Glück im Beruf wirkt oft wie Zufall. Die eine Nachricht zur richtigen Zeit. Die Chance, die aus dem Nichts auftaucht.
Aber Glück ist kein Zufall. Es wächst mit deiner Sichtbarkeit. In dieser Folge zeige ich dir fünf Wege, wie du deine Sichtbarkeit gezielt steigerst und dir so mehr glückliche Zufälle erarbeitest.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Sei am richtigen Ort. Du kannst so hart rudern, wie du willst. Wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt: wie viel Wachstumspotenzial in deiner Rolle, deinem Unternehmen und deiner Branche steckt.
- Führe viele Gespräche. Ein kurzer Zweizeiler reicht, um einen lockeren Austausch zu starten. Wer regelmäßig Gespräche führt, provoziert häufiger glückliche Zufälle.
- Zeig dich. Ein Beitrag im Meeting, ein Statusreport, eine E-Mail: Sichtbarkeit baut Vertrauen auf, und Vertrauen ist die einzige echte Abkürzung im Berufsleben.
- Sag klar, was du willst. Wenn dein Umfeld deine Ambitionen nicht kennt, überlässt du deine Positionierung dem Zufall. Andere können deine Gedanken nicht lesen.
- Sei optimistisch und positiv. Niemand folgt gern einem Pessimisten. Hohe Energie und Neugier ziehen Menschen und Chancen an.
Die 5 Wege zu mehr Sichtbarkeit im Detail
- Sei am richtigen Ort. In „No Zero Days“ spreche ich von der Wachstumsformel: Du kannst so hart rudern, wie du willst, viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt. Egal wie proaktiv du bist, entscheidend ist, wie viel Wachstumspotenzial in deiner Rolle, deinem Unternehmen und deiner Branche steckt. Eine schöne Faustregel: Frag dich, wer die Gründerväter deines Industriezweigs sind. Je weiter deren Anfänge in der Vergangenheit liegen, desto weniger Wachstum ist meist übrig. An Wachstumsorten ergeben sich Chancen aus dem Nichts. Schau nach links und rechts in deinem Unternehmen: Bist du an der Wertschöpfung tätig oder eher im Overhead? Bist du dort, wo wirklich etwas bewegt wird?
- Führe viele Gespräche. Für viele Ingenieure ist es eine große Hürde, auf neue Menschen zuzugehen. Ich bin selbst introvertiert und kann ein Lied davon singen. Aber es ist eine Fähigkeit, die man lernt. Auch Smalltalk kannst du systematisieren: Es ist im Kern immer dasselbe Muster. Mach dir eine Liste mit Identifikationsmerkmalen von Personen, die du spannend findest, etwa eine bestimmte Rolle oder eine Branche. Dann schreib einen lockeren Zweizeiler: „Ich bin auf dein Profil gestoßen, hättest du Lust auf einen kurzen Austausch?“ Sechzig bis achtzig Prozent sagen ja. Nimm dir zwei, drei Fragen vor, führe ein fünfzehn- bis zwanzigminütiges Gespräch und beende es leicht: „Danke, war spannend, lass uns in Kontakt bleiben.“ Das reicht. Solche Gespräche gehen auch intern über euer Chat-Tool.
- Zeig dich. Das kann alles bedeuten: ein Beitrag im Meeting, ein Post, ein regelmäßiger Statusreport an deinen Chef, eine E-Mail. Überleg dir, wer deine Key-Stakeholder sind, direkte Vorgesetzte, aber auch spannende Persönlichkeiten, die deine Weiterentwicklung fördern können. Dann sammle bewusst Kontaktpunkte. Sichtbarkeit heißt nicht, jeden Tag beim Chef aufzutauchen. Sie baut vor allem Vertrauen auf, und Vertrauen ist dein größtes Asset. Die ersten Jahre meines Berufslebens habe ich darauf optimiert, mich zu verstecken, immer in der zweiten Reihe, aus Sorge, entlarvt zu werden. Setz dich in die erste Reihe. Hab den Mut, dich zu zeigen, eine Frage zu stellen, präsent zu sein.
- Sag klar, was du willst. Ich erlebe es immer wieder: Ingenieure haben große Ambitionen, wollen Führung übernehmen, ins Management, vielleicht ein Unternehmen übernehmen oder gründen. Aber ihr Umfeld weiß nichts davon. Frag dich: Wenn ich zu deinem Chef gehe und ihn bitte, dich zu beschreiben, was würde er sagen? Genau das ist deine Positionierung. Wenn du nicht sagst, was du willst, überlässt du sie dem Zufall. Viele Ingenieure leben in der Hoffnung, dass andere ihre Gedanken lesen. Das passiert nicht. Sag klar, was du willst, in jedem Gespräch. Dann bekommst du irgendwann aus dem Nichts eine Nachricht, weil jemand in genau dem richtigen Moment an dich denkt.
- Sei optimistisch und positiv. Robert Iger, der ehemalige Disney-CEO, sagt: „No one wants to follow a pessimist.“ Keine Führungskraft mit pessimistischer Grundhaltung hat treue Anhänger. Wenn du hohe Energie, Begeisterung und Neugier ausstrahlst, erzeugst du einen Sog: Menschen umgeben sich gern mit dir und denken an dich. Optimismus ist zudem eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn du gerade das Gefühl hast, hier geht nichts voran, dann ist das deine Mikrosituation, nicht die Wahrheit über die ganze Wirtschaft. Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten. Ein Überfluss-Denken statt Mangel-Denken bringt dir mehr Chancen.
Der Leitsatz dahinter: Glück ist kein Zufall, es wächst mit deiner Sichtbarkeit. Wenn du tiefer einsteigen willst, wie du dich souverän im Job zeigst, hör in die Folge zu Sichtbarkeit im Job. Warum sich glückliche Zufälle bewusst provozieren lassen, vertiefe ich in Glück provozieren. Wie du parallel eine belastbare Reputation aufbaust, gehört genauso dazu wie die Frage, wie du dein Netzwerk nutzen kannst, um aus Gesprächen echte Chancen werden zu lassen.
Häufige Fragen zu mehr Sichtbarkeit im Job
Was bedeutet „Sichtbarkeit steigern“ im Beruf? Sichtbarkeit heißt, dass die richtigen Menschen wissen, wer du bist, was du kannst und was du willst. Du erreichst sie, indem du am richtigen Ort arbeitest, viele Gespräche führst, dich in Meetings und über andere Kanäle zeigst, klar deine Ambitionen kommunizierst und optimistisch auftrittst.
Wie steigere ich meine Sichtbarkeit, wenn ich introvertiert bin? Sichtbarkeit ist eine Fähigkeit, kein Charakterzug. Auch Smalltalk lässt sich systematisieren, weil er einem festen Muster folgt. Beginne mit kurzen Nachrichten und fünfzehnminütigen Gesprächen. Introvertierte sind oft hervorragende Gesprächspartner.
Warum ist es wichtig zu sagen, was ich will? Weil andere deine Gedanken nicht lesen können. Wenn dein Umfeld deine Ziele nicht kennt, überlässt du deine Positionierung dem Zufall. Sprichst du sie aus, entsteht mittelfristig die Chance, dass jemand im richtigen Moment an dich denkt.
Wie hängen Sichtbarkeit und berufliches Glück zusammen? Glückliche Zufälle sind kein Zufall, sondern das Ergebnis von Sichtbarkeit. Je öfter du am richtigen Ort präsent bist, Gespräche führst und klar kommunizierst, desto häufiger ergeben sich Chancen, Aufträge und Kontakte, die du nicht planen konntest.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Tim Schmaddebeck – No Zero Days: In Kapitel 8 findest du die Wachstumsformel – warum das richtige Boot wichtiger ist als hartes Rudern.
Weitere Bücher zu Sichtbarkeit und Selbstmarketing findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.
Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation.
Transkript
Vor einigen Tagen bin ich auf einen Satz gestoßen, den ich in dieser Folge vertiefen möchte: Glück ist kein Zufall, es wächst mit deiner Sichtbarkeit. Sei am richtigen Ort, führe viele Gespräche, zeig dich, sag klar, was du willst, und sei optimistisch und positiv. Diese fünf Elemente möchte ich hier ein bisschen beleuchten.
Punkt Nummer eins: Sei am richtigen Ort. Ganz am Ende von „No Zero Days“ spreche ich von der sogenannten Wachstumsformel. Sie bedeutet: Du kannst so hart rudern, wie du willst, viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt. Egal wie proaktiv du bist, entscheidend ist, wie viel Wachstumspotenzial in deiner Rolle steckt, wie viel im Unternehmen und wie viel in der Branche.
Es gibt eine schöne Faustregel: Reflektiere, wer die Gründerväter deiner Branche sind. Wenn du in der Stahlproduktion arbeitest, liegen die Ursprünge schon eine ganze Weile zurück. Arbeitest du dagegen im Bereich Social Media, dann denk an Mark Zuckerberg, der Facebook rund um 2005 gegründet hat, oder an Bill Gates und Microsoft. Diese Menschen haben ihren Industriezweig stark geprägt und leben teils noch. Je weiter die Anfänge in der Vergangenheit liegen, desto weniger Wachstumspotenzial ist meist übrig. Das ist eine Faustregel, keine Gesetzmäßigkeit.
Mit „sei am richtigen Ort“ ist der Ort gemeint, an dem du arbeitest: die Branche, das Unternehmen, aber auch die Rolle. Wie viel Wachstumspotenzial gibt es da? Wenn du in einer Rolle, einem Unternehmen oder einer Branche arbeitest, die nicht stark wächst, dann bist du nicht dort, wo sich glückliche Zufälle ergeben. Glückliche Zufälle heißt: Chancen entstehen aus dem Nichts, ohne dass du sie planen kannst. Aufträge kommen plötzlich herein, ein Bereich verdoppelt sich innerhalb eines Jahres.
Solche Orte gibt es überall. Es kann ein Unternehmen sein, das insgesamt nicht so schnell wächst, aber einen sehr innovativen Bereich hat, der schnell wächst. In jedem Unternehmen, egal wie groß oder klein, gibt es Personen und Felder, die sehr innovativ und schnelllebig sind, wo sich viele Chancen ergeben. Du erzeugst Glück also unter anderem, indem du am richtigen Ort bist, am Wachstumsort. Schau nach links und rechts: Bist du an der Wertschöpfung tätig oder eher Overhead? Wie zentral sind deine Tätigkeiten für die Kundengewinnung, um Kunden zu begeistern, um die Wertschöpfungskette voranzutreiben?
Punkt Nummer zwei: Führe viele Gespräche. Ich kenne das von mir selbst und von vielen Ingenieuren, die ich begleite. Für viele ist es eine große Hürde, neue Menschen kennenzulernen und auf sie zuzugehen. Ich bin selbst introvertiert und weiß, wie das ist. Aber am Ende kann man das lernen. Es geht gar nicht so sehr darum, ob man introvertiert oder extrovertiert ist. Introvertierte sind oft hervorragende Gesprächspartner. Es geht darum, die Fähigkeit zu lernen.
Smalltalk hat mir früher immer eine gewisse Hürde bereitet. Aber Smalltalk kann man lernen und sogar systematisieren, denn er folgt immer demselben Muster. Smalltalk ist wichtig, gerade wenn man die andere Person nicht kennt, als erstes Abtasten. Wenn es dir schwerfällt, nimm dir immer die gleichen zwei, drei Prinzipien: Du kannst über ein gemeinsames Interesse reden, über das Wetter, über etwas ganz Banales. Für viele ist es die größte Hürde, überhaupt einen Einstieg zu finden.
Du brauchst nur fünfzehn bis zwanzig Minuten pro Gespräch. Bei uns in der Engineering Alliance fördere ich diese Coffee Calls stark, weil sie extrem wertvoll sind. Genauso geht das über LinkedIn. Viele Hürden beginnen mit der Frage: Mit wem soll ich sprechen? Fang nicht mit Personen an, sondern mit Identifikationsmerkmalen von Personen, die du spannend findest. Welche Rollen interessieren dich? Wenn du Projektmanager bist, ist vielleicht spannend, wie ein Projektleiter arbeitet. Oder welche Branche reizt dich, etwa die erneuerbaren Energien? Nimm zwei Suchkriterien, etwa erneuerbare Energien plus Projektleitung, und geh damit auf LinkedIn oder in die Engineering Alliance auf die Suche.
Eine kleine Nachricht reicht, ein Zweizeiler: „Hey, ich bin zufällig auf dein Profil gestoßen. Ich finde total spannend, was du machst, und bin neugierig. Hättest du Lust auf einen lockeren Austausch?“ In der Regel sagen sechzig bis achtzig Prozent der Leute zu. Dann schickst du einen Link für einen Video-Call, egal ob Google, Microsoft oder Zoom, vereinbarst einen Termin und führst ein fünfzehn- bis zwanzigminütiges Gespräch.
Ich würde mir vorher eine kleine Agenda machen, zwei, drei Stichpunkte, was du fragen möchtest. Smalltalk ist der Einstieg, dann sagst du: „Mich interessiert das Thema erneuerbare Energien“, und stellst zwei, drei Fragen. Nutz dafür gern auch KI-Tools, um deine Agenda herauszuarbeiten. Am Ende sind es nur ein paar Fragen. Wichtig ist: einfach ein paar Gespräche führen, ein bisschen Mut beweisen, die Komfortzone verlassen.
Auch das Ende des Gesprächs ist einfach: „Super spannend, danke dafür. Ich melde mich, wenn ich noch eine Frage habe, und du gern auch jederzeit. Lass uns in Kontakt bleiben.“ Mehr braucht es nicht. Ansonsten heißt es: einfach mal tun und ausprobieren. Wenn du das ein paar Mal gemacht hast, merkst du, wie wertvoll es ist. Gerade in der Engineering Alliance sehe ich riesige Unterschiede zwischen Menschen, die das oft tun, und denen, die es nie tun. Wer es oft macht, erlebt häufiger glückliche Zufälle, weil er sichtbarer ist und sein Netzwerk aufbaut.
Gespräche kannst du in jede Richtung führen, das muss nicht auf LinkedIn sein. Frag dich: Wer arbeitet in spannenden Teams innerhalb deines Unternehmens? Schreib die Person intern über euer Chat-Tool an und führ ein lockeres Gespräch ohne großes Ziel. Wenn du dir diese Gewohnheit erhältst und so sichtbar bist, gewinnst du mit der Zeit nicht nur spannende Insights, sondern auch neue Chancen. Das passiert nicht von heute auf morgen, aber die Gewohnheit ist extrem wertvoll.
Punkt Nummer drei: Zeig dich. Das kann vieles bedeuten. Es kann heißen, dass du im Meeting einen Beitrag machst. Wenn zehn Leute sitzen, überleg dir vorher, was du beiträgst, selbst wenn du eigentlich nur Zuhörer bist. Es kann heißen, dass du einen LinkedIn-Post machst oder deinem Chef gegenüber sichtbarer bist, indem du einen Statusreport gibst oder ihn regelmäßig zu Gesprächen einlädst, einfach um präsent zu sein.
In dem Zusammenhang lohnt es sich zu reflektieren, wer deine Stakeholder sind, deine Key-Stakeholder. Darüber spreche ich viel, ich glaube in Kapitel acht von „No Zero Days“. Die Kapitel sieben, acht und neun sind extrem wertvoll rund um das Thema Sichtbarkeit. Wenn du bisher nicht so weit gekommen bist, tauch da unbedingt tiefer ein, denn das ist häufig der Engpass bei Ingenieuren.
Zeig dich heißt also auch Stakeholder-Management: Wer sind meine direkten Vorgesetzten, aber auch die spannenden Persönlichkeiten im Unternehmen, die meine Weiterentwicklung fördern können? Dann überleg, wie du Kontaktpunkte sammelst, also wie du dich zeigst und sichtbar bist. Sichtbar sein heißt nicht, jeden Tag beim Chef aufzutauchen. Auch eine E-Mail erzeugt Sichtbarkeit. Achte bewusst und aktiv darauf, wie du dich in jeder Form zeigst.
Als Produktionsleiter kann das heißen, regelmäßig durch die Produktion zu gehen. Und glückliche Zufälle müssen nicht bedeuten, dass du ein Jobangebot bekommst. Es kann auch heißen, dass du eine bessere Beziehung zu deinem Team aufbaust und ein Mitarbeiter zu dir kommt, weil er ein Problem mit dir lösen möchte. Du baust eine Vertrauensbasis auf, weil du sichtbarer bist. Sichtbarkeit erzeugt also nicht nur Jobchancen, sondern auch Vertrauen. Und Vertrauen ist die einzige Abkürzung im Berufsleben. Es ist dein größtes Asset, in das du viel Zeit investieren solltest.
Das baust du über Sichtbarkeit auf: am richtigen Ort zu sein, viele Gespräche zu führen, dich zu zeigen, mutig zu sein und dich nicht zu verstecken. In den ersten Jahren meines Berufslebens habe ich sehr viel darauf optimiert, mich zu verstecken. Ich habe mich immer in die zweite Reihe gestellt, aus Sorge, entlarvt zu werden. Am Anfang des Berufslebens ist das ganz normal. Aber ich ermutige dich: Setz dich in die erste Reihe, zeig dich. Das ist eine Mentalität, die dich weit trägt, weil du dann sichtbar bist. Natürlich bist du dann auch mal ausgesetzt und wirst angesprochen, aber genau daran wächst du. Das gilt auch für große Veranstaltungen und Workshops: dich in die erste Reihe zu setzen, den Mut zu haben, eine Frage zu stellen oder aufzustehen.
Punkt Nummer vier: Sag klar, was du willst. Ich merke immer häufiger, wenn ich mit Ingenieuren spreche: Sie haben große Ambitionen, wollen Führungskraft werden, ins obere Management, vielleicht geschäftsführender Gesellschafter werden, ein Unternehmen übernehmen oder sogar gründen. Aber ihre Vorgesetzten wissen nichts davon, ihr Umfeld weiß nichts davon. Es ist ganz wichtig, dass du deinem Umfeld klar sagst, was du willst. Die anderen müssen deine Ambitionen kennen. Das hilft bei deiner Positionierung.
Sichtbarkeit ist das eine, aber sie wirkt nur, wenn du richtig positioniert bist. Positionierung heißt: Wenn ich zu deinem Chef gehe und ihn bitte, dich zu beschreiben, was würde er erzählen? Genau das ist deine Positionierung. Wenn du deinem Umfeld nicht sagst, was du möchtest, überlässt du deine Positionierung dem Zufall. Viele Ingenieure sind dadurch gebremst, dass sie in der Hoffnung leben, andere könnten ihre Gedanken lesen. Das ist nicht der Fall.
Sobald du klar sagst, was du willst, wirst du merken, dass sich Dinge bewegen. Vielleicht braucht es etwas Überwindung, und vielleicht erzeugt es Reibung, weil dein Vorgesetzter deine Ambition nicht so cool findet, weil er befürchtet, dass du irgendwann die Abteilung verlässt. Aber das ist die Wahrheit, und deshalb solltest du es auf die Agenda holen. Sag, was du willst, nicht nur deinem Vorgesetzten, sondern in jedem Gespräch. Wenn du dich zeigst, viele Gespräche führst, am richtigen Ort bist und alle deine Ambitionen kennen, dann erzeugst du große Zufälle: Irgendwann bekommst du aus dem Nichts eine Nachricht von jemandem, mit dem du vor zwei Jahren gesprochen hast, weil in dessen Alltag ein Trigger auftauchte, eine frei gewordene Rolle, und die Person an dich denken musste.
In der Engineering Alliance ist deshalb immer der erste Schritt, sich ein eigenes Leitbild zu erarbeiten: zu überlegen, was ich langfristig will. Das ist nicht einfach und braucht Reflexionsarbeit. Es ist ein Tool, das man nicht nur einmal macht, sondern regelmäßig. Aber es ist ein wichtiges Element, um klar zu kommunizieren, was du willst. Diese Frage überhaupt zu beantworten, ist für viele schon eine Herausforderung.
Kommen wir zum letzten Punkt. Zur Zusammenfassung: Sei am richtigen Ort, führe viele Gespräche, zeig dich, sag klar, was du willst. Und jetzt Punkt fünf: Sei optimistisch und positiv. Es gibt einen schönen Spruch von Robert Iger, dem ehemaligen Disney-CEO: „No one wants to follow a pessimist.“ Niemand folgt gern einem Pessimisten. Keine Führungskraft mit pessimistischer Grundhaltung hat treue Anhänger.
Wenn du optimistisch und positiv bist, hohe Energie und Begeisterungsfähigkeit zeigst und neugierig bist, erzeugst du einen Sog. Menschen umgeben sich gern mit dir, denken gern an dich und haben dich präsent. Wenn du dagegen pessimistisch und negativ bist und die Brille aufhast, dass alles schlecht ist oder früher alles besser war, erzeugst du kaum glückliche Zufälle. Das ist auch eine selbsterfüllende Prophezeiung, weil du dann meist das Gefühl hast, alles gehe den Bach runter.
Wenn du optimistisch und positiv bist, hast du ein Überfluss-Denken. Der Unterschied zwischen Überfluss- und Mangel-Denken ist der Gedanke, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt. Und das kann ich dir aus den Gesprächen der letzten Jahre mit vielen ambitionierten Ingenieuren bestätigen: Es gibt so viele berufliche Möglichkeiten. Wenn du gerade in einem Unternehmen oder einer Branche tätig bist, wo du das Gefühl hast, hier geht nichts voran, ich werde gebremst, dann ist das nicht die Wahrheit. Das ist deine persönliche Erfahrung, deine Mikrosituation. Der größte Fehler wäre, daraus zu schließen, dass die gesamte Wirtschaft in dieser Lage ist.
In der Engineering Alliance sehe ich immer wieder: Es gibt Menschen, deren Umfeld extrem stark wächst, weil sie am richtigen Ort sind und viel Rückenwind haben. Das ist die Wachstumsformel vom Anfang. Deshalb lohnt sich eine optimistische, positive Denkweise. Sie ist eine selbsterfüllende Prophezeiung und bringt viele Chancen mit sich. Und hohe Energie ist ansteckend: Wenn du Begeisterung ausstrahlst, umgeben sich Menschen gern mit dir, und auch das erzeugt positive Zufälle.
Worüber habe ich also gesprochen? Glück ist kein Zufall, es wächst mit deiner Sichtbarkeit. Sei am richtigen Ort, führe viele Gespräche, zeig dich, sag klar, was du willst, und sei optimistisch und positiv. Aus den vielen Hundert, ja Tausend Gesprächen der letzten Jahre weiß ich: Dieses Thema ist einer der größten Engpässe für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung von Ingenieuren. Die eigene Sichtbarkeit und Reputation bewusst anzugehen, Vertrauen mit dem Umfeld aufzubauen.
Häufig sind Ingenieure extrem smart, haben eine starke Performance, denken unternehmerisch und sind proaktiv, aber sie bremsen sich, weil sie nicht sichtbar sind. Nimm dir diese fünf Punkte zu Herzen. Schau, wo du Engpässe hast und wo du den nächsten Schritt gehen kannst. Ich drücke dir die Daumen, die ersten Schritte in kleinen Micro-Steps umzusetzen. Ich versichere dir: Es wird nicht lange dauern, bis sich dadurch glückliche Zufälle ergeben. Liebe Grüße, dein Tim.