Wer ambitioniert ist und mehr bewegen will, erlebt eine Gefühls-Achterbahn: unerwartete Probleme und schlaflose Nächte gehören dazu. Ben Horowitz bringt es auf den Punkt: Die wichtigste Fähigkeit eines CEOs ist, die eigene Psyche zu kontrollieren.
In dieser Folge teile ich vier Wege, mit denen du gelassener wirst und Probleme nicht mehr zu schlaflosen Nächten werden lässt – aus meiner Erfahrung als Geschäftsführer und ambitionierter Ingenieur.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die wichtigste Fähigkeit ist, die eigene Psyche zu kontrollieren. Großartige CEOs „geben nicht auf“.
- Das Leben ist eine Problemkette. Ziel ist nicht, keine Probleme zu haben, sondern bessere – und besser mit ihnen umzugehen.
- Trainiere deine Gedanken. Meditation (Body Scan, Mental Noting) und Sport bringen dich zurück in die Ruhe.
- Involviere andere. Der „einsame CEO“ ist meist selbst gemacht – Radical Transparency und ein Netzwerk helfen.
- Baue Systeme. „You fall to the level of your systems“ – Systeme und Mikroautomation machen dich gelassener.
4 Wege zu mehr innerer Ruhe
Vorab: Egal welche ambitionierte Rolle du anstrebst – unerwartete Probleme und Gefühls-Achterbahnen gehören dazu (mir ist zuletzt aus dem Nichts die Firmenkreditkarte gesperrt worden und E-Mails landeten im Spam – beides Kleinigkeiten mit großer Wirkung). Das Leben ist eine Problemkette; es geht nicht darum, keine Probleme zu haben, sondern bessere – und besser mit ihnen umzugehen.
1. Trainiere deine Gedanken und meditiere. Wenn du noch nie meditiert hast, fang an – ich habe 2019 mit einer App (z. B. Headspace) begonnen. Es geht nicht um Esoterik, sondern darum, das Meditieren als Technik zu lernen: Beim Body Scan richtest du deine Aufmerksamkeit gezielt durch deinen Körper; beim Mental Noting bemerkst du einen aufkommenden (Sorgen-)Gedanken, benennst ihn als Gedanken und lenkst die Aufmerksamkeit zurück. Beides hilft, Abstand zu Emotionen zu gewinnen und steigert deine emotionale Intelligenz. Auch Sport ist eine Form der Meditation – Richard Branson sagt, er bleibe nur deshalb über allem, weil er fit bleibt. In stressigen Phasen gehe ich „all in“ auf zwei Dinge: mehr Meditation und mehr Sport.
2. Involviere andere. „Being a CEO is a lonely job“ – je höher, desto einsamer. Das stimmt teilweise (mehr Verantwortung, mehr Druck), ist aber oft ein Eigentor und eine Frage der Kultur: Viele Führungskräfte glauben, keine Schwäche zeigen zu dürfen. Ich bin Fan von Ray Dalios Prinzip Radical Truth & Radical Transparency (Principles): Informationen mit dem Team teilen, bei wichtigen Problemen das Team einbinden. Das heißt nicht, alle mit deinen Sorgen anzustecken, sondern bei Problemen, die du nicht allein lösen kannst, andere mitzunehmen. Dazu gehört auch, ein Netzwerk aus Gleichgesinnten aufzubauen – Reid Hoffman spricht von „Network Intelligence“: In deinem Netzwerk steckt viel Wissen, das dir Probleme lösen hilft. Wer das nicht hat, muss alles mit sich selbst ausmachen – und wird einsamer.
3. Baue Systeme. James Clear: „You do not rise to the level of your goals, you fall to the level of your systems.“ Du wirst nicht durch hartes Arbeiten zehnmal produktiver, sondern indem du deinen Hebel über Systeme vergrößerst. Die Ursache vieler Probleme sind fehlende Systeme – auch die gesperrte Kreditkarte und die Spam-Mails waren Felder ohne sauberes System. Geh in die Ursache, bau ein System, und das Problem ist ein für alle Mal gelöst. Ein starkes Werkzeug ist Mikroautomation (z. B. mit Zapier): Kleine, automatisierte Aufgaben summieren sich, entlasten dich mental und machen dich gelassener.
4. Bleib resilient. Trotz aller Werkzeuge gilt am Ende: Ausdauer entscheidet. Mein eigener Weg ging vom stillen Ingenieur ohne Richtung (2014) über den Betriebsleiter bis zum Geschäftsführer – getragen von drei Ideen: viele Sachbücher lesen, sich zum Intrapreneur entwickeln und gezielt Glück provozieren und Unterstützer finden. Die Ideen sind leicht zu verstehen, schwer ist, über Jahre dranzubleiben. Enthusiasmus ist überall, Ausdauer (Grit) ist selten und der eigentliche Erfolgsfaktor. Damit schließt sich der Kreis: Die wichtigste Fähigkeit ist, die eigene Psyche zu kontrollieren – und großartige CEOs sagen alle: „Ich habe nicht aufgegeben.“
Wie du im Job grundsätzlich gelassener und geduldiger wirst, vertiefst du in Gelassenheit lernen. Wie du Stress aktiv abbaust und echte Erholung findest, hörst du in Stress abbauen. Und wie du unter Druck resilient bleibst, zeigt Resilienz.
Häufige Fragen zur inneren Ruhe
Wie bleibe ich unter Druck gelassen? Indem du deine Psyche trainierst, statt dich von ihr treiben zu lassen: meditieren und Gedanken-Techniken üben, andere involvieren, Systeme bauen, die Probleme dauerhaft lösen, und an deiner Resilienz arbeiten.
Was hilft gegen schlaflose Nächte durch berufliche Sorgen? Meditation und Sport bringen dich zurück in die Ruhe. Vor allem aber lösen Systeme die Ursache: Wo immer ein Problem „aus dem Nichts“ kommt, fehlt ein sauberes System – baust du es, verschwindet die Sorge.
Warum fühlen sich Führungskräfte oft einsam? Weil mehr Verantwortung mehr Druck bedeutet – aber meist ist die Einsamkeit selbst gemacht. Wer eine Kultur aus Radical Transparency lebt und sein Team sowie ein Netzwerk Gleichgesinnter einbindet, trägt die Last nicht allein.
Was ist wichtiger: Enthusiasmus oder Ausdauer? Ausdauer. Begeisterung ist weit verbreitet und gut, aber Grit – über Jahre dranzubleiben und nicht aufzugeben – ist selten und der entscheidende Erfolgsfaktor.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Ben Horowitz – The Hard Thing About Hard Things: über CEO-Psychologie, „WFIO-Momente“ und das Aushalten schlafloser Nächte.
- Ray Dalio – Principles: Radical Truth & Radical Transparency als Kultur gegen den „einsamen CEO“.
- James Clear – Atomic Habits: „You fall to the level of your systems“ – warum Systeme schlagen Ziele.
- Angela Duckworth – Grit: warum Ausdauer der entscheidende Erfolgsfaktor ist.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Charakter.
Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.
Transkript
In dieser Folge geht es um schlaflose Nächte und darum, wie man innerlich gelassen wird. Ich bin über eine Aussage gestolpert, die der Aufhänger ist – sinngemäß von Ben Horowitz: Die wichtigste Fähigkeit eines CEOs besteht darin, die eigene Psyche, die eigenen Gedanken und die eigene Emotionswelt zu kontrollieren. Für einen CEO ist der Weg zu einem großartigen Unternehmen niemals einfach; großartige CEOs stellen sich der Gefühls-Achterbahn und ertragen die schlaflosen Nächte. Fragt man Amateure, wie sie es geschafft haben, erzählen sie von strategischen Schachzügen – die großartigen sagen alle: „Ich habe nicht aufgegeben.“ Das gilt für jeden ambitionierten Ingenieur und Intrapreneur, der mehr bewegen will: Schlaflose Nächte sind sehr wahrscheinlich.
Zwei brandaktuelle Beispiele aus meinem Alltag: Aus dem Nichts wurde unsere Firmenkreditkarte gesperrt – am Ende, weil ein Brief nicht zugestellt werden konnte. Sieben Tage lang wusste ich nur, dass die Karte gesperrt ist, während uns reihenweise Tools den Zugang verwehrten. Und in einem zweiten Fall landeten unsere E-Mails plötzlich bei allen Empfängern im Spam – ein Fehler beim Provider. Beides waren Kleinigkeiten mit großer Wirkung, die hoch eskaliert wurden. Nebenbei lernt man viel über Kundenservice und das Thema Friction (Reibung): Gute Unternehmen wie Amazon (müheloser Rücksendeprozess) oder Apple (Touch ID, Face ID) reduzieren Friction konsequent. Aber zurück zum Kern: Das Leben ist eine Problemkette. Es geht nicht darum, keine Probleme zu haben, sondern bessere – und besser mit ihnen umzugehen. Ben Horowitz spricht von „WFIO-Momenten“ – Momenten, in denen man denkt, alles sei verloren. Die zentrale Frage: Was kann man tun? Ich habe vier Learnings mitgebracht.
Erstens: Lerne, deine Gedanken zu trainieren, und meditiere. Ich habe 2019 damit begonnen, gerade weil die Gefühls-Achterbahn am Anfang einer neuen Rolle besonders ausgeprägt ist. Ich habe zur App Headspace gegriffen; es gibt viele andere und auch geführte Meditationen auf YouTube oder Spotify. Spannend finde ich, dass es nicht nur ums Meditieren geht, sondern darum, das Meditieren zu lernen. Viele stempeln das als Esoterik ab und verpassen eine große Chance – Meditation hat viele gesundheitliche Vorteile und steigert Produktivität und Erholung, gerade beim Umgang mit Sorgen und der Gefühls-Achterbahn. Zwei konkrete Techniken: Beim Body Scan richtest du deine Aufmerksamkeit gezielt von Kopf bis Fuß durch deinen Körper und nimmst nur wahr; du merkst, wie stark du deine Aufmerksamkeit lenken kannst. Sorgen bedeuten meist, dass man sich gedanklich mit Zukunftsszenarien beschäftigt – das lässt sich trainieren. Beim Mental Noting bemerkst du einen aufkommenden Gedanken, „taggst“ ihn als Gedanken und lenkst die Aufmerksamkeit zurück auf das, worauf du dich konzentrieren willst – etwa weg von der Arbeit, zurück ins Gespräch mit deinem Partner. Das kannst du in jeder Position und beim Spazieren anwenden. Seit 2019 ist das ein wertvolles Werkzeug in meinem Kasten. Ein weiteres ist Sport: Sport ist eine Form der Meditation, weil du die Aufmerksamkeit auf Bewegung richtest. Richard Branson sagt sinngemäß, der einzige Grund, warum er all das schafft, sei, dass er fit bleibt. In stressigen Phasen gehe ich daher „all in“ auf Meditation und Sport, um mich mental und körperlich wieder zu erden.
Zweitens: Involviere andere. Es gibt den Satz „Being a CEO is a lonely job“, und die Überschrift eines Artikels lautete: Je höher Manager kommen, desto einsamer werden sie. Teilweise stimmt das – mehr Verantwortung, folgenreichere Entscheidungen, mehr Druck, den man allein auf den Schultern spürt. Teilweise widerspreche ich aber klar: Meist ist die Einsamkeit ein Eigentor und eine Frage der Kultur. Wenn man als CEO einen einsamen Job hat, liegt das oft daran, dass man sein Team nicht involviert, weil man glaubt, keine Schwäche zeigen zu dürfen, oder Kontrolle nicht abgeben will. Ich bin ein großer Fan von Ray Dalios Unternehmensphilosophie: Radical Truth und Radical Transparency (im Buch Principles). Wir glauben, dass wir nur durch transparenten, offenen Umgang eine exponentielle Lernkurve haben und bestmögliche Entscheidungen treffen. Für mich heißt das: Ich enthalte dem Team keine wichtigen Informationen vor. Es geht nicht darum, alle mit Sorgen anzustecken, bei denen das Team ohnehin nicht helfen kann, sondern darum, bei Problemen, die man nicht allein lösen kann, das Team mitzunehmen und gemeinsam Prioritäten abzustimmen. Das setzt eine Haltung als Servant Leader und eine Ownership-Kultur voraus. Ein zweiter Gedanke ist, ein Netzwerk aus Gleichgesinnten aufzubauen. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, spricht von „Network Intelligence“: In deinem Netzwerk steckt viel Wissen, das dir hilft, Probleme zu lösen. Wer das nicht hat, muss alles mit sich allein ausmachen und wird mit höheren Rollen einsamer.
Drittens: Implementiere Systeme. James Clear sagt: „You do not rise to the level of your goals, you fall to the level of your systems.“ Das ist eines unserer wichtigsten Leitprinzipien. Du wirst nicht durch hartes Arbeiten zehnmal produktiver, sondern indem du deinen Hebel über Systeme vergrößerst. Je besser und umfangreicher deine Systeme sind – persönlich, im Team, im Unternehmen –, desto gelassener wirst du und desto weniger schlaflose Nächte hast du. Die Ursache vieler Probleme sind fehlende Systeme; auch die gesperrte Kreditkarte und die Spam-Mails waren Felder, in denen wir kein sauberes System hatten. Geh in die Ursache, baue ein System, und das Problem tritt nicht mehr auf. Ein wichtiges Werkzeug ist Mikroautomation: Früher habe ich jeden Monat 20 Minuten damit verbracht, Belege manuell hochzuladen, und dachte, das mache ich schnell selbst. Heute wird jeder Beleg automatisiert weitergeleitet und hochgeladen – mit Tools wie Zapier ist vieles automatisierbar. Diese Mikroautomationen summieren sich, befreien von administrativen Aufgaben und entlasten mental. Schlechte Tage sorgen dafür, dass du auf das Level deiner Systeme fällst – also lohnt es sich, jede noch so kleine Aufgabe zu automatisieren. Ich bin außerdem ein Fan des „Full-Stack-Leaders“: Dinge tiefgreifend zu verstehen, ein Big Picture der Prozesse zu haben und dann Systeme zu schaffen, damit Probleme in diesem Feld nie wieder auftauchen.
Der letzte Punkt ist weicher, aber wichtig: Resilienz. 2014 war ich ein stiller Ingenieur ohne klare Richtung, dreieinhalb Jahre später Betriebsleiter, nochmal drei Jahre später Geschäftsführer eines jungen, wachsenden Unternehmens. Drei einfache Ideen waren ausschlaggebend: Ich habe über 200 Sachbücher gelesen, mich zum Intrapreneur entwickelt und gezielt Glück provoziert und Unterstützer gefunden. Diese Ideen zu verstehen ist nicht schwer – schwer ist, über Jahre dranzubleiben. Nur Ingenieure mit genug Ausdauer setzen eine unaufhaltsame Entwicklung in Gang. Enthusiasmus ist weit verbreitet, Ausdauer ist selten – das nennt sich Grit, und der Marshmallow-Test zeigt, dass man Disziplin trainieren kann. Damit schließt sich der Kreis zum Anfang: Die wichtigste Fähigkeit ist, die eigene Psyche zu kontrollieren, und großartige CEOs sagen alle: „Ich habe nicht aufgegeben.“ Ich hoffe, da war einiges für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
