„Tim, wie hast du das eigentlich gemacht – den Schritt vom Ingenieur zum Unternehmer?“ Diese Frage bekomme ich immer wieder. Und fast jeder ambitionierte Ingenieur, den ich kenne, trägt diesen Wunsch irgendwo mit sich: etwas Eigenes aufbauen, frei arbeiten, gestalten.
Diese Folge gibt dir keine Schablone – die gibt es beim Unternehmertum nicht. Sie gibt dir zwei Frameworks gegen die eigentliche Hürde und eine einfache Methode, mit der du diese Woche starten kannst. Nebenberuflich, ohne zu kündigen, ohne großes Risiko.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Unternehmertum ist ein „pathless path“. Es gibt keinen vorgegebenen Weg – du entscheidest jeden Tag selbst, was zu tun ist. Diese Unsicherheit ist die eigentliche Hürde, nicht die Idee.
- Mut fühlt sich wie Angst an. Wenn du Respekt vor dem Schritt hast, machst du nichts falsch – jeder Unternehmer kennt das. Mutige gehen den Weg trotzdem.
- Framework 1 – Regret Minimization (Jeff Bezos). Frag dich, was du mit 70 bereuen wirst, nicht getan zu haben. Wichtige Dinge im Leben haben keine Deadline – die Dringlichkeit musst du selbst erzeugen.
- Framework 2 – Risk Minimization. Du musst nicht kündigen. Bau finanzielle Rücklagen auf und starte nebenberuflich – die einzige Kennzahl am Anfang: Stunden pro Woche, die du investierst.
- Die unternehmerische Methode ist simpel. Working Backwards (vom Kunden her denken), Hypothese raten, dann im echten Gespräch testen. Du brauchst keine geniale Idee und keinen Businessplan.
Vom Ingenieur zum Unternehmer: die ersten Schritte im Detail
Verstehe zuerst, was Unternehmertum ist. Unternehmertum ist ein „pathless path“ – ein Weg ohne vorgezeichnete Spur. Dein Leben lang haben andere dir den Weg vorgegeben: Eltern, Schule, Uni, Vorgesetzte. Als Unternehmer stehst du morgens vor einem weißen Blatt und überlegst selbst, was du tust. In der Theorie klingt das einfach. In der Praxis ist dieses Maß an Unsicherheit für viele überwältigend. Tim Ferriss sagt: Menschen sind lieber unzufrieden als unsicher. Genau deshalb kündigen die wenigsten unzufriedenen Ingenieure – sie bleiben lieber in der garantierten Unzufriedenheit, als sich der Unsicherheit zu stellen. Und noch etwas: Niemand sagt einem, dass sich Mut wie Angst anfühlt. Wenn du Respekt und Sorge spürst, ist genau das der Mut – du machst nichts falsch.
Framework 1: das Regret Minimization Framework von Jeff Bezos. Versetz dich 20, 30 Jahre in die Zukunft und blick zurück: Was wirst du bereuen, nicht getan zu haben? Optimiere darauf, möglichst wenig zu bereuen. Das hilft besonders an Weggabelungen – etwa der sicheren Konzernlaufbahn gegenüber dem Sprung ins junge Startup. Der Haken an wichtigen Entscheidungen: Sie haben keine Deadline. Niemand sitzt dir im Nacken und drängt dich, endlich zu starten. Diese Dringlichkeit musst du selbst erzeugen. Ein Text, der mir dabei geholfen hat, ist der Reddit-Beitrag „my regrets as a 46 year old, and advice to others at a crossroad“ – herzzerreißend und ein starker Anstoß, ins Handeln zu kommen.
Framework 2: Risk Minimization. Unternehmertum muss nicht riskant sein. Zwei Hebel senken das Risiko drastisch. Erstens finanzielle Rücklagen: Ich hatte mir damals Rücklagen für zwei Jahre angespart – das hat mir den Sprung enorm erleichtert. Zweitens, und das ist der smartere Weg: Du musst gar nicht kündigen. Starte nebenberuflich. Die einzige Kennzahl, die am Anfang zählt, ist simpel – Stunden pro Woche, die du investierst. Bekommst du das von null auf fünf bis zehn Stunden, ist die halbe Miete geschafft. Denn gute Dinge brauchen Zeit. Eine Idee hat eine Art Tragzeit, die man nicht abkürzen kann – so wie sich eine Schwangerschaft nicht von neun auf drei Monate verkürzen lässt. Deshalb ist es klug, früh zu starten.
Die unternehmerische Methode. Am Anfang brauchst du keine geniale Geschäftsidee und keinen Businessplan, sondern ein Verständnis der Methode. Sie beginnt mit „Working Backwards“ (auch von Bezos): Wer ist der Kunde? Von dort denkst du rückwärts – welches Problem hat er? Unternehmertum heißt am Anfang: raten und dann testen. In 15 Minuten stellst du eine Hypothese auf (Zielgruppe, Problem), dann gehst du raus und prüfst sie im echten Gespräch. Ein guter Trick: Modeling of Excellence. Orientier dich an bewährten Geschäftsmodellen – du musst nicht innovativ sein. An jeder dritten Ecke gibt es einen Bäcker und eine Tankstelle, weil es funktioniert.
Der eigentliche Engpass: die Unsicherheit aushalten. Sobald deine grobe Idee steht, kommt der Moment, vor dem die meisten zurückschrecken: den Schreibtisch verlassen und mit echten Menschen sprechen. Aus Angst, dumm auszusehen oder Fehler zu machen, wollen viele erst alles am Schreibtisch lösen. So funktioniert Unternehmertum nicht. Marketing ist nur ein anderes Wort für Testen. Du ratest, dann testest du – im Gespräch findest du heraus, welche Probleme deine Zielgruppe wirklich hat.
Das Ganze gilt auch für Intrapreneure. Der Umgang mit Unsicherheit ist nicht nur für Gründer entscheidend. Wer im Unternehmen Verantwortung übernehmen, Projekte anstoßen und proaktiver arbeiten will, braucht genau dieselbe Fähigkeit. Für viele Ingenieure ist dieser Weg im Unternehmen sogar der bessere – mit vielen Freiheiten, ohne die volle Unsicherheit des Marktes.
Ob du diesen Schritt überhaupt gehen willst, klärst du in Unternehmer werden oder angestellt bleiben. Welche Fehler ich auf meinem eigenen Weg gemacht habe, erzähle ich in Selbstständig machen als Ingenieur. Das risikoärmste Startmodell beschreibe ich in Side Business starten. Und wenn der Weg im Unternehmen eher deiner ist, hör in Unternehmerisches Denken entwickeln rein.
Häufige Fragen zum Schritt vom Ingenieur zum Unternehmer
Wie werde ich vom Ingenieur zum Unternehmer? Starte nicht mit einer genialen Idee, sondern mit der unternehmerischen Methode: Wähl eine Zielgruppe, stell eine Hypothese über ihr Problem auf und teste sie im echten Gespräch. Investier jede Woche ein paar Stunden – nebenberuflich – und lass die Idee über die Zeit reifen.
Muss ich kündigen, um mich selbstständig zu machen? Nein. Der smartere Weg ist, nebenberuflich zu starten und nicht zu kündigen. Bau finanzielle Rücklagen auf und tracke eine einzige Kennzahl: die Stunden pro Woche, die du in dein Vorhaben investierst. Fünf bis zehn Stunden reichen für den Anfang.
Was ist das Regret Minimization Framework? Ein Denkmodell von Jeff Bezos: Versetz dich in die Zukunft und frag dich, was du bereuen wirst, nicht getan zu haben. Dann triffst du die Entscheidung, die du am wenigsten bereust. Es hilft besonders bei großen Weggabelungen, weil wichtige Entscheidungen keine Deadline haben.
Welche Bücher helfen beim Start ins Unternehmertum? Zwei genügen für den Anfang: „$100M Offers“ von Alex Hormozi für die Angebotsgestaltung und „The Mom Test“ von Rob Fitzpatrick, um im Gespräch die echten Probleme deiner Zielgruppe herauszufinden.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Alex Hormozi – $100M Offers: wie du ein Angebot gestaltest, das vom Kundenproblem her gedacht ist – der erste Baustein der unternehmerischen Methode.
- Rob Fitzpatrick – The Mom Test: wie du mit deiner Zielgruppe sprichst, ohne dich in nette, aber wertlose Antworten locken zu lassen – und die echten Probleme findest.
- Tim Schmaddebeck – No Zero Days: der Einstieg, wenn dir das Thema noch neu ist – wie du dich vom Ingenieur zum Intrapreneur entwickelst.
Weitere Titel für den Start findest du in meinen Buchempfehlungen zur Gründung.
Diese Folge gehört zum Thema Business.
Transkript
Tim, wie hast du das eigentlich gemacht? Wie bist du diesen Schritt gegangen, vom Ingenieur zum Unternehmer? Genau diese Frage wurde mir vor einigen Wochen gestellt. In dieser Folge möchte ich dir ein paar kurze Impulse mit auf den Weg geben, falls dieses Thema auch dich beschäftigt.
Meine Antwort auf die Frage, wie man diesen Schritt vom Ingenieur zum Unternehmer schaffen kann, beginnt ganz vorne, mit einem Verständnis vom Unternehmertum an sich. Was ist Unternehmertum eigentlich? Es gibt dafür ein schönes Wording, das mir nicht ganz leicht über die Lippen geht, aber ich hoffe, es kommt rüber: Unternehmertum ist ein Pathless Path. Das heißt, es ist ein Weg, auf dem es keine Spur gibt, der du folgen kannst. Es ist ein unsicherer Weg. Und ich kann dir versichern: Ein solches Maß an Unsicherheit haben die meisten Menschen noch nie erlebt, wie es Unternehmertum mit sich bringt.
Eltern, Schule, Universitäten oder auch Vorgesetzte im Berufsleben geben dir immer einen Weg vor. Andere Menschen sagen dir, was zu tun ist. Beim Unternehmertum ist das anders. Ein Unternehmer ist jemand, der etwas tut, ohne dass andere ihm sagen, was zu tun ist. Du hast quasi ein weißes Blatt Papier und musst dir jeden Tag selbst überlegen, was du tust. Das klingt in der Theorie total einfach. In der Praxis ist das nicht nur schwer, sondern für manche Menschen überwältigend und total beängstigend.
Diese Sorge, Fehler zu machen und dumm auszusehen, ist wirklich real. Tim Ferriss sagt so schön: Menschen sind lieber unzufrieden als unsicher. Ich habe das in den letzten Jahren unglaublich häufig erlebt. Ambitionierte Ingenieure, die unzufrieden sind mit ihrem Job. Und die allerwenigsten kündigen. Warum? Weil sie unsicher sind. Weil sie nicht wissen, was nach der Kündigung passiert. Deswegen bleiben sie lieber in einem Job, in dem sie die Garantie haben, unzufrieden zu sein, als sich der Unsicherheit zu stellen.
Wer Unternehmer werden will, muss genau dieses Muster brechen. Er muss anfangen, diesen unsicheren Pfad zu betreten. Am Ende ist das ein Muskel, den man aufbauen kann. Da kann man besser werden. Es hat natürlich auch damit zu tun, dass unterschiedliche Persönlichkeiten unterschiedlich sind. Ich nenne es mal risikoavers oder risikoaffin.
Außerdem kann ich dir sagen: Niemand sagt einem, dass sich Mut wie Angst anfühlt. Dass Mut wichtig ist, hat jeder schon mal gehört. Aber wenn du beim Thema Unternehmertum Respekt davor hast, wenn du Sorgen hast, wenn du Ängste hast, dann ist genau das Mut. Du machst nichts falsch. Jeder Unternehmer spürt das, jeder kennt das. Die Menschen, die mutig sind, machen all das trotzdem. Sie gehen in den unsicheren Pfad hinein, vielleicht sogar gerade deswegen, weil sie Angst haben.
Für mich persönlich haben zwei Dinge geholfen. Und das sind zwei sehr taktische Elemente. Das Thema ist riesengroß. Ich habe schon einige andere Podcast-Folgen dazu aufgenommen. Aber um dir hier noch mal zwei, drei kleine Impulse mitzugeben, falls auch du dich fragst, ob du den Weg des Unternehmertums gehen möchtest. Denn ich weiß: Ganz viele Ingenieure, mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe, tragen diesen Wunsch im Hinterkopf. Diesen Traum, irgendwann selbstständig zu sein. Diese Freiheit zu genießen, für sich selbst zu arbeiten, etwas Eigenständiges aufzubauen, maximal gestalten zu können. Und natürlich auch andere Aspekte, die damit einhergehen können. Vielleicht die Möglichkeit, Vermögen aufzubauen, zumindest das Potenzial dafür. All das ermöglicht die Selbstständigkeit und das Unternehmertum. Gleichzeitig ist der Weg auch hart, das kann ich auf jeden Fall sagen. Da wird einem wenig geschenkt.
Aber all das ist letzten Endes egal. Das Wichtigste und Allererste, um diesen Schritt zu meistern, ist, sich dieser Unsicherheit zu stellen. Und zu verstehen, dass der Weg des Unternehmertums das zwangsweise mit sich bringt. Das steckt schon im Wort selbst: Unternehmertum, etwas unternehmen, etwas machen. Wenn du morgen früh deine Wohnung verlässt, um einfach in den Tag zu starten, ohne Agenda, dann musst du dir selbst überlegen, was du machst. Am Ende ist das nichts anderes, nur im Business-Kontext. Da gelten natürlich ein paar andere Gesetze. Aber wenn du einen Tagesausflug planst, hast du dieselbe Unsicherheit. Ein banales Beispiel: Die meisten haben Respekt davor, sich spontan einen Flug zu buchen, irgendwo nach Asien, und einfach mit dem Rucksack loszuziehen, ohne etwas zu planen. Das ist dasselbe Gefühl von Unsicherheit, dasselbe Level an Respekt und Hürde. Einige haben damit weniger Probleme. Das sind die Menschen, denen der Schritt ins Unternehmertum vielleicht leichter fällt.
Wichtig ist aber auch: Unternehmertum braucht ein sehr breites Skillset. Es ist nicht der eine Skill. Gerade Ingenieure sind hervorragend geeignet. Sie bringen viele sehr gute Fähigkeiten mit, die im Unternehmertum wirklich gebraucht werden: analytische Fähigkeiten, engpassorientiertes Denken, Problemlösungskompetenz. Über all das habe ich schon viel gesprochen. Es sind ganz viele Skills, die Ingenieure prinzipiell mitbringen. Natürlich gibt es auch andere Herausforderungen. Auf der einen Seite das Thema Unsicherheit. Auf der anderen Seite die Sales- und Marketing-Kompetenz, dazu habe ich auch schon Folgen aufgenommen. Das ist für viele Ingenieure definitiv ein blinder Fleck.
Jetzt einmal den Bogen zurück gespannt. Zwei ganz taktische, konkrete Dinge, die mir persönlich dabei geholfen haben, diesen Schritt zu machen. Erstens ist das das sogenannte Regret Minimization Framework von Jeff Bezos. Das hat mir sehr geholfen. Was ist dieses Regret Minimization Framework? Der Kern steckt schon im Namen: Was werde ich später vermutlich mal bereuen? Es gibt einen schönen Artikel, den ich dir in diesem Kontext empfehlen würde. Den musst du googeln, dann findest du ihn garantiert: „my regrets as a 46 year old, and advice to others at a crossroad“. Ich wiederhole die Überschrift, denn der Artikel ist wirklich herzzerreißend. Ich habe ihn vor einigen Jahren gelesen. Geschrieben hat ihn John, ein damals 46 Jahre alter Banker.
Er schaut in diesem Artikel auf sein Leben zurück, auf seine Zwanziger und Dreißiger. Er beschreibt, dass er von Angst erfüllt war. Dass er seinen Traum nicht gelebt hat. Dass er diesen Sprung nicht gemacht hat. Und dass er viele Dinge in seinem Leben bereut. Das zu lesen, steigert definitiv deine Motivation, ins Handeln zu kommen. Ich wiederhole: Du kannst es einfach googeln, „my regrets as a 46 year old, and advice to others at a crossroad“. Es ist ein Reddit-Artikel, vor zwölf Jahren geschrieben von John. Definitiv lesen, sehr wertvoll. Das dauert vielleicht 15, 20 Minuten. Es kann sogar passieren, dass dir dabei Tränen in die Augen kommen, so herzzerreißend ist er.
Auch das Regret Minimization Framework von Jeff Bezos kannst du natürlich noch mal googeln. Der Grundgedanke: Versetz dich in die Zukunft. Überleg mal, wenn du 20, 30 Jahre weiterdenkst: Was sind die Dinge, die du bereuen wirst, nicht getan zu haben? Denn es ist häufig so, dass wichtige Dinge im Leben keine Deadline haben. Meistens sitzt dir niemand im Nacken, um Dringlichkeit zu erzeugen, jetzt endlich Unternehmer zu werden oder den Sprung in die Selbstständigkeit zu machen. Diese Dringlichkeit muss man für sich selbst schaffen. Unter anderem genau durch so einen Artikel, oder indem man sich dessen bewusst wird.
Regret Minimization bedeutet also: die Dinge, von denen man die Idee hat, „das könnte ich bereuen, wenn ich es nicht tue“, zu minimieren. Also auf so wenige Regrets wie möglich zu optimieren. So wenig im Leben zu bereuen wie nur möglich. Und das gilt nicht nur für das Thema Selbstständigkeit. Nimm an, du hast zwei Jobmöglichkeiten vor der Brust. Du arbeitest im Konzern. Du könntest ganz normal den Weg im Konzern weitergehen. Oder du könntest kündigen und in ein junges, dynamisches Start-up einsteigen. Ich kenne solche Geschichten. Da hat zum Beispiel eine Führungskraft gekündigt und dann einen der Ingenieure, die ich begleitet habe, gefragt: Hey, willst du mitkommen? Ein junges, dynamisches Start-up, eine super Wachstumsbranche, du hast das Potenzial für eine Führungsrolle. Die Person war aufgeregt und hatte das Gefühl: Oh, soll ich das machen oder nicht? Und hat sich dann für den sicheren Weg entschieden.
Das ist etwas, wo das Regret Minimization Framework auf jeden Fall helfen kann, die richtige Entscheidung zu treffen. Nicht die vernünftige, nicht die kurzfristige. Sondern gerade bei großen Karriereentscheidungen darauf zu optimieren und zu schauen: Was würde ich vermutlich bereuen, nicht getan zu haben? Eine super wertvolle Frage. Und wie gesagt: diesen Artikel unbedingt lesen. Nimm dir ein paar Minuten Zeit dafür. Mir persönlich hat er auf jeden Fall geholfen, ins Handeln zu kommen, das Thema ernst zu nehmen und zu realisieren: Bei all diesen Themen gibt es keine Deadline. Wichtige Themen haben meistens keine Deadline. Da muss man selbst rangehen, die muss man selbst priorisieren.
Und das ist ganz häufig das Thema, wenn ich mit Menschen zusammenarbeite, die sehr busy sind. Busy zu sein ist aus meiner Sicht, vielleicht ein bisschen provokativ ausgedrückt, ein ganz schlechtes Zeichen. Busy ist ein Stück weit auch ein Zeichen von Faulheit. Meistens sind diese Menschen sehr fleißig. Aber sie sind dahingehend faul, dass sie sich nicht die Zeit nehmen, um Prioritäten zu setzen. Sie nehmen sich nicht die Zeit, zu hinterfragen: Was sind eigentlich die wichtigen Dinge? Was sind die großen Hebel, auf die ich meine Energie fokussieren sollte? Die richtig erfolgreichen Menschen im Business, gerade die, die in jungen Jahren sehr starke Fortschritte machen oder im unternehmerischen Kontext sehr erfolgreich sind, sind kaum beschäftigt. Sie sind nicht getrieben von ihrem Alltag. Sie würden niemals sagen, dass sie busy sind. Sie sind motiviert, sie haben viel zu tun, sie haben einen sehr vollen Tag. Aber sie sind nicht busy oder getrieben. Damit würden sie sich nicht identifizieren.
Kleiner Ausflug. Aber letzten Endes ist das Punkt eins, die erste Taktik: dieses Regret Minimization Framework. Unglaublich wichtig. Denn ich habe so viele Ingenieure begleitet, die dieses Thema alle auf der Agenda haben, aber komischerweise sagen: Ja, irgendwann gehe ich das an. Und meistens ist „irgendwann“ nur ein Zeichen für eine Kombination aus zwei Dingen. Erstens fehlt Klarheit für den nächsten Schritt. Ihnen fehlt konkretes Wissen. Sie wissen nicht, was sie jetzt konkret tun müssen, um Fortschritt zu machen. Denn wenn sie das wüssten, wäre es relativ einfach: Dann kann ich für nächste Woche fünf Stunden einplanen und den ersten Schritt gehen. Aber das Thema Selbstständigkeit ist für viele so riesengroß, dass sie einfach nicht wissen, was der nächste einfache Schritt ist.
Das zweite Thema ist, dass sie ungeübt darin sind, mit dieser Unsicherheit umzugehen. Ungeübt darin, für sich selbst die Woche zu planen, zu überlegen: Was sind die Tätigkeiten, die ich jetzt angehe? Was würde ich überhaupt machen? Einen Business Case ausarbeiten, die Zielgruppe identifizieren, die Probleme der Zielgruppe verstehen, ins Gespräch kommen, Sales-Fähigkeiten aufbauen, Product Market Fit identifizieren. Es sind so viele Fähigkeiten. Und letzten Endes ist es so: Jede Person, die sagt „ich habe da Interesse dran, mich reizt dieses Thema“, sollte im ersten Schritt Wissen aufbauen. Um ganz klar zu verstehen: Was ist eigentlich die Roadmap? Was muss ich jetzt konkret tun? Was ist mein nächster kleiner Micro-Step? Und das ist in den meisten Fällen schon sehr, sehr einfach.
Denn wenn dich dieses Thema wirklich reizt, dann ist nicht „irgendwann“ die Zeit, sondern in den meisten Fällen ist jetzt der richtige Zeitpunkt loszulegen. Du würdest ja auch nicht sagen: Ich will irgendwann mal einen Marathon laufen und fange vielleicht irgendwann an zu trainieren. Klar, den vollen Sprung zu machen und zu sagen „ich laufe jetzt meine Bestzeit im Marathon“, das ist etwas anderes. Und natürlich ist nicht für jeden in jeder Situation Unternehmertum gerade das richtige Ziel, von der Kurzfristigkeit her. Aber der Grundgedanke ist: Beim Marathon fällt es jedem sehr einfach zu verstehen, was zu tun ist. Nämlich laufen zu gehen. Jeder weiß: Wenn ich nicht laufen gehe, dann wird das auch nichts mit dem Marathon. Also muss ich trainieren. Ich muss jede Woche etwas dafür tun, und ich brauche einen Trainingsplan.
Beim Unternehmertum fällt es Leuten ganz schwer zu verstehen, was diese Aktivitäten sind, die sie tun müssen, um schrittweise in diese Richtung zu kommen. Ein Marathon zu laufen ist übrigens viel greifbarer als Unternehmertum oder Selbstständigkeit. 42 Kilometer laufen, das kann ich irgendwie greifen. Für viele ist Unternehmertum dagegen schwer zu greifen, weil es tausende Facetten hat. Du kannst versuchen, ein Unicorn mit Investorengeldern aufzubauen. Du kannst genauso gut Solopreneur sein. Du kannst ein kleines Side-Projekt haben, als Berater oder Speaker aktiv sein, als Coach. Oder ein kleines Boutique-Business mit einem kleinen Team aufbauen. Es gibt tausend Varianten. Und vielleicht ist das sogar der erste Schritt überhaupt: zu verstehen, was ich eigentlich will. Was sind die Elemente, die mich reizen? Und dann im nächsten Schritt wirklich zu schauen, was ganz konkret die nächsten Schritte sind.
Meiner Erfahrung nach, ich wiederhole es, ist der erste Schritt meistens, ein, zwei Bücher zum Thema in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden. Denn Unternehmertum ist am Ende ein ganz klarer Weg des Lernens. Es zwingt einen zum Lernen, gerade weil es ein Pathless Path ist. Das ist Punkt Nummer eins. Ich merke schon, in dieser Folge gehe ich ganz viele Abbiegungen nach links und rechts. Aber ich hoffe, es sind einige wertvolle Impulse dabei.
Taktik Nummer zwei, und die ist wirklich nicht zu unterschätzen. Mit dieser Unsicherheit konfrontiert zu sein, hat auch viel mit dem Risikoempfinden zu tun. Wenn ich dir jetzt sage, du sollst morgen deinen Job kündigen, um dich selbstständig zu machen, dann erzeugt das für viele ein riesiges Gefühl von Unsicherheit, ein riesiges Risikoempfinden. Aber Unternehmertum muss gar nicht riskant sein. Das stelle ich immer wieder fest: Viele, die den Wunsch haben, Unternehmer zu werden, haben eine große psychologische Hürde, weil sie das Gefühl haben, das sei unglaublich riskant. Es gibt aber verschiedene Mittel und Wege, dieses Risiko zu minimieren. Und das wäre mein zweites Framework, mein zweites taktisches Element. Das erste ist Regret Minimization, das zweite ist Risk Minimization.
Risk Minimization bedeutet, Risiken zu minimieren. Für mich persönlich war damals das wichtigste Element, finanzielle Rücklagen aufzubauen. Ich hatte mir Rücklagen für zwei Jahre angespart, und das hat mir vieles ermöglicht. Der Schritt, zu kündigen und einfach ohne Plan loszulaufen, fiel mir dadurch leichter, weil ich Vertrauen in mich selbst hatte. Ich wusste: Wenn ich zwei Jahre lang Vollgas in Vollzeit an meiner Selbstständigkeit arbeite, dann bekomme ich das irgendwie geregelt. So viel Vertrauen hatte ich in mich. Und wenn nicht, wenn ich es in zwei Jahren nicht schaffe, einen positiven Cashflow aufzubauen, dann ist das vielleicht auch nicht mein Weg. Das hat mir die Entscheidung sehr stark erleichtert und den Weg geebnet. Das hat ein paar Jahre vorher angefangen, dass ich diese Rücklagen aufgebaut habe. Das war für mich persönlich sehr wertvoll.
Gleichzeitig würde ich das heute nicht mehr genauso machen. Ich habe wirklich gekündigt, um dann in Vollzeit direkt an der Selbstständigkeit zu arbeiten. Das würde ich heute nicht mehr so machen. Es gibt bessere, smartere Wege. Das habe ich in den letzten Jahren mit einigen ambitionierten Ingenieuren gespürt, im Rahmen des IntraMBA und danach. Also mit Menschen, die Interesse daran hatten, das Thema Selbstständigkeit weiter zu verfolgen, und die tiefer eingestiegen sind. Der Weg, der sich aus meiner Sicht für die meisten bewährt hat, nicht für jeden, denn auch das ist in jedem Kontext anders. Es gibt keine Schablone, keinen Blueprint für Unternehmertum. Jede Persönlichkeit ist unterschiedlich. Jedes Unternehmen sieht anders aus. Das ist am Ende dein Spielplatz, du kannst daraus machen, was du willst.
Im Hinblick auf Risikominimierung ist eine Facette also, finanzielle Rücklagen zu haben. Das zweite ist: Du musst nicht kündigen. Starte mit deinem Side-Business. Und ein Side-Business bedeutet am Ende dasselbe wie das, was ich eben vom Marathon erzählt habe. Es gibt nur eine einzige Kennzahl, und die ist unglaublich simpel: Stunden pro Woche, investiert in die Selbstständigkeit. Wie viele Stunden investierst du jede Woche in die Selbstständigkeit? Wenn wir das von null auf eins, zwei, drei, vier, fünf, vielleicht sogar bis zu zehn Stunden pro Woche hochbekommen, dann ist das die halbe Miete. Denn am Ende gilt: Good things take time. Selbstständigkeit dauert unglaublich lange.
Ich habe hier in anderen Folgen schon von der sogenannten Tragzeit gesprochen. Eine Idee kann man einfach nicht abkürzen. Gerade Selbstständigkeit und Unternehmertum brauchen eine gewisse Reife. Ich kann eine Schwangerschaft nicht von neun Monaten auf drei Monate verkürzen. Das funktioniert nicht, das ist biologisch notwendig. Auch beim Unternehmertum gibt es viele solcher Effekte, die einfach Zeit brauchen. Deswegen ist es gut, frühzeitig zu starten und einfach anzufangen, Zeit zu investieren.
Wenn du eine einzige Kennzahl trackst und ab morgen anfangen möchtest, aktiv an deiner Selbstständigkeit zu arbeiten, diesen Schritt vom Ingenieur zum Unternehmer zu machen, dann tracke, wie viele Stunden pro Woche du dich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt. In den ersten Wochen darf das auch bedeuten, Bücher zu diesem Thema zu lesen. Hauptsache, du fängst an, fünf bis zehn Stunden jede Woche zu investieren. Dann ist es gar nicht vermeidbar, dass du in einigen Monaten und Jahren Fortschritt machst und irgendwann an den Punkt kommst, an dem du den Sprung machen kannst.
Denn am Ende ist der Prozess beim Unternehmertum immer der gleiche. Am Anfang hast du überhaupt keine Ahnung. Das ist vollkommen normal. Und das ist übrigens ein wichtiger erster Schritt: Du hast vielleicht viele Hypothesen, aber du hast ein riesengroßes Fragezeichen. Diese unternehmerische Methode erst mal zu lernen, das ist vielleicht der erste Schritt. Und sie dann auch anzuwenden. Die unternehmerische Methode ist eigentlich relativ einfach. Am Anfang musst du nur zwei Bücher lesen. Das erste Buch ist „$100M Offers“ von Alex Hormozi. Das zweite ist „The Mom Test“ von Rob Fitzpatrick.
Warum diese beiden Bücher? Am Anfang geht es wirklich nur darum, und das ist bei „$100M Offers“ der Fall, zu verstehen, wie Angebotsgestaltung funktioniert. Und die Angebotsgestaltung beginnt immer mit einem Prinzip von Jeff Bezos, über das ich hier im Podcast letztens auch gesprochen habe: Working Backwards. Working Backwards bedeutet, immer zu fragen: Wer ist der Kunde? Wer ist der potenzielle Kunde, wer ist meine potenzielle Zielgruppe? Und von da aus rückwärts zu denken. Rückwärts bedeutet: Was haben diese Menschen für Probleme?
Die unternehmerische Methode bedeutet am Ende nichts anderes als raten. Das klingt banal, aber es ist raten. Innerhalb von 15 Minuten kannst du eine Hypothese aufstellen. Du rätst, indem du sagst: Zielgruppe, das weiß ich nicht, Zielgruppe sind zum Beispiel, ich nehme irgendwas, wenn du dich für Autos interessierst, für Pkw, dann sagst du: Gut, Werkstätten, ich bin Bastler, also sind Werkstätten meine Zielgruppe. Was haben Werkstätten für Probleme? Dann gibt es einige Leitfragen, die du dir stellen kannst, vielleicht mit ChatGPT. Was lässt die Besitzer einer Werkstatt nachts wach liegen? Eine wertvolle Frage. Du kannst ein kleines Brainstorming machen. In der Regel kommst du mit zehn, 15 Minuten ChatGPT oder einem anderen LLM auf erste Hypothesen. Dann sagst du: Okay, Werkstätten haben das Problem, ich nehme das mal als Beispiel, der Kundengewinnung. Und wenn das das Problem ist, dann hast du erst mal eine Hypothese.
Und dann ist die Frage: Wie stimmt das? Also mit dieser Zielgruppe ins Gespräch zu gehen. Das ist natürlich ein super zufälliges Beispiel, du kannst hier alles Mögliche nehmen. Aber wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt und diese unternehmerische Methode erst mal versteht, dann stellt man fest: Du brauchst keine Geschäftsidee, du brauchst keinen großen Businessplan. Du brauchst erst mal ein Verständnis dieser Methode, und dann jede Woche ein paar Stunden zu investieren, um Fortschritt zu machen.
Und hier schließt sich der Kreis. Denn jetzt kommen wir zu dem Punkt, den ich eingangs gesagt habe. Nehmen wir ein anderes Beispiel. Du bist im Bereich Qualitätsmanagement, so wie es bei mir damals der Fall war. Du kümmerst dich um die 9001-Zertifizierung, um Qualitätsmanagement-Zertifizierung, oder um Umweltzertifizierung, solche Dinge. Und du möchtest diese Dienstleistung als Berater anbieten. Dann kannst du überlegen: Wer ist meine Zielgruppe? Wer ist das Unternehmen, wer sind die Entscheider innerhalb des Unternehmens? Was sind deren Probleme, was ist die Lösung? Dieses Beratungsangebot zum Beispiel.
Was ich in dem Kontext immer machen würde, wäre Modeling of Excellence. Ein gutes Zeichen ist immer, wenn es am Markt bereits Leute gibt, die das gleiche Angebot haben, gerade wenn du neu anfängst. Als Unternehmer willst du eigentlich gar nicht innovativ sein. Ein schönes Beispiel: An jeder dritten Ecke gibt es eine Tankstelle, an jeder dritten Ecke einen Bäcker. Das sind bewährte Geschäftsmodelle. Wenn du als Unternehmer starten willst, dann solltest du dich definitiv daran orientieren. Viele haben da den Trugschluss, das falsche Verständnis, dass sie denken, sie müssten innovativ sein. „Ach, es gibt doch schon einen Bäcker, es gibt doch schon eine Tankstelle.“ Das ist aber nicht der Fall.
Prinzipiell ist das der erste Schritt: Als Unternehmer sich diese Fragen zu stellen und dieses Konzept auszuarbeiten. Meistens dauert es eine halbe Stunde, und du hast eine grobe Idee davon. Dann bist du ready. Und jetzt kommt das entscheidende Stichwort: Unsicherheit. Bist du ready, deinen Schreibtisch zu verlassen? Denn genau da geht es los, dass Leute sich mit dieser Unsicherheit sehr unwohl fühlen. Nämlich mit Tankstellenbetreibern, mit Bäckern oder mit Werkstätten mal zu telefonieren. Oder, wenn du Beratungsdienstleistungen im Bereich Qualitätsmanagement anbieten möchtest, mal herauszufinden, wie du über LinkedIn Kontakt zu den richtigen Personen aufnimmst. Mit ihnen ins Telefonat zu gehen, per Zoom-Call oder vielleicht sogar sie persönlich zu treffen und mit ihnen zu sprechen.
Davor haben die meisten Respekt. Weil sie nicht dumm aussehen wollen, weil sie keine Fehler machen wollen. Weil sie das alles am Schreibtisch lösen wollen, bevor sie in den Markt gehen. Aber so funktioniert Unternehmertum nicht. Das ist eine der wichtigsten Marketingkompetenzen. Es gibt einen schönen Satz: Marketing ist auch nur ein fancy Wort für Testen. Und wie ich eben meinte: Du musst raten und dann testen. Du musst eine Hypothese für deine Zielgruppe aufstellen und dann testen. Am Anfang ist das einfach nicht zu umgehen.
Das bedeutet: Wenn du Unternehmer werden willst, kannst du diesen ganzen Prozess relativ kurz halten. Jeder hat die Zeit zu sagen: Okay, nächste Woche gehe ich zum nächsten Bäcker und frage am Tresen, wer hier der Chef ist. Das sind banale Beispiele, natürlich. Aber versuche, ins Gespräch zu kommen, und versuche, sie zu interviewen. Und da kommt das zweite Buch ins Spiel, das ich empfohlen habe: „The Mom Test“. Denn dabei kann man einiges falsch machen. Man sollte auf jeden Fall die Kompetenz aufbauen, richtig herauszuarbeiten, was eigentlich die Probleme dieser Person sind.
Denn Unternehmertum ist nichts anderes als Probleme zu lösen. Wir alle lösen auch in unserem Angestelltenjob den ganzen Tag Probleme. Als Unternehmer geht es darum, zu identifizieren, wo im Markt es Probleme gibt. Und wo im Markt es Probleme gibt, die ich lösen kann, wo ich einen wertvollen Beitrag zur Problemlösung leisten kann. Nichts anderes ist Unternehmertum: dass du ein Problem identifizierst, deine Lösung anbietest, und dass der Kunde das am Ende auch entsprechend wahrnimmt und bereit ist, dir dafür Geld zu bezahlen. Da sind natürlich noch Marketing- und Vertriebsfähigkeiten im Spiel. Der Kunde muss dir vertrauen, dass es auch stimmt, was du sagst, und dann bereit sein, dir für deine Dienstleistung Geld zu zahlen. Aber im Grunde ist es das. Das sind die First Principles des Unternehmertums. Das ist nicht wirklich komplex. Den meisten fehlt einfach das Wissen von dieser unternehmerischen Methodik. Und der viel wichtigere Punkt ist, dass der Umgang mit der Unsicherheit für sie unerträglich ist. Den Schreibtisch zu verlassen und ins Gespräch zu gehen.
Aber ich kann dir sagen: Gerade am Anfang, wenn du es runterbrichst auf die Frage „Wie viele Stunden kann ich jede Woche investieren?“ und dann auf zwei, drei Kernaktivitäten. Über das Thema Kernaktivitäten habe ich, glaube ich, in Kapitel 4 von „No Zero Days“ gesprochen. Das kannst du dir in dem Zuge gerne noch mal anschauen. Für Unternehmertum gilt genau das Gleiche wie für das Intrapreneur-Dasein als Angestellter. Was sind die wichtigsten zwei, drei Aktivitäten, mit denen ich wirklich Fortschritt mache? Wenn du da Klarheit hast, wenn du jede Woche ein Zeitfenster einplanst, die richtigen Aktivitäten planst und sie auch wirklich jede Woche umsetzt, dann wirst du Fortschritt machen. Dann wirst du in zwei, drei Monaten ganz woanders stehen als heute. Und in einigen Jahren wirst du dich wundern, wie weit du beim Thema Unternehmertum vorangekommen bist.
Und jetzt, um den Bogen zum Thema Risikominimierung zurückzuspannen: Das alles geht nebenberuflich. Dafür musst du nicht kündigen. Du brauchst keine Millionen-Idee, keinen Businessplan, keine Investoren. Das brauchst du alles nicht. Du kannst nebenberuflich im kleinen Rahmen genauso starten. Mir persönlich, ich habe es damals nicht in dieser Form gemacht. Wenn ich mir selbst vor acht, neun Jahren, als ich den Sprung gemacht habe, einen Rat gegeben hätte, dann wären es genau diese beiden Punkte. Den ersten Punkt habe ich befolgt: dem wichtigen Thema der Dringlichkeit Raum zu geben, es zu priorisieren und diesen Sprung zu wagen. Das Thema Risikominimierung habe ich damals nur aus finanzieller Sicht gemacht. Ich habe es eben nicht während des Angestelltendaseins gemacht.
Direkt als ich gekündigt hatte, habe ich Geld in diverse Mentoring- und Coaching-Programme investiert, um Wissen aufzubauen. Das war goldwert, weil ich unglaublich viele blinde Flecken hatte. Wenn man das nicht gelernt hat, weiß man davon auch nichts. Aber rückblickend weiß ich: Das war nicht der smarte Weg. Der Weg, den ich gegangen bin, war unnötig riskant. Und ich kann aus eigener Erfahrung rückblickend sagen: Diesen Struggle kann man sich ersparen. Den Stress muss man nicht haben. Denn eine gewisse Burn Rate zu haben, wenn du auf deinem Konto siehst, dass da jeden Monat 5.000 oder bis zu 10.000, 15.000 Euro als Burn Rate weggehen, gerade wenn du auch ein Team hast, also negativer Cashflow, das löst einen gewissen Stress aus. Und den kann man sich ersparen, den braucht man nicht.
Einige Menschen können damit eher umgehen. Das ist zum Beispiel nichts für mich persönlich, dieses ganze Thema, klassisch Investorengelder einzusammeln und dann mit großer Burn Rate auf Skalierung hin zu optimieren. Ich kann das gut verstehen, aber das ist nicht meine Art des Unternehmertums. Das ist nichts, was mir persönlich liegt oder woran ich Freude habe. Das heißt aber nicht, dass es ein falscher Weg ist. Im Gegenteil. Da sind Menschen unterschiedlich.
Und der Weg, den ich dir gerade beschrieben habe, mit diesem Skillset, mit diesem Wissen, mit dieser Methodik, da gibt es nahezu keine Risiken. Natürlich gibt es keine Garantien. Es gibt nie Garantien. Denn am Ende ist es ein Test, Product Market Fit. Ich würde sogar noch ergänzen: Product Market Founder Fit. Denn am Ende sollte der Product Market Fit auch zu dir als Persönlichkeit passen, zu deinen Werten, deinen Prinzipien, deinem Persönlichkeitstyp. Das kann einige Iterationsschleifen brauchen, um etwas zu finden, das wirklich einen nachhaltigen Cashflow generiert. Aber prinzipiell braucht das keine Risiken. Du musst nicht warten, bis irgendwann ein Moment kommt. Im Gegenteil, ich würde jedem empfehlen, frühzeitig damit zu starten. Gerade weil es unheimlich viel Zeit braucht, den Umgang mit der Unsicherheit und dieses Skillset aufzubauen. Das unterschätzen die meisten.
Wenn du jetzt noch zehn, 20 Jahre wartest, dann wird nicht automatisch etwas passieren, sodass du irgendwann bereit bist. Du kannst frühzeitig starten. Und du brauchst dafür auch nicht mega viel Zeit. Natürlich hat es einen Effekt, ob du 40, 50, 60 Stunden die Woche investierst oder fünf. Mehr Zeit bringt Vorteile. Aber es gibt auch Diminishing Returns. Nur weil du mehr Zeit hast, machst du nicht automatisch schnellere Iterationsschleifen und schnellere Learnings. Deswegen ist vielleicht 10, 20, 30 Stunden pro Woche fast schon das Maximum, jedenfalls für die Art und Weise, die ich gerade beschrieben habe.
Das sind ein paar Impulse. Um den Kreis zum Ende zu bringen: Ich wurde vor einigen Wochen gefragt, wie ich diesen Schritt vom ambitionierten Ingenieur gemacht habe. Wer mein Buch gelesen hat, der weiß, dass ich viele spannende Herausforderungen und Aufgaben haben durfte. Ich durfte viel Verantwortung übernehmen, viele tolle Dinge sehen, auch in jungen Jahren viel lernen. Und dennoch habe ich irgendwann den Sprung ins kalte Wasser gemacht. Das ist etwas, wofür ich meinem früheren Ich unglaublich dankbar bin. Diesen Schritt gemacht zu haben. Denn man durchläuft in diesen Jahren eine unheimliche Transformation.
Und dieses Gefühl von Unsicherheit, das kann ich noch sagen, geht vielleicht niemals weg. Das Gefühl von Unsicherheit habe ich heute noch. Ich habe nur andere Werkzeuge, um damit umzugehen. Ich bin reflektierter und reifer geworden. Ich kann mich besser orientieren, weil ich ein anderes Skillset habe. Die Fähigkeit zu wissen, was hier gerade passiert, ist definitiv hilfreich. Nichtsdestotrotz sind die Entscheidung für Unsicherheit und all das einfach ein fester Bestandteil des Unternehmerdaseins. Das gilt aber nicht nur für Unternehmer, sondern auch für Führungskräfte, für höhere Führungskräfte, für die Geschäftsführung, auch als Angestellter.
Deswegen kann ich sagen: All das, was ich hier besprochen habe, gilt nicht nur für Unternehmer, sondern auch für Intrapreneure. Wenn du innerhalb des Unternehmens eine unternehmerische Rolle einnehmen möchtest, wenn du proaktiver arbeiten möchtest, dann ist es unheimlich wichtig, diesem Gefühl von Unsicherheit nicht aus dem Weg zu gehen. Sondern dich ihm zu stellen, zu lernen, damit umzugehen, und es als festen Bestandteil deines Berufslebens willkommen zu heißen. Wer auf ein Gefühl von Sicherheit oder Gewissheit wartet, der wird garantiert niemals Unternehmer werden. Der wird auch kein Intrapreneur werden. Der wird niemals die Chancen ergreifen, unternehmensintern Verantwortung zu übernehmen und coole neue Projekte zu initiieren. Und genau das ist eine Fähigkeit, eine Eigenschaft, die dir sehr gut tut, wenn du das Thema ernst nimmst und dich ihm öffnest.
Sei da vielleicht auch ein bisschen ehrlich mit dir selbst. Denn ich weiß: Bei vielen, die das auf der Agenda haben und sagen „langfristig will ich dahin“, steckt am Ende ein einziges Thema dahinter. Und das ist das Thema Angst, diese Unsicherheit. Sobald man das Verständnis dafür hat, dass man nur Zeit investieren muss, dass es normal ist, diese Unsicherheit zu spüren, dass sie ganz normal dazugehört. Das ist übrigens etwas, was ganz viele Unternehmer verbindet. Es schafft eine emotionale Verbindung zwischen Unternehmern, das Gefühl, dass andere dieses Gefühl kennen. Dass sie diesen Weg auch gehen, täglich mit dieser Unsicherheit konfrontiert sind, Pionierarbeit leisten müssen, Entscheidungen treffen, die wirklich große Risiken mit sich bringen.
Wenn man diesen Weg geht, dann gewinnt man übrigens auch eine tiefe Empathie für Menschen in der Unternehmensführung. Für Menschen, die strategische Verantwortung im Unternehmen tragen. Viele Ingenieure, mit denen ich zusammengearbeitet habe, die vielleicht noch relativ unreif und am Anfang ihres Berufslebens sind, haben noch wenig Empathie. Weil sie noch keine Berührungspunkte mit diesem Level an Unsicherheit haben, mit diesem Level an Verantwortung, das man da tragen muss. Und je mehr man sich selbst damit auseinandersetzt, je mehr man diesen Weg auch mal selbst gehen möchte, desto mehr Empathie gewinnt man. Ich habe viele Ingenieure kennengelernt, die den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht haben. Die plötzlich eine ganz andere Form von Respekt für ihre Geschäftsführung, für die strategische Führung des Unternehmens gewinnen konnten. Bei denen das Maß an Empathie gesteigert wurde und die noch eine ganz neue Facette des Berufslebens kennenlernen durften.
Denn am Ende, und das ist auch etwas Schönes, ich weiß nicht, wie es dir nach all diesen Abbiegungen in dieser Folge ergeht, was deine Gedanken sind. Ich möchte natürlich keinen Respekt, keine Angst und keine Sorgen auslösen. Eine gewisse Naivität ist auch wichtig, die ich damals zum Beispiel hatte, als ich den Sprung gemacht habe. Am Ende kann ich nur sagen: Geh den Schritt. Mach es im kleinen Rahmen. Geh die ersten kleinen Schritte. Wenn du dazu Fragen oder Gedanken hast, schreib mir jederzeit gerne bei LinkedIn. Uns haben schon einige Menschen geschrieben, über LinkedIn ist der kürzeste Weg.
Ich merke nämlich jedes Mal, wenn ich mit solchen Ingenieuren spreche, die sagen: Oh, ich würde so gerne in dieses Thema einsteigen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, und ich prokrastiniere irgendwie. Dann blutet mir ein bisschen das Herz. Manchmal ist es nur ein kleiner Impuls, der dich ein bisschen ins Handeln bringt. Wenn dir der Impuls fehlt, schreib mir gerne.
Und wenn das Ganze für dich generell spannend ist, nicht nur im Rahmen des Unternehmertums. Denn ich weiß auch: Es gibt viele Ingenieure, die müssen nicht zwangsläufig gründen. Man muss nicht gründen. Oft ist der Weg als Intrapreneur tatsächlich der bessere. Unternehmensintern ist das noch mal eine Form, in der man viele Freiheiten bekommen kann, ohne ständig mit der maximalen Unsicherheit des Marktes konfrontiert zu sein. Ich habe so viele Intrapreneure kennengelernt, die unternehmensintern unglaublich viele Freiheiten bekommen. Das ist für einige Menschen genau der richtige, oft sogar der bessere Weg.
Deswegen, wenn dich das Thema interessiert, schau gern auf intra.mba vorbei. Du kannst auch einfach „IntraMBA“ googeln. Das ist das Mentoring-Programm, in dem ich im Rahmen von Mentorwerk Ingenieure auf dem Weg in strategische Verantwortung unterstütze, indem wir dich zum Intrapreneur ausbilden. Schau da gern vorbei. Wenn dir das ganze Thema Intrapreneur noch gar nichts sagt, dann würde ich damit vielleicht gar nicht starten, sondern eher mit meinem Buch „No Zero Days“. Das ist die Kernidee, wie du dich vom Ingenieur zum Intrapreneur entwickeln kannst. „No Zero Days“ ist damit der erste Schritt. Und wenn du das alles schon gelesen hast, wenn du auch schon im IntraMBA warst, es hören ja auch einige zu, die das durchlaufen haben, und du trotzdem das Bedürfnis hast, diesen Schritt zu machen, aber nicht weißt, was der nächste Schritt ist, dann schreib mir einfach gerne über den Link. Dann gebe ich dir gerne einen kleinen Impuls.
Wir haben in dieser Folge eine ganz schöne Reise gemacht. Ich hoffe, es waren einige Impulse für dich dabei. Das soll es gewesen sein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.