ermutigt, größer zu denken, und gibt den Mut, Neues zu wagen. Die meisten unterschätzen, wie wertvoll solche Gespräche sind.
Das Rezept für ein großartiges Gespräch: ehrgeizige Köpfe, die ähnliche Prinzipien und Werte teilen, die einander zuhören und nicht voreilig urteilen. Viele tappen in die sogenannte Advice Trap – sie geben Ratschläge ohne Ende, ohne den Kontext überhaupt zu verstehen. Wertvoll ist das Gegenteil: jemand, der erst deinen Kontext begreift und dann gezielt Feedback gibt.
Genauso wichtig ist das Umfeld. Es ist Zeitverschwendung, deine Ziele vor Menschen zu rechtfertigen, die selbst keine Ambition haben. Dazu passt das Bild der Krabbenkörbe: Lässt man einen Eimer voller Krabben offen stehen, klettert keine heraus – sobald eine es versucht, ziehen die anderen sie wieder runter. Theoretisch könnten alle entkommen. Sie halten sich nur gegenseitig gefangen. Frag dich, ob du in einem solchen Korb feststeckst.
Und ein letzter Gedanke zu diesem Prinzip: Ein Zeichen von Charakter ist die Fähigkeit, von Menschen zu lernen, die man nicht mag. Viele lernen nur von Personen, die sie sympathisch finden – das beginnt oft schon in der Schule oder Uni. Reifer ist es, sich davon frei zu machen. Frag stattdessen: Was ist die Zone of Genius dieser Person? Worin ist sie exzellent? Von jedem Menschen lässt sich etwas lernen, ohne dass du seine Werte teilen oder ihn mögen musst. Das ist Modeling of Excellence.
Prinzip 4: Chancen ergreifen und der Mut zu fragen. An den meisten Tagen passiert nicht viel. Doch an einigen wenigen Tagen entscheidet sich die Richtung deines nächsten Jahrzehnts. Halte Ausschau nach diesen Tagen – große Chancen klopfen meist leise an. An den meisten Tagen geht es um Routinen: dranbleiben, jeden Tag in dich investieren, lesen, deine Morgenroutine pflegen. Das ist der Zinseszins der persönlichen Entwicklung. Je konsequenter du jeden Tag investierst, desto mehr Chancen häufen sich mit der Zeit.
Wenn so eine Chance kommt – dein Geschäftsführer schreibt dir, jemand fragt dich um Rat, du wirst gefragt, ob du einen Vortrag halten möchtest – zählt nur eines: eine Jasager-Mentalität. Im Alltag ist ständiges Jasagen oft keine gute Idee. An genau diesen wenigen Tagen schon. Es ist der Moment, in dem es kribbelt, in dem du gefordert bist und aus der Komfortzone raustreten musst. Dann hilft es, auf das Bauchgefühl zu hören – während der Kopf gleichzeitig viele rationale Gründe findet, es nicht zu tun.
Dazu gehört das Thema Vertrauen. Eine Chance bekommen heißt immer: Eine andere Person muss an dich denken, dich kennen und dir vertrauen. Das Vertrauen, das Menschen in dich haben, ist das wichtigste Asset, das du jemals besitzen wirst. Es funktioniert wie ein Beziehungskonto: Mit jeder Aktion, mit jedem Mehrwert, den du anderen gibst, zahlst du darauf ein – und baust Reziprozität auf. Je mehr Vertrauen und je bessere Reputation du aufbaust, desto mehr Chancen kommen zurück. Und der einfachste Hebel von allen: der Mut zu fragen. If you want something, just ask. Die meisten trauen sich nicht. Wer fragt, sticht in den meisten Fällen schon heraus.
Diese vier Prinzipien sind kein Zufall, sondern das Leitbild eines strategischen Denkens als Ingenieur. Wie du das erste Prinzip im Alltag lebst, vertiefst du in Verantwortung übernehmen. Warum der Zinseszins der Entwicklung über lange Zeit wirkt, hörst du in langfristig denken. Wie du Chancen erkennst und im Job unternehmerisch handelst, zeigt unternehmerisch denken. Und wie du gezielt in die wertvollsten Karriere-Assets investierst, vertiefst du in in sich selbst investieren.
Häufige Fragen zu den 4 Prinzipien
Was bedeutet es, ein strategischer Ingenieur zu sein? Es bedeutet, vier Prinzipien zur eigenen Praxis zu machen: Verantwortung übernehmen statt jammern, ein Growth Mindset und echte Liebe zum Lesen, ein bewusst gewähltes Umfeld statt Selfmade-Mythos und der Mut, seltene Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Es geht nicht um neues Wissen, sondern darum, diese Leitlinien im Alltag zu leben.
Was ist der Circle of Influence? Der Circle of Influence ist dein Einflussbereich – das, was du tatsächlich gestalten kannst. Statt über Dinge zu klagen, die außerhalb deiner Kontrolle liegen (etwa einen unzuverlässigen Chef), fragst du: „Was kann ich tun, um die Situation zu verändern?“ Das ist die praktische Form von Extreme Ownership.
Warum ist Selfmade-Erfolg ein Mythos? Weil hinter jeder erfolgreichen Karriere ein Netzwerk steht, hinter jedem Unternehmen ein Team und hinter jedem erfolgreichen Leben Familie und Freunde. Das richtige Umfeld – ehrgeizige Menschen, die zuhören und ähnliche Werte teilen – wirkt überproportional auf deine Entwicklung. Genauso wichtig: von jedem lernen zu können, auch von Menschen, die man nicht mag.
Wie erkenne ich die wenigen Tage, an denen sich die Richtung entscheidet? An den meisten Tagen geht es um Routinen. Die seltenen Chancen kündigen sich leise an – oft als ein Kribbeln oder das Gefühl, gefordert zu sein und die Komfortzone verlassen zu müssen. In diesen Momenten hilft eine Jasager-Mentalität und der Mut, auf das Bauchgefühl zu hören, statt nach rationalen Gründen zum Zögern zu suchen.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Quelle für den Circle of Influence und das Beziehungskonto – das Standardwerk zum Thema Verantwortung übernehmen.
- Jocko Willink – Extreme Ownership: das gleichnamige Buch hinter Prinzip 1 – kompromisslose Verantwortung für das eigene Handeln.
- Carol Dweck – Mindset (Selbstbild): das Grundlagenwerk zum Growth Mindset gegenüber dem Fixed Mindset.
- James Clear – Die 1%-Methode (Atomic Habits): Pflichtprogramm für die täglichen Gewohnheiten, die den Zinseszins der Entwicklung antreiben.
- Jeff Olson – The Slight Edge: über die kleinen, konsequenten Entscheidungen, die sich über die Zeit aufsummieren.
Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.
Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.
Transkript
In den letzten Monaten habe ich dutzende Beiträge geteilt. Wer ganz genau hingeschaut hat, hat darin vier zentrale Prinzipien immer wieder entdeckt. Diese Prinzipien sind einfach zu verstehen, aber sie gehen im Alltag häufig unter. Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, damit man sie auch wirklich lebt. Genau das ist mein Ziel in dieser Folge: Ich möchte sie für dich wieder auf die Agenda holen.
Die vier Prinzipien sind in vierzehn kurze Beiträge verpackt, die ich über die letzten Monate veröffentlicht habe – gebündelt zu vier Prinzipien. Wundere dich also nicht, wenn ich den einen oder anderen Beitrag vorlese.
Starten wir mit Prinzip Nummer eins: Extreme Ownership beziehungsweise der Circle of Influence. Vielleicht hast du von diesen beiden Konzepten schon gehört. Der Circle of Influence ist ein Konzept von Stephen Covey, Extreme Ownership ist zugleich ein gleichnamiges Buch – beides dreht sich um das Thema Verantwortung übernehmen.
Ein Beitrag dazu, der einiges an Aufmerksamkeit erzeugt hat: Eigentlich ist es einfach. Niemand umgibt sich gern mit Menschen, die ständig meckern und unzufrieden sind und die Schuld immer nur bei anderen suchen. Jammern hilft nicht. Irgendwann im Leben ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet, Fehler zu akzeptieren, um aus ihnen zu lernen, Impulse zu kontrollieren und unbequeme Entscheidungen zu treffen. Es gibt einen schönen Spruch: Easy decisions, hard life. Hard decisions, easy life. Das zu verinnerlichen ist ein Zeichen persönlicher Reife.
Man merkt es hier: Verantwortung übernehmen. Auch ich bin davor nicht geschützt, ab und zu in den Jammermodus zu verfallen. Aber man wird mit der Zeit stärker. Man muss sich immer wieder daran erinnern: Achtung, ich jammere gerade, das möchte ich nicht – das ist ein Zeichen, dass ich gerade keine Verantwortung übernehme. Und manchmal ist Jammern ein Zeichen dafür, dass man eine harte Entscheidung vor sich herschiebt.
Ein zweiter Beitrag: Wenn die Jahre vergehen und dein Leben nicht besser wird, dann bedeutet das – du hast deinen langfristigen Plan vergessen, oder du lernst nicht richtig, oder du umgibst dich mit den falschen Menschen, oder du lebst in einer falschen Umgebung, oder deine Intuition und dein Urteilsvermögen leiten dich fehl, oder du hast Schwierigkeiten, dich auf das Wesentliche zu fokussieren. Was es auch ist: Es ist wichtig, das zu erkennen und in die Selbstreflexion zu gehen. Die Überschrift darüber lautet: Verantwortung übernehmen. Zu sehen, wo man in der Sackgasse ist, und dann zu verstehen: Ich muss jetzt eine harte Entscheidung treffen. Schiebe ich sie vor mir her, bleibe ich im Jammermodus gefangen.
Stephen Coveys Konzept des Circle of Influence aus „Die 7 Wege zur Effektivität“ ist das Buch, das man dazu lesen sollte. Und „Extreme Ownership“ von Jocko Willink ist ebenfalls empfehlenswert. Zwei Bücher zu dem Thema, wenn du dich wieder daran erinnern möchtest, Verantwortung zu übernehmen.
Verantwortung übernehmen ist wichtig für dich persönlich, aber gerade auch als Führungskraft. In der ersten Führungsrolle gibst du viel Kontrolle ab. Arbeitest du nur für dich allein, hast du in der Regel die Kontrolle über dein Arbeitsgebiet. Viele verfallen in den Jammermodus, wenn es Dinge gibt, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen – etwa einen Chef, der nicht zuverlässig ist oder schlecht kommuniziert. Auch dann ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und zu überlegen: Was ist mein Circle of Influence, was ist mein Einflussbereich?
Eine wichtige Kompetenz in der Führungsrolle besteht darin, zu delegieren, Kontrolle abzugeben, loslassen zu können. Auch hier ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und nicht in den Jammermodus zu verfallen. Man gibt Aufgaben ab, die werden vielleicht nicht so umgesetzt, wie man sich das erhofft – und dann verfällt man leicht ins Beschweren oder macht es lieber selbst, weil die Qualität dann besser scheint. Führungspersönlichkeiten mit hohem Reifegrad haben gelernt, dieser Falle zu entkommen und zu überlegen: Was kann ich tun, wie kann ich die Situation verändern? Jammern hilft nicht. Prinzip Nummer eins hört nie auf – daran muss man sich immer wieder erinnern.
Prinzip Nummer zwei: Growth Mindset. Das ist eng mit dem Lesen verbunden – mit Neugier und Wissensdurst. Growth Mindset bedeutet nicht, dich zu verbiegen. Es bedeutet, dich zu entwickeln, herauszuholen, was in dir steckt – mehr zu dem zu werden, was du sein könntest. Es heißt nicht, dass du eine andere Person werden musst, die du nicht sein willst, sondern dein volles Potenzial zu entfalten.
Carol Dweck hat ein sehr gutes Buch zu diesem Thema geschrieben. Es soll nur ein Reminder sein, keine vollumfängliche Folge. Ich habe drei weitere kurze Beiträge zum Thema, weil Growth Mindset so stark mit dem Lesen verbunden ist. Der erste ist provokant: Menschen, die nicht lesen, haben keinen Vorteil gegenüber denjenigen, die nicht lesen können. Die meisten, die sagen, sie lesen nicht, lesen im Alltag trotzdem viel – E-Mails, ihren Facebook-, LinkedIn- oder Instagram-Feed. Über den Tag verteilt liest du sehr viel. Der Unterschied ist: Die meisten haben es noch nicht gemeistert, Sachbücher richtig zu lesen. Growth Mindset ist stark mit einer Liebe zum Lesen verbunden. Read until you love to read. Wenn du gerade wenig liest oder keine Motivation hast, liegt es wahrscheinlich am falschen Buch. Dann lohnt es, das Buch abzubrechen und ein neues zu finden.
Ein weiterer Beitrag: Buchläden sind faszinierend. Jedes einzelne Buch ist als kleiner Impuls im Kopf eines anderen Menschen entstanden, der dann tausende Stunden damit verbracht hat, es zu perfektionieren. Es ist unmöglich, sich nicht inspiriert zu fühlen. Ein Buch beginnt nicht mit der Entscheidung, es zu schreiben, sondern schon Jahre vorher mit der Sammlung von Ideen, die am Ende das Buch formen – tausende Iterationen, tausende Gedanken. Wer darauf nicht zugreift, verschenkt ein riesiges Potenzial des Lernens. Buchläden sind eine große Inspirationsquelle für alle, die es mit ihrer Entwicklung ernst meinen.
Und ein letzter Punkt zu diesem Thema: Ein großartiges Buch zweimal zu lesen ist wertvoller, als zehn mittelmäßige Bücher zu lesen. Die meisten betreiben kein Re-Reading. Wenn du vor einigen Jahren ein Buch gelesen hast, das den Lauf deines Lebens verändert hat, lohnt es sich, es Jahre später erneut zur Hand zu nehmen. Nicht das Buch verändert sich, sondern du. Du bist zu einer anderen Person gereift, hast andere Probleme – und ziehst andere Erkenntnisse heraus. Beim zweiten Lesen markierst du plötzlich ganz andere Passagen. Stellen, die du beim ersten Mal überblättert hast, sind plötzlich genau das, was du jetzt brauchst. Gerade bei großen Veränderungen wie der ersten Führungsrolle lohnt der Blick ins eigene Bücherregal.
Prinzip Nummer drei: Selfmade-Erfolg ist ein Mythos. Der erste Gedanke: Ein tiefes Gespräch mit einer ambitionierten Person ist gut investierte Zeit. Es schärft deinen Blick für Prioritäten, bestärkt dich, größer zu denken, und ermutigt dich, Neues zu wagen. Am Anfang meines Berufslebens habe ich das nicht gezielt betrieben. Heute, gerade in meiner Rolle als Geschäftsführer und Unternehmer, ist es noch wichtiger. Auf eine Person zu treffen, die überproportional positiven Einfluss auf deine Entwicklung haben kann, ist ein so wichtiges Thema. Es ist entscheidend, auf den Schultern anderer zu stehen. Die meisten unterschätzen, wie wertvoll das ist.
Der zweite Gedanke ist das Rezept für ein großartiges Gespräch: ehrgeizige Köpfe, die ähnliche Prinzipien und Werte teilen, die einander zuhören und nicht voreilig urteilen und die den starken Wunsch haben, ein bedeutendes nächstes Kapitel zu schreiben. Es gibt die sogenannte Advice Trap, in die viele treten: Sie geben dir Ratschläge ohne Ende, ohne überhaupt den Kontext zu deinem Thema zu kennen. Wenn du jemanden hast, der ehrgeizig ist, ähnliche Prinzipien teilt und gut zuhört, statt sofort in die Advice Trap zu verfallen, ist das unglaublich wertvoll.
Der dritte Beitrag dazu: Hinter jeder erfolgreichen Karriere steht ein Netzwerk, hinter jedem erfolgreichen Unternehmen steht ein Team, und hinter jedem erfolgreichen Leben stehen Familie und Freunde. Life is people. Das hat Jim Collins gesagt – eine wichtige Philosophie, die man nicht vergessen darf. Dazu gehört aber auch: Es ist völlige Zeitverschwendung, deine Ziele gegenüber denjenigen zu rechtfertigen, die selbst keine Ambition haben. Viele umgeben sich mit Leuten, die ihre Ambitionen nicht teilen. Dazu gibt es ein schönes Bild: die Krabbenkörbe. Lässt du einen Eimer voller Krabben offen stehen, klettert keine heraus – obwohl sie es eigentlich könnte. Denn sobald eine Krabbe es versucht, ziehen die anderen sie wieder runter. Theoretisch könnten alle entkommen, aber weil sie sich gegenseitig runterziehen, bleiben sie gefangen. Ich hoffe, du bist in keinem Krabbenkorb gefangen.
An der Stelle noch ein weiterer Gedanke: Ein Zeichen von Charakter ist die Fähigkeit, von Menschen zu lernen, die man nicht mag. Beim Growth Mindset geht es nicht nur darum, aus Büchern zu lernen, sondern auch von anderen Personen. Und beim Lernen geht es nicht darum, die Person mögen zu müssen. Das fängt oft schon in der Schule an: Man mag den Lehrer nicht und lernt deshalb weniger. Reifer ist es, sich davon frei zu machen. Stell dir häufiger die Frage: Was ist die Zone of Genius dieser Person? Worin ist sie exzellent? Jede Person hat ein Skillset, in das sie viel Zeit investiert hat. Das bedeutet nicht, dass du ihre Werte teilen oder sie mögen musst. Auf der einen Seite brauchst du also ein richtiges Umfeld aus Leuten, die dich nicht wie Krabben runterziehen, gleichzeitig hältst du Ausschau nach Modeling of Excellence: Von wem kannst du lernen?
Diese Dinge hängen zusammen. Gerade beim Umfeld kann es passieren, dass du in den Jammermodus verfällst, weil du dich in einem Krabbenkorb gefangen fühlst. Dann ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen. Easy decisions, hard life. Hard decisions, easy life.
Prinzip Nummer vier: Chancen ergreifen und der Mut zu fragen. Ich habe drei Beiträge dazu geteilt. Der erste lautet: An den meisten Tagen passiert nicht viel, doch an einigen wenigen Tagen entscheidet sich die Richtung deines nächsten Jahrzehnts. Halte Ausschau nach diesen Tagen. Große Chancen klopfen meist leise an. An den meisten Tagen geht es um Gewohnheiten: dranbleiben, da sein, die 1%-Methode leben. Atomic Habits von James Clear ist ein Pflichtprogramm, wenn du es nicht kennst. Genauso „The Slight Edge“ von Jeff Olson – zwei Bücher, die ich in diesem Kontext empfehlen kann. An den meisten Tagen befasst du dich damit, wie du deine Morgenroutine optimierst, dir Me-Time nimmst, jeden Tag liest und Routinen aufbaust.
Aber dann gibt es diese wenigen Tage. Da geht es nicht um deine Routine. Da öffnet sich eine kleine Tür. Wenn du das erkennst und die richtige Entscheidung triffst, kannst du damit die Richtung deines nächsten Jahrzehnts prägen. Ich rede oft vom Zinseszins der persönlichen Entwicklung: Wenn du jeden Tag in dich investierst, spürst du exponentielle Effekte. Du spürst außerdem, dass sich immer mehr Möglichkeiten häufen. Ob dein Geschäftsführer dir das erste Mal eine E-Mail schreibt, weil du aufgefallen bist, oder jemand dich um Rat fragt, oder du gefragt wirst, ob du bei der nächsten Betriebsversammlung einen Vortrag hältst – das sind kleine Chancen, die sich nur selten ergeben.
Wenn du diese Chancen erkennst, ist es wichtig, auf dein Bauchgefühl zu hören. Das sind die Momente, in denen es kribbelt, in denen du gefordert bist und aus der Komfortzone raustreten musst. Das Einzige, was zählt, ist eine Jasager-Mentalität. Im Alltag ist ständiges Jasagen aus Produktivitätssicht nicht ideal, aber an genau diesen Tagen ist es wichtig: Augen zu und durch, den Mut zu haben, ins Abenteuer zu springen. Große Chancen klopfen leise an. Entwickle ein Gefühl dafür und höre auf dein Bauchgefühl. Mein Kopf findet meistens viele rationale Argumente, warum es nicht sinnvoll ist – und genau dann ist es wichtig, auf das Bauchgefühl zu hören und all-in zu gehen.
Dazu gehört das Thema Vertrauen. Eine Chance zu bekommen, bedeutet immer: Eine andere Person muss an dich denken, dich kennen und dir vertrauen, um dir diese Chance zu eröffnen. Der Satz dazu: Das Vertrauen, das Menschen in dich haben, ist das wichtigste Asset, das du jemals besitzen wirst. Es gibt ein schönes Konzept von Stephen Covey: das Beziehungskonto. Mit jeder Aktion, mit jedem Tipp, den du einer anderen Person gibst, baust du Reziprozität auf und zahlst auf dieses Konto ein. Je mehr Vertrauen du mit deinem Umfeld aufgebaut hast, desto mehr Chancen kommen zurück. Aus psychologischer Sicht ist das Reziprozität. Reputation ist das Stichwort: Eine gute Reputation baust du auf, indem du Vertrauen aufbaust und sichtbar bist. Das machen die meisten stillen Performer nicht. Eine gute Reputation bedeutet viel Reziprozität – und das wiederum führt zu vielen Chancen und Opportunities, dem sogenannten Deal Flow.
Der letzte Punkt ist eine simple Lebensregel von Steve Jobs: If you want something, just ask. Die meisten trauen sich nicht zu fragen. Wenn du die eine Person sein kannst, die den Mut hat zu fragen, dann stichst du in den meisten Fällen schon heraus. Man muss sich nur kurz überwinden. Wenn du den Mut hast zu fragen, ergeben sich daraus oft große Chancen.
Fassen wir die vier Prinzipien zusammen. Prinzip eins: Geh nicht in den Jammermodus. Erinnere dich an Extreme Ownership und den Circle of Influence von Stephen Covey – Verantwortung zu übernehmen ist ein Zeichen persönlicher Reife. Prinzip zwei: Growth Mindset und Lesen. Sich zu verbessern heißt nicht, sich zu verbiegen, sondern mehr aus sich herauszuholen. Wer nicht liest, hat keinen Vorteil gegenüber denjenigen, die nicht lesen können. Prinzip drei: Selfmade-Erfolg ist ein Mythos. Dein Umfeld spielt eine große Rolle – und am Ende zählt Modeling of Excellence: Von wem kannst du lernen, ohne in einem Krabbenkorb festzustecken? Prinzip vier: Chancen ergreifen und der Mut zu fragen. An den meisten Tagen passiert nicht viel, doch an einigen wenigen Tagen entscheidet sich die Richtung des nächsten Jahrzehnts – nach diesen Tagen solltest du Ausschau halten, denn große Chancen klopfen meist leise an.
Ich hoffe, da war einiges für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.