Die Kunst des Change: Wie du Menschen für Veränderungen gewinnst

Change Management ist keine Abteilung. Es betrifft jeden – vom Projektmitarbeiter über den Teamleiter bis zur Geschäftsführung. Wer Veränderungen vorantreiben will, kämpft fast immer gegen dasselbe: die Gewohnheiten und die Angst der Beteiligten.

In dieser Folge bekommst du zwei einfache Denkbilder, mit denen du Veränderung verstehst und steuerst – im Unternehmen und bei dir selbst: die vier Kräfte der Veränderung und die Elefant-und-Reiter-Analogie.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Change Management betrifft jeden – du brauchst keine disziplinarische Führungsposition, um Veränderung zu leiten.
  • Vier Kräfte entscheiden über Veränderung: Druck und Sog treiben an, Gewohnheiten und Angst halten zurück.
  • Gewohnheiten halten den Druck zurück, Angst hält den Sog zurück – beide sorgen für Stillstand.
  • Dein Gehirn arbeitet mit zwei Systemen: dem rationalen Reiter und dem emotionalen Elefanten. Bei Konflikt gewinnt immer der Elefant.
  • Veränderung gelingt über drei Hebel: den Reiter leiten, den Elefanten motivieren, den Weg gestalten.
  • Fortschritt ist der größte Motivator – schaffe Quick Wins, um die emotionale Seite mitzunehmen.

Change Management im Detail

Warum Anpassungsfähigkeit über Erfolg entscheidet

„Survival of the Fittest“ wird oft falsch verstanden. Es überlebt nicht der Stärkste, sondern das am besten angepasste Individuum. Der Mensch ist so präsent, weil er über Jahrtausende extrem anpassungsfähig war.

Dasselbe gilt für Unternehmen. Auch sie durchlaufen einen Lebenszyklus. Wer langfristig erfolgreich bleiben will, muss anpassungsfähig sein – deshalb sind Agilität und kontinuierliche Verbesserung (KVP) heute überall Thema. Unternehmen, die Veränderungsprozesse meistern und auf neue Umstände, Gegebenheiten und Wettbewerber reagieren, bestehen langfristig.

Genau hier liegt das Paradox. Veränderung ist überlebenswichtig – und gleichzeitig fällt sie uns schwer. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir sind die Summe unserer Gewohnheiten, und ein Unternehmen ist stark geprägt von den Gewohnheiten seiner Mitarbeiter. Ein neues ERP-System einzuführen ist deshalb selten ein technisches Projekt – es ist ein Kampf gegen eingespielte Gewohnheiten.

Die 4 Kräfte der Veränderung

Vier Kräfte bestimmen, ob ein Mensch aktiv wird oder nicht. Zwei treiben Veränderung an, zwei halten sie zurück.

Die antreibenden Kräfte:

  • Druck – der Schmerz der aktuellen Situation. Fühlt sich der Zustand unerträglich an, entsteht Motivation.
  • Sog – das Verlangen nach etwas Neuem. Ein attraktives Zielbild zieht dich nach vorn.

Die bremsenden Kräfte:

  • Gewohnheiten – sie halten den Druck zurück. Du kannst großen Schmerz empfinden (etwa Stagnation im Job) und trotzdem nichts ändern, weil Gewohnheiten bequem sind.
  • Angst – sie hält den Sog zurück. Der Gedanke, Führungskraft oder Geschäftsführer zu werden, erzeugt Sog und Angst zugleich. Sätze wie „Ich will erst mehr Erfahrung sammeln“ oder „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“ sind oft Angst in Verkleidung.

Wenn ein Change-Projekt stockt, liegt es fast immer an einer dieser vier Kräfte: Der Sog ist unklar (kein attraktives Bild), es fehlt der Schmerz (alles läuft scheinbar gut, oder man hat sich an schlechte Systeme gewöhnt), oder die Angst blockiert. Mache dir die vier Kräfte bei jedem einzelnen Beteiligten bewusst – und arbeite gezielt an der Kraft, die gerade fehlt.

Die Elefant-und-Reiter-Analogie

Unser Gehirn hat zwei dauerhaft aktive Systeme: ein rationales und ein emotionales. Der Psychologe Jonathan Haidt hat dafür ein starkes Bild geprägt, das die Brüder Chip und Dan Heath in ihrem Buch „Switch“ auf Veränderung übertragen haben.

  • Der Reiter ist das rationale Denken: er plant, analysiert, gibt die Richtung vor und definiert Ziele. Seine Schwäche: Überdenken, Grübeln, Lähmung.
  • Der Elefant ist die emotionale Seite: er liefert die Kraft, den Weg zu gehen, sehnt sich aber nach kurzfristiger Belohnung.

Der Reiter sitzt oben und scheint zu bestimmen. Doch wenn Reiter und Elefant uneins sind, gewinnt immer der Elefant. Du kannst deinem Team die Richtung messerscharf und logisch vorgeben – wenn du die emotionale Seite nicht adressierst, bewegt sich nichts. Genau daher kommt der Frust: „Es liegt doch alles auf der Hand. Warum ändert keiner etwas?“ Weil Veränderung vom Elefanten getrieben wird.

Die 3 Hebel, um Menschen für Veränderung zu gewinnen

Aus „Switch“ lassen sich drei Schritte ableiten – für dich selbst und für jedes Team:

  1. Den Reiter leiten. Gib eine klare Richtung vor und reduziere die mentale Lähmung des Überdenkens.
  2. Den Elefanten motivieren. Der wichtigste und meist unterschätzte Punkt – gerade für uns rational geprägte Ingenieure. Erzeuge ein Gefühl von Fortschritt. Fortschritt ist der größte Motivator, also schaffe Quick Wins.
  3. Den Weg gestalten. Verändere das Umfeld, statt nur an Menschen zu appellieren. In einem Experiment aus „Switch“ bekamen Kinobesucher ungenießbares Popcorn in unterschiedlich großen Behältern. Niemand sprach mit ihnen, niemand motivierte sie – allein der größere Behälter sorgte dafür, dass mehr gegessen wurde. Das Umfeld formt das Verhalten.

Diese Frameworks meistern das Thema nicht im Alleingang – Change bleibt eine hohe Kunst. Aber sie geben dir Klarheit darüber, in welchem Umfeld du dich bewegst, und verhindern, dass du im Dunkeln tappst.

Mehr zu verwandten Themen findest du in diesen Folgen: Führung mit System, Die 8 Elemente einer erfolgreichen Unternehmenskultur und Eliminieren statt Optimieren.

Häufige Fragen

Was ist Change Management? Change Management ist die Fähigkeit, Veränderungen in Unternehmen erfolgreich zu gestalten und Menschen dafür zu gewinnen. Es ist keine eigene Abteilung, sondern eine Kompetenz, die jeden betrifft – vom Projektmitarbeiter bis zur Geschäftsführung.

Warum sind Veränderungen so schwer durchzusetzen? Weil zwei Kräfte sie bremsen: Gewohnheiten und Angst. Gewohnheiten halten den Druck zurück, Angst hält den Sog vor dem Neuen zurück. Solange diese beiden Kräfte stärker sind als Druck und Sog, bleibt alles beim Alten.

Was ist die Elefant-und-Reiter-Analogie? Sie beschreibt unsere zwei Denksysteme: Der Reiter steht für das rationale Denken (Richtung, Analyse), der Elefant für die Emotion (Kraft, Tempo). Bei einem Konflikt gewinnt der Elefant. Wer Veränderung will, muss beide ansprechen – nicht nur den rationalen Reiter.

Wie gewinne ich Mitarbeiter für Veränderungen? Über drei Hebel: den Reiter leiten (klare Richtung), den Elefanten motivieren (Fortschritt und Quick Wins erzeugen) und den Weg gestalten (das Umfeld so verändern, dass das neue Verhalten leichter fällt).

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Die Mäusestrategie für Manager – Spencer Johnson (kurze Pflichtlektüre zum Umgang mit Veränderung)
  • Die 1%-Methode / Atomic Habits – James Clear (Grundlagenbuch zum Thema Gewohnheiten)
  • Switch – Chip & Dan Heath (das Buch zur Elefant-und-Reiter-Analogie und den drei Hebeln)
  • Die Glückshypothese – Jonathan Haidt (Ursprung der Elefant-und-Reiter-Analogie)

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 110: Die Kunst des Change – wie du Menschen für Veränderungen gewinnst. Das Thema ist ein echtes Schwergewicht. Ausgangspunkt war eine Frage aus einem Workshop in unserem Mentoring: „Ein Thema, das mich aktuell beschäftigt, ist Change Management. Mich würden deine Sichtweisen, Erfahrungen und persönlichen Lessons Learned interessieren.“ Genau darum geht es.

Ich greife mir das Thema Change Management heraus: Veränderungen in Unternehmen vorantreiben, Unternehmensentwicklung als Ganzes gestalten. Wie du andere Menschen für Veränderungen gewinnen und sogar begeistern kannst – in Teams, bei Mitarbeitern oder wenn du Projekte vorantreibst. Und wie du Fortschritt, Innovationen und Verbesserungen voranbringst. Wichtig: Es geht nicht nur um den Unternehmenskontext, sondern auch um deine persönliche Veränderung. Wie kannst du dich selbst verändern, persönlich wachsen, dich entwickeln? Vieles dreht sich auch um die Frage, warum es so schwer ist, eigene Ziele und Vorsätze zu erreichen – und wie es leichter fällt.

Starten wir mit dem Kontext. Das Ganze ist ein Paradox. Auf der einen Seite die Evolutionstheorie von Charles Darwin: „Survival of the Fittest“ bedeutet nicht, dass der Stärkste überlebt, sondern das am besten angepasste Individuum. Der Mensch ist heute so präsent, weil er in der Vergangenheit sehr anpassungsfähig war. Dasselbe gilt für Unternehmen: Auch sie durchlaufen einen Lebenszyklus. Ein Unternehmen, das langfristig erfolgreich sein will, muss anpassungsfähig sein. Deshalb ist Agilität ein so großer Trendbegriff, und deshalb ist Change Management so wichtig. Unternehmen, die Veränderungsprozesse meistern und sich an neue Umstände und neue Wettbewerber anpassen, bestehen langfristig.

Auf der anderen Seite: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir sind die Summe unserer Gewohnheiten, und ein Unternehmen ist stark geprägt von den Gewohnheiten seiner Mitarbeiter. Nimm das Beispiel eines ERP-Systems – in vielen mittelständischen Unternehmen ein großes Projekt. Das ist in der Regel, wie bei allen Change-Prozessen, ein Kampf gegen die Gewohnheiten aller Mitarbeiter. Alle sind eingespielt, und Gewohnheiten zu verändern ist unglaublich anstrengend.

Wir haben also auf der einen Seite: Change Management ist erfolgsentscheidend, um anpassungsfähig zu bleiben und langfristig Bestand zu haben. Dazu gehört, Change-Prozesse erfolgreich zu meistern und sich laufend zu verbessern – Begriffe wie KVP, der kontinuierliche Verbesserungsprozess, gehören dazu. Auf der anderen Seite die große Herausforderung: Menschen sind die Summe ihrer Gewohnheiten, und auch die Kultur eines Unternehmens ist stark von den Gewohnheiten jedes Einzelnen geprägt.

Zwei Bücher an dieser Stelle. Zum Thema Veränderung ist „Die Mäusestrategie für Manager“ eine Pflichtlektüre – knapp hundert Seiten, in zwei Tagen gelesen. Und zum Thema Gewohnheiten „Atomic Habits“ von James Clear, im Deutschen „Die 1%-Methode“ – das weltweit meistverkaufte Sachbuch des Jahres 2021. Wenn es ein Buch gibt, mit dem man starten sollte, dann dieses.

Ganz wichtig: Change Management ist keine Abteilung. Es betrifft jeden. Jeder freut sich über Veränderungen, wenn am Ende tolle Ergebnisse herauskommen. Aber den Prozess der Veränderung zu durchlaufen, ist für die meisten unangenehm. Und Veränderungen aktiv zu leiten – dafür gibt es nur wenige Vorreiter. Das hat mit Proaktivität zu tun, einem zentralen Faktor in diesem Podcast. Du brauchst keine disziplinarische Führungsposition, um Veränderung zu leiten. Das geht als Projektmitarbeiter, als Projektleiter, und natürlich als Teamleiter, Abteilungsleiter oder Geschäftsführer – denn Veränderungsprozesse und Unternehmensentwicklung voranzutreiben ist eine ihrer Kernaufgaben.

Ich möchte dir zwei Denkbilder mitgeben. Das erste: die vier Kräfte, die Veränderung und Fortschritt beeinflussen. Zwei Kräfte bringen dich zu Veränderung, zwei halten dich davon ab. Die erste antreibende Kraft ist der Druck – der Schmerz der aktuellen Situation. Fühlt sie sich unerträglich an, löst das Motivation aus. Die zweite ist der Sog – das Verlangen nach etwas Neuem, einer attraktiven Situation. Druck und Sog drücken und ziehen dich zur Veränderung.

Es gibt zwei Kräfte, die dich davon abhalten. Die erste sind die Gewohnheiten deiner Gegenwart. Die zweite ist die Angst vor dem Neuen. Neue Dinge können reizvoll sein, aber auch Angst auslösen. Das sind die vier Kräfte.

Sei dir bewusst: Deine Gewohnheiten halten immer den Druck zurück. Du kannst großen Schmerz empfinden – zum Beispiel das Gefühl, im Job zu stagnieren –, aber deine Gewohnheiten sorgen dafür, dass du dich nicht bewegst. Auch wenn du dem Schmerz entkommen willst, erfordert das Arbeit: etwas Neues lernen, Dinge anders sehen, dich verändern. Genauso hält die Angst den Sog zurück. Der Gedanke, Führungskraft oder irgendwann Geschäftsführer zu werden, kann Begeisterung auslösen – also Sog erzeugen –, aber auch beängstigend sein. Ich erlebe das immer wieder im Gespräch mit ambitionierten Ingenieurinnen und Ingenieuren: „Führungskraft werden reizt mich“ – und im nächsten Satz: „Ich will erst mehr Erfahrung sammeln, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ Wenn diese Sätze fallen, ist meist Angst im Spiel. Eine Entscheidung für Unsicherheit zu treffen ist immer schwer.

Reflektiere dich selbst: Ist es vielleicht ein Akt aus Angst, der dazu führt, dass du stagnierst und keinen Fortschritt machst? Und wenn du Veränderungsprozesse leitest, solltest du diese vier Kräfte bei jedem einzelnen Mitarbeiter im Blick haben. Wenn du einen neuen Prozess, eine neue Methodik, neue Systeme oder neue Ziele einführen willst, führe dir die vier Kräfte vor Augen und arbeite an jeder einzeln. Wenn ein Change-Projekt stockt, liegt es an einer dieser Kräfte: Der Sog ist unklar, das attraktive Bild fehlt; der Schmerz ist nicht spürbar, weil alles gut läuft oder man sich an schlechte Systeme gewöhnt hat; oder die Angst blockiert.

Das zweite Bild kommt aus der Psychologie. Unser Gehirn hat zwei dauerhaft aktive Systeme: ein rationales und ein emotionales. Der Psychologe Jonathan Haidt hat dafür eine schöne Analogie geprägt – die Elefant-und-Reiter-Analogie. Das rationale System ist der Reiter: Er plant, löst Probleme, ist analytisch, gibt die Richtung vor und definiert Ziele. Seine Schwäche ist das Überdenken, das Grübeln. Das emotionale System ist der Elefant: Er gibt die Power, um den Weg zu gehen, sehnt sich aber nach kurzfristiger Belohnung. Der Elefant gibt am Ende das Tempo vor.

Stell es dir bildlich vor: Der Reiter kann oben sitzen und sagen „Los geht’s“. Wenn der Elefant sich nicht bewegt, tut sich nichts. Der Reiter kann absteigen und schieben – nichts bewegt sich. Es sieht so aus, als hätte der Reiter das Sagen. Aber bei Meinungsverschiedenheiten gewinnt immer der Elefant. Wenn du deinem Team also messerscharf und logisch die Richtung vorgibst, aber die emotionale Seite vergisst, wird sich nichts tun. Dann kommst du in die Falle: „Es ist doch alles logisch, es liegt auf der Hand – warum ändert keiner was?“ Weil der Elefant Veränderung vorantreibt.

Eine dringende Buchempfehlung dazu: „Switch“ von Chip und Dan Heath. Die beiden Brüder haben Haidts Analogie aufgegriffen und ihr ganzes Buch darauf aufgebaut. Daraus lassen sich drei Dinge ableiten, wenn du Menschen – und dich selbst – für Veränderung gewinnen willst. Erstens: den Reiter leiten. Gib eine klare Richtung vor und reduziere die mentale Lähmung des Überdenkens. Zweitens: den Elefanten motivieren. Das ist einer der wichtigsten und meist unterschätzten Punkte. Wir Ingenieure sind sehr rational geprägt und vergessen beim Leiten von Veränderung oft die emotionale Seite. Erzeuge ein Gefühl von Fortschritt – Fortschritt ist der größte Motivator. Schaffe Quick Wins und hole die emotionale Seite deiner Mitarbeiter ab.

Der dritte Aspekt: Gestalte den Weg und das Umfeld. Ein Beispiel aus „Switch“: In einem Experiment bekamen Kinobesucher kostenlos Popcorn, das bewusst ungenießbar war – und das in unterschiedlich großen Behältern. Keine Gruppe schaffte es aufzuessen. Aber: Je größer der Behälter, desto mehr wurde gegessen. Man hat weder den Reiter angesprochen noch den Elefanten motiviert – man hat nur den Weg gestaltet, die Behältergröße verändert, und damit das Verhalten beeinflusst. Genauso sorgt ein kleinerer Teller dafür, dass man weniger isst. Das Umfeld formt das Verhalten.

Fassen wir zusammen. Erstens der Kontext: Warum ist Change Management wichtig? „Survival of the Fittest“ gilt nicht nur für Lebewesen, sondern auch für Unternehmen. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss anpassungsfähig sein. Zweitens die vier Kräfte: Druck und Sog treiben an, Gewohnheiten und Angst halten zurück. Führe dir diese Kräfte stets vor Augen und justiere nach. Drittens die Elefant-und-Reiter-Analogie: Leite den Reiter (klare Richtung), motiviere den Elefanten (Fortschritt und Quick Wins) und gestalte den Weg (das Umfeld).

Das Thema zu meistern bleibt eine große Kunst, und mit diesen Impulsen allein ist es nicht getan. Aber es sind starke Frameworks, mit denen du verstehst, in welchem Umfeld du dich bewegst, statt im Dunkeln zu tappen. Ich hoffe, du konntest einiges für deinen nächsten Veränderungsprozess mitnehmen – für dich selbst oder im Unternehmen.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Die Kunst des Change: Wie du Menschen für Veränderungen gewinnst

Change Management ist keine Abteilung. Es betrifft jeden – vom Projektmitarbeiter über den Teamleiter bis zur Geschäftsführung. Wer Veränderungen vorantreiben will, kämpft fast immer gegen dasselbe: die Gewohnheiten und die Angst der Beteiligten.

In dieser Folge bekommst du zwei einfache Denkbilder, mit denen du Veränderung verstehst und steuerst – im Unternehmen und bei dir selbst: die vier Kräfte der Veränderung und die Elefant-und-Reiter-Analogie.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Change Management betrifft jeden – du brauchst keine disziplinarische Führungsposition, um Veränderung zu leiten.
  • Vier Kräfte entscheiden über Veränderung: Druck und Sog treiben an, Gewohnheiten und Angst halten zurück.
  • Gewohnheiten halten den Druck zurück, Angst hält den Sog zurück – beide sorgen für Stillstand.
  • Dein Gehirn arbeitet mit zwei Systemen: dem rationalen Reiter und dem emotionalen Elefanten. Bei Konflikt gewinnt immer der Elefant.
  • Veränderung gelingt über drei Hebel: den Reiter leiten, den Elefanten motivieren, den Weg gestalten.
  • Fortschritt ist der größte Motivator – schaffe Quick Wins, um die emotionale Seite mitzunehmen.

Change Management im Detail

Warum Anpassungsfähigkeit über Erfolg entscheidet

„Survival of the Fittest“ wird oft falsch verstanden. Es überlebt nicht der Stärkste, sondern das am besten angepasste Individuum. Der Mensch ist so präsent, weil er über Jahrtausende extrem anpassungsfähig war.

Dasselbe gilt für Unternehmen. Auch sie durchlaufen einen Lebenszyklus. Wer langfristig erfolgreich bleiben will, muss anpassungsfähig sein – deshalb sind Agilität und kontinuierliche Verbesserung (KVP) heute überall Thema. Unternehmen, die Veränderungsprozesse meistern und auf neue Umstände, Gegebenheiten und Wettbewerber reagieren, bestehen langfristig.

Genau hier liegt das Paradox. Veränderung ist überlebenswichtig – und gleichzeitig fällt sie uns schwer. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir sind die Summe unserer Gewohnheiten, und ein Unternehmen ist stark geprägt von den Gewohnheiten seiner Mitarbeiter. Ein neues ERP-System einzuführen ist deshalb selten ein technisches Projekt – es ist ein Kampf gegen eingespielte Gewohnheiten.

Die 4 Kräfte der Veränderung

Vier Kräfte bestimmen, ob ein Mensch aktiv wird oder nicht. Zwei treiben Veränderung an, zwei halten sie zurück.

Die antreibenden Kräfte:

  • Druck – der Schmerz der aktuellen Situation. Fühlt sich der Zustand unerträglich an, entsteht Motivation.
  • Sog – das Verlangen nach etwas Neuem. Ein attraktives Zielbild zieht dich nach vorn.

Die bremsenden Kräfte:

  • Gewohnheiten – sie halten den Druck zurück. Du kannst großen Schmerz empfinden (etwa Stagnation im Job) und trotzdem nichts ändern, weil Gewohnheiten bequem sind.
  • Angst – sie hält den Sog zurück. Der Gedanke, Führungskraft oder Geschäftsführer zu werden, erzeugt Sog und Angst zugleich. Sätze wie „Ich will erst mehr Erfahrung sammeln“ oder „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“ sind oft Angst in Verkleidung.

Wenn ein Change-Projekt stockt, liegt es fast immer an einer dieser vier Kräfte: Der Sog ist unklar (kein attraktives Bild), es fehlt der Schmerz (alles läuft scheinbar gut, oder man hat sich an schlechte Systeme gewöhnt), oder die Angst blockiert. Mache dir die vier Kräfte bei jedem einzelnen Beteiligten bewusst – und arbeite gezielt an der Kraft, die gerade fehlt.

Die Elefant-und-Reiter-Analogie

Unser Gehirn hat zwei dauerhaft aktive Systeme: ein rationales und ein emotionales. Der Psychologe Jonathan Haidt hat dafür ein starkes Bild geprägt, das die Brüder Chip und Dan Heath in ihrem Buch „Switch“ auf Veränderung übertragen haben.

  • Der Reiter ist das rationale Denken: er plant, analysiert, gibt die Richtung vor und definiert Ziele. Seine Schwäche: Überdenken, Grübeln, Lähmung.
  • Der Elefant ist die emotionale Seite: er liefert die Kraft, den Weg zu gehen, sehnt sich aber nach kurzfristiger Belohnung.

Der Reiter sitzt oben und scheint zu bestimmen. Doch wenn Reiter und Elefant uneins sind, gewinnt immer der Elefant. Du kannst deinem Team die Richtung messerscharf und logisch vorgeben – wenn du die emotionale Seite nicht adressierst, bewegt sich nichts. Genau daher kommt der Frust: „Es liegt doch alles auf der Hand. Warum ändert keiner etwas?“ Weil Veränderung vom Elefanten getrieben wird.

Die 3 Hebel, um Menschen für Veränderung zu gewinnen

Aus „Switch“ lassen sich drei Schritte ableiten – für dich selbst und für jedes Team:

  1. Den Reiter leiten. Gib eine klare Richtung vor und reduziere die mentale Lähmung des Überdenkens.
  2. Den Elefanten motivieren. Der wichtigste und meist unterschätzte Punkt – gerade für uns rational geprägte Ingenieure. Erzeuge ein Gefühl von Fortschritt. Fortschritt ist der größte Motivator, also schaffe Quick Wins.
  3. Den Weg gestalten. Verändere das Umfeld, statt nur an Menschen zu appellieren. In einem Experiment aus „Switch“ bekamen Kinobesucher ungenießbares Popcorn in unterschiedlich großen Behältern. Niemand sprach mit ihnen, niemand motivierte sie – allein der größere Behälter sorgte dafür, dass mehr gegessen wurde. Das Umfeld formt das Verhalten.

Diese Frameworks meistern das Thema nicht im Alleingang – Change bleibt eine hohe Kunst. Aber sie geben dir Klarheit darüber, in welchem Umfeld du dich bewegst, und verhindern, dass du im Dunkeln tappst.

Mehr zu verwandten Themen findest du in diesen Folgen: Führung mit System, Die 8 Elemente einer erfolgreichen Unternehmenskultur und Eliminieren statt Optimieren.

Häufige Fragen

Was ist Change Management? Change Management ist die Fähigkeit, Veränderungen in Unternehmen erfolgreich zu gestalten und Menschen dafür zu gewinnen. Es ist keine eigene Abteilung, sondern eine Kompetenz, die jeden betrifft – vom Projektmitarbeiter bis zur Geschäftsführung.

Warum sind Veränderungen so schwer durchzusetzen? Weil zwei Kräfte sie bremsen: Gewohnheiten und Angst. Gewohnheiten halten den Druck zurück, Angst hält den Sog vor dem Neuen zurück. Solange diese beiden Kräfte stärker sind als Druck und Sog, bleibt alles beim Alten.

Was ist die Elefant-und-Reiter-Analogie? Sie beschreibt unsere zwei Denksysteme: Der Reiter steht für das rationale Denken (Richtung, Analyse), der Elefant für die Emotion (Kraft, Tempo). Bei einem Konflikt gewinnt der Elefant. Wer Veränderung will, muss beide ansprechen – nicht nur den rationalen Reiter.

Wie gewinne ich Mitarbeiter für Veränderungen? Über drei Hebel: den Reiter leiten (klare Richtung), den Elefanten motivieren (Fortschritt und Quick Wins erzeugen) und den Weg gestalten (das Umfeld so verändern, dass das neue Verhalten leichter fällt).

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Die Mäusestrategie für Manager – Spencer Johnson (kurze Pflichtlektüre zum Umgang mit Veränderung)
  • Die 1%-Methode / Atomic Habits – James Clear (Grundlagenbuch zum Thema Gewohnheiten)
  • Switch – Chip & Dan Heath (das Buch zur Elefant-und-Reiter-Analogie und den drei Hebeln)
  • Die Glückshypothese – Jonathan Haidt (Ursprung der Elefant-und-Reiter-Analogie)

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 110: Die Kunst des Change – wie du Menschen für Veränderungen gewinnst. Das Thema ist ein echtes Schwergewicht. Ausgangspunkt war eine Frage aus einem Workshop in unserem Mentoring: „Ein Thema, das mich aktuell beschäftigt, ist Change Management. Mich würden deine Sichtweisen, Erfahrungen und persönlichen Lessons Learned interessieren.“ Genau darum geht es.

Ich greife mir das Thema Change Management heraus: Veränderungen in Unternehmen vorantreiben, Unternehmensentwicklung als Ganzes gestalten. Wie du andere Menschen für Veränderungen gewinnen und sogar begeistern kannst – in Teams, bei Mitarbeitern oder wenn du Projekte vorantreibst. Und wie du Fortschritt, Innovationen und Verbesserungen voranbringst. Wichtig: Es geht nicht nur um den Unternehmenskontext, sondern auch um deine persönliche Veränderung. Wie kannst du dich selbst verändern, persönlich wachsen, dich entwickeln? Vieles dreht sich auch um die Frage, warum es so schwer ist, eigene Ziele und Vorsätze zu erreichen – und wie es leichter fällt.

Starten wir mit dem Kontext. Das Ganze ist ein Paradox. Auf der einen Seite die Evolutionstheorie von Charles Darwin: „Survival of the Fittest“ bedeutet nicht, dass der Stärkste überlebt, sondern das am besten angepasste Individuum. Der Mensch ist heute so präsent, weil er in der Vergangenheit sehr anpassungsfähig war. Dasselbe gilt für Unternehmen: Auch sie durchlaufen einen Lebenszyklus. Ein Unternehmen, das langfristig erfolgreich sein will, muss anpassungsfähig sein. Deshalb ist Agilität ein so großer Trendbegriff, und deshalb ist Change Management so wichtig. Unternehmen, die Veränderungsprozesse meistern und sich an neue Umstände und neue Wettbewerber anpassen, bestehen langfristig.

Auf der anderen Seite: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir sind die Summe unserer Gewohnheiten, und ein Unternehmen ist stark geprägt von den Gewohnheiten seiner Mitarbeiter. Nimm das Beispiel eines ERP-Systems – in vielen mittelständischen Unternehmen ein großes Projekt. Das ist in der Regel, wie bei allen Change-Prozessen, ein Kampf gegen die Gewohnheiten aller Mitarbeiter. Alle sind eingespielt, und Gewohnheiten zu verändern ist unglaublich anstrengend.

Wir haben also auf der einen Seite: Change Management ist erfolgsentscheidend, um anpassungsfähig zu bleiben und langfristig Bestand zu haben. Dazu gehört, Change-Prozesse erfolgreich zu meistern und sich laufend zu verbessern – Begriffe wie KVP, der kontinuierliche Verbesserungsprozess, gehören dazu. Auf der anderen Seite die große Herausforderung: Menschen sind die Summe ihrer Gewohnheiten, und auch die Kultur eines Unternehmens ist stark von den Gewohnheiten jedes Einzelnen geprägt.

Zwei Bücher an dieser Stelle. Zum Thema Veränderung ist „Die Mäusestrategie für Manager“ eine Pflichtlektüre – knapp hundert Seiten, in zwei Tagen gelesen. Und zum Thema Gewohnheiten „Atomic Habits“ von James Clear, im Deutschen „Die 1%-Methode“ – das weltweit meistverkaufte Sachbuch des Jahres 2021. Wenn es ein Buch gibt, mit dem man starten sollte, dann dieses.

Ganz wichtig: Change Management ist keine Abteilung. Es betrifft jeden. Jeder freut sich über Veränderungen, wenn am Ende tolle Ergebnisse herauskommen. Aber den Prozess der Veränderung zu durchlaufen, ist für die meisten unangenehm. Und Veränderungen aktiv zu leiten – dafür gibt es nur wenige Vorreiter. Das hat mit Proaktivität zu tun, einem zentralen Faktor in diesem Podcast. Du brauchst keine disziplinarische Führungsposition, um Veränderung zu leiten. Das geht als Projektmitarbeiter, als Projektleiter, und natürlich als Teamleiter, Abteilungsleiter oder Geschäftsführer – denn Veränderungsprozesse und Unternehmensentwicklung voranzutreiben ist eine ihrer Kernaufgaben.

Ich möchte dir zwei Denkbilder mitgeben. Das erste: die vier Kräfte, die Veränderung und Fortschritt beeinflussen. Zwei Kräfte bringen dich zu Veränderung, zwei halten dich davon ab. Die erste antreibende Kraft ist der Druck – der Schmerz der aktuellen Situation. Fühlt sie sich unerträglich an, löst das Motivation aus. Die zweite ist der Sog – das Verlangen nach etwas Neuem, einer attraktiven Situation. Druck und Sog drücken und ziehen dich zur Veränderung.

Es gibt zwei Kräfte, die dich davon abhalten. Die erste sind die Gewohnheiten deiner Gegenwart. Die zweite ist die Angst vor dem Neuen. Neue Dinge können reizvoll sein, aber auch Angst auslösen. Das sind die vier Kräfte.

Sei dir bewusst: Deine Gewohnheiten halten immer den Druck zurück. Du kannst großen Schmerz empfinden – zum Beispiel das Gefühl, im Job zu stagnieren –, aber deine Gewohnheiten sorgen dafür, dass du dich nicht bewegst. Auch wenn du dem Schmerz entkommen willst, erfordert das Arbeit: etwas Neues lernen, Dinge anders sehen, dich verändern. Genauso hält die Angst den Sog zurück. Der Gedanke, Führungskraft oder irgendwann Geschäftsführer zu werden, kann Begeisterung auslösen – also Sog erzeugen –, aber auch beängstigend sein. Ich erlebe das immer wieder im Gespräch mit ambitionierten Ingenieurinnen und Ingenieuren: „Führungskraft werden reizt mich“ – und im nächsten Satz: „Ich will erst mehr Erfahrung sammeln, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ Wenn diese Sätze fallen, ist meist Angst im Spiel. Eine Entscheidung für Unsicherheit zu treffen ist immer schwer.

Reflektiere dich selbst: Ist es vielleicht ein Akt aus Angst, der dazu führt, dass du stagnierst und keinen Fortschritt machst? Und wenn du Veränderungsprozesse leitest, solltest du diese vier Kräfte bei jedem einzelnen Mitarbeiter im Blick haben. Wenn du einen neuen Prozess, eine neue Methodik, neue Systeme oder neue Ziele einführen willst, führe dir die vier Kräfte vor Augen und arbeite an jeder einzeln. Wenn ein Change-Projekt stockt, liegt es an einer dieser Kräfte: Der Sog ist unklar, das attraktive Bild fehlt; der Schmerz ist nicht spürbar, weil alles gut läuft oder man sich an schlechte Systeme gewöhnt hat; oder die Angst blockiert.

Das zweite Bild kommt aus der Psychologie. Unser Gehirn hat zwei dauerhaft aktive Systeme: ein rationales und ein emotionales. Der Psychologe Jonathan Haidt hat dafür eine schöne Analogie geprägt – die Elefant-und-Reiter-Analogie. Das rationale System ist der Reiter: Er plant, löst Probleme, ist analytisch, gibt die Richtung vor und definiert Ziele. Seine Schwäche ist das Überdenken, das Grübeln. Das emotionale System ist der Elefant: Er gibt die Power, um den Weg zu gehen, sehnt sich aber nach kurzfristiger Belohnung. Der Elefant gibt am Ende das Tempo vor.

Stell es dir bildlich vor: Der Reiter kann oben sitzen und sagen „Los geht’s“. Wenn der Elefant sich nicht bewegt, tut sich nichts. Der Reiter kann absteigen und schieben – nichts bewegt sich. Es sieht so aus, als hätte der Reiter das Sagen. Aber bei Meinungsverschiedenheiten gewinnt immer der Elefant. Wenn du deinem Team also messerscharf und logisch die Richtung vorgibst, aber die emotionale Seite vergisst, wird sich nichts tun. Dann kommst du in die Falle: „Es ist doch alles logisch, es liegt auf der Hand – warum ändert keiner was?“ Weil der Elefant Veränderung vorantreibt.

Eine dringende Buchempfehlung dazu: „Switch“ von Chip und Dan Heath. Die beiden Brüder haben Haidts Analogie aufgegriffen und ihr ganzes Buch darauf aufgebaut. Daraus lassen sich drei Dinge ableiten, wenn du Menschen – und dich selbst – für Veränderung gewinnen willst. Erstens: den Reiter leiten. Gib eine klare Richtung vor und reduziere die mentale Lähmung des Überdenkens. Zweitens: den Elefanten motivieren. Das ist einer der wichtigsten und meist unterschätzten Punkte. Wir Ingenieure sind sehr rational geprägt und vergessen beim Leiten von Veränderung oft die emotionale Seite. Erzeuge ein Gefühl von Fortschritt – Fortschritt ist der größte Motivator. Schaffe Quick Wins und hole die emotionale Seite deiner Mitarbeiter ab.

Der dritte Aspekt: Gestalte den Weg und das Umfeld. Ein Beispiel aus „Switch“: In einem Experiment bekamen Kinobesucher kostenlos Popcorn, das bewusst ungenießbar war – und das in unterschiedlich großen Behältern. Keine Gruppe schaffte es aufzuessen. Aber: Je größer der Behälter, desto mehr wurde gegessen. Man hat weder den Reiter angesprochen noch den Elefanten motiviert – man hat nur den Weg gestaltet, die Behältergröße verändert, und damit das Verhalten beeinflusst. Genauso sorgt ein kleinerer Teller dafür, dass man weniger isst. Das Umfeld formt das Verhalten.

Fassen wir zusammen. Erstens der Kontext: Warum ist Change Management wichtig? „Survival of the Fittest“ gilt nicht nur für Lebewesen, sondern auch für Unternehmen. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss anpassungsfähig sein. Zweitens die vier Kräfte: Druck und Sog treiben an, Gewohnheiten und Angst halten zurück. Führe dir diese Kräfte stets vor Augen und justiere nach. Drittens die Elefant-und-Reiter-Analogie: Leite den Reiter (klare Richtung), motiviere den Elefanten (Fortschritt und Quick Wins) und gestalte den Weg (das Umfeld).

Das Thema zu meistern bleibt eine große Kunst, und mit diesen Impulsen allein ist es nicht getan. Aber es sind starke Frameworks, mit denen du verstehst, in welchem Umfeld du dich bewegst, statt im Dunkeln zu tappen. Ich hoffe, du konntest einiges für deinen nächsten Veränderungsprozess mitnehmen – für dich selbst oder im Unternehmen.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Als Nächstes hören